Wirtschaftsstandort | Rumänien

Rumäniens Wirtschaft ist mit Deutschland eng verflochten

Rumänien hat in den letzten Jahren als Produktionsstandort und Absatzmarkt stark an Bedeutung gewonnen. Viele internationale Konzerne sind inzwischen im Land präsent.

Torsten Pauly

Von Torsten Pauly | Berlin

Rumänien erzielt in den Beitrittsverhandlungen mit der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) rasche Fortschritte. Die Aufnahme soll Mitte 2026 erfolgen. Der OECD gehören 38 hochentwickelte Volkswirtschaften an. Mit 19 Millionen Einwohnern ist Rumänien nach Polen der zweitgrößte Verbrauchermarkt in Mittelost- und Südosteuropa.

Als deutscher Handelspartner lag Rumänien 2025 weltweit an 17. Stelle. Deutschland erzielte dabei einen Exportüberschuss von 3,1 Milliarden Euro. In den vergangenen Jahren haben sich zahlreiche deutsche Unternehmen im Land angesiedelt. Zahlen der Deutschen Bundesbank zum Bestand an deutschen Direktinvestitionen in der EU zufolge belegte Rumänien im Jahr 2023 Platz 13 unter den 27 EU-Staaten.

  • Die Ansiedlung ausländischer Investoren hat Rumäniens Branchenstruktur in den letzten Jahren verändert. Die Lohnkosten sind moderat. Der Fachkräftemangel nimmt jedoch zu.

    Rumäniens Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist in den letzten Jahren im EU-weiten Vergleich überdurchschnittlich gewachsen. In der Folge näherte sich die Wirtschaftskraft dem EU-Durchschnitt deutlich an. Betrug das rumänische BIP pro Kopf nach Kaufkraftstandard im Jahr 2015 noch 56 Prozent des EU-Durchschnitts, waren es 2025 bereits 78 Prozent. Damit belegte das Land innerhalb der EU-27 den 21. Platz.

    19 Mio.

    Personen lebten 2025 Rumänien.

    Quelle: Eurostat 2026

    378,9 Mrd.

    Euro betrug das Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2025.

    Quelle: Eurostat 2026

    19.900

    Euro machte das BIP pro Kopf damit 2025 aus.

    Quelle: Eurostat 2026

    1,1 %

    betrug die Analphabetenquote im Jahr 2021.

    Quelle: Weltbank 2026

    Rang 17

    belegte Rumänien 2025 unter den deutschen Exportzielen.

    Quelle: Destatis 2026

    Rang 70

    nimmt Rumänien im Corruption Perceptions Index 2025 ein (unter 182 Ländern).

    Quelle: Transparency International 2026

    Ausführliche Informationen zur Wirtschaft finden Sie in den Wirtschaftsdaten kompakt.

    Rumänien bietet sich als Beschaffungsmarkt an. Zu den wichtigsten Lieferwaren zählen Erzeugnisse der Elektrotechnik, Kfz sowie Maschinen und Anlagen. Diese Warengruppen machten 2025 zusammen 62,8 Prozent aller Exporte nach Deutschland aus.

    Rumänien kommt auch für ein Reshoring infrage, also die Rückverlagerung außereuropäischer Betriebsstätten in die EU. Das Land liegt an der Mündung der Donau ins Schwarze Meer und damit am europäischen Verkehrskorridor VII. Durch Rumänien verlaufen zudem Trassen des Korridors IV vom Schwarzmeerhafen Constanța sowie vom griechischen Thessaloniki nach Deutschland. Hinzu kommt der Korridor IX vom ägäischen Alexandroupolis, der unter anderem über Rumänien nach Helsinki reicht. Constanța liegt nur etwa 1.000 Schiffskilometer vom Suezkanal entfernt.

