Sie sind ein ausländisches Unternehmen, das in Deutschland investieren möchte?

Branchen | Simbabwe | Land- und Forstwirtschaft

Weitere Nahrungsmittelengpässe möglich

Simbabwes Farmer hatten eine gute Erntesaison, können aber die Selbstversorgung des Landes nur zum Teil sichern. Benötigt werden vor allem Bewässerungstechnik und Kleingeräte.  

Von Marcus Knupp | Berlin

Die Niederschläge in den meisten Landesteilen Simbabwes haben sich seit Ende 2019 gegenüber den vorausgegangenen Dürrejahren wieder auf ihr langjähriges Normalniveau erhöht. Allerdings war der Niederschlagsverlauf in den südlichen und südöstlichen Regionen unregelmäßig, mit frühem Einsetzen der Regenzeit 2019/20 und nachfolgender erneuter Trockenperiode, was die Erträge abermals negativ beeinflusst hat.

Eigenversorgung nicht durchgängig gewährleistet

Insgesamt war aber bei fast allen Anbauprodukten in der Erntesaison 2019/2020 eine Erhöhung der Produktion zu verzeichnen, wenn auch oft noch nicht auf die zur Eigenversorgung notwendigen Zielgrößen. Die Ernte von Winterweizen zum Beispiel wird in der Anbausaison 2020/21 Pressemeldungen zufolge mit 200.000 bis 220.000 Tonnen nur rund die Hälfte der anvisierten 416.000 Tonnen erreichen. Weitere Versorgungslücken erscheinen damit vorprogrammiert, obwohl die Ernte der Saison 2019/20 von 90.000 Tonnen um voraussichtlich mehr als 100 Prozent übertroffen wird.

Anbau ausgewählter Feldfrüchte in Simbabwe

Anbaufrucht

Anbaufläche 2019/20 (ha)

Veränderung geg. Vorjahr (%)

Erntemenge 2019/20 (t) *)

Veränderung geg. Vorjahr (%)

Mais

1.549.324

-5

907.629

17

Hirse

506.647

-34

152.515

103

Erdnuss

208.229

-1

87.479

23

Baumwolle

170.622

-13

101.000

52

Augenbohnen

60.799

13

18.430

26

Tomaten

32.286

33

807.150

84

Kartoffeln

25.773

20

592.779

45

Ackerbohnen

22.997

-25

12.650

33

Süßkartoffeln

20.537

17

114.558

30

Kohl

18.246

24

821.070

80

*) SchätzungQuelle: Ministry of Lands, Agriculture, Water and Rural Resettlement (2020)


Verringerte Ernten gab es etwa bei Tabak oder Soja. Das war jeweils mit einem Rückgang der mit diesen Pflanzen bebauten Flächen verbunden. Bei den Dauerkulturen lag die Zunahme der Erntemengen zum Teil deutlich höher als die Vergrößerung der bepflanzten Flächen.

Anbau von Dauerkulturen in Simbabwe

Anbaufrucht

Anbaufläche 2019/20 (ha)

Veränderung geg. Vorjahr (%)

Erntemenge 2019/20 (t) *)

Veränderung geg. Vorjahr (%)

Zuckerrohr

74.189

5

5.860.931

5

Macadamia

9.525

29

61.913

44

Tee

7.582

0

40.185

6

Bananen

7.539

5

271.404

8

Mango

4.285

7

107.125

12

Orangen

3.994

2

151.772

14

Avocado

2.051

10

84.091

41

Kaffee

573

6

579

9

Zitronen

439

12

18.438

89

*) SchätzungQuelle: Ministry of Lands, Agriculture, Water and Rural Resettlement (2020)


Grundsätzlich steht Simbabwe vor einer doppelten Herausforderung. Das ehemals als „Brotkorb des südlichen Afrikas“ bekannte Land hat infolge politisch notwendiger, aber wirtschaftlich wenig erfolgreicher Maßnahmen zur Landreform seit dem Jahr 2000 erheblich an Produktionskapazität eingebüßt. Hierdurch kann zum einen die Versorgung der Bevölkerung nicht mit allen Erzeugnissen sichergestellt werden. Zum anderen fehlen Exportprodukte, die für die Beschaffung von Devisen dringend benötigt werden.

Auch Tierhaltung leidet unter Dürre

Beim Viehbestand zeigen die Zahlen für 2019 eine Abnahme bei den anspruchsvolleren Rindern und Schweinen und eine Zunahme beim Kleinvieh. Dies dürfte eine Folge der Trockenperiode in den vorangegangenen zwei Jahren sein; insbesondere der Bestand der genügsameren Ziegen ist gestiegen. Das Schlachtgewicht der Rinder lag 2019 mit Monatsdurchschnittswerten von 127 bis 165 Kilogramm erheblich unter dem Zielwert von 220 Kilogramm. Die Anzahl der Schlachtungen ist darüber hinaus seit einigen Jahren rückläufig.

