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Namibia treibt Ausbau des Energiesektors voran

Namibia investiert in Stromerzeugung, Netze sowie Öl- und Gasprojekte. Der Ausbau stärkt die Versorgung und eröffnet neue Geschäftschancen.

Jenny Tala

Von Jenny Tala | Johannesburg

Namibia will bis 2030 rund 1,76 Milliarden US-Dollar (US$) in den Ausbau seines Energiesektors investieren. Das Vorhaben ist Teil des internationalen Programms "Mission 300", das von der Weltbank und der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) unterstützt wird. Von den benötigten Mitteln sollen rund 411 Millionen US$ aus privaten Investitionen stammen. Das schafft auch Geschäftsmöglichkeiten für deutsche Unternehmen. Potenzial besteht insbesondere bei Netztechnik, Batteriespeichern, Automatisierung, Energieeffizienz, Wasseraufbereitung sowie Ausrüstung für Solar- und Infrastrukturprojekte.

Strommarkt im Wandel

1,76 Mrd. US$

will Namibia bis 2030 in den Ausbau des Energiesektors investieren.

Vorgesehen im Rahmen des Programms sind schnellere Ausschreibungsverfahren für unabhängige Stromerzeuger (Independent Power Producers, IPP), eine Weiterentwicklung des Single-Buyer-Modells sowie Anreize für Batteriespeicher. Große Stromverbraucher sollen künftig Stromlieferverträge direkt mit Erzeugern abschließen können. Investitionen in Batteriespeicher sollen die Integration schwankender Solar- und Windstrommengen erleichtern und die Stabilität des Stromnetzes verbessern.

Hintergrund des Ausbaus ist Namibias hohe Abhängigkeit von Stromimporten. Trotz umfangreicher Solar- und Windressourcen wird ein erheblicher Teil des Strombedarfs über Importe aus dem "Southern African Power Pool" sowie aus Südafrika und Sambia gedeckt. Die hohen Importkosten tragen dazu bei, dass Namibia zu den Ländern mit den höchsten Stromtarifen Afrikas zählt. Gleichzeitig haben nur knapp 60 Prozent der Bevölkerung Zugang zu Elektrizität.

Erneuerbare Energien wachsen dynamisch

Nach Angaben des Energieministeriums soll die Stromerzeugungskapazität im Haushaltsjahr 2026/27 von 759 auf 903 Megawatt steigen. Die Regierung will insbesondere den Anteil erneuerbarer Energien am Strommix ausbauen - von derzeit rund 54 auf 70 Prozent. Dafür sollen bis 2030 zusätzliche 454 Megawatt an Kapazität aus Solar-, Wind-, Wasser- und Biomasseprojekten errichtet werden. Zu den wichtigsten Projekten gehören das Solarkraftwerk Sores-Gaib, das Diaz-Windprojekt bei Lüderitz, das Biomassekraftwerk Otjikoto sowie Batteriespeicherprojekte bei Omaruru und Swakopmund.

Besonders die Solarenergie entwickelt sich zu einem wichtigen Pfeiler der Stromversorgung. Namibia verfügt über eine der höchsten Sonneneinstrahlungen weltweit. Der staatliche Energieversorger NamPower hat sechs neue Solarparks im Rahmen eines neuen IPP-Programms mit insgesamt 120 Megawatt neuen Kapazitäten ausgeschrieben. Die Shortlist der Bieter umfasst Entwickler aus Europa, Nordamerika, China und dem südlichen Afrika, darunter die norwegische Scatec, die französische TotalEnergies Renewables, JCM Power aus Kanada sowie der chinesische Konzern Chint New Energy. Die meisten Angebote wurden gemeinsam mit namibischen Partnern eingereicht, was den Bestrebungen der Regierung entspricht, lokale Wertschöpfung zu fördern.

Informationen über Projekte und Ausschreibungen

Internationale Geber finanzieren weltweit Projekte im Energiesektor und schreiben Liefer-, Bau- und Beratungsleistungen häufig international aus. Germany Trade & Invest informiert tagesaktuell über Ausschreibungen und Projekte in dieser und vielen weiteren Branchen.

Europäische Unterstützung für den Ausbau

Beim Ausbau der erneuerbaren Energien spielen europäische Entwicklungsfinanzierer und Unternehmen eine wichtige Rolle. Die französische Entwicklungsbank Agence Française de Développement (AfD) finanziert das 40-Megawatt-Biomassekraftwerk Otjikoto mit bis zu 100 Millionen Euro. Das Projekt soll Buschbiomasse zur Stromerzeugung nutzen. Die französische HDF Energy entwickelt mit "Renewstable Swakopmund" ein innovatives Stromversorgungsprojekt, das Solarenergie, Batteriespeicher und Wasserstoffspeicherung kombiniert und nach Fertigstellung rund 142 Gigawattstunden Strom pro Jahr liefern soll. Die niederländische TerraWatt errichtet einen 50-Megawatt-Solarpark in der Region Omaheke. Die Umsetzung vieler großer Kraftwerksprojekte erfolgt allerdings durch chinesische EPC-Unternehmen (Engineering, Procurement and Construction). 

