Markets | Südeuropa | Klimatechnik
Hitzeanpassung in Südeuropa: Hohe Nachfrage nach Kälte-, Klima- und Dämmtechnik
Nicht nur Deutschland hat in diesem Jahr historische Hitzewellen erlebt, auch in Ländern rund um das Mittelmeer ist das Thema seit Jahren Alltag. Anbieter von Klimatechnik, Begrünungen und Gebäudekühlung sollten diese Märkte im Blick haben.
24.09.2026
- Frankreich: Klimaanpassung als nationale Strategie – Chancen für Klimatechnik und Fernkälte
- Investitionen in öffentlichen Gebäuden und der Industrie geplant
- Griechenland: Reifer Klimatisierungsmarkt mit neuen Großprojekten
- Spanien und Portugal: Hitzeschutz in Städten treibt klimaresiliente Bau- und Stadtlösungen
- Was deutsche Unternehmen jetzt beachten sollten
Ende Juni 2026 erlebte Deutschland eine historische Hitzewelle, die vom 18. bis 28. Juni anhielt und die 40-Grad-Marke mehrfach überschritt. Das Robert Koch-Institut schätzt, dass allein in dieser Woche rund 5.100 Menschen an den Folgen der Hitze starben. Züge im Regionalverkehr fielen aus, Straßenbahnen standen still, weil die Hitze die Gleise beschädigt hatte, vielerorts brach der Asphalt auf.
Was Deutschland als Ausnahmezustand erlebte, ist für Spanien, Portugal, Griechenland und Frankreich seit Jahren Alltag. Als mediterrane Länder haben sie Erfahrung mit Hitzeschutzplänen, Beschattungsarchitektur und Verhaltensprotokollen gesammelt. Für exportorientierte deutsche Mittelständler bietet das eine Chance: Anbieter von Klimatechnik, energieeffizienter Gebäudekühlung und smarter Infrastruktur-Überwachung können ihre Lösungen dort positionieren, wo man das Thema Hitze schon länger auf dem Schirm hat. Der Beitrag zeigt, wie Frankreich, Griechenland, Spanien und Portugal mit Hitzeschutz umgehen – und wo sich Geschäftsfelder für deutsche Anbieter auftun.
Frankreich: Klimaanpassung als nationale Strategie – Chancen für Klimatechnik und Fernkälte
Deutschlands westlicher Nachbar hat im Jahr 2025 eine Klimaanpassungsstrategie aufgelegt. Sie soll Frankreich auf eine Erhöhung der Durchschnittstemperaturen um vier Grad Celsius bis zum Jahr 2100 vorbereiten. Die Regierung will Gebäude und Wohnungen an Hitzewellen anpassen, ein Fernkältenetz als Alternative zu Klimaanlagen aufbauen und die Entsiegelung von Städten vorantreiben.
Bislang aber haben diese Absichtserklärungen wenig konkrete Auswirkungen. Regierung und staatlicher Wetterdienst warnen vor Hitzewellen und fordern die Bevölkerung auf, hinreichend zu trinken und sich im Schatten aufzuhalten. Teilweise stellen erste Städte Kälteräume für besonders von der Hitze betroffene Bevölkerungsgruppen zur Verfügung oder erstellen Karten mit „Frischeinseln“ wie Parks, Büchereien oder Museen. In städtischen Zentren finden sich öfter öffentliche Wasserzerstäuber und Trinkgelegenheiten. Noch staut sich landesweit in zubetonierten Städten und schlecht isolierten Wohnungen, Büros und Supermärkten die Hitze. Der stark touristisch geprägte Süden verliert gerade in der Hauptreisezeit im Hochsommer an Attraktivität.
Investitionen in öffentlichen Gebäuden und der Industrie geplant
Dennoch dürften die Hitzewellen die Geschäftsaussichten zumindest der Luft- und Kältetechnikindustrie anschieben. So hat die französische Regierung Großinvestitionen in Kühl- und Klimatechnik insbesondere in öffentlichen Gebäuden wie Schulen, Krankenhäusern und Altersheimen angekündigt. Und laut dem Plan électrification der Regierung sollen bis 2030 mit staatlicher Unterstützung eine Million Wärmepumpen installiert werden. Auch Anlagen der deutschen Hersteller Viessmann und Vaillant sind förderfähig.