Viehbestand in Simbabwe

Tierart

Bestand 2019

Veränderung gegenüber Vorjahr in %

Rinder

5.443.770

-5,7

Schafe

522.955

8,6

Ziegen

4.360.838

17,6

Schweine

227.749

-18,2

Quelle: Ministry of Lands, Agriculture, Water and Rural Resettlement (2020)


Die Produktion von Milch hat 2019 ihren langjährigen Aufwärtstrend fortgesetzt. Dies ist allerdings weniger auf eine Erhöhung der Milchleistung pro Kuh als auf die Vergrößerung des Milchviehbestandes zurückzuführen. Von den insgesamt 39.856 statistisch erfassten Milchkühen ist indes nur etwa die Hälfte als milchgebend verzeichnet. Das könnte auf einen hohen Jungtierbestand deuten. Die gesamte Milchproduktion von knapp 80 Millionen Litern im Jahr liegt dabei trotz Steigerung noch erheblich unter dem Bedarf von rund 120 Millionen Litern. Das Molkerei-Unternehmen Dairiboard Holdings Limited nennt hohe Futtermittelpreise infolge der in den letzten Jahren geringen Getreideernten als Engpassfaktor in der Milchproduktion.

Milchviehhaltung in Simbabwe

Jahr

Bestand

Milchproduktion (in Mio. Liter)

2015

15.611

57,5

2016

16.835

65,4

2017

17.325

66,4

2018

17.968

75,4

2019

19.022

79,9

Quelle: Ministry of Lands, Agriculture, Water and Rural Resettlement (2020)


Uneinheitlich ist der Trend in der Geflügelhaltung. Mit 50,4 Millionen Dutzend lag die Eierproduktion 2019 um 24 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Produktion von Geflügelfleisch sank demgegenüber 2019 im Vergleich zu Vorjahr um circa 20 Prozent auf 114.000 Tonnen.

Technische Ausstattung der Betriebe bleibt zurück

Die Mechanisierung der landwirtschaftlichen Betriebe in Simbabwe ist seit 2000 oft politisch beeinflusst. Nutznießer von Programmen, zum Beispiel zur Beschaffung von Traktoren, sind vor allem große und mittlere Betriebe mit guten Kontakten. Kleinere und kommunale Farmen profitieren dagegen zunehmend von Miet- und Share-Modellen. Großer Bedarf besteht an Innovationen wie Bewässerungstechnik oder an weniger kapitalaufwendigen Kleingeräten.

Ein bedeutender Teil der Betriebe arbeitet auf Basis von Abnahmeverträgen (contract farming). Da sie selbst nur über geringe finanzielle Mittel verfügen, werden Inputs wie Saatgut, Dünger oder Pflanzenschutzmittel und technisches Wissen oft durch den Vertragspartner, etwa einen Agrarhändler oder ein Nahrungsmittelunternehmen gestellt.

In einigen Bereichen wie etwa dem Tabakanbau nutzen bereits viele Landwirte das Mobiltelefon für den Zugang zu landwirtschaftlich relevanten Informationen. Einer Untersuchung aus dem Jahr 2019 zufolge verfügten 85,5 Prozent der erfassten Tabakbauern über ein Mobiltelefon; davon waren allerdings lediglich knapp 36 Prozent Smartphones oder Tablets, die einen Internetzugang ermöglichen. Das IT-Wissen ist oft nicht ausreichend, um die verfügbaren Landwirtschafts-Apps auch zu nutzen.

Entschädigung enteigneter Landwirte?

Die simbabwische Regierung kündigte im Juli 2020 die Einigung auf eine Entschädigung während der Landreformen enteigneter Landwirte für verlorene Investitionen an. Wenig später brachte sie zusätzlich die Rückgabe enteigneter Flächen beziehungsweise das Angebot alternativer Ländereien für die betroffenen weißen Farmer ins Gespräch. Im Raum steht eine Entschädigungssumme von 3,5 Milliarden US-Dollar (US$). Angesichts der prekären Finanzlage Simbabwes ist nicht klar, wie eine solche Entschädigung finanziert werden soll. Zunächst ist dieses Angebot wohl vor allem als symbolische Maßnahme zu interpretieren, um noch bestehende Sanktionen gegen das Land zu beenden und damit wieder Zugang zu den internationalen Finanzmärkten zu erhalten.


nach oben
Feedback

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.