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Branchen | Saudi-Arabien | Medizintechnik

Marktentwicklungen und -trends

Die Coronakrise brachte im saudi-arabischen Medizintechniksektor einen kräftigen Wachstumstrend zum Stillstand. Für 2022 wird aber wieder mit einem deutlichen Plus gerechnet.

Von Robert Espey | Dubai

Abklingen der Coronapandemie und Ölpreisanstieg beleben Nachfrage

Die Medizintechniknachfrage wird vor allem durch den Ausbau des Krankenhaussektors bestimmt, der wesentlich von der Investitionstätigkeit des Gesundheitsministeriums und anderer staatlicher Organisationen abhängt. Private Krankenhausbetreiber spielen eine zunehmend wichtige Rolle und sollen nach den Vorstellungen der Regierung zukünftig weite Teile des bestehenden Krankenhaussektors übernehmen und neue Kapazitäten schaffen.

Saudi-Arabien: Markt für Medizintechnik (in Millionen US$)

2017

2018

2019

2020

Lokale Produktion 1)

100

110

115

125

Import 2)

1423

1620

1833

1659

Export 2)

30

31

7

23

 Re-Export 2)

25

27

0

22

Marktvolumen

1493

1699

1941

1761

1) Schätzungen; 2) SITC 774, 872, 8996 und 78531Quelle: General Authority for Statistics, UN Comtrade, Industrial Investment Attraction & Industrial Development Organization/Industrial Clusters, Germany Trade & Invest

Die Coronapandemie hat das Entwicklungstempo im Krankenhaussektor nicht beschleunigt. In der Coronakrise erwiesen sich die vorhandenen Kapazitäten des Gesundheitswesens als insgesamt ausreichend. Eine systemische Überlastung konnte vermieden werden. Im März 2022 sank die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner auf unter 3. Es gelten nur noch wenige Coronarestriktionen.

Der Corona bedingte Ölpreiseinbruch und der dadurch verursachte Anstieg des Haushaltsdefizits bremsten 2020 auch im Gesundheitswesen die Investitionen staatlicher Akteure. Die Einschränkungen im normalen Krankenhausbetrieb infolge der Coronapandemie verschlechterten sowohl bei staatlichen als auch bei privaten Hospitälern die Einnahmen und ließen das Investitionsbudget sinken. Das Abklingen der Coronapandemie und die zwischenzeitlich stark gestiegenen Öleinnahmen dürften nun die Medizintechnikinvestitionen wieder steigen lassen.

Der saudi-arabische Markt für Medizintechnik ist 2020 um 9 Prozent auf 1,8 Milliarden US-Dollar (US$) geschrumpft und hat auch 2021 nicht oder nur gering zugelegt, so Beobachter. Zuwächse gab es 2020 allerdings bei der Beschaffungen von Beatmungsgeräten und anderen zur Behandlung von Coronapatienten notwendigen Ausrüstungen und Verbrauchsgütern - wie beispielweise Schutzbekleidung - und Medikamenten.

Importe decken im Wesentlichen den Medizintechnikbedarf 

In Saudi-Arabien wird der Medizintechnikmarkt zu über 90 Prozent durch ausländische Hersteller versorgt. Die Inlandsproduktion beschränkt sich im Wesentlichen auf medizinische Verbrauchsartikel wie zum Beispiel Spritzen und Kunststoffprodukte. Aufgrund des Corona bedingten Mehrbedarfs dürfte es hier Produktionssteigerungen gegeben haben.

Deutschland: Ausfuhr von Medizintechnik nach Saudi-Arabien (in Millionen Euro)

SITC

Produktgruppe

2019

2020

2021

774.1

Elektrodiagnoseapparate und -geräte

34

30

39

774.2

Röntgenapparate etc.

35

53

37

785.31

Rollstühle

1

1

1

872.1

Zahnmedizinische Instrumente, a.n.g.

11

7

14

872.21

Spritzen, Nadeln, Katheter, Kanülen etc.

