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Neue Beschaffungs-App der Inter-Amerikanischen Entwicklungsbank

Die Bank plant Infrastrukturvorhaben im Wert von 1,75 Milliarden US-Dollar. Eine App sorgt für mehr Transparenz und erleichtert Unternehmen die Teilnahme an den Ausschreibungen.

Von Martin Walter | Bonn

Auf ihrer Jahrestagung Ende März 2021 in Barranquilla, Kolumbien, hat die Inter-Amerikanische Entwicklungsbank (IDB), den Start einer mobilen Anwendung verkündet. Die App „Build The Americas“ soll die Ausschreibungen der Bank in Lateinamerika und der Karibik transparenter machen. Ferner befördert sie den Wettbewerb und soll so für mehr Wachstum in der Region sorgen.

Mobile App vernetzt Anbieter weltweit

„Build The Americas“ bietet Zugang zu Informationen über anstehende, von der IDB finanzierte Ausschreibungen in Sektoren wie Energie, Transport sowie Wasserver- und Abwasserentsorgung. Gleichzeitig erleichtert sie den Kontakt zwischen Infrastrukturentwicklern und lokalen Lieferanten von Waren und Dienstleistungen. Die Anwendung ist kostenlos und für iOS- und Android-Smart-Geräte verfügbar.

Der Bedarf ist groß: „Für Infrastrukturentwickler in der Region und auf der ganzen Welt ist es schwierig, rechtzeitig Zugang zu Ausschreibungsmöglichkeiten zu bekommen, oder sie kennen oft keine lokalen Unternehmen, mit denen sie zusammenarbeiten können“, sagt Fabrizio Opertti, Manager bei IDB und verantwortlich für Integration und Handel.

Agustín Aguerre, zuständig für Infrastruktur und Energie, ergänzt: „Investitionen in die Infrastruktur sind für die wirtschaftliche Erholung der Region vor dem Hintergrund der Pandemie von entscheidender Bedeutung, da es sich um eine arbeitsintensive Aktivität mit einem Multiplikatoreffekt für das Wachstum handelt. Wenn Infrastrukturinvestitionen effizient sind, erzeugt jeder investierte Dollar bis zu acht Dollar an Bruttoinlandsprodukt". Die IDB sieht die neue App deswegen auch als wichtigen Baustein für den wirtschaftlichen Aufschwung der Region.

Entwickelt wurde die Anwendung von „ConnectAmericas, einer Plattform der IDB, die kleinen und mittleren Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten erleichtern soll. Das soziale Netzwerk hat fast 500.000 registrierte Nutzer aus diversen Branchen. Auch deutsche Firmen können sich auf der Plattform registrieren und nach Geschäftspartnern suchen.

IDB informiert über 30 wichtige Infrastruktur-Ausschreibungen

Die App wurde auf der Veranstaltung „Infrastructure Linkages for Economic Recovery“ vorgestellt, die während der Jahrestagung der IDB-Gruppe stattfand. Um den Nutzen der Anwendung an konkreten Beispielen zu verdeutlichen, präsentierte die IDB in einem ganztägigen Seminar 30 von ihr finanzierte Infrastruktur-Ausschreibungen. Der Business-Roundtable bot den Teilnehmern wie Infrastrukturentwicklern und lokalen Zulieferern außerdem die Möglichkeit zu individuellen Treffen, um Partnerschaften für Ausschreibungen und andere Projekte auszuloten. Das Gesamtvolumen der vorgestellten Ausschreibungen beträgt über 1,75 Milliarden US-Dollar (US$). Die Vorhaben werden in den nächsten zwei Jahren umgesetzt und decken 16 Länder der Region ab. Informationsblätter zu den Ausschreibungen sind online verfügbar.

Die Staaten Lateinamerikas modernisieren ihre Infrastruktur

Auf der IDB-Jahrestagung diskutierten hochrangige Vertreter wie der neue IDB-Präsident Mauricio Claver-Carone und Ángela María Orozco Gómez, Verkehrsministerin von Kolumbien, über Infrastrukturinvestitionen und deren Auswirkungen auf die Beschäftigung und die Lieferketten in der Region.

Die kolumbianische Verkehrsministerin verwies auf die Realisierung einer Reihe von Großprojekten zur Verbesserung der Transportinfrastruktur in den letzten Jahren. Dazu gehören der Bau von Straßen und Häfen sowie Verbesserungen für die Binnenschifffahrt auf dem Rio Magdalena. In Kolumbien befinden sich seit 2018 mit einer Länge von jeweils über acht Kilometern die zwei längsten Verkehrstunnel von Lateinamerika. Die Gesamtinvestitionen für beide Tunnel betrugen ein halbe Milliarde US$. Ein weiteres Prestige-Projekt des Landes ist der Bau einer U-Bahn-Linie in der Hauptstadt Bogotá. Ende 2020 wurde der Auftrag über 5,1 Milliarden US$ an ein chinesisches Konsortium vergeben. Die ersten Züge sollen 2028 rollen.

Ivan Duque, der Präsident Kolumbiens, will sein Land nachhaltig modernisieren und die internationale Wettbewerbsfähigkeit steigern. Er möchte die Nähe zum nordamerikanischen Markt nutzen und Kolumbien als Near-Shoring“-Alternative zu Asien für die Zeit nach Corona positionieren. Eine moderne Infrastruktur ist dafür eine wichtige Voraussetzung.

José Luis Domínguez vom chilenischen Verkehrsministerium betonte die positive Entwicklung seines Landes beim Ausbau der erneuerbaren Energien. Zwischen 2010 und 2019 hat Chile dafür 14,8 Milliarden US$ investiert. Das Land plant bei der landesweiten Stromerzeugung bis 2035 auf einen Wert von 60 Prozent für erneuerbare Energien zu kommen und will auch seinen Verkehrssektor umfassend elektrifizieren. Viel Sonne und Wind schaffen in Chile gute Voraussetzungen für eine grüne Zukunft. Auch die Erzeugung von grünem Wasserstoff steht neuerdings auf der Agenda des Landes.

Durch gezielte Investitionen in die Infrastruktur und den Ausbau der Elektromobilität in Kombination mit sinkenden Kosten in der Stromerzeugung, vor allem durch Solar- und Windenergie, hoffen einige Länder der Region auf Wachstumsimpulse im Transportsektor. In Verbindung mit einer zunehmenden Digitalisierung wird der Umbau als eine Quelle für Arbeitsplätze mit höherer Wertschöpfung gesehen. Durch die Entwicklung, Installation und Wartung neuer Geräte wie beispielweise Energiespeicher und intelligente Zähler können neue Zulieferunternehmen und Wirtschaftszweige in Lateinamerika und der Karibik entstehen. Die Region kann so zweifach profitieren: zum einen durch die Modernisierung der lokalen Industrien und zum anderen durch einen effektiven Beitrag zum Klimaschutz.

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