    SWOT-Analyse Rumänien

    S

    Stärken Strengths

    • Höhe der Lohnkosten im EU-Vergleich moderat
    • Gutes Ausbildungsniveau, auch bei Fremdsprachen
    • Transitlage zwischen Südost- und Mitteleuropa
    • Niedrige Einkommens- und Körperschaftsteuer
    • zweitgrößter Verbrauchermarkt in Ostmittel- und Südosteuropa
    W

    Schwächen Weaknesses

    • Modernisierungsstau in der Straßen- und Bahninfrastruktur
    • Modernisierungsstau in den Umweltsystemen
    • Modernisierungsstau in den Energienetzen
    • Öffentliche Verwaltung muss Effizienz steigern
    • Schlechte Bewertung der Korruptionsanfälligkeit
    O

    Chancen Opportunities

    • Hohe EU-Fördergelder für öffentliche Investitionen
    • Aufnahme in die OECD, die für Mitte 2026 geplant ist
    • Entwicklung von Branchenclustern
    • Investitionen im Energiesektor
    • Ausbau der Verkehrsinfrastruktur
    T

    Risiken Threats

    • Alterung der Gesellschaft
    • Sich verstärkender Fachkräftemangel
    • Sich verstärkendes regionales Gefälle bei der Wirtschaftskraft
    • Politische Instabilität der Nachbarn Ukraine und Republik Moldau
    • Anhaltend hohes Zinsniveau verteuert Investitionskredite

    Dienstleistungssektor wächst am stärksten

    Am dynamischsten entwickelte sich zuletzt der Finanzsektor. Dessen reale Bruttowertschöpfung nahm zwischen 2019 und 2024 insgesamt um knapp 58 Prozent zu. Es folgten die Informations- und Kommunikationstechnologie mit einem Anstieg von 49 Prozent und der Handel mit einem Plus von fast 33 Prozent. Gut schnitten zudem das Baugewerbe mit einem Zugewinn von etwa 15 Prozent ab sowie der Logistiksektor mit einem Wachstum von rund 13 Prozent. Insbesondere die Hauptstadt Bukarest hat sich in den vergangenen Jahren auch zu einem Start-up-Hub in Südosteuropa entwickelt.

    Im verarbeitenden Gewerbe siedelten sich in den vergangenen Jahren zahlreiche hochproduktive ausländische Investoren an. Inländische Hersteller sind dagegen meist weniger produktiv. Kleine und mittelständische rumänische Unternehmen haben häufig Schwierigkeiten, neue Ausrüstungen zu finanzieren. Im Februar 2026 lag der durchschnittliche Zinssatz für langfristige Kredite in Rumänien bei 6 Prozent. Damit war er der zweithöchste in der EU.

    Die Präsenz ausländischer Unternehmen hat die Industriestruktur verändert. So gewann unter anderem die Pharmaindustrie an Bedeutung. Ihre Bruttowertschöpfung nahm zwischen 2019 und 2024 um real gut 46 Prozent zu. Starke Zuwächse verzeichneten auch die Metallindustrie mit etwa 30 Prozent oder die Elektronikindustrie mit rund 26 Prozent. Die Bruttowertschöpfung im Maschinenbau stieg um annähernd 21 Prozent. In den Branchen Kfz und Elektrotechnik lag der Zuwachs jeweils bei 16 Prozent. In für die Wirtschaft Rumäniens traditionellen Branchen war die Bruttowertschöpfung hingegen rückläufig. Dies galt etwa für in der Holzindustrie mit einem Minus von nahezu 37 Prozent.

    Verarbeitendes Gewerbe und Dienstleistungen dominieren die BranchenstrukturBedeutung der Wirtschaftszweige in Rumänien; Anteile in Prozent

    Sektoren

    Anteil an der Bruttowertschöpfung 2024 1)

    Anteil an den Beschäftigten 2024 2)

    Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

    3,1

    10,9

    Bergbau

    1,1

    0,7

    Verarbeitendes Gewerbe

    14,6

    18,9

    Baugewerbe

    8,8

    10,8

    Handel

    13,4

    17,7

    Informations- und Kommunikationstechnologie

    7,6

    2,7

    Finanz- und Versicherungswesen

    3,8

    1,3

    Transport und Logistik

    7,7

    7,8

    Sonstige private Dienstleistungen

    25,3

    11,6

    Öffentlicher Sektor, Sonstige

    14,6

    17,6

    1 Betrug 2024 insgesamt 320,5 Milliarden Euro; 2 insgesamt 7,8 Millionen Personen.Quelle: Eurostat 2026

    Bei der Wirtschaftskraft bestehen regionale Unterschiede

    Die Wirtschaftsleistung konzentriert sich weiterhin auf bestimmte Regionen. Vorne liegt die Hauptstadtregion București-Ilfov. Dort lag das BIP pro Kopf im Jahr 2024 sogar leicht über dem Niveau von Rheinland-Pfalz.

    Alle anderen rumänischen Regionen bleiben bei der Wirtschaftskraft deutlich zurück. Dabei ist das Niveau in den westlichen Regionen Vest und Nord-Vest sowie in Mittelrumänien höher als in östlichen Regionen wie Nord-Est und Sud-Muntenia. In Mittelrumänien liegen unter anderem die Städte Cluj-Napoca, Brasov, Sibiu und Temeswar. Der Westen Rumäniens ist zudem besser an die europäischen Verkehrskorridore angebunden.

    Daneben bestehen kulturelle Unterschiede. Der Westen, Norden und Siebenbürgen sind seit Jahrhunderten von der ungarischen und deutschen Minderheit mitgeprägt. Große Teile gehörten zudem lange zur K.-u.-K.-Monarchie Österreich-Ungarn. Dies spiegelt sich vielerorts bis heute in der Bausubstanz wider.

    Die Auswanderung vieler Siebenbürger Sachsen nach Deutschland führte jedoch zu einem starken Rückgang der Präsenz der deutschen Minderheit. Betrug ihre Zahl im Jahr 1992 noch 120.000 Personen, waren es bei der Volkszählung 2021 nur noch 16.000. Bedeutend geblieben ist hingegen die ungarische Minderheit. Sie umfasste 2021 etwa 1 Million Personen.

    Die Hauptstadt ist auch das führende WirtschaftszentrumEckdaten nach EU-Planungsregion 1)

    Gebiet

    Anteil am BIP (2024 in %) 2)

    BIP pro Kopf (2024 in Euro)

    Bevölkerung (2025 in Mio.)

    Bucuresti-Ilfov

    29,5

    45.200

    2,3

    Nord-Vest

    12,3

    17.100

    2,5

    Centru

    11,1

    17.100

    2,3

    Nord-Est

    10,6

    11.600

    3,2

    Sud-Muntenia

    10,5

    13.200

    2,7

    Sud-Est

    9,4

    14.200

    2,3

    Vest

    8,9

    18.900

    1,7

    Sud-Vest Oltenia

    7,6

    14.500

    1,9

    1 Planungsregion: Zusammenfassung von Verwaltungseinheiten im Zuge der EU-Integration, Planungsregionen haben keine eigene Verwaltungshoheit; 2 Abweichungen durch Rundungsdifferenzen.Quelle: Eurostat 2026

    Lohnkosten sind konkurrenzfähig

    Ein Standortvorteil sind die im Vergleich innerhalb der EU günstigen Lohnkosten. Im Jahr 2025 beliefen sich die Kosten für eine Arbeitsstunde in der rumänischen Privatwirtschaft im Durchschnitt auf 13,60 Euro. Dies entsprach 39 Prozent des EU-Durchschnitts und wurde nur noch von Bulgarien unterboten.

    Allerdings sind in Rumänien deutliche Lohnsteigerungen zu beobachten. So lag der Bruttomonatslohn im Januar 2026 mit umgerechnet 1.811 Euro um 90,7 Prozent höher als im Januar 2019. Auch bei den Löhnen bestehen erhebliche regionale Unterschiede. Im Dezember 2025 lag der durchschnittliche Verdienst in Bukarest um 83,5 Prozent über dem Niveau von Vaslui an der Grenze zur Republik Moldau.