19

13

11

872.25

Ophthalmologische Instrumente

6

5

8

872.29

Andere Instrumente, Apparate und Geräte

74

67

63

872.3

Therapiegeräte, Atmungsgeräte etc.

12

21

22

872.4

Medizinmöbel etc.

6

8

5

899.6

Orthopädietechnik, Prothesen etc.

31

17

29

Summe *)

229

223

228

*) Summen enthalten RundungsdifferenzenQuelle: Eurostat

Nach Angaben der saudi-arabischen Statistikbehörde erreichte der Medizintechnikimport 2019 mit 1,83 Milliarden US$ fast den 2014 erzielten Spitzenwert von 1,84 Milliarden US$. Im Jahr 2020 fielen sie um 9,5 Prozent auf 1,66 Milliarden US$. Saudi-Arabien hat für 2021 noch keine Daten veröffentlicht, aber die Exportzahlen wichtiger Lieferländer lassen eine Stagnation oder nur einen leichten Anstieg vermuten. Die führenden Lieferanten von Medizintechnik sind die USA (2020: 392 Millionen US$), Deutschland (237 Millionen US$) und China (194 Millionen US$).

  • Die US-Statistik weist für 2020 einen Rückgang der Medizintechnikexporte nach Saudi-Arabien um 35 Prozent auf 254 Millionen US$ aus, 2021 waren es 256 Millionen US$.
  • Eurostat zufolge verminderten sich die deutschen Ausfuhren 2020 um 3 Prozent auf 223 Millionen Euro und stiegen dann 2021 um 2 Prozent auf 228 Millionen Euro.
  • Die EU27-Gruppe exportierte 2021 für 762 Millionen Euro (2020: 744 Millionen Euro; 2019: 894 Millionen Euro). 
  • Der chinesische Zoll meldete für 2020 eine Erhöhung der Exporte um 34 Prozent auf 150 Millionen US$, aber 2021 kam es zum einem Einbruch um 17 Prozent auf 124 Millionen US$.

Gesundheitsprojekte für 11 Milliarden US$ im Bau oder geplant

Im Zeitraum 2015 bis 2020 erhöhten sich die Krankenhauskapazitäten um 9.202 auf 78.596 Betten, wovon 75 Prozent auf staatliche Einrichtungen entfielen. Dem Gesundheitsministerium gehörten 45.180 Betten in 287 Krankenhäusern. 50 Hospitäler anderer staatlicher Träger (Verteidigungsministerium, Nationalgarde, Innenministerium, Bildungsministerium, Ölgesellschaft etc.) verfügten über insgesamt 13.989 Betten. Der Privatsektor hatte 19.427 Betten in 167 Krankenhäusern anzubieten.

Saudi-Arabien: Geplante Investitionsvorhaben im Gesundheitssektor (Auswahl)

Projekt

Investitionssumme (in Mio US$)

Projektstand *)

Projektbetreiber

Medical Center for Sciences and Biotechnology

450

DE

International Medical Center

Al Ansar General Hospital

300

AP

Ministry of Health

Al Dammam International Hospital

250

DE

Vision Architectural Design Office

Dallah Integrated Healthcare Hospital

250

DE

Dallah Albaraka Group

Medina Maternity and Children Hospital

213

ST

Ministry of Health

Shuhada Medical Care Tower

184

ST

General Organization for Social Insurance

Prince Mohammed Bin Abdul Aziz Medical City in Jouf: Phase 2

156

PQ

Ministry of Health

Hypnosis Wards Extension

150

DE

Qassim National Hospital

Olaya Hospital in Riyadh

110

DE

Haif Company

University Hospital in Jeddah

100

AP

Jeddah University

Hittin IVF Infertility Hospital in Riyadh

100

ST

Royal Commission for Riyadh City

Madinah Hospital in Mitan

100

ST

Sulaiman Al Habib Medical Group

Takhassusi Road Hospital in Riyadh

100

ST

Royal Commission for Riyadh City

Al Hawiyah Hospital

93

ST

Ministry of Health

Mouwasat Hospital In Yanbu Industrial City

86

AP

Mouwasat Medical Services

Jizan Obstetrics and Gynecology Hospital

72

AP

Ministry of Health

The Qiddiya Project: Hospital Building

50

DE

Qiddiya Investment Company

*) DE = Design, AP = Angebotsprüfung, PQ = Präqualifizierung, ST = StudieQuelle: MEED Projects, Recherchen von Germany Trade & Invest

