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E-Mobility

Nullemissionsfahrzeuge stellen ein Zehntel der neu zugelassenen Kfz in Kanada und gewinnen kräftig Marktanteile. Die Ziele der Regierung für den ZEV-Absatz sind ehrgeizig.

Von Daniel Lenkeit | Toronto

Kanada will globale Vorreiterrolle bei ZEV einnehmen

Kanada setzt verstärkt auf Elektromobilität. Die starke Klimaschutzagenda der Regierung mit der klaren Zielsetzung, den Markt für Zero Emission Vehicle (ZEV) schnell auszubauen und die steigende Nachfrage nach Elektroautos in der kanadischen Bevölkerung ebnen den Weg für E-Mobility in Kanada. Dazu kommen Förderprogramme für den Kauf von ZEV. 

Premierminister Justin Trudeau sieht darüber hinaus in der fortgeführten Integration der Lieferketten in der Automobilindustrie mit dem langjährigen Partner USA gute Chancen für einen Wandel der kanadischen Autoindustrie hin zur Elektromobilität. Trudeau betont dabei auch den in Kanada vorhandenen Reichtum an mineralischen Rohstoffen, die unter anderem für Batterieproduktionen nötig sind und die Kanada als verlässlicher Partner mit den nötigen Umwelt- und Menschenrechtsstandards beisteuert. Diese Rahmenbedingungen, glaubt die Regierung, sind ein Grund für die kürzlich zugesagten Investitionen von Ford, GM und Stellantis in kanadische Lieferketten für ZEV.

Einen Stein ins Getriebe werfen könnten dabei drastische Maßnahmen wie die von den USA kürzlich vorgeschlagene Begünstigung für in den USA gefertigte Elektroautos. Die Förderung käme einem Zoll auf kanadische E-Autos von über 30 Prozent gleich und führte zu schweren Protesten der kanadischen Regierung und der Ankündigung von Gegenmaßnahmen.

Sportliche Zielsetzung für den Absatz von Nullemissionsfahrzeugen 

Kanadas Regierung will den CO2-Ausstoß im Transportsektor radikal reduzieren, da dieser die zweitgrößte Quelle für Treibhausgasemissionen (THGE) im Land ist. Kanada hat Ambitionen, bei der Nutzung von ZEV zur Weltspitze aufzusteigen und will den lokalen Markt für ZEV mit Kaufanreizen aufbauen. Ziel der Regierung ist es, die Quote an ZEV bei den Pkw-Verkäufen in Intervallen bis 2035 auf 100 Prozent zu steigern. Bis 2030 soll die Quote 50 Prozent betragen. Um diese Ziele zu erreichen, bedarf es eines sehr großen Nachfrageschubs, sollen bereits 2035 ausschließlich ZEV in Kanada verkauft werden. Pkw geben in Kanada aktuell etwa 11 Prozent aller THGE ab.

Folgen der Zielsetzung weitere Taten in der Förderung, wird Kanada auch in den nächsten Jahren ein interessanter Markt für ZEV bleiben. Aktuell fahren etwa 200.000 ZEV auf kanadischen Straßen. Das sind weniger als 1 Prozent der hier zugelassenen Kfz (light duty vehicle).

Nachfrage nach Elektroautos nimmt stetig zu - wenn Förderung vorhanden

Schon heute erlangen Elektroautos Jahr für Jahr ein größeres Stück vom Kuchen bei den Kfz-Zulassungen in Kanada. Die neuesten Zahlen aus dem Im 3. Quartal 2021 zeigen 23.962 neu zugelassene ZEV (inklusive Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge). Aktuell fallen also etwa 10 Prozent aller Neuzulassungen in Kanada auf ZEV. Im Vorjahr waren es noch 5,8 Prozent. Die Quote ist im Vergleich zu einzelnen europäischen Ländern zwar noch gering, bildet aber die Spitze im nordamerikanischen Markt. Das mit Abstand meistverkaufte ZEV in Kanada ist Teslas Model 3 (12.800 Stück, 2021), gefolgt vom Hyundai Kona (6.900), dem Tesla Y (6.400) und dem Chevrolet Bolt (4.700). Erste deutsche Automarke in der Liste ist an Stelle 12 der Volkswagen ID 4.

Die Coronakrise führte zu einem Absatzeinbruch im Kfz-Markt insgesamt, sowohl 2020 als auch 2021. Allerdings scheinen die Elektrofahrzeuge davon weniger betroffen als Autos mit Verbrennungsmotoren. Der Absatz von Benzinern sank vom 3. Quartal 2020 auf 2021 um 16 Prozent, der von Dieselfahrzeugen um 26 Prozent.

Noch immer sind aber höhere Anschaffungspreise ein wichtiges Hindernis beim Kauf von ZEV.  Die Kosten lagen nach Berechnungen von TD Economics 2020 noch immer 10.000 bis 20.000 US$ über dem Preis vergleichbarer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Doch mit stetig sinkenden Preisen erwarten Ökonomen eine Parität in der Anschaffung etwa 2023.

Interesse an ZEV regional unterschiedlich hoch

Seit der Einführung von Kaufanreizen für Fahrzeuge mit batterieelektrischen und Plug-in-Hybrid-Antrieben steigt deren Absatz. Käufe von Zero Emission Vehicle in der Kategorie leichte Fahrzeuge fördert die kanadische Regierung seit Mai 2019 mit bis zu 3.800 US$ (5.000 CAD) unter dem iZEV-Programm. Über drei Viertel des Förderbudgets unter iZEV (230 Millionen US$) waren nach gut einem Jahr bereits ausgeschöpft. Etwa 86 Prozent der genutzten Fördermittel wurden in Quebec und British Columbia abgerufen und über 53.000 Käufer nahmen den Rabatt insgesamt in Anspruch. In den Provinzen Quebec und British Columbia werden die meisten Elektroautos pro Kopf verkauft, gefolgt von Ontario. Erstere sind aktuell auch die einzigen Provinzen mit einem kombinierbaren, zusätzlichen Förderprogramm für den Erwerb eines E-Autos. Etwa 93 Prozent aller neuen ZEV wurden 2021 in Quebec, British Columbia und Ontario zugelassen; zwei Drittel davon sind batterieelektrische Fahrzeuge (BEV).

Ohne Förderung für den Kauf von ZEV ist eine stärkere Marktdurchdringung in Kanada bisher sehr schwierig. Das konnte gut in Ontario beobachtet werden: Nachdem die Kaufanreize Anfang 2019 gestrichen wurden, sank der Absatz von ZEV im nächsten Halbjahr um 50 Prozent und konnte bis heute nicht die Höhe von 2018 wiedererlangen. 

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