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Strompreise in Rumänien bleiben hoch

Rumäniens Strom ist im regionalen Vergleich teuer. Der Preisdruck für Erdgas besteht weiter und treibt auch den Strompreis in die Höhe.

Von Dominik Vorhölter | Bukarest

Strom wird in Rumänien vergleichsweise hochpreisig bleiben. Dies liegt einerseits an geopolitisch bedingt steigenden Erdgaspreisen. Andererseits trägt die Energiepolitik des Landes massiv zum Preisanstieg bei: Hohe Steuern belasten Stromproduzenten, Händler und Lieferanten. Sie alle haben seit 2024 in einen Fonds einzuzahlen, der dem Staat die Finanzierung von Maßnahmen der Energiewendeermöglichen soll. Der Fonds speist sich aus der Übergewinnbesteuerung von Produzenten, Händlern und Lieferanten im Energiemarkt, die Rumänien im Jahr 2021 eingeführt hat. Diese Übergewinnsteuer greift ab einem Strompreis von 400 Lei (umgerechnet etwa 80 Euro) pro Kilowattstunde und beläuft sich auf 10 Prozent des veranschlagten Strompreises.

Steigende Erdgaspreise treiben die Strompreise

Diese zusätzlichen Gebühren und Steuern verteuern den eigentlich kostengünstigen Strom aus erneuerbaren Energien. Ein weiterer Preistreiber ist die Abhängigkeit von konventionellen Energieträgern: Die Preise für Strom sind in Rumänien an die für Gas gekoppelt. Dies gilt auch für importierten Strom, da sich der Preis für Strom nach dem teuersten Erzeuger auf dem Markt richtet. In Rumänien sind dies die Kohle- und Erdgaskraftwerke. Entsprechend wirken sich geopolitische Gaspreisschocks sofort inflationär auf die Strompreise aus.

Ein Beispiel dafür ist der Stopp des Gastransportes durch die Ukraine in die Republik Moldau Ende 2024. Dies führte dazu, dass Rumänien das Nachbarland Moldau mit Strom und Erdgas mitversorgen musste. Im Winter 2024/2025 sanken die Speicherstände in den Gasspeichern entsprechend, weil Rumänien zusätzliches Erdgas zur Versorgung der Republik Moldau benötigte. Die Angebotsverknappung auf dem Markt sorgte für einen deutlichen Preisschub für Erdgas wie auch für Strom. Zudem benötigt Rumänien für die Versorgung der Republik Moldau mit Strom mehr Erzeugungskapazitäten, als die eigenen Gaskraftwerke leisten können.

Hohe Strompreise lähmen das verarbeitende Gewerbe

Rumäniens energieintensive Industriezweige produzieren seit Februar 2022 weniger. Eine Ursache dafür sind Rationalisierungsmaßnahmen. Den Hintergrund bilden höhere laufende Kosten und eine eingebrochene Nachfrage. Neben steigenden Löhnen belasten vor allem die hohen Energiekosten die Budgets der Unternehmen in Rumänien. Insgesamt schätzen die deutschen Unternehmer vor Ort die Entwicklung der Energiepreise als ein Wachstumsrisiko ein, wie aus der aktuellen Konjunkturumfrage der AHK Rumänien vom Oktober 2025 hervorgeht.

Der Energiepreis ist in Rumänien ein zentraler Wettbewerbsfaktor. Hinzu kommen bei energieintensiven Branchen wie der Stahlerzeugung, der Chemieindustrie oder der Zementproduktion hohe Kosten für Energiezertifikate aus dem Europäischen Emissionshandel (EU-ETS). Alle Unternehmen belastet darüber hinaus die undurchsichtige Steuerpolitik der rumänischen Regierung. Nun steht der größte Stahlproduzent in Ostrumänien, Liberty Steel, vor dem Verkauf an neue Investoren.