Staatliche Träger realisieren derzeit (Stand: März 2022) Krankenhaus- und andere Gesundheitsprojekte für 4,7 Milliarden US$. Davon entfallen 2,7 Milliarden US$ auf ein Großprojekt des Innenministeriums (Security Forces Medical Complex in Riad) und 1,6 Milliarden US$ auf das Gesundheitsministerium. Der Privatsektor hat Projekte für 2,5 Milliarden US$ im Bau. In Planung sind Vorhaben für 3,4 Milliarden US$, der Staatssektor hat daran einen Anteil von 1,9 Milliarden US$.

Staat will sich aus Gesundheitssektor zurückziehen

Der Staat finanziert den Großteil der Gesundheitsausgaben. Die Weltbank gibt für 2019 (jüngste Daten) den staatlichen Anteil an den gesamten Gesundheitskosten mit 69 Prozent an. Auf die Leistungen von Krankenversicherungen entfallen 14 Prozent, auf Eigenanteile der Patienten 17 Prozent. 

Nach den Plänen der Regierung soll das saudi-arabische Gesundheitssystem bis 2030 mehrheitlich privatisiert sein. Derzeit dominieren staatliche Gesundheitsdienstleister. Viele bestehende Einrichtungen sollen an private Betreiber verkauft werden, neue Projekte sollen ebenfalls möglichst von privaten Investoren durchgeführt beziehungsweise auf Private Public Partnership (PPP)-Basis realisiert werden. Seit 2017 können auch Gesundheitseinrichtungen zu 100 Prozent in ausländischer Hand sein. Dadurch erhofft sich das Ministry of Investment (bis Februar 2020: Saudi General Investment Authority, SAGIA) einen starken Zufluss internationaler Investoren.

Saudi-Arabien: Krankenhäuser und Betten nach Fachzweigen 2020

Fachzweige

Anzahl der Krankenhäuser

Anzahl der Betten

Gesundheitsministerium

287

45.180

 Allgemeinkrankenhäuser (General Hospitals)

226

33.009

 Pädiatrie

3

581

 Psychiatrie

19

4.205

 Langzeitpflege

10

980

 Rehabilitation

2

231

 Pneumologie

1

50

 Ophthalmologie

4

515

 Gynäkologie/Geburtshilfe

3

555

 Gynäkologie/Geburtshilfe/Pädiatrie

19

5.054

Andere staatliche Träger *)

50

13.989

 Gynäkologie/Geburtshilfe

k.A.

1.449

 Pädiatrie

k.A.

1.444

 Orthopädie

k.A.

274

 Innere Medizin

k.A.

3.118

 Chirurgie

k.A.

2.234

 Urologie

k.A.

93

 Intensivmedizin

k.A.

2.456

 Ophthalmologie

k.A.

88

 Pneumologie und Fieber

k.A.

57

 Haut- und Geschlechtskrankheiten

k.A.

37

 Plastische Chirurgie und Verbrennungen

k.A.

50

 Psychiatrie und Neurologie

k.A.

287

 Quarantäne, Isolierstationen

k.A.

384

 Dental

k.A.

22

 Hals, Nasen, Ohren

k.A.

126

 Sonstige Fachzweige

k.A.

1.870

Private Träger

167

19.427

 Allgemeinkrankenhäuser (General Hospitals)

k.A.

3.742

 Gynäkologie/Geburtshilfe

k.A.

2.612

 Pädiatrie

k.A.

2.061

 Orthopädie

k.A.

266

 Innere Medizin

k.A.

3.502

 Chirurgie

k.A.

