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Rumänien plant mit EU-Geldern den Bau neuer Krankenhäuser

Das rumänische Gesundheitswesen leidet an einem Investitionsstau von knapp 4 Milliarden Euro. Der Staat muss neue Krankenhäuser bauen und bestehende modernisieren. 

Von Dominik Vorhölter | Bukarest

Rumäniens öffentliche Krankenhäuser arbeiten an der Belastungsgrenze. Besonders dramatisch zeigten dies vier Brände, die während der Coronapandemie im Jahr 2021 in staatlichen Krankenhäusern in den Städten Ploieşti, in Piatra Neamţ, Matei Balş und Constanţa ausgebrochen waren. In den betroffenen Einrichtungen waren damals zu viele Beatmungsgeräte an veraltete Stromleitungen angeschlossen gewesen. Der Investitionsstau in der rumänischen Krankenhausinfrastruktur liegt nach Berechnungen des Gesundheitsministeriums bei rund 3,8 Milliarden Euro.

Alte Gebäude und Ausrüstung sind vielerorts ein Problem

"Die Krankenhausinfrastruktur des Landes ist alt und fragmentiert", heißt es in einem Bericht der Europäischen Kommission zum Zustand des rumänischen Gesundheitssystems. Das Ausstattungsniveau und die Verfügbarkeit neuer Technologien sei geringer als in fortgeschrittenen europäischen Ländern. Moderne Dienstleistungen konzentrierten sich tendenziell auf größere städtische Gebiete.

Die Modernisierung und Erweiterung der rumänischen Krankenhausinfrastruktur ist deshalb neben der Dekarbornisierung und Digitalisierung der Wirtschaft ein wesentlicher Schwerpunkt, den die EU mit den Fördermitteln aus der Aufbau- und Resilienzfazilität anstoßen will. Für Rumänien stehen aus diesem Fonds bis zum Jahr 2027 rund 1,7 Milliarden Euro bereit. Bild vergrößern

Versorgung ist nicht überall gleich gut

Mit diesem Geld plant das Gesundheitsministerium, in den Städten Cluj-Napoca, Iaşi und Craiova neue regionale Krankenhäuser zu bauen. Dies wird die Krankenhäuser in Bukarest entlasten. Gut 60 Prozent der Patienten in den Krankenhäusern der Hauptstadt kommen aus den Nachbarkreisen Ilfov, Giurgiu, Călăraşi und Ialomiţa, berichtet das Gesundheitsministerium.

Nicht ganz so dramatisch ist die Lage im Krankenhaus in Cluj-Napoca. Dorthin gelangen dennoch rund 38 Prozent der Patienten aus den umliegenden Landkreisen Maramureş, Satu Mare, Sălaj oder Bistriţa. Das Problem ist, dass nur in den größeren Städten die Krankenhäuser mit mehr als dem Notwendigen ausgestattet sind. Es fehlt häufig an Abteilungen mit bildgebenden Verfahren, an Onkologen, Gynäkologen oder Spezialisten für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Ministerium will drei neue Regionalkrankenhäuser bauen

Den Bau von drei neuen regionalen Notfallkrankenhäusern unterstützt die Europäische Investitionsbank mit technischer Hilfe und Darlehen in Höhe von insgesamt 930 Millionen Euro. In Cluj-Napoca soll für rund 400 Millionen Euro ein Kinderkrankenhaus mit 515 Betten und 30 Intensivbetten entstehen. Dafür erteilte die Stadt eine Baugenehmigung. Vorgesehen ist, die Klinik im Stadtteil Borhanci zu errichten. 

Mit dem Bau des Krankenhauses in Craiova hat das Gesundheitsministerium Anfang November 2022 ein türkisches Konsortium mit der Projektierung beauftragt. Es soll bis 2027 fertiggestellt werden und dann 807 Betten bereithalten. Das Ministerium beziffert die Investitionssumme auf 603 Millionen Euro. 

Das Krankenhaus von Iaşi befindet sich nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der Planung. Die Investitionssumme beläuft sich schätzungsweise auf 485 Millionen Euro. Im nächsten Schritt wird eine Machbarkeitsstudie erarbeitet. Das Krankenhaus soll im Stadtteil Moară de Vânt entstehen und mit 850 Betten und 18 Operationssälen ausgestattet werden.

Private Klinikbetreiber erweitern ihr Angebot

Auch private Betreiber von Krankenhäusern investieren. In Constanţa errichtet das Ovidius Clinical Hospital neue Abteilungen für Onkologie und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das Unternehmen betreibt das größte private Krankenhaus in Südostrumänien. Mit der Erweiterung erhält das Ovidius Clinical Hospital 60 Betten zusätzlich. Dafür investiert das Unternehmen rund 80 Millionen Euro.

MediCover, der drittgrößte private Anbieter medizinischer Dienstleistungen in Rumänien, expandiert in der Hauptstadt Bukarest. Das Unternehmen plant, für 20 Millionen Euro ein Bürogebäude im Stadtteil Pipera in ein Krankenhaus mit 150 Betten umzuwandeln.

Vorhaben des rumänischen Gesundheitsministeriums im Krankenhaussektor

Bezeichnung

Investitionssumme (in Mio. Euro)

Status

Bau eines Notfallkrankenhauses in Craivoa

600

Auftragsvergabe zur Projektierung; geplante Fertigstellung: 2027

Bau eines Notfallkrankenhauses in Iaşi

485

in Planung; geplante Fertigstellung: 2030

Bau eines Kinderkrankenhaus Cluj-Napoca

400

in Planung; geplante Fertigstellung: 2030

Bau eines Krankenhauses in Galaţi

190

in Planung

Modernisierung des Notfallkrankenhaus in Miercurea Ciuc 

14

in Planung

Modernisierung des Notfallkrankenhauses in Călărași 

10

in Planung

Quelle: Aufbau- und Resilienzplan für Rumänien; Gesundheitsministerium Rumäniens (November 2022)

Mangelnde Versorgung auf Kosten der Lebenserwartung 

Im Vergleich zum EU-weiten Durchschnitt haben Menschen in Rumänien eine um 5 Jahre geringere Lebenserwartung. Die häufigste Todesursache sind Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen sowie Verkehrsunfälle, berichtet die EU-Kommission. In ganz Rumänien gibt es 386 öffentliche und 156 private Krankenhäuser. Die öffentlichen Krankenhäuser verfügen landesweit über 125.210 Betten, die privaten Einrichtungen insgesamt über 9.875 Betten.

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