Portal 21 Portugal

Informationen zur Qualifikation des Dienstleisters

Ein Gesetz wie die deutsche Gewerbeordnung gibt es in Portugal nicht.

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Reglementierte Berufe (EU-Berufsanerkennungsrichtlinie)

Viele Dienstleistungstätigkeiten sind in Portugal allerdings reglementierte Berufe im Sinne der Europäischen Berufsanerkennungsrichtlinie (Richtlinie 2005/36/EG--Europäische Gemeinschaft), geändert durch die Richtlinie 2013/55/EU. Einen reglementierten Beruf kennzeichnet, dass seine Ausübung durch Rechts- oder Verwaltungsvorschriften besonderen Voraussetzungen bezüglich der Berufsqualifikationen unterworfen ist. Eine Liste mit in Portugal reglementierten Berufen enthält eine Internet-Datenbank der Europäischen Kommission, während diese Internetseite der portugiesischen Regierung Informationen über das portugiesische Anerkennungsverfahren enthält. 

Portugal hat die Europäische Berufsanerkennungsrichtlinie insbesondere durch das Gesetz Nr.--Nummer 9/2009 vom 4.3.2009 (Lei n.°9/2009) umgesetzt. In einigen Bereichen bestehen aber auch spezifische Umsetzungsvorschriften, für Patentanwälte (agentes oficiais da propriedade industrial) beispielsweise im Gesetz Nr. 17/2010 vom 4.8.2010 (Lei n.º 17/2010). Eine Übersicht der Umsetzungsakte findet man im europäischen Gesetzgebungsportal Eur-Lex.

In Portugal wurde die Generaldirektion für Beschäftigung und Arbeitsbeziehungen (Direção-Geral do Emprego e Relações de Trabalho) als Kontaktstelle (ponto de contacto) für die Anerkennung von Berufsqualifikationen benannt. Auf dieser Internetseite des Ministeriums findet man weitere Informationen zur Anerkennung von Berufsqualifikationen in Portugal.

Berufszugang in Portugal

Das Gesetzesdekret Nr. 92/2011 vom 27.07.2011 (Decreto-Lei n.º 92/2011 de 27 de Julho) hat in Portugal ein neues System zur Regulierung des Berufszugangs etabliert (Sistema de Regulação do Acesso a Profissões – kurz: SRAP). Seitdem sind für den Zugang zu einem Beruf für Portugiesen grundsätzlich die Voraussetzungen, Diplome und Qualifikationszertifikate maßgebend, die durch den nationalen portugiesischen Katalog der Berufsqualifikationen (Catálogo Nacional de Qualificações) festgelegt werden. Für 150 Berufe sind hierdurch weiterführende Lehrgangserfordernisse oder Zertifikate der beruflichen Befähigung (certificados de aptidão profissional) entfallen. Von diesen Erleichterungen profitieren portugiesische Dienstleister unterschiedlichster Branchen, etwa Bauunternehmer (zu Genehmigungserfordernissen in diesem Bereich weiter unten in diesem Artikel), Fotografen oder Friseure.

Der nationale Katalog der Berufsqualifikationen umfasst über 300 verschiedene Berufsbilder. Er ist unterteilt in verschiedene Qualifikationsniveaus und schreibt bei manchen Berufen unter anderem eine medizinische Untersuchung oder eine Überprüfung der Zuverlässigkeit vor. Einige Berufe, etwa der des Architekten, bleiben allerdings auch in Zukunft in Portugal gesondert gesetzlich reglementiert.

Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie

Die nationale Umsetzung der Europäischen Dienstleistungsrichtlinie (Richtlinie 2006/123/EG--Europäische Gemeinschaft) hat bereits für Erleichterungen im portugiesischen Dienstleistungsrecht gesorgt. Das der Umsetzung der EU-Dienstleistungsrichtlinie dienende, portugiesische Gesetzesdekret Nr. 92/2010 vom 26.7.2010 (Decreto-Lei n.º 92/2010) enthält in seinen ersten Kapiteln sogenannte Horizontalbestimmungen. Dies sind nicht branchenspezifische Vorschriften, die für alle unter die EU-Dienstleistungsrichtlinie fallenden Dienstleister gelten. Sie regeln etwa die Verwaltungsvereinfachung für Dienstleister, grundlegende Anforderungen an die Aufnahme und Ausübung von Dienstleistungen in Portugal und die Rechte von Dienstleistungsempfängern. An die Horizontalbestimmungen schließen sich im portugiesischen Gesetzesdekret Nr. 92/2010 Vorschriften für bestimmte Dienstleistungssektoren an.
 

Handwerk

Das Handwerk ist in Portugal vor allem durch das Gesetzesdekret Nr. 110/2002 vom 16.4.2002 (Decreto-Lei n.° 110/2002) sowie einige Verordnungen geregelt. Dort ist unter anderem bestimmt, dass die Ausübung einer handwerklichen Tätigkeit die Beherrschung der damit verbundenen Kenntnisse und Techniken voraussetzt, außerdem ein ästhetisches Gespür und handwerkliches Geschick (Artikel 9 des Gesetzesdekrets 110/2002). Diese Kenntnisse und Fähigkeiten müssen nachgewiesen werden. Wer diese Anforderungen erfüllt, erhält die Handwerkerlizenz („carta de artesão“), Artikel 10.Weitere Informationen zum portugiesischen Handwerk bietet die Internetseite des Centro de Formação Profissional para o Artesanato e Património (CEARTE). Zum Handwerk zählen in Portugal insbesondere weitgehend persönlich erbrachte, traditionelle Arbeiten zur individuellen sowie originären Herstellung eines Werkes. Auf der Internetseite des CEARTE ist auch ein Verzeichnis der 13 Gruppen handwerklicher Tätigkeiten in Portugal (Repertório de Actividades Artesanais) einschließlich der Untergruppen zu finden. Einzelheiten zum portugiesischen Handwerksregister enthält der Abschnitt Register dieses Länderberichts.

Technische Normen/Arbeitssicherheit

Nationales Normungsgremium ist das Portugiesische Institut für Qualität (Instituto Português da Qualidade; abgekürzt: IPQ). Es führt auch einen Online-Katalog (Catálogo IPQ). In diesem bietet das IPQ unter anderem nationale portugiesische Normen (Norma Portuguesa, kurz: NP) zum Erwerb an, beispielsweise die folgenden:

  • NP 42:2010 über die Einstufung von Anstrichmitteln und Lacken (Tintas e vernizes. Classificação);
  • NP 4413:2012, deren Gegenstand die Wartung von Feuerlöschern ist (Segurança contra incêndios. Manutenção de extintores);
  • NP 4433:2005, die Leitlinien für die Dokumentation bei Qualitätsmanagementsystemen enthält (Linhas de orientação para a documentação do sistema de gestão da qualidade);
  • NP 4435:2004 über Bedingungen für die Lieferung und Abnahme von Zement (Cimentos. Condições de fornecimento e recepção).

Das IPQ gibt darüber hinaus technische Normen zum Thema Arbeitsschutz in Portugal heraus, etwa:

  • NP 4397:2008 zu Anforderungen an Arbeitsschutzmanagementsysteme (Sistemas de gestão da segurança e saúde do trabalho. Requisitos);
  • NP 1796:2014 über Grenzwerte bei der beruflich bedingten Exposition gegenüber chemischen Arbeitsstoffen (Segurança e saúde do trabalho; Valores-limite e índices biológicos de exposição profissional a agentes químicos)
  • NP 2036:1986, die sich mit allgemeinen Arbeitsschutzanforderungen an tragbare Elektrowerkzeuge befasst (Higiene e segurança no trabalho. Ferramentas portáteis. Requisitos gerais de concepção e utilização).

Germany Trade & Invest (Stand: September 2023)