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Branchen | Kanada | Elektromobilität

Kanadas erstes Elektroauto - vom Prototypen zum Massenprodukt?

Das "Project Arrow", das erste kanadische Nullemissionsauto, geht in die nächste Phase. Jetzt wächst die Hoffnung, es könne mehr als ein Konzeptfahrzeug daraus werden.

Von Daniel Lenkeit | Toronto

Ende 2022 soll der Prototyp für das erste von A bis Z in Kanada gefertigte Elektroauto vorgestellt werden. Das Project Arrow sei in erster Linie eine Visitenkarte, versichert Flavio Volpe, Präsident des einflussreichen Kfz-Zuliefererverbands APMA. Es soll zeigen, wozu kanadische Kfz-Unternehmen fähig sind.

Zielsetzung war zwar immer die Fertigung eines einzigen Fahrzeugs, jedoch wollen Volpe und andere Beteiligte eine Massenproduktion nicht ausschließen. In diese Richtung scheint sich das Projekt zu bewegen. APMA versichert, es war nicht der Plan, eine kanadische Automarke ins Leben zu rufen. Gleichzeit betont Volpe, ohne konkret zu werden, dass dem Verband nahe gelegt wird, das Programm einen Schritt weiterzudenken.

Irgendwo zwischen gutem Marketing und dem Traum von einer neuen Automarke, einem "Tesla North", wie manche Unterstützer es nennen, bewegt sich das Projekt aktuell. Volpe ist vor allem wichtig, dass das Aushängeschild neue Aufträge für die Zulieferer in der E-Fahrzeugfertigung generiert.

Chefingenieur ist Fraser Dunn, der früher für Aston Martin Fahrzeuge entwickelte. Der Arrow (deutsch: Pfeil) ist als 4-Sitzer konzipiert und soll das Crossover-SUV-Segment (CUV) ansprechen. Das Chassis soll aus acht lasergeschnittenen, gepressten Teilen bestehen. Inspiration erhält der Arrow unter anderem vom Tesla Model Y.  Mit diesem und dem Volkswagen ID.4 soll das Fahrzeug am Ende auch konkurrieren: Die Projektentwickler streben Produktionszahlen von 60.000 Stück pro Jahr und eine Preisklasse von 30.000 bis 50.000 US-Dollar (US$) an.

Unterstützung für das Projekt ist breit - Produktion soll gänzlich lokal erfolgen 

Die kanadische Regierung hat sich dem Arrow mit 4 Millionen US$ verpflichtet; auch die Provinzen Ontario und Quebec werden das Projekt mit mehr als 1 Million US$ finanziell unterstützen. Zudem haben über 400 kanadischen Automobilzulieferer ihr Interesse an der Mitwirkung kundgetan und APMA verhandelt bereits mit einigen Dutzend Firmen über Lieferantenverträge. Mehr als 300 Unternehmen haben insgesamt etwa 80 Millionen US$ in Form von Technologie, Teilen und Ingenieursleistungen zugesagt, um den Arrow umzusetzen.

Die Batteriezellen werden ebenso inhouse entwickelt und nicht von Weltmarktführern wie CATL, LG oder Panasonic bezogen. Ein Joint Venture mit dem Namen VoltaXplore, geschlossen zwischen dem kanadischen Automobilzulieferer Martinrea und dem Graphen-Hersteller NanoXplore aus Montreal, wird zukünftig zylindrische Batteriezellen für Elektroautos herstellen. Auch die Batterietechnik für den Arrow ist in Kanada entwickelt worden, unter anderem von dem University of Ontario Institute of Technology und dem Automotive Center of Excellence in Oshawa.

Besonderes Augenmerk bei der Batteriefertigung liegt auf den klimatischen Bedingungen in Kanada. Da das Fahrzeug lange und harte Winter durchfahren muss, soll der Akkusatz entsprechend konditioniert werden und eine spezielle Temperaturkontrolleinrichtung erhalten. Ebenso wird die Innenraumbeheizung mit einem energiesparenden System betrieben. Des Weiteren soll der Arrow Spielraum für einen Brennstoffzellenantrieb erhalten. Die technische Ausstattung wollen die Entwickler so gestalten, dass sie den Standards von 2025 entspricht. Soll heißen, dass im Bereich autonomes Fahren das Level 3 (hochautomatisiertes Fahren) umgesetzt wird.

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