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Branchen | Polen | Kurier- und Paketdienstleistungen

Onlinehandel treibt Ausbau der Paket-Abholstationen voran

Der Onlinehandel soll in Polen im 4. Quartal 2021 kräftig zulegen. Das steigert den Bedarf an Paketstationen. Die Optionen für Versand und Abholung der Waren werden vielfältiger.

Von Beatrice Repetzki | Berlin

Treiber für den erwarteten Zuwachs des Onlinehandels im letzten Quartal 2021 werden auch die bevorstehenden Weihnachtseinkäufe sein. Beobachter gehen davon aus, dass das Weihnachtsgeschäft in diesem Jahr bereits im November und somit früher als üblich beginnt. Im 1. Quartal 2021 lag der Anteil des Onlinehandels an den Einzelhandelsverkäufen insgesamt laut der US-Marktforschungsfirma eMarketer und dem Statistischen Hauptamt GUS bei 9,8 Prozent. Im Jahr 2019 betrug er laut Santander Bank Polska 5,5 Prozent.

Mit dem Onlinehandel expandiert auch der Markt für Kurier-, Express- und Paketdienste (KEP). Viele Anbieter passen ihre logistische Infrastruktur an das schnell wachsende Onlinegeschäft an. Es entstehen zusätzliche Möglichkeiten, um bestellte Ware abzuholen. Immer mehr Paketautomaten und Abholstellen werden für die Kuriersendungen eingerichtet.

Stationärer Handel will vom Online-Boom profitieren

Zahlreiche Supermärkte schaffen in ihren Filialen Poststellen. Das ermöglicht ihnen, auch an Sonntagen zu öffnen und die entsprechenden Handelsbeschränkungen zu umgehen. Dagegen regt sich allerdings Widerstand im Parlament. Mit einem Gesetzesvorhaben wollen einige Abgeordnete erreichen, dass künftig nur jene Einzelhandelsgeschäfte an Sonntagen öffnen dürfen, die als Haupttätigkeit Postdienstleistungen erbringen.

Mit der Anzahl der Geschäfte, die Post- und teilweise auch Kurierdienstleistungen anbieten, steigt auch die Zahl der Handelsgesellschaften, die in diesen Markt einsteigen. Waren das 2018 und 2019 erst vier Gesellschaften, so schnellte deren Anzahl 2020 auf 213 und im bisherigen Jahresverlauf 2021 auf 349 in die Höhe. Vorreiter war hier die polnische Supermarktkette Żabka. Ihrem Beispiel folgten anschließend die Einzelhandelsketten Biedronka, Lidl, Dino und Kaufland.

Anbieter investieren ins Kuriergeschäft

Post- und Kurierdienstleistungen sind ein lukratives Geschäft. Kuriersendungen machten 2020 mengenmäßig bereits ein Drittel (34 Prozent) und wertmäßig über die Hälfte (59 Prozent) des gesamten Postversandes aus. Insgesamt 89 Firmen bieten Kurierdienste an. Diese beförderten 2020 im In- und Ausland 637 Millionen Sendungen (+45 Prozent gegenüber 2019). Damit generierten sie Einnahmen von 1,5 Milliarden Euro (auf Złoty-Basis nominal +33 Prozent). Das geht aus einer Analyse des Amtes für Elektronische Kommunikation (Urząd Komunikacji Elektronicznej; UKE) hervor. UKE erwartet auch für die kommenden Jahre zweistellige Zuwachsraten im Onlinehandel. So kündigen fast alle großen Kurierdienste weitere Investitionen in Abholstellen für online bestellte Waren an.

Allein die Polnische Post (Poczta Polska; PP) will bis 2023 rund 261 Millionen Euro aufwenden, um ihre Position auf dem Kuriermarkt zu stärken und die Verluste in den traditionellen Segmenten wie etwa dem Briefversand zu begrenzen. Im Jahr 2021 investiert die PP 93 Millionen Euro. Die Mittel fließen unter anderem in Dienste zum digitalen Versand von Schriftstücken mit elektronischer Signatur, die Erfüllung von Zoll- und Steueranforderungen, die Schaffung eines Netzes von Paketautomaten, den Ankauf neuer Anlagen für drei Logistikzentren und den Bau eines zweiten Logistikzentrums für den Ballungsraum Warschau. Das sagte der PP-Vorsitzende Tomasz Zdzikot gegenüber der Tageszeitung Puls Biznesu. Zur Jahresmitte 2021 verfügte die PP bereits über rund 13.400 Paketabholstellen.

Aufstellung zahlreicher Paketautomaten

Experten rechnen damit, dass im Herbst 2021 Tausende weitere automatisierte Paketstationen in Polen hinzukommen. Für das Aufstellen von Paketautomaten mit bis zu 3 Metern Höhe ist keine Baumitteilung und -genehmigung erforderlich. Lediglich Denkmalschutzauflagen sind zu beachten.

Der polnische Anbieter InPost verfügte im Frühjahr 2021 über mehr als 11.000 solcher Stationen (Paczkomaty). Bis Ende 2021soll deren Anzahl auf 15.000 ansteigen. Die dänische Firma SwipBox unterhält Abholboxen an rund 220 Aufstellorten in Innenräumen, vor allem in Supermarktfilialen von Biedronka und Carrefour. Sie werden von den Paketdiensten PP, DHL und DPD genutzt. Auch SwipBox will zahlreiche weitere Paketboxen in Polen aufstellen.

Die PP plant, im 4. Quartal 2021 ihre ersten rund 500 eigenen Paketautomaten in Großstädten aufzustellen. Ihr Netz soll 2022 auf 2.000 Aufstellorte anwachsen. DHL verfolgt ähnliche Pläne zur Ausweitung des eigenen Netzes von Paketstationen in Polen. Auch der polnische Mineralölkonzern PKN Orlen hat den KEP-Markt für sich entdeckt. Unter der Marke Orlen Paczka stellt er eigene Paketautomaten auf, die sich oft an den Orlen-Tankstellen befinden. Die Anzahl der Orlen-Automaten soll bis Ende 2021 auf 500 und bis Ende 2022 auf 2.000 steigen.

Der chinesische Onlinehändler AliExpress installierte 2021 in einer Testphase Paketstationen in Warschau und kooperiert bei der weiteren Ausbreitung mit der Firma Świat Przesyłek (Versandwelt) aus Nysa (Neisse). Polens führende Einzelhandelsplattform Allegro.pl begann Mitte 2021 damit, eigene automatische Paketstationen aufzustellen. Deren Anzahl soll bis Jahresende rund 1.500 erreichen und in den Folgejahren weiter steigen. Gleichzeitig bietet Allegro Verkäufern als zusätzlichen Service die Lagerung, Verpackung, Versendung und Rücknahme von Waren an. Schon länger können bei Allegro bestellte Waren an Abholpunkten in etwa 600 Geschäften des Pressevertriebs Kolporter abgeholt werden.

Der US-Gigant Amazon unterzeichnete Anfang 2021 mit InPost einen über fünf Jahre laufenden Vertrag. Bei Amazon bestellte Waren werden demnach durch die Kuriere von InPost ausgeliefert, beziehungsweise in Paketautomaten von InPost hinterlegt. Amazon ist erst seit Anfang März 2021 direkt auf dem polnischen Markt aktiv. InPost ist international bereits gut etabliert und wurde Mitte 2021 zur größten Lieferplattform für den E-Commerce in Europa. In Abstimmung mit der Otto Group übernahm InPost deren Logistikpartner, das französische Unternehmen Mondial Relay, für 513 Millionen Euro.

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