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Deutsche Wettbewerbsposition | Malta

Solide Marktanteile

Malta ist Deutschland wirtschaftlich eng verbunden. Wichtige Handelsbeziehungen bestehen außerdem zum Nachbarn Italien und dem Vereinigten Königreich als ehemaliger Kolonialmacht. 

Von Oliver Döhne | Mailand

Malta ist für Deutschland ein vergleichsweise kleiner Absatzmarkt. Die deutschen Exporte in den Inselstaat erreichen pro Jahr ein Volumen von rund 500 Millionen Euro. Malta verfügt über keine nennenswerten Rohstoffe, um eine strategische Bezugsquelle zu sein. Die Inseln sind jedoch ein dankbarer Abnehmer deutscher Produkte, vor allem von Kapitalgütern.

Außerdem dient Malta einigen deutschen Firmen als Montageort für leicht zu transportierende Komponenten und Güter. Pluspunkte des Standorts sind die niedrigen Unternehmenssteuern, die Mitgliedschaft in der Europäischen Union (EU) und die strategische Lage im Mittelmeerraum. In Zukunft könnte Malta auch verstärkt als Standort für Online-Dienstleistungen interessant werden. Auch die Nähe zu Nordafrika kann an Bedeutung gewinnen.

Die Regierung will die Abhängigkeit vom Tourismus reduzieren. Für ausländische Unternehmen bietet sie interessante Anreize. Fraglich ist allerdings, wie lange Malta im europäischen Regelkontext seinen Steuervorteil aufrechterhalten kann.

DWP_Landesübersicht

Malta auf einen Blick

Malta importierte 2020 laut UN Comtrade Waren im Wert von 5,3 Milliarden US-Dollar (US$), davon stammten 6,6 Prozent aus Deutschland. Destatis zufolge lag das Land auf Rang 81 der wichtigsten deutschen Absatzmärkte.

Malta exportierte 2020 Waren im Wert von 2,7 Milliarden US$17 Prozent davon gingen nach Deutschland - Rang 79 der wichtigsten deutschen Bezugsmärkte.

Laut Auswärtigem Amt sind in Malta circa 50 bis 60 deutsche Unternehmen ansässig. Die meisten Arbeitsplätze stellt die Produktion von geobra Brandstätter (Playmobil) mit rund 1.300 Beschäftigen. Auch der Dosiertechnikhersteller Prominent produziert in Malta. Dazu kommen die technischen Dienstleistungsunternehmen Lufthansa Technik und Oil Tanking. 

Kleiner aber robuster Absatzmarkt

Der Anteil Deutschlands an Maltas Einfuhren ist recht stabil. In den vergangenen zehn Jahren hat er sich kaum geändert. Maltas Hauptlieferant Italien hat stärkere Schwankungen zu verzeichnen und in den vergangenen zehn Jahren auch insgesamt Marktanteile eingebüßt. China steigerte seine Anteile stetig, wenngleich insgesamt ohne große Dynamik.

Das Vereinigte Königreich, das Malta kulturell eng verbunden ist und dort viele Konsumgüter absetzt, machte bei seinen Lieferungen 2019 einen Sprung nach oben. Maltesische Abnehmer britischer Kfz, Medikamente und Getränke nutzten das letzte Jahr vor dem Brexit für vorgezogenen Käufe. Diese Entwicklung dürfte sich aber in den kommenden Jahren eher ins Gegenteil verkehren. Aus deutscher Sicht ist mit leicht ansteigenden Ausfuhren nach Malta zu rechnen, wenn sich die Gesamtwirtschaft mit auflebendem Tourismus und zahlreichen Infrastrukturprojekten wieder festigt.

Ein großer Teil der Handelsströme entfällt auf unternehmensinterne Lieferungen der deutschen Firmen vor Ort. Wichtig sind außerdem die deutschen Exporte von Konsumgütern und Zulieferungen für Maltas Tourismus. Einen guten Teil von Maltas Ausfuhren nach Deutschland machen die Playmobilfiguren der Firma Brandstätter aus. In der Gegenrichtung gehen viele Flugzeugersatzteile aus Deutschland und anderen Ländern nach Malta. Abnehmer dort sind die Wartungsanlagen von Lufthansa Technik. 

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Energiewirtschaft bietet ein interessantes Aktionsfeld

Im Maschinenbau konnten deutsche Lieferanten in den vergangenen Jahren Marktanteile hinzugewinnen. In zahlreichen Segmenten partizipierten deutsche Hersteller überdurchschnittlich vom Aufschwung bis 2018/2019. Auch im ersten Pandemiejahr 2020 büßten sie weniger ein als die Konkurrenz. Malta bezieht aus Deutschland unter anderem Pumpen, Kompressoren, Klimageräte, Armaturen und Motoren. Für die kommenden Jahre werfen Großprojekte wie eine mögliche Gaspipeline nach Sizilien, die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft sowie ein möglicher U-Bahn-Bau ihre Schatten voraus. Sie könnten der Nachfrage in vielen Marktsegmenten Impulse geben. 

Bei chemischen Erzeugnissen verlor Deutschland Marktanteile. Zwar wuchsen die deutschen Ausfuhren von Medikamenten nach Malta, andere Länder konnten ihre Lieferungen aber noch deutlicher steigern. Ähnliches gilt für Kosmetika. Auch der deutliche Rückgang der Nachfrage nach Primärkunststoffen 2019 und 2020 wirkte sich überdurchschnittlich auf deutsche Hersteller aus. In der Elektroindustrie gewann Deutschland in Malta Lieferanteile hinzu. Mit Ausnahme der Pandemiezeit entwickelten sich unter anderem die Exporte von Telekommunikationsausrüstung und Notebooks positiv. Bei elektronischen Bauelementen gingen dagegen Anteile an China verloren. 

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Hauptlieferanten wichtiger Produkte (Anteil in Prozent) 1)

Rang

Produkt

2000

2010

2020

Maschinen 2)

1

Italien

19,9

19,3

22,2

2

Deutschland

20,1

13,3

16,4

3

China

2,4

5,6

16,1

Chemische Erzeugnisse 3)

   

1

Indien

1,3

12,4

26,0

2

Italien

20,2

16,5

12,4

3

Vereinigtes Königreich

21,4

13,6

8,2

4

Deutschland

12,3

11,9

7,8

Elektronik 4)

   

1

Frankreich

38,8

28,8

30,7

2

Italien

2,4

24,1

23,9

3

Deutschland

1,6

2,9

7,9

1) Anteile der größten Liefernationen bei den für Deutschland bedeutendsten Exportprodukten nach Malta; 2) SITC-Gruppen 71-74; 3) SITC-Gruppe 5; 4) SITC-Gruppen 75, 76, 776Quelle: UN Comtrade 2021

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