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Branchen | Kroatien | Wasserstoff

Wasserstoffstrategie in Vorbereitung

Kroatien bereitet sich auf die Wasserstoffära vor. Energiekonzerne wie INA oder HEP planen bereits für die Zukunft.

Von Waldemar Lichter | Zagreb

Wasserstoff soll eine bedeutende Rolle in der Energiewirtschaft, im Verkehrssektor und in der Industrie des Landes spielen. Die Regierung will dessen Einsatz in den genannten Bereichen in den nächsten Jahrzehnten vorantreiben und den Aufbau einer leistungsfähigen Wasserstoffwirtschaft fördern.

Strategie soll 2022 verabschiedet werden

Welche Schwerpunkte dabei gesetzt und welche Förderinstrumente ausgewählt werden, wird in einer langfristigen Wasserstoffstrategie für die Jahre 2021 bis 2050 festgelegt. Deren Ausarbeitung wurde von der Regierung im Februar 2021 in Auftrag gegeben. Sie befindet sich gegenwärtig im Endstadium und wird voraussichtlich im 1. Quartal 2022 vom Parlament verabschiedet.

Kroatien bereitet sich damit darauf vor, dass Wasserstoff künftig zu einem der wichtigsten Energieträger gehören kann. Mithilfe der Strategie, aber auch mit den dazugehörigen Vorschriften und Aktionsplänen sollen der kroatischen Wirtschaft neue Chancen und Geschäftsperspektiven eröffnet werden, betonte Wirtschaftsminister Tomislav Ćorić.

Wasserstoff als Energiespeicher

Die wichtigste Annahme für die Strategie ist, dass Kroatien über großes Potenzial bei erneuerbaren Energien verfüge, das für die Produktion großer Mengen sogenannten grünen Wasserstoffs genutzt werden könne, so Ankica Kovač. Die Leiterin des Laboratoriums für Energieanlagen an der Fakultät für Maschinen- und Schiffbau der Zagreber Universität (FSB) ist maßgeblich an der Ausarbeitung der Wasserstoffstrategie beteiligt.

Nach Ansicht von Kovač, die auch stellvertretende Vorsitzende des kroatischen Wasserstoffverbandes (Hrvatska udruga za vodik) ist, wird der auf klimaschonende Weise erzeugte grüne Wasserstoff einerseits zu größerer energetischer Unabhängigkeit des Landes beitragen. Andererseits bestünde großes Potenzial, eine bedeutende Menge Wasserstoff zu exportieren. Bis 2050 könnte Wasserstoff vorläufigen Annahmen der Strategie zufolge einen Anteil zwischen 20 und 30 Prozent am Bruttoenergieverbrauch des Landes haben.

Wasserstofftechnologien kommt eine bedeutende Rolle bei der Energiewende in Kroatien zu, ist auch Frano Barbir von der Fakultät für Elektrotechnik, Maschinen- und Schiffbau in Split überzeugt. Wasserstoff wird als Speicher überschüssiger Energie (etwa aus Fotovoltaik oder Windkraftanlagen) eingesetzt. Auch die Dekarbonisierung des Verkehrssektors und der Industrie kann durch den Einsatz von grünem Wasserstoff vorangetrieben werden.

Nach Einschätzung von Barbir könnten in Kroatien bis 2030 Elektrolysekapazitäten von bis zu 150 Megawatt errichtet werden. Sie würden pro Jahr zwischen 72 und 422 Gigawattstunden Wasserstoff produzieren. Eingesetzt werden könnte der grüne Wasserstoff auch bei der Zementherstellung und in der petrochemischen Industrie. Geprüft wird auch dessen Nutzung als Erdgasbeimischung im bestehenden Gasverteilnetz.

Erste Pilotprojekte

Einige kroatische Unternehmen haben bereits begonnen, die Integration von Wasserstoff in ihre Geschäftsmodelle zu prüfen und erste Pilotprojekte auf den Weg gebracht. Dazu gehört der Mineralölkonzern INA. Da der Klimaschutz zwangsläufig die Nachfrage nach Diesel und Benzin reduzieren dürfte, wird das Unternehmen künftig auch alternative, erneuerbare Kraftstoffe wie Wasserstoff anbieten müssen, so INA-Strategen. Die erste kommerziell betriebene Wasserstofftankstelle von INA könnte bis 2025 in Betrieb gehen.

Der Konzern führt derzeit ein Projekt in der Raffinerie Rijeka durch, bei dem es um den Ersatz von bisher genutzten grauen durch grünen Wasserstoff für den eigenen Bedarf geht. Auch am Standort Sisak, wo derzeit an einem Projekt für die Bioethanolproduktion gearbeitet wird, prüft INA die Errichtung von Fotovoltaikanlagen. Deren Energie könnte dann für die Herstellung von grünem Wasserstoff genutzt werden.

Wasserstoff im Zagreber Personennahverkehr

Die Stadt Zagreb führt mit Beteiligung von INA ein Pilotprojekt für die Nutzung von Wasserstoff im öffentlichen Nahverkehr durch. Als Ergebnis des Projekts könnten in der Hauptstadt in zwei bis drei Jahren 20 Wasserstoffbusse beschafft und eingesetzt werden. Gleichzeitig soll im Zagreber Stadtbezirk Podsused eine Wasserstofftankstelle für die Busse errichtet werden.

Die Investitionen in die Anschaffung der Busse und die Errichtung der benötigten Infrastruktur werden auf rund 25 Millionen Euro geschätzt. Für das Vorhaben werden Zuschüsse aus Fonds der Europäischen Union erwartet.

Erneuerbare Energie für die Wasserstofferzeugung 

Die stärkere Nutzung von Wasserstoff prüft auch der Stromkonzern HEP. Das Unternehmen plant, bis 2030 seine Kapazitäten für die Stromerzeugung um 1.500 Megawatt aufzustocken. Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energiequellen soll von 6 Milliarden auf 9 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr steigen. Diese Kapazitäten könnten auch für Produktion und Einsatz von Wasserstoff genutzt werden.

In Zusammenarbeit mit dem Betreiber des Gaspipelinenetzes  Plinacro analysiert HEP derzeit, inwieweit und zu welchem Anteil  Wasserstoff dem Erdgas beigemischt werden kann.

Erstes kommerzielles Wasserstoffprojekt geplant

Die erste kommerzielle Anlage zur Produktion von Wasserstoff in Kroatien plant nach eigenen Angaben das Bauunternehmen INGRA. In der Wirtschaftszone Ivanić-Grad soll zunächst ein Solarkraftwerk mit einer Leistung von 3,3 Megawatt errichtet werden. Dessen Energie soll dann für die Herstellung von Wasserstoff in einer Elektrolyseanlage genutzt werden. In einer weiteren Ausbaustufe ist die Errichtung einer Wasserstofftankstelle für Lkw geplant.

Die erste Wasserstofftankstelle im Land wurde kürzlich durch die Maschinenbaufakultät der Universität Zagreb installiert. Die Anlage dient allerdings rein zu Demonstrationszwecken. Mit einem Druck von 30 Bar ist sie nicht geeignet für die Betankung von Straßenfahrzeugen. Geplant sei aber eine Aufrüstung auf 300 Bar, was das Betanken von Bussen ermöglichen soll, so Ankica Kovač von der FSB.

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