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Kasachstans größter Stahlproduzent Qarmet investiert Milliarden
Kasachstans größter Stahlproduzent Qarmet modernisiert seine Anlagen. Dabei wird auch auf deutsche Technologie gesetzt. Weitere Projekte folgen.
28.09.2026
Der ehemals als ArcelorMittal Temirtau bekannte Stahlhersteller Qarmet betreibt den größten integrierten Stahlkomplex Kasachstans in Temirtau (Gebiet Karagandy). Der Ausstoß stieg 2025 um rund 8 Prozent auf etwa 3,8 Millionen Tonnen Stahlerzeugnisse. Damit entfielen fast 90 Prozent der kasachischen Stahlproduktion auf das Unternehmen. Aktuell setzt Qarmet seinen Investitionsplan bis 2030 um. Insgesamt will das Unternehmen in den kommenden Jahren 3,5 Milliarden US-Dollar (US$) investieren.
beträgt der Anteil der Metallurgie am verarbeitenden Gewerbe in Kasachstan.
Das Geld fließt unter anderem in den Ausbau eigener Kohlebergwerke, Sicherheitsmaßnahmen, Umweltschutz und neue Ausrüstung. Zudem verfolgt Qarmet ambitionierte Pläne für die Stahlverarbeitung. Die robuste Nachfrage nach Stahlerzeugnissen in der Bauindustrie und im verarbeitenden Gewerbe führt dazu, dass auch neue Unternehmen in die Stahlproduktion in Kasachstan einsteigen.
Steigerung der Produktion auf 5 Millionen Tonnen bis 2030
Mehrere Grubenunglücke und ein Eigentümerwechsel leiteten vor einigen Jahren eine Transformationsphase ein. Qarmets Produktion entwickelt sich seitdem wieder positiv. Für 2030 hat sich das Unternehmen das Ziel gesetzt, die Stahlproduktion auf 5 Millionen Tonnen pro Jahr zu steigern. Das zentrale Modernisierungsprojekt dürfte der Bau von zwei neuen Kokereibatterien sein. Zudem sollen neue Verzinkungs- und Beschichtungsanlagen entstehen.
Um die Versorgung mit Brennstoff sicherzustellen, soll die Kohleförderung zwischen 2025 und 2030 von 7,5 Millionen auf 9,5 Millionen Tonnen steigen. Im Untertagebau investiert das Unternehmen neben der Automatisierung vor allem in die Sicherheit sowie in bessere Arbeitsbedingungen. Die Kohle wird auch langfristig eine wichtige Rolle für die kasachische Metallurgie spielen. Dennoch gibt es Bestrebungen, die Emissionen zu senken und umweltfreundliche Akzente zu setzen.
Neben neuen Abgasreinigungssystemen wurden bereits einige Öfen auf Erdgas umgestellt. Weitere sollen folgen. Ein Novum ist zudem die geplante Weiterverarbeitung metallurgischer Rückstände, die sich über Jahrzehnte angesammelt haben. Laut Presseberichten handelt es sich dabei um 320 Millionen Tonnen Schlacken, Schlamm, Asche sowie Rückstände aus der Kohle- und Eisenerzaufbereitung. Die Kreislaufwirtschaft in der Metallurgie könnte ein neuer Anknüpfungspunkt für deutsche Unternehmen sein.
| Projekt | Investitionen | Realisierungszeitraum | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| Umfassende Modernisierung bei Qarmet (Gebiet Karagandy) | 3.500 | Bis 2030 | Qarmet |
| Werk zur Produktion von heißbrikettiertem Eisen (Gebiet Kostanai) | 1.200 | 2025 bis 2028 | Sokolov-Sarbai Mining Production Association; Eurasian Resources Group |
| Metallurgiekomplex (Gebiet Schambyl) | 1.200 | Etappe 1: 2025 bis 2027; Etappe 2: 2027 bis 2029 | Fujian Hengwang Investment |
| Stahlwalzwerk (Gebiet Almaty) | 554 | Umsetzung; Inbetriebnahme 2027 | Asia United Steel |
| Stahlwerk (Taras) | 129 | Umsetzung; Inbetriebnahme 2028 | Taraz Production Complex; Guangdong Wangtai Supply Chain |
| Stahlrohrwerk (Gebiet Mangystau) | 49 | Umsetzung; Inbetriebnahme 2028 | Caspian Pipeline Plant; Stal Trade Group |
| Werk für nahtlose Rohre aus Edelstahl und Nickellegierungen (Gebiet Atyrau) | k.A. | Vorbereitung | Tubacex Group |
Neue Geschäftschancen bei Sekundärrohstoffgewinnung
"Industrieabfälle werden derzeit überwiegend ohne weitere Aufbereitung deponiert. Dadurch gehen zum einen wertvolle Reststoffe aus der Metallurgie verloren, die für die Sekundärrohstoffgewinnung genutzt werden könnten. Zum anderen entstehen insbesondere bei schwermetallhaltigen Rückständen erhebliche Risiken für die Umwelt“, sagt Anna Kim, die ein Projekt zur Kreislaufwirtschaft bei der AHK Zentralasien in Almaty leitet. Sie sieht in diesem Bereich großes Potenzial für die deutsch-kasachische Zusammenarbeit.
