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Branchen | Kolumbien | Sicherheitstechnik

Pandemie steigert Nachfrage nach Sicherheitstechnik

Seit Beginn der Pandemie kommt es in Kolumbien vermehrt zu Datenklau und Cyberangriffen. Der digitale Sicherheitssektor bietet dadurch große Chancen für spezialisierte Firmen. 

Von Janosch Siepen | Bogotá

Gerade mit der Pandemie ist die Nutzung von Technologie zur Kommunikation rapide angestiegen. Auch die Kriminalität verlagerte sich zunehmend ins Digitale. Laut Zahlen des kybernetischen Zentrums der kolumbianischen Nationalpolizei stieg die Cyberkriminalität im Jahr 2020 um 82 Prozent im Vergleich zu 2019. Die meisten Angriffe fanden in der Hauptstadt Bogotá, gefolgt von Medellín statt. Gerade falsche Internetseiten und Datenklau sind deutlich gestiegen. Mit Stand Juli gab es in 2021 bereits 20.000 Cyberangriffe, ein Anstieg um 35 Prozent gegenüber der 1. Jahreshälfte 2020. Experten zufolge hängt der Anstieg der Cyberattacken mit Lockdown und Homeoffice zusammen. Branchenkenner gehen davon aus, dass 40 Prozent der Angestellten auch in Zukunft Telearbeit nutzen. Daher bleibt das Risiko durch Cyberangriffe auch in den kommenden Jahren bestehen.

Zu wenig Schutz vor Cyberangriffen

Kolumbien liegt insgesamt im Mittelfeld bei der Cybersicherheit. Gemäß dem Global Cybersecurity Index 2020 der Internationalen Fernmeldeunion liegt Kolumbien auf Rang 81 von 182 Ländern. Im lateinamerikanischen Vergleich ordnet sich das Land im Mittelfeld auf Rang 7 ein. Doch ist das Land bei Cyberangriffen für die Region überdurchschnittlich betroffen. Laut einem Bericht der Handelskammer für Informatik und Telekommunikation erhielt Kolumbien im letzten Jahr 30 Prozent der digitalen Erpressungsversuche in Lateinamerika. Dieser Prozentsatz erscheint im Vergleich zu Peru (16 Prozent), Mexiko (14 Prozent), Brasilien (11 Prozent) und Argentinien (9 Prozent) sehr hoch. Der Bericht zeigt auch, dass 83 Prozent der Unternehmen im Land keine Sicherheitsprotokolle zum Schutz von Informationen haben. Auch eine Studie der kolumbianischen Industrie- und Handelsaufsicht kommt zu dem Ergebnis: Ein Großteil des privaten und öffentlichen Sektors trifft keine ausreichenden Maßnahmen zum Datenschutz und vor Cyberangriffen. Lediglich 15 Prozent der 33.596 befragten Firmen und öffentlichen Einrichtungen haben einen Schutz von mehr als 76 Prozent.

Großes Potenzial auch für deutsche Firmen

Die kolumbianische Kammer für Informatik und Telekommunikation schätzt, dass in Lateinamerika in den nächsten fünf Jahren 149 Millionen Arbeitsplätze neu geschaffen werden, beispielsweise in Bereichen wie Softwareentwicklung, Cybersicherheit und maschinelles Lernen. Schon jetzt stellt Bosch Sicherheitssysteme am Flughafen von Bogotá durch Videokameras bereit. 