2.938

 Urologie

k.A.

119

 Intensivmedizin

k.A.

2.153

 Ophthalmologie

k.A.

235

 Pneumologie und Fieber

k.A.

27

 Haut- und Geschlechtskrankheiten

k.A.

31

 Plastische Chirurgie und Verbrennungen

k.A.

56

 Psychiatrie und Neurologie

k.A.

183

 Quarantäne, Isolierstationen

k.A.

122

 Dental

k.A.

86

 Hals, Nasen, Ohren

k.A.

216

 Sonstige Fachzweige

k.A.

1.078

*) Verteidigungsministerium, Nationalgarde, Innenministerium, Bildungsministerium, Ölgesellschaft etc.Quelle: Gesundheitsministerium

Bis 2030 sollen 295 der 337 staatlichen Krankenhäuser im Jahr 2020 privatisiert werden. Zudem ist die Privatisierung von 2.259 der 2.390 staatlichen Gesundheitszentren in der Primärversorgung geplant. Die erste Privatisierung einer staatlichen Gesundheitseinrichtung wurde im Februar 2020 abgeschlossen. Die Dr. Soliman Abdel Kader Fakeeh Hospital Company hat die 1970 gegründete Saudia Medical Services Company (SMS)  übernommen.

Die SMS versorgt über 140.000 Mitarbeitende und deren Angehörige der staatlichen Saudi Arabian Airline (Saudia), einschließlich der Tochterunternehmen. Die Fakeeh Care Gruppe ist ein führender privater saudi-arabischer Anbieter von Gesundheitsdienstleistungen. Zur Unternehmensgruppe gehört unter anderem das 1978 in Jeddah eröffnete Dr. Soliman Fakeeh Hospital mit 450 Betten. In Dubai (Dubai Silicon Oasis) wurde 2021 das Fakeeh University Hospital mit 300 Betten eröffnet.

Für das Privatisierungsprogramm ist das 2017 gegründete National Center for Privatization & Private Public Partnership (NCP) zuständig. Im Januar 2022 hat das NCP interessierte Firmen aufgefordert, für das im Bau befindliche SABIC Behavioral Care Specialist Hospital mit geplanten 150 Betten und ambulanten Behandlungsangeboten eine Interessensbekundung - Expression of Interest (EOI) abzugeben. Neben psychisch Kranken sollen auch Suchtpatienten behandelt werden.

Im Dezember 2021 startete der EOI-Prozess für zwei Medical Cities. Es geht um die King Faisal Medical City (2. Phase, 1.024 Betten) in Abha und die Prince Mohammad bin Abdul Aziz Medical City (2. Phase, 442 Betten) in Sakaka. Weitere NCP-Vorhaben im Gesundheitssektor sind unter anderem das neue Al Ansar Hospital (244 Betten) in Medinah, das King Faisal Specialist Hospital in Riad und das Radiology and Medical Imaging Services Project zur Versorgung von sieben Krankenhäusern in Riad.

Saudi-Arabien: Rahmendaten zum Gesundheitssystem

Indikator

Wert

Einwohnerzahl (Jahresmitte 2020, in Millionen)

35,0

Bevölkerungswachstum (2020, in Prozent p.a.)

2,4

Altersstruktur der Bevölkerung (2020)

 Anteil der unter 15-Jährigen (2020, in Prozent)

24,4

 Anteil der über 64-Jährigen (2020, in Prozent)

3,2

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (2020, in Jahren)

75,0

Durchschnittseinkommen (2021, in US$) *)

23.480

Gesundheitsausgaben pro Kopf (2019, in US$)

1.316

Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (2019, in Prozent)

5,7

Ärzte/100.000 Einwohner (2020)

272

Zahnärzte/100.000 Einwohner (2020)

56

Krankenhausbetten/100.000 Einwohner (2020), davon

224

 privat

55

 öffentlich

169

*) SchätzungQuelle: General Authority for Statistics, Ministry of Health, World Bank (World Development Indicators), Germany Trade & Invest

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