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Polens Staatspräsident macht Weg frei für Biomethanausbau

Die Zahl der Biomethananlagen in Polen lässt sich bislang an einer Hand abzählen. Ein neues Gesetz könnte das ändern. Mehrere Projekte warten bereits auf den Startschuss.

Christopher Fuß

Von Christopher Fuß | Warschau

Polens Energiebehörde URE kann ab 2027 Auktionen für Biomethananlagen durchführen. Betreiber, die dabei den Zuschlag erhalten, sichern sich für bis zu 20 Jahre einen Förderpreis für ihr Biomethan. Das soll die Einnahmen langfristig planbarer machen und damit Investitionen erleichtern.

Biomethananlagen konnten dieses Instrument bislang nicht nutzen. Für sie stand lediglich das sogenannte Feed-in-Premium-System (FIP) zur Verfügung. Dabei gleicht der Staat die Differenz zwischen dem Marktpreis und einem festgelegten Referenzwert aus. Die FIP-Förderung ist auf Anlagen mit einer Leistung von höchstens 1 Megawatt beschränkt. Der Betrieb solcher kleinen Biomethananlagen ist aber wirtschaftlich häufig wenig attraktiv. Darum geht der neue Auktionsmechanismus einen Schritt weiter. Künftig können auch Biomethananlagen mit einer Leistung von mehr als 1 Megawatt eine langfristige Förderung erhalten.

So funktionieren die Biomethan-Auktionen:

Betreiber geben bei der Energiebehörde URE an, zu welchem Preis sie Biomethan verkaufen wollen. Den Zuschlag erhalten die günstigsten Angebote. Der erfolgreiche Auktionspreis wird anschließend für bis zu 20 Jahre abgesichert.

Liegt der Marktpreis darunter, zahlt eine staatliche Stelle die Differenz an den Betreiber. Liegt der Marktpreis darüber, muss der Betreiber die Differenz zurückzahlen.
 

Neues Gesetz soll Ausbau beschleunigen

Möglich wird dieser Schritt, nachdem Polens Staatspräsident Karol Nawrocki im Oktober 2026 einer Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes zugestimmt hat. Die neuen Regeln sehen Auktionen für Biomethan aus landwirtschaftlichem Biogas und aus anderen Biogasarten vor. Bei den Versteigerungen wird zwischen Anlagen mit weniger als 2 Megawatt Leistung und Anlagen ab 2 Megawatt unterschieden.

Neben der finanziellen Förderung erleichtert das Gesetz auch den Netzanschluss von Biomethananlagen. Kann ein Netzbetreiber eine Anlage am beantragten Standort nicht anschließen, muss er künftig einen alternativen Anschlusspunkt nennen. Außerdem muss er darüber informieren, welche maximale Anschlussleistung am gewünschten Standort verfügbar ist und welche Investitionen für die gewünschte Anschlussleistung erforderlich sind. Die Reform erleichtert zudem den Bau von Direktleitungen, die Biogas oder Biomethan unter Umgehung des öffentlichen Gasnetzes direkt zu einem Abnehmer transportieren.

Auch bei den Lieferverpflichtungen räumt das Gesetz den Anlagenbetreibern mehr Spielraum ein. Sanktionen wegen zu geringer Liefermengen drohen bei Biomethan erst, wenn ein Auktionsgewinner weniger als 60 Prozent der zugesagten Menge verkauft. Bei der Stromerzeugung aus Biogas, landwirtschaftlichem Biogas oder Biomasse liegt die Schwelle künftig bei 65 Prozent statt bislang 85 Prozent.

Polens Regierung verbindet mit dem neuen Fördermechanismus konkrete Erwartungen. Bis 2030 sollen dank der Auktionen Biomethananlagen mit einem jährlichen Produktionsvolumen von rund 300 Millionen Kubikmetern Biomethan entstehen. Das entspricht nach Branchenschätzungen etwa 50 größeren Anlagen. Langfristig ist das Potenzial deutlich größer. Das polnische Forschungszentrum NCBR beziffert es auf 3,2 Milliarden Kubikmeter Biomethan pro Jahr. Das würde rund 16 Prozent des aktuellen Erdgasbedarfs in Polen entsprechen.