Deutschland engagiert sich vor allem beim Aufbau regulatorischer und institutioneller Rahmenbedingungen im Rahmen des Global-Gateway-Programms GET.transform. Dazu gehört eine im September 2026 eingeführte digitale Plattform zur Genehmigung dezentraler Stromerzeugungsanlagen, die Investitionen in Solaranlagen und andere Embedded-Generation-Projekte erleichtern soll.

Öl- und Gasfunde schaffen Investitionspotenzial

Neu entdeckte Öl- und Gasvorkommen sollen Namibias Energiesicherheit zusätzlich stärken und mehr Exporterlöse ermöglichen. Die wichtigsten Funde liegen im Orange Basin vor der Südküste. Als am weitesten fortgeschritten gilt das Venus-Projekt von TotalEnergies gemeinsam mit QatarEnergy und dem staatlichen Unternehmen Namcor. Daneben treiben Shell und das portugiesische Unternehmen Galp Energia weitere Explorations- und Entwicklungsprojekte voran. Die Regierung verfolgt einen hybriden Ansatz und will Einnahmen aus dem Öl- und Gassektor zum Ausbau erneuerbarer Energien sowie der Infrastruktur nutzen.

Für deutsche Unternehmen könnten sich mittel- bis langfristig Geschäftsmöglichkeiten entlang der gesamten Wertschöpfungskette ergeben. Sollten die Offshore-Funde in Produktion gehen, werden Investitionen in die Stromversorgung, Netzinfrastruktur, Automatisierungs- und Prozessleittechnik sowie Kompressoren, Pumpen, Hafenanlagen und möglicherweise Gasverarbeitung und LNG-Infrastruktur erforderlich.

Wichtige Energieprojekte in Namibia(Auswahl)
ProjektInvestitionssumme (Mio. US$)ProjektstandRelevanz für deutsche Unternehmen
Mopane Offshore-Ölprojekt

Bis zu 20.000 erwartet

Erkundung und ProjektentwicklungEines der bedeutendsten Offshore-Projekte Namibias.
Venus Tiefsee-Ölprojekt

Bis zu 17.000

Investitionsentscheidung erwartetDerzeit am weitesten fortgeschrittenes Offshore-Ölprojekt Namibias.
Otjikoto-Biomassekraftwerk (40 MW)

161

Im BauNamPower errichtet nahe Otjiwarongo ein Biomassekraftwerk auf Basis von Buschbiomasse, geplante Inbetriebnahme ist 2027. Die Anlage wird von einem chinesischen Unternehmen gebaut und teilweise von französischen Entwicklungsinstitutionen finanziert.
Solar-IPP-Programm (120 MW)

105 bis 120

AusschreibungNamPower plant den Bau von sechs Solarkraftwerken mit jeweils 20 MW Leistung. Angebotsfrist endete im Juni 2026, Vergabeentscheidung steht noch aus.
Diaz Wind Project (44 MW)

100

Kurz vor FertigstellungDas Windkraftprojekt bei Lüderitz wird vom französischen Entwickler InnoVent umgesetzt und zählt zu den größten Windenergievorhaben Namibias. Die Anlage umfasst elf Windturbinen niederländischer und chinesischer Herkunft; die Inbetriebnahme wird in Kürze erwartet.
Sores-Gaib Solar Power Station (100 MW)

90

Im BauGrößtes Solarprojekt von NamPower. KfW finanziert den Großteil der Investition.
Omburu II Solarprojekt (80 MW)

72

PlanungProjekt in frühem Entwicklungsstadium mit geplanter Inbetriebnahme ab 2029.
Lithops Batteriespeicher (45 MW / 90 MWh)

35

Ausschreibung/BeschaffungVon der Weltbank unterstütztes Speicherprojekt nahe Swakopmund.
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Namibia will regionaler Stromknoten werden

Über die nationale Versorgung hinaus verfolgt Namibia mit dem Energieausbau ein regionales Ziel. Durch neue Übertragungsleitungen und Stromverbindungen nach Angola, Botsuana, Sambia und Simbabwe möchte sich das Land stärker in den regionalen Stromhandel integrieren und als Drehscheibe für den Energiehandel im südlichen Afrika fungieren.

Der Ausbau der Stromversorgung steht zudem in engem Zusammenhang mit Namibias Strategie der "grünen Industrialisierung". Aufbauend auf den günstigen Energieressourcen sollen neue Industrien entwickelt werden, darunter grüner Wasserstoff, grünes Ammoniak und grünes Eisen. Entlang dieser Wertschöpfungsketten befinden sich bereits mehrere Projekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien.