Wirtschaftsumfeld | Mauretanien | Außenhandel
Erdgas sorgt für neue Impulse in Mauretaniens Außenhandel
Die mauretanische Wirtschaft leidet unter einem gigantischen Handelsdefizit. Ab 2024 rechnen IWF und Weltbank mit steigenden Exporten, da dann ein Erdgasfeld in Betrieb gehen soll.
08.09.2023
Mauretanien exportierte im Jahr 2022 weltweit Waren und Dienstleistungen im Wert von nominal 3,8 Milliarden US-Dollar (US$). Dies entspricht einer Steigerung von 15,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Gesamteinfuhren des nordwestafrikanischen Landes beliefen sich in der gleichen Zeit auf 5,2 Milliarden US$ – ein Anstieg von 32,6 Prozent. Infolgedessen schwoll das Handelsdefizit um 133 Prozent auf 1,4 Milliarden US$ an.
Ölderivate und Agrargüter dominieren die Einfuhren
Dazu beigetragen haben vor allem höhere Weltmarktpreise auf unverzichtbare Einfuhrgüter wie Heizöl, Diesel, Weizen, Reis, Zucker, Speiseöl und Fette. Allein der Importwert von Erdölprodukten verdoppelte sich auf 2 Milliarden US$. Die Exporteinnahmen konnten die galoppierenden Importkosten nicht annähernd kompensieren. Zudem sind die Exporte mit Bergbau- und Fischereiprodukten wenig diversifiziert.
Der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Weltbank sind alarmiert über das hohe Handelsbilanzdefizit, sehen aber mittel- und langfristig Potenzial für eine Verringerung der Finanzierungslücke. Beide Institute prognostizieren steigende Exporte und stützen sich dabei auf die geplante Inbetriebnahme des Erdgasfeldes Grand Tortue-Ahmeyim (GTA) im 1. Quartal 2024. Der im Grenzgebiet und gemeinsam mit Senegal geförderte Kohlenwasserstoff soll in Form von LNG auf den Weltmarkt gelangen. Außerdem plant die Regierung die Stromerzeugung aus Erdgas mit einem Kraftwerk, das 2024 in Betrieb genommen werden soll.
Neben Erdgas bieten Eisenerz und Gold Exportpotenzial
Der Beginn der Förderung des Erdgases war ursprünglich für das Jahr 2023 geplant. An dem Erdgasprojekt hat BP einen Anteil von 61 Prozent, das texanische Unternehmen Kosmos Energy hält einen Anteil von 29 Prozent und das senegalesische Unternehmen Petrosen sowie die mauretanische Firma SMHPM gemeinsam die restlichen 10 Prozent. Neben der Erdgasförderung bieten Eisenerz, Gold und weitere Rohstoffe Exportpotenzial. Bei der Eisenerzförderung lag Mauretanien nach Angaben des United States Geological Survey im Jahr 2022 auf Platz 2 in Afrika und weltweit auf Platz 12.
Die größten Außenhandelspartner sind auf der Importseite die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE), Spanien, Japan und Frankreich. Auf der Exportseite gehören dazu die VR China, Kanada und erneut Spanien. Deutschland rangierte 2022 unter den zehn wichtigsten Handelspartnern Mauretaniens.
Deutsche Wirtschaft in Mauretanien bislang wenig aktiv
Für die deutsche Außenwirtschaft ist Mauretanien ein kleiner Wirtschaftspartner: Nur wenige Unternehmen treiben Handel mit dem Land, das zu den am wenigsten entwickelten Staaten der Welt zählt. Zudem importiert Deutschland fast ausschließlich Eisenerz aus dem 4,7-Millionen-Einwohnerland und selbst diese einseitigen Bezüge sind 2022 um annähernd 70 Prozent auf 35 Millionen US$ eingebrochen.
