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E-Mobility

Russland will den Trend zur Elektromobilität nicht verpassen. Die Regierung unterstützt den Umstieg auf Elektrofahrzeuge. Die Hauptstadt Moskau weitet ihre Elektrobus-Flotte aus.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Moskau

Auf Russlands Straßen waren Ende 2020 etwa 8.000 Elektromobile (ohne Hybrid-Modelle) unterwegs. Marktführer ist mit etwa 6.700 Einheiten das Modell Leaf von Nissan, vor Elektroautos von Tesla und Mitsubishi. Der überwiegende Teil der Elektromobile verkehrt in der Region Primorje im Fernen Osten. Auf Platz zwei folgt das Gebiet Irkutsk vor der Hauptstadt Moskau.

Obwohl die Zahl verkaufter Elektroautos von Jahr zu Jahr steigt, macht sie nur einen Bruchteil des Kfz-Absatzes in Russland aus. Pro Monat werden etwa 50 Neuwagen zugelassen. Die Zahl gebrauchter Elektromobile wächst hingegen schneller. Auf einen Neuwagen kamen 2020 etwa elf gebrauchte Modelle. Hauptgrund dafür ist die Abschaffung des Importzolls auf E-Mobile in den Mitgliedsstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) am 4. Mai 2020, sowohl für Neuwagen als auch für gebrauchte Fahrzeuge. Der Nullzollsatz gilt vorerst bis 31. Dezember 2021.

Regierung fördert E-Mobilität

Russland treibt die Entwicklung der Elektromobilität voran. Das Industrieministerium subventioniert seit 2020 den kreditfinanzierten Kauf von E-Mobilen. In Moskau sind Elektroautos bis Ende 2024 von der Kfz-Steuer befreit, dürfen Busspuren befahren, kostenlos Mautstraßen nutzen und kostenfrei parken. Ein wichtiger Impulsgeber ist der wachsende Carsharing-Markt, auf dem Elektromobile bevorzugt zum Einsatz kommen.

Doch bei Investitionen in die Entwicklung von Elektroautos, der Anzahl der Ladestationen und der Akzeptanz der neuen Technologie in der Bevölkerung hat Russland noch viel Nachholbedarf. Das ergab eine Studie der Wirtschaftsberatungsgesellschaft KPMG vom September 2020.

Entwicklung von Elektromobil-Prototypen läuft an

Derzeit verfügt Russland nicht über einen lokalen Produzenten von Elektromobilen. Weltweite Technologieführer machen einen Bogen um Russland. Doch arbeiten mehrere OEMs und Startups an der Entwicklung von Elektroautos im Rahmen von Pilotprojekten.

Kamaz stellte im Dezember 2020 einen Prototyp des Elektro-Kleinwagens Kama-1 vor. Er wurde gemeinsam mit der Polytechnischen Universität Sankt Petersburg konzipiert. Die Serienfertigung soll frühestens 2023 anlaufen. Längerfristig plant Kamaz die Entwicklung eines leichten Elektro-Nutzfahrzeugs.

GAZ beginnt 2021 mit der Serienproduktion des Modells GAZelle e-NN, des ersten russischen LCV mit Elektroantrieb. Die Elektromotoren und Batterien kommen aus China, sollen aber schrittweise lokalisiert werden.

Awtotor erwägt den Bau eines eigenen Elektromobils im Gebiet Kaliningrad, kündigte Wladimir Schtscherbakow, der Gründer des Auftragsfertigers an. Dabei sollen additive Fertigungstechnologien und Verbundstoffe zum Einsatz kommen. Für Hyundai montiert Awtotor bereits Hybridmodelle.

Das Start-up ZETTA (Zero Emission Terra Transport Asset) musste den für Ende 2020 geplanten Start der Produktion des Elektrokleinwagens "City Modul 1" wegen unzureichender Investitionsmittel verschieben.

Das Unternehmen Monarch hat im November 2020 den Prototyp seines ersten Elektroautos im Premiumsegment präsentiert. Zurzeit befindet es sich im Zulassungsverfahren.

Im Oktober 2020 stellte das Unternehmen Arderia in der Republik Adygeja den Elektro-Kleinwagen Arderia TS2 vor.

Moskau erweitert Elektrobus-Flotte

Wichtigstes Segment der E-Mobilität in Russland sind Elektrobusse für den Nahverkehr. Vorreiter ist die Hauptstadt Moskau mit dem schon heute größten Elektrobus-Fuhrpark in Europa. Bis 2023 soll sich die Elektrobus-Flotte der Hauptstadt vervierfachen - von derzeit 580 auf 2.300 Einheiten. Im Dezember 2020 schloss Kamaz einen weiteren Vertrag mit dem Moskauer Nahverkehrsbetrieb Mosgortrans zur Lieferung von 400 E-Bussen ab. Ab 2030 möchte Moskau im Nahverkehr klimaneutral werden.

Kamaz investiert etwa 12 Millionen Euro in den Aufbau einer Produktion von Elektrobussen und eines Entwicklungszentrums in Tatarstan. Ab März 2021 möchte Russlands größter Lkw-Bauer auch in Moskau die Endfertigung von Elektrobussen aufnehmen. Neben Kamaz produziert auch Volgabus (gehört zur Bakulin Motors Group) E-Busse unter der Marke Matrjoschka.

Staatsbetrieb ist Monopolist bei Batteriezellenfertigung

Der Markt für Elektroauto-Batterien könnte in Russland bis 2025 bis zu 3 Milliarden US-Dollar erreichen. Der Großteil der Batteriezellen für Elektromobile und der Ausgangsstoffe kommt derzeit aus dem Ausland, vor allem aus China. Einziger nennenswerter lokaler Hersteller von Lithium-Ionen-Batterien ist der 2011 gegründete Konzern Liotech (gehört zu Rosnano). Derzeit modernisiert das Unternehmen für etwa 45 Millionen Euro die Produktionsanlagen im Gebiet Nowosibirsk. Liotech rüstet unter anderem Elektrobusse von Volgabus mit Batterien aus.

Ladestelleninfrastruktur soll ausgebaut werden

Der größte Hemmschuh für die Elektromobilität in Russland ist der schleppende Ausbau der Ladeinfrastruktur. Landesweit gibt es derzeit nur etwa 250 Ladestationen. Die Stromnetzgesellschaft Rosseti plant ihre Anzahl bis 2024 zu vervierfachen. Dabei liegt der Fokus zunächst auf den Millionenstädten des Landes und entlang der wichtigsten föderalen Autobahnen. Die Hauptstadt Moskau möchte bis 2023 die Anzahl der Ladestationen von derzeit 65 auf 600 verzehnfachen.


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