Allein im 1. Quartal 2020 erreichten die Gesamtinvestitionen in die Cybersicherheit weltweit 10,4 Milliarden US-Dollar (US$). Auch in Kolumbien wird der Sektor für Unternehmen aufgrund der wachsenden Herausforderungen attraktiver. Laut Heidi Schrader vom deutschen Unternehmen Perimeter Protection ändere sich das Bewusstsein im Land gerade auch beim Gebäude- und Anlagenschutz, wodurch das Unternehmen durch seine Sicherheitskonzepte profitieren könne. Kolumbien sei zudem aufgrund des guten Wirtschaftswachstums ein interessantes Land für den Einstieg in der Region. Dieser Meinung ist auch Guido Stock, Verkaufsdirektor beim Unternehmen GSMK, ein Anbieter von verschlüsselten Kommunikationssystemen. Dabei seien gerade die Regierung, Polizei und das Militär des Landes potenzielle Abnehmer. Laut Michael Orth vom Unternehmen Europlast-Nycast biete gerade die relativ hohe Gefahr durch Überfälle in Kolumbien Chancen, die Polizei und das Militär des Landes als Kunden für die Reifensicherheitssysteme seines Unternehmens zu gewinnen. 

Die Firma Utimaco aus Aachen hat sich auf Cybersicherheit spezialisiert und gab im Juni 2021 den Kauf der spanischen IT-Firma Realsec bekannt. Damit will der Konzern unter anderem seine Präsenz und Reichweite nach Lateinamerika vergrößern. In den ersten drei Monaten der Pandemie in Kolumbien stieg die Nachfrage nach digitalen Sicherheitsdienstleistungen um 40 Prozent, laut dem IT-Sicherheitsdienstleister Gamma Ingenieros aus Bogotá. Gemäß einer Studie des IT-Sicherheitsdienstleister Kaspersky sind inzwischen 55 Prozent der kolumbianischen Firmen bereit, in den nächsten drei Jahren ihr Budget für Cybersecurity zu erhöhen – sowohl kleine als auch mittlere und große Unternehmen.  

Kolumbien führt Blockchain-Technologie ein

Eine mögliche Lösung für die Problematik ist der Gebrauch von Blockchain-Technologie. Durch das Verfahren werden Daten dezentral gespeichert. Blockchain gilt dadurch als sicherer und transparenter als herkömmliche Informationstechnologien. Nach und nach soll die Blockchain-Technologie in Kolumbien auch im öffentlichen Sektor etabliert werden. Dazu präsentierte das Technologieministerium im Juli 2021 bereits einige Pilotprojekte, die in verschiedenen öffentlichen Institutionen getestet werden, unter anderem in der Landwirtschaftsplanungseinheit (UPRA) und der Nationalen Bodenagentur ANT. Die Technologie wird auch von der kolumbianischen Zentralbank gefördert. Hintergrund ist neben mehr Cybersicherheit auch die Bekämpfung der verbreiteten Korruption im Land. 

Polizei nutzt Datentechnologie

Die kolumbianische Regierung betrachtet den Gebrauch von Technologie zur Kriminalitätsbekämpfung inzwischen als wichtiges Werkzeug für die zivile Sicherheit. Bei der automatisierten Überwachung und Auswertung helfen in Bogotá 6.336 installierte Kameras, die an das Kommando-, Kontroll-, Kommunikations- und Rechenzentrum, C4 genannt, angeschlossen sind. Dadurch können in der Hauptstadt Ressourcen bei der Aufklärung von Straftaten gespart werden, die früher viel Personal und Zeit in Anspruch nahm. Die Stadt möchte bald 800 weitere Kameras anschaffen und bis zu 3.000 in den nächsten vier Jahren.

Neben einer Software zur Gesichtserkennung möchte die Polizei ein Überwachungssystem erwerben, das auf künstliche Intelligenz setzt. Der Kaufpreis dieses digitalen Instruments des Konsortiums Union Temporal Phoenix beläuft sich auf über 1 Million US$. Damit will die Polizei zukünftig unter anderem Menschenhandel, Identitätsdiebstahl und Betrug bekämpfen. 

Kontaktadressen

Bezeichnung

Anmerkung

MinTIC

Ministerium für Informations- und Kommunikationstechnologien

CCIT

Kolumbianische Kammer für Informatik und Telekommunikation

ACIS

Kolumbianischer Verband der Systemingenieure


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