Eine letzte Hürde liegt allerdings noch vor der neuen Biomethanförderung. Die Europäische Kommission muss das Auktionssystem beihilferechtlich genehmigen. Erst danach können die neuen Regeln angewendet werden. Die Zustimmung gilt aber als Formsache.

Investoren stehen in den Startlöchern

Bislang zählen schwankende Verkaufspreise und unsichere Abnahmemöglichkeiten zu den wichtigsten Gründen, warum Biomethan in Polen kaum eine Rolle spielt. Das ist umso bemerkenswerter, da Polen mit seinem großen Agrarsektor über gute Voraussetzungen für Biogas verfügt, das zu Biomethan aufbereitet werden kann.

Anfang Oktober 2026 speisten nur zwei Biomethananlagen Gas in das polnische Verteilnetz ein. Die erste steht in der Zuckerfabrik von Südzucker Polska im südwestpolnischen Strzelin. Die zweite Anlage ging im September 2026 in Komorowo im Osten des Landes ans Netz.

Der weitere Ausbau könnte mit der Gesetzesänderung schnell an Fahrt gewinnen. Der polnische Gasnetzbetreiber Polska Spółka Gazownictwa (PSG) erklärte im Oktober 2026 auf einer Veranstaltung in Katowice, man habe bereits 24 Anschlussverträge unterzeichnet. Darüber hinaus hat PSG nach eigener Auskunft mehr als 500 Anschlussbedingungen erteilt. Diese sind eine Vorstufe zum eigentlichen Anschlussvertrag.

Der mögliche Biomethan-Boom ist auch für deutsche Hersteller interessant. Sie sind bereits erfolgreich in Polen aktiv. Die landwirtschaftliche Biomethananlage in Komorowo errichtete das Unternehmen agriKomp aus dem bayerischen Merkendorf. An der Anlage von Südzucker Polska in Strzelin war das Göttinger Ingenieurbüro Krieg & Fischer beteiligt. Die neuen Förderbedingungen könnten zusätzliche Absatzchancen auf dem polnischen Markt schaffen.

Ansturm auf Biogasförderung

Auch die Produktion des Vorprodukts Biogas befindet sich im Aufwind. Wie groß das Interesse ist, zeigt das Förderprogramm "Energia dla Wsi" des staatlichen Umweltfonds NFOŚiGW. Landwirte und Energiegenossenschaften erhalten für den Bau landwirtschaftlicher Biogasanlagen Zuschüsse in Höhe von bis zu 65 Prozent der förderfähigen Kosten. Zusammen mit einem Darlehen können bis zu 100 Prozent der Kosten finanziert werden. Für die jüngste Förderrunde standen mehr als 90 Millionen Euro zur Verfügung. Bereits nach einem Tag war das Budget ausgeschöpft.

Davon können deutsche Zulieferer profitieren. SUMA Rührtechnik aus Sulzberg im Allgäu lieferte beispielsweise Rührtechnik für eine 50-Kilowatt-Mikrobiogasanlage in Sulmów bei Łódź. Auch Baur Folien aus dem Allgäu wirbt verstärkt um Kunden auf dem polnischen Markt.

Widerstand von Anwohnern

Doch Förderprogramme allein garantieren noch keinen schnellen Ausbau. Auch in Polen gibt es lokale Proteste gegen neue Biogas- und Biomethananlagen. Neben möglichen Geruchsbelästigungen sorgen sich Anwohner vor allem um zusätzlichen Lkw-Verkehr. Größere Anlagen benötigen erhebliche Mengen an Substraten, die in der Regel über die Straße angeliefert werden.

Die Fachzeitschrift Magazyn Biomasa identifizierte Ende 2025 knapp 40 Standorte in Polen, an denen gegen geplante Biogas- oder Biomethananlagen protestiert wurde.