    Fachkräfte werden rar

    Hinter den Lohnsteigerungen stehen Produktivitätsgewinne und Erhöhungen des Mindestlohns. Vor allem jedoch wirkt sich ein zunehmender Fachkräftemangel in den Wirtschaftszentren aus. Diesen sahen im Frühjahr 2026 in einer Umfrage der AHK Rumänien 34 Prozent der Mitglieder als Risiko für ihre wirtschaftliche Entwicklung an.

    Der Fachkräftemangel dürfte sich in den kommenden Jahren infolge der Alterung der Gesellschaft weiter verschärfen. Einer Prognose von Eurostat zufolge werden im Jahr 2030 knapp 3 Prozent weniger Menschen im arbeitsfähigen Alter zwischen 20 und 64 Jahren in Rumänien leben als 2025.

    Für deutsche Investoren in Rumänien ergeben sich angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs und der Lohnsteigerungen der vergangenen Jahre neue Perspektiven. Sie kommen inzwischen auch als Arbeitgeber für aus Rumänien stammende Fachkräfte in Deutschland in Betracht.

    Von Torsten Pauly | Berlin

  • Investoren finden in Rumänien eine breite Palette an Förderungen vor. Das Land erhält jedoch schlechte Bewertungen bei der Korruption und Rechtstaatlichkeit.

    Unternehmen zahlen in Rumänien einen im Vergleich zu den anderen EU-Staaten einen moderaten Körperschaftssteuersatz von 16 Prozent. Investoren können unter Industrie- und Technologieparks in fast allen Landesteilen wählen. Einen Überblick bietet die rumänische Investitionsförderagentur Invest Romania.

    In Rumänien bestehen zudem sechs Zoll- und Steuerfreizonen. Diese befinden sich in den beiden Schwarzmeerhäfen Constanța und Sulina, den drei Donaustädten Galați, Brăila und Giurgiu sowie in Arad im Westen des Landes.

    Investitionsförderung: Strukturschwache Orte bieten mehr Anreize

    Investoren finden in Rumänien zahlreiche branchenbezogene Förderprogramme vor. Diese werden meist mit Mitteln der EU kofinanziert. Die Höhe der Investitionszuschüsse richtet sich in Abstimmung mit der Europäischen Kommission nach der Wirtschaftskraft des jeweiligen Gebietes. In besonders rückständigen Kreisen können bis zu 70 Prozent der Investition bezuschusst werden. Diese Quote sinkt abhängig von der Wirtschaftsleistung auf 0 Prozent in der Hauptstadt Bukarest.

    In allen Landesteilen können Investoren für eineinhalb Jahre zudem monatliche Gehaltszuschüsse. Diese gelten für Neueinstellungen bestimmter Arbeitnehmergruppen, etwa Berufseinsteigende, Alleinerziehende, Menschen mit Behinderung, über 45-Jährige oder Langzeitarbeitslose. Darüber hinaus sind Zuschüsse für Qualifizierungsmaßnahmen bereits Beschäftigter möglich.

    Daneben bestehen landesweite Abschreibungsmöglichkeiten. In Ausrüstungen reinvestierte Gewinne sind steuerfrei. Dies gilt auch für geleaste Anlagen.

    Ausgaben für Forschung und Entwicklung können in der Regel zu 50 Prozent abgeschrieben werden. Eine vollständige Anrechnung ist möglich, wenn das Unternehmen ausschließlich Forschung und Entwicklung betreibt.

    Der Erwerb von Grundstücken in Gewerbegebieten ist von der Grundsteuer befreit. Kommunen können zusätzlich weitere Anreize gewähren, etwa eine kostenlose Erschließung von Grundstücken.

    Rumänien hat im März 2026 seine Investitionskontrollgesetzgebung durch eine Dringlichkeitsverordnung überarbeitet. Investitionen müssen der zuständigen Stelle, der Comisia pentru Examinarea Investițiilor Străine Directe (CEISD), nun erst ab einer Summe von 5 Millionen Euro gemeldet werden. Zuvor lag die Schwelle bei 2 Millionen Euro. Die CEISD kann jedoch auch geringere Investitionen prüfen. Dies gilt etwa, wenn diese die kritische Infrastruktur, die Landwirtschaft oder die Pharma-, Chip- und Verteidigungsindustrie betreffen.

