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Branchen | Marokko | Luftfahrzeuge

Neuer Aufwind für die Luftfahrtindustrie

Die marokkanischen Zulieferer von Luftfahrttechnik schnuppern nach einer schwierigen Phase wieder Höhenluft. Der Branchenverband setzt auf das Programm "Morocco Aeronautics 4.0".

Von Michael Sauermost | Casablanca

Marokkos Luft- und Raumfahrtindustrie will wieder an die Entwicklung vor der Coronapandemie anknüpfen. In den zwei Jahren vor der Pandemie erreichte der Sektor Wachstumsraten von jeweils rund 20 Prozent. International führende Unternehmen wie Safran, Airbus, Boeing, Bombardier oder Thales sind bereits im Königreich investiert. Etwa 140 Unternehmen mit rund 17.000 Beschäftigten zählte der Sektor im Jahr 2019.

Luft- und Raumfahrttechnik soll Exportschlager bleiben

In Folge der Coronapandemie gingen Marokkos Branchenexporte im Jahr 2020 jedoch von zuvor 1,9 Milliarden US-Dollar (US$) um fast ein Drittel auf 1,3 Milliarden US$ zurück. Bis 2023 will das Industrieministerium das Ausfuhrvolumen über die 2-Milliarden-Dollarschwelle befördern. Ursprünglich hatten die Pläne bereits für 2021 ein Ausfuhrvolumen in Höhe von 2,6 Milliarden US$ vorgesehen.

Im Sommer 2021 organisierte das Industrieministerium eine Roadshow mit Zulieferern von Boeing in den USA. Dadurch soll die zukünftige Auftragslage sichergestellt beziehungsweise verbessert werden. Im Jahr 2016 war ein Boeing Ecosystem Memorandum of Understanding unter dem Vorsitz von König Mohammed VI unterzeichnet worden. Bislang wurden Angaben des Industrieministeriums zufolge im Rahmen dieser Vereinbarung elf Investitionsprojekte im Gesamtwert von 160 Millionen US$ initiiert. Außerdem entstanden allein durch diese Vorhaben mehr als 2.000 direkte Arbeitsplätze.

Mit Digitalisierung und Nachhaltigkeit zum Höhenflug ansetzen

Für die Groupement des Industries Marocaines Aéronautiques et Spatiales (GIMAS) zählt die Erschließung neuer Absatzmärkte zu den Hauptzielen. Am Jahresende 2020 lancierte der Branchenverband den Start des Programms "Morocco Aeronautics 4.0". Die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des marokkanischen Luft- und Raumfahrtsektors soll durch drei Schwerpunkte sichergestellt beziehungsweise gesteigert werden.

Zum einen sollen hochtechnologische Verfahren gefördert werden. Zum anderen stehen die Digitalisierung sowie die Nutzung von umweltfreundlicher Technologie im Vordergrund. Der möglichst geringe Ausstoss von Kohlenstoffdioxid (CO₂) ist für die GIMAS eine Priorität, um im internationalen Wettbewerb zu bestehen.

Zuletzt profitierten die Unternehmen davon, dass sie ihre Produktion diversifiziert haben, berichten Branchenvertreter. Nach Angaben der GIMAS wurden einige Unternehmen in anderen Bereichen der Hochtechnologie aktiv oder stellten medizinische Erzeugnisse her. Der Fachverband bewertet ebenfalls positiv, dass der Sektor während der Krisenzeit lediglich ein Zehntel der Arbeitsplätze abbauen musste.

Beispielsweise produzierte Sermp, eine Tochterfirma von Le Piston Francais (LPF), die den Motorenhersteller Safran beliefert, zwischenzeitlich Ventilatoren und Maschinen zur Schutzmaskenherstellung. Auch in Zukunft plant das Unternehmen, mit Luftfahrt- und Medizintechnik zweigleisig zu fahren.

Neue Projekte bereits angekündigt

Das belgische Luft- und Raumfahrtunternehmen Sabca kündigte im Sommer 2021 eine Investition in den Bau einer neuen Montageanlage an. Mehr als 17 Millionen Euro soll das im Industriegebiet Nouaceur in Casablanca geplante Projekt kosten. Dabei handelt es sich um eine Kooperation mit dem Schweizer Flugzeughersteller Pilatus zur Herstellung von Pilatus PC-12-Turbinenflugzeugen.

In dem neuen Werk werden die Rümpfe, die Tragflächen und die Flugsteuerung einschließlich der elektrischen Verkabelung zusammengebaut. Die Endmontage erfolgt dann in der Schweiz. Das Industrieministerium bewertet diese Kooperation als richtungsweisendes Signal für weitere Investitionen in die marokkanische Luftfahrtindustrie.

Der Hersteller LPF investierte unterdessen in Nouaceur. Zu Jahresbeginn 2021 eröffnete das französische Unternehmen dort seine zweite Fabrik zur Herstellung von mechanischen Luftfahrtteilen. Etwas mehr als 6 Millionen US$ sollen in das Projekt fließen. Bis 2024 soll die Zahl der dadurch geschaffenen Arbeitsplätze auf 100 steigen. LPF operiert bereits seit 1999 vor Ort. Außerhalb von Frankreich verfügt der Hersteller über Fertigungsanlagen in Marokko und Polen.

Eine Expansion kündigte der US-amerikanische Hersteller Hexel an. Die Kapazitäten des Werks in Casablanca sollen bis zum Jahr 2023 verdoppelt werden. Nach der Erweiterung sollen in der Anlage 400 Personen beschäftigt sein.

Nicht nur nimmt Marokko eine Vorreiterstellung in Afrika in Sachen Luftfahrttechnik ein. Auch wird das Königreich bald den ersten "Flugzeugfriedhof" des Kontinents einrichten. Die für Flughäfen zuständige Behörde Office National Des Aéroports (ONDA) hat im Sommer 2021 entsprechende Ausschreibungen begonnen. Als Standort wurde der Flughafen Angad in Oujda, im Nordosten Marokkos, auserkoren. Dort soll das Lagerzentrum zur Demontage und Recycling entstehen. Der Betreiber soll einen DBFOT-Vertrag (Design-Build-Finance-Operate-Transfer) mit einer Laufzeit von zehn Jahren unterzeichnen.

Internationale Kooperationen sind auch im Bereich der Weltraumforschung weiter gefragt.Im Sommer 2019 unterzeichnete Marokko die in dem Jahr gegründete Charta der Arab Space Cooperation Group. Unter dem Vorsitz der VAE-Weltraumagentur gehören der Gruppe neben Marokko, die VAE, Saudi-Arabien, Bahrain, Oman, Kuwait, Jordanien, Algerien, Tunesien, Sudan, Ägypten, Libanon, Irak und Mauretanien an.

Zwei alternierende Branchenveranstaltungen

In Marokko gibt es zwei wichtige Treffen der Branche. Das Aerospace Meeting Casablanca ist ein B2B-Networking-Forum, das zweijährlich von Advanced Business Events (ABE), der BCI Aerospace, GIMAS sowie der nationalen Investitionsbehörde organisiert wird. Der nächste Termin ist für den 8. bis 10. Dezember 2021 vorgesehen.

Das Forum wechselt sich mit der Fachmesse Salon International de l´Aéronautique et du Spatial (Marrakech Air Show) ab. An der Organisation dieses Events sind das Indsutrieministerium, das Transportministerium, GIMAS, ONDA sowie die Fluggesellschaft Royal Air Maroc beteiligt. Der nächste Termin ist voraussichtlich im Oktober 2022.

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