Wasserintensive Unternehmen wie die Lebensmittel- und Papierindustrie müssen derweil in die effiziente Wassernutzung investieren, wollen sie nicht von sommerlichen Dürreperioden stillgelegt werden. Hochsensible Präzisionsmaschinen und Basisanlagen wie die Stromversorgung leiden unter Hitzewellen. Unternehmen wie der Konsumgüterhersteller BIC Group oder Aluminium Dunkerque investieren bereits in die Anpassung ihrer Produktionsumgebung, auch unterstützt durch Förderprogramme der Umweltagentur Agence de la transition écologique (ADEME). Noch aber sind sie Vorreiter.
Griechenland: Reifer Klimatisierungsmarkt mit neuen Großprojekten
Diesen wirtschaftlichen Schaden erwartet die Internationale Arbeitsorganisation für das Jahr 2030 infolge von Hitzestress am Arbeitsplatz.
Quelle: ILO 2019
In Griechenland gehört das Thema Klimatisierung spätestens seit der Hitzewelle im Sommer 1987 zum Leben, als mehr als 1.000 Menschen ums Leben kamen. In der Folge haben Staat, Unternehmen und Privatleute massiv in Klimatisierung investiert. Krankenhäuser, öffentliche Einrichtungen, Hotels, Konferenzräume, Betriebe, Kaufhäuser und Wohnungen sind durchgehend gekühlt – oft bis zu herbstlichen Temperaturen. „Extreme Sommer sind in Griechenland nichts Neues und das mediterrane Land hat sich darauf eingestellt“, sagt Lampros Davis, Sales Manager bei der griechischen Niederlassung des deutschen Klimatechnikers Wolf GmbH, der inzwischen zur italienischen Ariston Group gehört.
Trotz der weit verbreiteten Klimatisierung bleibt der Markt für Kühltechnik weiterhin attraktiv. Anbieter von Kühl‑ und Frischlufttechnik fänden gute Chancen bei Großprojekten wie dem Ausbau des Athener Flughafens, sagt Davis, außerdem bei touristischen und industriellen Anlagen. Wolf ist unter anderem am Bau des neuen Flughafen Kastelli auf Kreta beteiligt und liefert Technik für den Riviera Tower im Ellinikon‑Projekt, einem Städtebauprojekt auf dem ehemaligen Athener Flughafengelände.
Um den Stromverbrauch in den Sommermonaten zu senken, fördern staatliche und EU‑Programme die energetische Sanierung von Gebäuden. Mehr als die Hälfte des griechischen Gebäudebestands wurde vor 1980 gebaut und ohne Wärme‑ oder Kältedämmung. Hier bieten sich Chancen für deutsche Anbieter von Dämm‑ und anderen nachhaltigen Materialien. Zur Bekämpfung urbaner Hitzeinseln und um die Umgebung zu kühlen, setzen Gemeinden auf Bepflanzungen, feuchte Oberflächen, innovative Wassermanagementsysteme sowie beschattete Aufenthaltsflächen. Die Projekte werden teilweise aus EU-Töpfen finanziert.
Spanien und Portugal: Hitzeschutz in Städten treibt klimaresiliente Bau- und Stadtlösungen
„Lissabon ist keine Sauna!“ Mit dieser Überschrift übergab die Nichtregierungsorganisation Zero im Juli 2026 einen offenen Brief an die portugiesische Regierung. Darin bezeichnet sie Hitze als drängendes Problem der Gesellschaft und fordert geeignete Maßnahmen: begrünte Dächer, wasserdurchlässige Straßenbeläge, die sich nicht so schnell aufheizen, und natürliche Belüftungssysteme. Außerdem fordert ZERO den Aufbau eines landesweiten Netzes an Klimaschutzräumen.