Mit den "Beratungsgutscheinen Afrika" fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz im Rahmen des Wirtschaftsnetzwerks Afrika externe Beratungsdienstleistungen für kleine und mittelständische Unternehmen. Ziel ist es, den Markteintritt in Afrika zu erleichtern. Unternehmen können eine individuelle und bedarfsorientierte Beratung zu ihren wirtschaftlichen Vorhaben erhalten. Das Angebot gilt branchenunabhängig für jedes Zielland auf dem afrikanischen Kontinent. |
Die Ausfuhren Deutschlands sind dagegen 2022 auf Vorjahresbasis deutlich gestiegen. Grund dafür waren die geänderten Lieferströme auf dem Weltmarkt für Weizen infolge des Ukrainekrieges. Mauretanien sah sich aus diesem Grund gezwungen, die dezimierten Bezüge aus der Ukraine und aus Russland kurzfristig durch alternative Quellen zu ersetzen. Zu den wichtigsten Weizenlieferanten Mauretaniens gehörten 2022 Argentinien, Frankreich und Polen. Auch Deutschland exportierte Weizen in den Wüstenstaat.
2021 | 2022 | Veränderung | |
|---|---|---|---|
Gesamt | 62,1 | 138,8 | 123,5 |
Getreide | 0,0 | 53,6 | |
Milch, Milcherzeugnisse | 18,0 | 22,8 | 26,7 |
Maschinen, Apparate, mechanische Geräte | 13,4 | 17,1 | 27,6 |
Kraftfahrzeuge und Teile | 8,1 | 13,4 | 65,4 |
Elektrotechnische Erzeugnisse | 1,8 | 3,8 | 111,1 |
Pharmazeutische Erzeugnisse | 2,3 | 2,4 | 4,3 |
Optische, fotografische usw. Erzeugnisse | 1,9 | 1,6 | -15,8 |
In Mauretanien hat in den letzten zehn Jahren nur ein einziges deutsches Unternehmen in eine eigene Produktion investiert. Dabei handelt es sich um die Klingele Paper & Packaging Group, die seit 2013 gleich an zwei Standorten Kartonverpackungen für die exportorientierte Fischereiwirtschaft und für Agrarproduzenten fertigt. Einen dritten Standort hat der Investor im benachbarten Senegal eröffnet.
Deutsche Absichtserklärung für Wasserstoff
Ein zweiter deutscher Investor ist zumindest im Gespräch. Das Unternehmen Conjuncta hat im März 2023 zusammen mit seinen Partnern aus den VAE und Ägypten eine Absichtserklärung mit der mauretanischen Regierung unterzeichnet. Angezogen von den endlosen Freiflächen in der Wüste und von den idealen klimatischen Bedingungen zur Erzeugung von Wind- und Sonnenstrom will die Investorengruppe eine komplette Wertschöpfungskette für grünen Wasserstoff aufbauen.
Dafür sollen 34 Milliarden US$ fließen, um Anlagen zur Meerwasserentsalzung, zur Generierung grünen Stroms, zur Stromübertragung, zur Wasserstoffelektrolyse und am Ende auch zur Verschiffung von Wasserstoffderivaten zu errichten. Erste Erfahrungen mit Sonnenstrom liegen in Mauretanien vor. So hat die Gesellschaft Masdar aus der VAE im Jahr 2013 in der Nähe der Hauptstadt Nouakchott ein Solarfeld eröffnet. Die Anlage deckt seither 10 Prozent des Strombedarfs des Landes.
Andere deutsche Unternehmen steuern ihre eher geringfügigen Absatzgeschäfte aus der Ferne. Der deutsche Fahrzeugbau, darunter BMW und MAN, lässt sich in Mauretanien durch lokale Vertriebs- und Servicepartner vertreten. Die Privatbank ODDO BHF mit Sitz in Frankfurt und Paris finanziert Teile des Erzhandels. Bergbautechnik und Ersatzteile liefert bei Bedarf die Takraf Group aus Leipzig.
Entwicklungskooperation eröffnet Lieferchancen
Über die Beteiligung an internationalen Ausschreibungen sowie an bi- und multilateralen Entwicklungsprojekten können Unternehmen zusätzliche Geschäftsabschlüsse erzielen. Germany Trade & Invest veröffentlicht dazu regelmäßig Informationen und Unterlagen. Speziell für die Weltbankgruppe bietet die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Washington, D.C., interessierten deutschen Firmen zusätzliche Unterstützungsleistungen an, die auf Geschäftsmöglichkeiten durch Ausschreibungen der Weltbank aufmerksam macht.