Deutsche Unternehmen liefern bereits Ausrüstung an Qarmet
Deutsche Ausrüstung kommt bei Qarmet bereits zum Einsatz. Das Unternehmen nutzt unter anderem Strebförderer der inzwischen insolventen Maschinenfabrik Halbach & Braun. Diese setzte bei ihren Fördersystemen für den untertägigen Kohlebergbau wiederum auf hochbelastbare Rundstahlketten von J.D. Theile, sagt Nunzio Vespa. Er ist im Vertrieb des Kettenherstellers aus Schwerte tätig. Im September 2026 reiste er mit einer deutschen Unternehmerdelegation nach Temirtau, um die Geschäftsbeziehungen mit Qarmet auszubauen.
Beschaffungsportal listet hunderte aktiver Ausschreibungen
Im Jahr 2024 ging Qarmets digitales Beschaffungsportal QPartners online. Mittlerweile sind laut Unternehmensangaben über 4.000 Firmen als Lieferanten und/oder Auftragnehmer gelistet. Nach erfolgreicher Zertifizierung erhalten interessierte Unternehmen Zugriff auf hunderte aktive Ausschreibungen.
Wie anspruchsvoll dies werden könnte, zeigt der Bau der rund 400 Millionen US$ teuren Kokereibatterien: "Ein chinesischer Generalunternehmer liefert das Komplettpaket aus Planung, Technologie und Bau. Das lässt wenig Raum für Lieferanten von spezialisierten Komponenten", erklärt Vespa im Gespräch mit Germany Trade & Invest. Auch andere Teilnehmende an der Delegationsreise stimmen dieser Einschätzung zu. Vor Ort bestehe jedoch die Chance, mit Entscheidungstragenden zu sprechen und diese von langlebiger und kundenspezifischer Ausrüstung "Made in Germany" zu überzeugen.
Wichtige Messen für Metallurgie und Metallverarbeitung in Kasachstan
- Kazakhstan Machinery Fair (31. März bis 2. April 2027) in Almaty
- Mining and Metallurgy Congress (10. und 11. Juni 2027) in Astana.
Produktpalette soll um neue Stahlerzeugnisse erweitert werden
Weitere Chancen könnten sich für deutsche Unternehmen durch den Ausbau der Produktpalette und die zunehmende Metallverarbeitung ergeben. Im Jahr 2026 begann der Bau eines Profilwalzwerks in Temirtau. Dort soll unter anderem hochwertiger Bewehrungsstahl für die Bauindustrie produziert werden. Für 2027 wurde der Bau eines Gießwalzwerks angekündigt. Dieses setzt auch auf technische Lösungen des deutschen Anlagenbauers SMS group. Ab 2028 will Qarmet Blechstahl sowie Karosseriebauteile für die aufstrebende kasachische Automobilindustrie herstellen.
Investoren kündigen Bau weiterer Metallurgiestandorte an
betrugen 2025 die Bruttoanlageinvestitionen in die Metallurgie und die Produktion fertiger Metallerzeugnisse in Kasachstan.
Positiv aus deutscher Sicht ist zudem, dass weitere Unternehmen in den Markt eintreten wollen. China Fujian Hengwang Investment hat mit der kasachischen Regierung vereinbart, 1,2 Milliarden US$ in einen integrierten Stahlkomplex zu investieren. Der Ausstoß soll langfristig auf 3 Millionen Tonnen steigen. Vorgesehen ist auch die Weiterverarbeitung zu Walzdraht, Bewehrungsstahl, Bandstahl für Rohre sowie Winkel- und Profilstahl.
Ein weiterer Akteur aus China hat mit dem Bau eines Stahlwerks im südkasachischen Taras begonnen. Chinesische Unternehmen dürften damit auch auf den Lokalisierungsdruck sowie Anti-Dumping-Zölle gegen chinesische Stahlerzeugnisse reagieren.
Die Nachfrage nach Rohren in der Öl- und Gasindustrie sowie bei kommunalen Versorgungsunternehmen hat unter anderem das spanische Unternehmen Tubacex auf den Plan gerufen. Vorgesehen ist die erste Fertigung von nahtlosen Rohren in Zentralasien, wie das Branchenportal GMK Center berichtet. Tubacex produziert bereits seit 2022 Komponenten in Atyrau und will sein Produktportfolio ausweiten. Mit Caspian Pipe Plant will 2027 auch ein einheimisches Unternehmen in die Stahlrohrproduktion einsteigen.