    EU-Förderungen ermöglichen öffentliche Investitionen

    Erforderlich sind hohe Investitionen in die Verkehrs-, Energie-, Umwelt- und Gesundheitssysteme. Unterstützt wird dies durch umfangreiche Fördermittel der EU.

    So stehen zwischen 2021 und 2027 aus dem Kohäsionsfonds unter anderem 2,8 Milliarden Euro für Verkehrswege und 6,7 Milliarden Euro für die Abfall- und Wasserwirtschaft zur Verfügung. Weitere 12,6 Milliarden Euro stellt die EU-Aufbau- und Resilienzfazilität der EU für Umweltprojekte, energieeffiziente Sanierungen, Anlagen zur Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen sowie für die Dekarbonisierung der Industrie in Rumänien bereit.

    Mittelfristig werden auch Erdgasvorkommen in den rumänischen Gewässern des Schwarzen Meeres die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen verringern. Zur Vorbereitung einer Ausbeutung ab 2027 erhielt das rumänisch-österreichische Unternehmen OMV-Petrom eine Konzession für Untersuchungen. Abnehmer des zu fördernden Gases wird unter anderem Uniper aus Deutschland sein.

    Deutsche Unternehmen sind stark präsent

    Das deutsche Engagement in Rumänien ist hoch. Die Schwarz Gruppe ist mit den Ketten Lidl und Kaufland der führende Einzelhändler. Metro ist der umsatzstärkste Großhändler.

    Stark vertreten sind zudem Unternehmen der Kfz-Industrie und der Energieversorgung. Hinzu kommen unter anderem Elektro- und Elektronikhersteller wie Siemens, Miele, Sennheiser oder Kärcher. Diese können zunehmend von Clustern wie RO-SMARTSYS für Halbleiter profitieren.

    Starker Fokus auf Handel, Automotive und EnergieGrößte deutsche Investoren in Rumänien; Umsätze im Jahr 2024 in Milliarden Euro

    Unternehmen

    Branche

    Umsatz

    LidlEinzelhandel

    4,6

    Kaufland Einzelhandel

    3,8

    METROGroßhandel

    2,1

    Star Assembly *)Automotive

    2,1

    REWEEinzelhandel

    1,9

    BoschAutomotive

    1,6

    E.ONEnergie

    1,6

    wpdEnergie

    1,6

    ContinentalAutomotive

    1,2

    SchaefflerAutomotive

    0,7

    * Tochtergesellschaft von Mercedes-Benz.Quelle: Ziarul Financiar 2025

    Industrie zieht die meisten Investitionen an

    Ende 2024 entfielen rund 28 Prozent des Gesamtbestandes an ausländischen Direktinvestitionen auf das verarbeitende Gewerbe. Es folgten der Bau- und Immobiliensektor sowie der Handel mit jeweils rund 17 Prozent. Das Finanz- und Versicherungswesen erreichte einen Anteil von 14 Prozent.

    Regional dominiert der Großraum Bukarest deutlich. Er vereinigte Ende 2024 rund 65 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen auf sich. In den übrigen Landesteilen wiesen die Regionen Centru mit gut 8 Prozent und Vest mit 7 Prozent die höchsten Anteile auf.

    Von den ausländischen Direktinvestitionen in Rumänien entfielen Ende 2024 knapp 15 Prozent auf Deutschland. Der zweithöchste Anteil stammte mit gut 11 Prozent aus Österreich, gefolgt von Frankreich mit rund 10 Prozent.

    Öffentlicher Sektor muss Effizienz steigern

    Ein Standortnachteil kann die häufig als schwerfällig kritisierte öffentliche Verwaltung Rumäniens sein. Dies gilt vereinzelt auch für staatliche Unternehmen.

    Im Corruption Perceptions Index von Transparency International belegte Rumänien 2025 innerhalb der EU den drittletzten Rang. Der World Justice Project Rule of Law Index führte das Land 2025 weltweit auf Rang 44 und innerhalb der EU auf dem fünftletzten Rang.