Auch Spanien hat die Temperaturrekorde aus dem Vorjahr erneut übertroffen. Das Mittelmeer ist so warm wie nie zuvor. Die Hitze lässt sich in Grad Celsius bemessen, deren Folgen aber auch wirtschaftlich beziffern, denn sie senkt die Produktivität. Eine Studie der Research-Abteilung der Allianz berechnet für Spanien zwischen 2026 und 2030 einen Verlust von rund 105 Milliarden Euro an Wirtschaftsleistung. Das entspräche etwa sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts.
Das Land ist zwar höhere Temperaturen gewohnt, muss sich aber auch an den Klimawandel anpassen. Auf kommunaler Ebene gilt Barcelona als Vorreiter. Die Stadt hat inzwischen mehr als 500 sogenannte Klimaschutzräume ausgewiesen, auffindbar per App und mit einem eigenen Symbol gekennzeichnet: Parks, Bibliotheken, Verwaltungsgebäude und Geschäfte, in denen sich Einwohnerinnen und Einwohner bei hohen Temperaturen aufhalten und meist kostenfrei Wasser trinken können. Die spanische Regierung kündigte Ende Juli 2026 an, zehn Millionen Euro für den Ausbau eines landesweiten Netzes solcher „Refúgios Climáticos“ bereitzustellen.
Was deutsche Unternehmen jetzt beachten sollten
Unternehmen beobachten jedenfalls eine wachsende Nachfrage nach naturbasierten Lösungen für Gebäude und Stadtquartiere im Land. Etwa nach begrünten Dachflächen und Fassaden. Das deutsche Unternehmen Zinco aus Nürtingen bei Stuttgart bietet solche Systeme weltweit an und ist auch auf dem spanischen Markt aktiv. „Eine begrünte Dachfläche kann die Oberflächentemperatur gegenüber herkömmlichen Baustoffen um bis zu 50 Grad Celsius senken“, sagt Jorge del Préstamo, Vertriebsleiter der spanischen Zinco-Niederlassung in Madrid.
Speziell gestaltete Gebäudehüllen können ebenfalls die Temperaturbelastung verringern. So reduzieren die Fassaden- und Dämmsysteme der weltweit agierenden Sto-Gruppe aus Stühlingen im Süden Baden-Württembergs den Wärmeeintrag über Außenwände. Neben verschiedenen Dämmmaterialien und begrünten Fassaden spielen helle Oberflächen oder spezielle Beschichtungen mit wärmereflektierenden Pigmenten eine wichtige Rolle. „Spanien und Portugal sind für die Sto-Gruppe attraktive Märkte“, sagt Rainer Hüttenberger, Sto-Vorstandsvorsitzender. Auch dort bremst die Dämmung im Sommer die Wärme von außen, und im Winter hält sie die Wärme im Gebäude.
Unternehmenssteckbriefe
Wolf GmbH
Wer: Gegründet 1950 von Anton Wolf in Geisenfeld. Heute gehört Wolf GmbH zur italienischen Ariston Holding. In Griechenland wurde die Niederlassung im Jahr 2011 in Thessaloniki gegründet.
Was: Das Unternehmen fertigt Klima-, Lüftungs-, Solar- und Heizsysteme sowie Wärmepumpen und Blockheizkraftwerksysteme
Wo: Hauptsitz in Mainburg, acht Tochtergesellschaften in Europa, eine in China und über 60 weitere Vertriebspartner weltweit. Niederlassung in Griechenland in Pylaia, Thessaloniki
Zinco GmbH
Wer: Gegründet 1957 als Handwerksbetrieb von Walter Zink. Seit 2024 Teil der Holcim-Gruppe.
Was: Verschiedene Systeme für Dachbegrünungen.
Wo: Hauptsitz in Nürtingen (Baden-Württemberg). 100 Mitarbeitende weltweit.
Sto SE & Co. KGaA
Wer: Gegründet 1955 von Fritz Stotmeister.
Was: Produkte und Systeme zur Beschichtung von Gebäuden.
Wo: Hauptsitz in Stühlingen (Baden-Württemberg). In 35 Ländern mit 50 Tochtergesellschaften vertreten. 5.500 Mitarbeitende weltweit.