Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Wirtschaftsumfeld | Litauen | Investitionsförderung

Perspektiven für ausländische Direktinvestitionen

Immer mehr deutsche Unternehmen investieren in Litauen. Trotz steigender Unsicherheiten bleibt die Entwicklung positiv.  

Von Niklas Becker | Vilnius

Litauen ist mit 2,8 Millionen Einwohnern der größte baltische Staat. Die ökonomischen Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine machen sich in dem Land zwar an verschiedenen Stellen bemerkbar. Nach Einschätzung der Europäischen Kommission dürfte die relativ geringe Abhängigkeit der heimischen Wirtschaft von Russland, Belarus und der Ukraine die Auswirkungen jedoch begrenzen. Verschiedene Hilfen der Regierung werden die negativen Folgen ebenfalls in Grenzen halten.

Für 2022 erwartet die Kommission in ihrer Frühjahrsprognose 2022 einen realen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts um 1,7 Prozent. Im Herbst 2021 waren die Experten noch von einem Wachstum von 3,6 Prozent ausgegangen. Im Jahr 2023 soll das litauische Bruttoinlandsprodukt dann um 2,3 Prozent zulegen. Im Herbst 2021 war die Kommission noch von einem Plus in Höhe von 3,4 Prozent ausgegangen. Informationen zu den Konjunkturaussichten des Landes bietet der GTAI-Wirtschaftsausblick. Litauen weist im EU-Vergleich weiterhin ein niedriges Lohnkostenniveau auf. Der Fachkräftemangel lässt die Gehälter jedoch deutlich steigen. Weitere Informationen zu den Standortvor- und -nachteilen bietet die GTAI-SWOT-Analyse

Mietpreisentwicklung in Litauen (in Euro pro Quadratmeter/Monat)

Indikator

4. Quartal 2020

4. Quartal 2021

2022*

Miete jeweils für Büroraum in der Hauptstadt

  Klasse A

15 - 16,5

15 - 17

15,5 - 17,5

  Klasse B

10 - 14

10 - 14

11 - 14,5

* PrognoseQuelle: CBRE Baltics Research 2022

Zahl der Business Services Zentren steigt

Litauen hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Anstieg von ausländischen Direktinvestitionen aus dem Bereich Global Business Services (GBS) verzeichnet. Nach Angaben der staatlichen litauischen Investitionsagentur Invest Lithuania arbeiteten Ende 2021 mehr als 20.000 Personen in dieser Branche. Im Jahr 2012 waren es erst etwa 5.600. Die insgesamt 85 Zentren wurden vor allem durch amerikanische sowie Firmen sowie von Unternehmen aus den nordischen Ländern gegründet. Die Global Business Services sind fast ausschließlich in der litauischen Hauptstadt Vilnius sowie in der etwa 100 Kilometer westlich davon gelegenen Stadt Kaunas angesiedelt. 

Mehr als jeder Vierte der rund 20.000 Mitarbeiter arbeitet im Bereich Informationstechnik (IT). Eine etwa gleiche Zahl entfällt auf Tätigkeiten im Kundenservice. Nach Einschätzung der Investitionsagentur gibt es für die Branche gute Wachstumschancen. In Zukunft werden die Bereiche Cyber Security, Fintech sowie die Entwicklung von Computerspielen stärker im Fokus stehen, erwartet Invest in Lithuania.  

Ausländische Direktinvestitionen in Litauen (in Milliarden Euro)

Indikator

2019

2020

2021

Kumulierter Bestand

20,7

23,9

26,0

Quelle: Statistics Lithuania 2022

Große Infrastrukturprojekte dürften neue Investoren anziehen

Ein interessanter Faktor für potenzielle deutsche Investoren ist die erwartete bessere Verkehrsanbindung Litauens. Mithilfe des Eisenbahn-Infrastrukturprojekts Rail Baltica sollen Estland, Lettland und Litauen an das westeuropäische Schienennetz angebunden werden. Die 870 Kilometer Neustrecke wird zweigleisig und elektrifiziert, sodass Güterzüge mit einer Maximalgeschwindigkeit von 120 km/h fahren können. Das Projekt soll 2026 fertiggestellt werden, dem Vernehmen nach kann dieser Zeitplan aber nicht eingehalten werden. Auch die beiden Straßen Infrastrukturprojekte Via Baltica und Via Carpatia werden die internationale Verkehrsanbindung Litauens deutlich verbessern. 

Deutsche Direktinvestitionen in Litauen (in Milliarden Euro)

Indikator

2018

2019

2020

Kumulierter Bestand

0,9

1,2

1,3

Nettotransfers

1,5

3,2

0,037

Quelle: Deutsche Bundesbank 2022

 

Deutsche Unternehmen investieren in ihre litauischen Fabriken 

Deutsche Unternehmen haben in der jüngeren Vergangenheit ein stärkeres Interesse an Litauen als Investitionsstandort gezeigt. Unmittelbar nach dem russischen Angriff auf die Ukraine hatten Experten eine gewisse Unsicherheit unter potenziellen deutschen Investoren erwartet. Wie Audronė Gurinskienė, Büroleiterin Litauen der Deutsch-Baltischen Handelskammer (AHK Baltikum), Anfang Juni 2022 berichtet, registriert die Kammer wieder ein stärkeres Interesse am litauischen Investitionsstandort. Sowohl in den traditionellen Branchen als auch im IT-Bereich. Nach Einschätzung der Expertin wäre das Interesse deutscher Investoren ohne den russischen Angriffskrieg vermutlich noch größer ausgefallen.    

Chinesisches Handelsembargo schreckt Investoren nicht

Ein politischer Streit zwischen Litauen und China hat sich auf die Geschäfte von deutschen Unternehmen in Litauen ausgewirkt. Hintergrund des Konflikts ist die Namensbezeichnung der neu in Litauen eröffneten Botschaft Taiwans. China blockiert als Reaktion darauf seit Dezember 2021 den Warenaustausch mit dem baltischen Land. Betroffen sind nicht nur in Litauen gefertigt Waren, sondern auch Produkte, die litauische Komponenten enthalten.

Experten befürchteten, dass sich deutsche Investoren deshalb vom litauischen Markt zurückziehen würden und Litauens Image als Investitionsstandort Schaden tragen würde. Dieses Szenario ist bis Sommer 2022 nicht eingetreten, die meisten Firmen haben sich mit dem Handelsembargo arrangiert. Ganz ohne Folgen ist das Embargo für einige Firmen aber nicht, berichten Analysten. Deutsche Investoren wie beispielsweise Continental und Hella halten indes an ihren Expansionsplänen für Litauen fest. 

Dieser Inhalt gehört zu

nach oben
Feedback
Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.