    Diese Defizite führen mitunter dazu, dass sich die Umsetzung von mit EU-Mitteln geförderten Investitionsprojekten verzögert. Ursachen sind etwa lange administrative Vorbereitungen oder Vergabeklagen nicht berücksichtigter Bieter.

    Die Effizienz der Verwaltung variiert jedoch je nach Investitionsstandort. Sie hängt stark von den zuständigen kommunalen und regionalen Entscheidungsträgern ab. Gleiches gilt für die zügige Umsetzung von Programmen der EU.

    Germany Trade & Invest stellt ausführliche Informationen zum Wirtschafts- und Steuerrecht sowie zu Einfuhrregelungen, Zöllen und nichttarifären Handelshemmnissen zur Verfügung.

    "Rumänien bietet gute Geschäftsmöglichkeiten"

    Sebastian Metz, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Rumänien Sebastian Metz, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Rumänien | © AHK Rumänien / Vali Tache / www.tachefoto.ro

    Sebastian Metz ist seit 2012 Geschäftsführendes Vorstandsmitglied der AHK Rumänien (Deutsch-Rumänische Industrie- und Handelskammer). Im Mittelpunkt seiner Tätigkeit stehen die Beratung deutscher und rumänischer Unternehmen, die kontinuierliche Betreuung der AHK-Mitglieder sowie die Interessenvertretung der deutschen Wirtschaft in Rumänien.

    Herr Metz, im AHK Business Outlook vom Frühjahr 2026 nannten 38 Prozent der befragten Mitglieder die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als Geschäftsrisiko. Was verstehen die Unternehmen konkret unter "wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen"?

    Für unsere Mitglieder bedeutet dies vor allem politische Stabilität und verlässliche wirtschaftliche Bedingungen. In Rumänien sorgten annullierte Präsidentschaftswahlen und Regierungswechsel im Jahr 2025 für erhebliche Verunsicherung. Und auch die geopolitischen Risiken durch die Lage an den Grenzen zur Ukraine und zur Republik Moldau spielen für das NATO-Mitglied Rumänien eine Rolle. Gleichzeitig ergeben sich aus der geostrategischen Lage des Landes attraktive Geschäftsmöglichkeiten, etwa in der Verteidigungsindustrie oder bei Energieprojekten im Schwarzen Meer.

    Rumänien lag beim Bestand deutscher Direktinvestitionen in der EU auf Rang 13 unter allen Mitgliedstaaten. Was spricht für ein Engagement?

    Rumänien bietet im EU-Vergleich weiterhin Lohnkostenvorteile und verfügt als traditioneller Industriestandort über einen großen Fachkräftepool. Eine starke universitäre und berufliche Ausbildungsstruktur, insbesondere in den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, ist in allen wichtigen Regionen vorhanden. Zudem verbessert sich die Verkehrsinfrastruktur kontinuierlich.

    Was sollten Unternehmen beim Markteintritt oder einer Investition aus ihrer Sicht beachten?

    Wichtig ist eine sorgfältige Vorbereitung. Dazu zählen eine frühzeitige rechtliche und steuerliche Beratung, die Berücksichtigung regionaler Unterschiede, ein gutes Verständnis von Infrastruktur und Branchenclustern, die Auseinandersetzung mit den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sowie das Finden geeigneter Ansprechpartner vor Ort.

    Von Torsten Pauly | Berlin

  • BezeichnungAnmerkung
    AHK RumänienAnlaufstelle für deutsche Unternehmen
    Ministerium für Wirtschaft, Digitalisierung, Unternehmertum und TourismusWirtschaftsministerium
    Invest RomaniaInvestitionsförderagentur Rumäniens
    Ministerium für Investitionen und EU-ProjekteVerantwortlich für die Umsetzung von Projekten mit EU-Fördermitteln und für Investitionsförderung
    Handels- und Wirtschaftsförderung der Botschaft Rumäniens in Deutschlandansässig beim Generalkonsulat Rumäniens in München