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Branchen | Spanien | Auslandsbau

Spanische Baukonzerne arbeiten auf Auslandsmärkten mit Partnern

Spanien stellt fünf der 50 weltgrößten Unternehmen im Auslandsbau. Das kann auch deutschen Firmen Kooperationschancen ermöglichen.

Von Oliver Idem | Madrid

Bau- und Infrastrukturbaukonzerne aus Spanien setzen viele Vorhaben auf Drittmärkten um. Besonders ausgeprägt ist ihre Präsenz auf dem amerikanischen Kontinent. Im Sommer 2022 konnten die größten Akteure zahlreiche neue Aufträge verbuchen. 

Die führenden Bau-, Infrastruktur- und Konzessionsunternehmen wie ACS (zu dem Hochtief gehört), Ferrovial, Sacyr, FCC und OHLA sind stark diversifizierte Mischkonzerne. Sie sind während des Baubooms bis 2007 auf dem Inlandsmarkt gewachsen und dominieren diesen. Die darauffolgende Krise hat sie im Ausland zulegen lassen, wo sie zumeist den Großteil ihres Umsatzes erwirtschaften.

Größte spanische Unternehmen im Auslandsbau (Umsätze in Millionen US-Dollar)

Unternehmen

Umsatz 2021

davon Auslandsumsatz

Grupo ACS/Hochtief

36.275

32.745

Ferrovial

10.888

9.650

Sacyr

4.880

3.251

FCC

7.542

3.076

OHLA

2.826

2.777

Grupo Sanjosé

1.062

294

Comsa

897

278

Sener

257

209

Quelle: Berechnungen der Wirtschaftszeitung Expansión mit Daten der Fachzeitschrift Engineering News Record 2022

Häufig arbeiten die großen Bauunternehmen auf internationalen Märkten mit spanischen Ingenieurbüros zusammen. Je nach Projekt kommen weitere Partner hinzu. ACS ist besonders stark auf dem amerikanischen Kontinent vertreten, spielt aber auch in Asien und Australien eine wichtige Rolle. Die Schwerpunkte von Ferrovial liegen in Europa und den USA. Sacyr verfügt über eine starke Präsenz in Lateinamerika.

Neue Aufträge und Perspektiven

Im Juli 2022 belief sich das gesamte Bauportfolio von ACS auf rund 66 Milliarden Euro. Davon entfielen 95 Prozent auf Vorhaben im Ausland. Bei Ferrovial summierten sich die Bauaufträge auf rund 12 Milliarden Euro. Hinzu kam ein Portfolio an Dienstleistungen von rund 7,9 Milliarden Euro.

ACS kann seit Beginn des Jahres 2022 Erfolgsmeldungen über neue Verträge in den Vereinigten Staaten verkünden. Zu den Vereinbarungen gehören der Bau einer Straßenbahnlinie in Maryland und einer Eisenbahnbrücke in Kalifornien. Ebenfalls in Kalifornien wird ACS eine Kläranlage sanieren. Hinzu kommt die Errichtung eines Bildungszentrums für Gesundheit in Kentucky. In Texas ergänzt der Betrieb einer Mautstraße das Portfolio.

Acciona baut indes seine Aktivitäten in Australien weiter aus. Zuletzt sicherte sich das Unternehmen einen Auftrag zur Sanierung einer Bahnlinie in Perth im Wert von 485 Millionen Euro. Die Wirtschaftszeitung Expansión meldete im August 2022, dass Acciona dabei mit drei Partnern kooperiert. Es handelt sich um das lokale Bauunternehmen BMB Constructions sowie Aecon aus den USA und WSP aus Kanada. Allein seit 2020 gelang es Acciona, trotz Coronakrise sechs Aufträge in Australien zu akquirieren. Das Unternehmen war jeweils zweimal in Bayswater, Melbourne und Sydney erfolgreich.

Mit Blick auf die weitere Zukunft zielen Acciona und ACS auf ein Großprojekt in Australien ab. Die Regierung des Bundesstaates Victoria will den Nahverkehr in Melbourne wesentlich ausbauen. Das Vorhaben Suburban Rail Loop umfasst etwa 100 Kilometer S-Bahn-Strecken und erfordert auch Tunnelbauarbeiten. Die gesamten Investitionen sollen bis zu 34 Milliarden Euro betragen. Bis 2056 sollen die drei Phasen des Projekts abgeschlossen sein.

Im US-Bundesstaat Texas weckt ein Megaprojekt im Straßenbau das Interesse von ACS und Ferrovial. Laut einem Bericht von Expansión sollen innerhalb von zehn Jahren 85 Milliarden US-Dollar investiert werden. Der Plan zur Entlastung des staugeplagten Straßennetzes umfasst 100 einzelne Elemente. Es ist vorgesehen, diese in den kommenden Jahren schrittweise auszuschreiben. Ferrovial ist in Texas bereits als Konzessionär für drei Autobahnen aktiv. ACS ist sowohl im Infrastrukturbau als auch über Konzessionen vertreten.

Bedarf an Expertise kann ein Türöffner zur Kooperation werden

Kooperationschancen hängen für ausländische Firmen vom Bedarf des jeweiligen spanischen Unternehmens an Technik oder Know-how ab. Zudem zeigen mehrere Beispiele, dass nach einem gemeinsam durchgeführten Projekt Chancen auf eine erneute Zusammenarbeit bestehen. Gute Erfahrungen mit Partnern auf Drittmärkten können sich also auszahlen.

Im Falle Spaniens kommt noch eine Besonderheit hinzu. Da die spanische Baubranche fest in einheimischer Hand ist, könnten für ausländische Partner die Projekte auf Drittmärkten sogar bessere Perspektiven bieten als in Spanien selbst. Im Idealfall steht in der Folge auch die Tür zum spanischen Markt durch den Kooperationspartner ein Stück weiter offen als ohne ihn. 

Bei den Projekten ist nicht immer leicht zu durchschauen, wer wo mit wem zusammenarbeitet oder wie akquiriert wird. Zu manchen Vorhaben sind ausführliche Informationen verfügbar, bei anderen nur die Grundzüge der Planung. Die Beispiele zeigen aber, dass für spanische Unternehmen auch andere Partner als spanische oder solche auf dem Zielmarkt in Frage kommen. Wenn das Profil passt, kann der Grundstein für eine Zusammenarbeit gelegt werden.

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