Der Stahlproduzent produzierte 2021 noch 2,3 Millionen Tonnen warmgewalzten Stahl. Höhere Kosten für Energie, für Emissionszertifikate und Steuerschulden brachten das Unternehmen in finanzielle Schwierigkeiten. Zudem verschlechterte sich aufgrund zunehmender Stahlimporte aus der Türkei die Wettbewerbsposition von Liberty Steel. Zuletzt sank der Stahloutput des Werks 2024 auf weniger als 500.000 Tonnen, berichtet GMK Center, ein Beratungsunternehmen für den europäischen Stahlmarkt.

Die Industrie reduziert entsprechend energieintensive Aktivitäten, um Kosten zu sparen. Gleichzeitig fehlen Impulse, um die Nachfrage nach Strom zu stimulieren: etwa mehr Elektroladesäulen für Autos, Wärmepumpen, Batteriespeicher oder Elektrolyseure für die Produktion von Wasserstoff.

Kosten bleiben hoch

Ein weiterer Grund für die relativ hohen Stromkosten liegt in den Subventionen für die Kohleverstromung. Sie halten die verbliebenen, veralteten Erzeugerstrukturen am Leben und zwingen die Abnehmer weiter im Energiemix Kohlestrom inklusive der Kosten für die Emissionszertifikate zu beziehen. Die steigenden Preise für die Zertifikate erhöhen die Kosten für Kraftwerksbetreiber dabei stetig.

Zusätzlich treibt der Staat den Strompreis durch Steuern in die Höhe:

  • Rumänien erreichte 2022 den höchsten Strompreis in der Region durch massive Überbesteuerung. Alle Stromproduzenten mussten im Zeitraum von April bis September eine Übergewinnsteuer in Höhe von 80 Prozent der zusätzlichen Einnahmen über einem Schwellenwert von 450 Lei (etwa 90 Euro) pro Megawattstunde entrichten.
  • Zwischen September 2022 und Dezember 2024 verlangte der Staat zudem eine Übergewinnsteuer von 100 Prozent auf die zusätzlichen Einnahmen oberhalb des Schwellenwerts von 450 Lei pro Megawattstunde. Der Marktpreis ohne Mehrwertsteuer und weitere Steuern lag bereits im 2. Halbjahr 2021 mit 129,3 Euro pro Megawattstunde weit darüber, berichtet Eurostat. Der in der Grafik genannte Definitionswechsel beinhaltet die durch die Übergewinnsteuer stark gestiegenen Strompreise.

Zusätzlich belastet das Phänomen der negativen Strompreise die Erzeuger, weil es schwer kalkulierbare Extrakosten verursacht. Negative Preise entstehen, wenn die Nachfrage nach Strom das Angebot unterschreitet. Dann speisen Erzeuger den Strom umsonst ins Netz ein und müssen trotzdem eine Gebühr dafür bezahlen. Insgesamt kann dies dazu führen, dass die Abnahmepreise die Produktionskosten nicht mehr decken können, sodass die Erzeuger die Preise entsprechend erhöhen müssen.

Marktakteure der regionalen EnergiewirtschaftVersorger der letzten Instanz für Erdgas und Strom in Rumänien, Bulgarien und Moldau
Rumänien: ErdgasRumänien: StromBulgarien: ErdgasBulgarien: StromMoldau: ErdgasMoldau: Strom
Electrica FurnizarePremier Energy FurnizareBulgargazTo the National Electricity CompanyMoldovagazPremier Energy
PPC EnergiePPC EnergieBulgarian Energy HoldingEnergo-Pro ProdazhbiNord Gaz SîngereiFurnizarea Energiei Electrice Nord
Engie RomâniaPPC Energie MunteniaOvergas Inc.CEZ Elektro Bulgaria--
E.ON Energie RomâniaE.ON Energie RomâniaBulgarian Gaz CompanyEVN Elektrosnabdyavane --
OMV PetromElectrica FurnizareEnergy GazESP Zlatni piasatsi--
Premier Energy-----
S.N.G.N. Romgaz-----
Quelle: National Energy Regulatory Authority (ANRE) of Romania 2024; Energy and Water Regulation Commission Bulgaria (KEVR) 2024; National Energy Regulatory Authority (ANRE) of Moldova 2024

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