Branche kompakt | Taiwan | Chemische Industrie

Branchenstruktur

Für Spezialchemie gibt es in Taiwan einen wachsenden Bedarf. Deutsche Hersteller weiten ihre Aktivitäten auf der Insel aus.

Jürgen Maurer

Von Jürgen Maurer | Taipei

Taiwans chemische Industrie ist ein hochentwickelter und eng in globale Lieferketten eingebundener Wirtschaftszweig. Die Branche gliedert sich in mehrere spezialisierte Segmente.

  • Spezial- und Elektronikchemikalien: Die starke Halbleiter- und Displayindustrie auf der Insel treibt die Nachfrage nach hochreinen Prozesschemikalien. Einige Unternehmen konzentrieren sich daher auf Spezialchemikalien wie Fluorwasserstoffsäure (HF) und Isopropanol (IPA). Zu den führenden Anbietern zählen Shiny Chemical Industrial und MGC Pure Chemicals Taiwan.
  • Petrochemie und Basischemikalien; Taiwan verfügt über eine stark integrierte petrochemische Wertschöpfungskette und gehört laut Verbandsaussage weltweit zu den wichtigsten Produzenten von Polyvinylchlorid (PVC), Vinylchlorid-Monomer (VCM) und Natronlauge. Bedeutende Akteure sind die Formosa Plastics Corporation, die Chang Chun Group sowie die CPC Corporation und LCY Chemical.
  • Grüne Chemie: Als Reaktion auf internationale Nachhaltigkeitsanforderungen investiert die Branche in umweltfreundliche Technologien. Dazu gehören Biopolymere, fluorfreie Materialien sowie wasserbasierte Beschichtungen. Auch die Kreislaufwirtschaft gewinnt an Bedeutung.

Die meisten petrochemischen und chemischen Anlagen liegen entlang der Westküste Taiwans, häufig in unmittelbarer Nähe von Industrie- und Wissenschaftsparks. Trotz begrenzter eigener Rohstoffvorkommen verfügt die Insel über eine umfangreiche Upstream-Basis aus Ölraffinerien und Naphtha-Crackern. Fünf Anlagen mit einer jährlichen Produktionskapazität von insgesamt 4 Millionen Tonnen Ethylen beliefern zahlreiche nachgelagerte Unternehmen im In- und Ausland.

Die Kapazitäten sind jedoch nur begrenzt ausgelastet. Die schwache Nachfrage belastet die Branche insgesamt. Nach Branchenangaben liegt die Auslastung bei den meisten Standardkunststoffen mit Ausnahme von PVC bei 70 bis 80 Prozent. Taiwan steht damit nicht allein. Weltweit belasten Überkapazitäten die Branche. Viele Marktbeobachtende erwarten erst gegen Ende des Jahrzehnts eine nachhaltige Entspannung.

Überkapazitäten beschleunigen den Strukturwandel

Chemische Grundstoffe wie Ethylen, Propylen, Butadien und Aromaten bilden weiterhin die größte Produktionskategorie der taiwanischen Chemieindustrie. Auf Basis der Landeswährung sank die Produktion der Chemieindustrie 2025 gegenüber dem Vorjahr um 8,7 Prozent auf rund 103,7 Milliarden US-Dollar (US$). Auch 2026 dürfte das Marktumfeld herausfordernd bleiben.

Produktion ausgewählter chemischer Erzeugnisse in Taiwan In Millionen US$; Veränderung und Marktanteil in Prozent

Sparte

2025

Veränderung 2025/2024 *)

Marktanteil

Öl- und Kohleerzeugnisse

30.189

-7,6

29,1

Chemische Rohstoffe

27.440

-12,7

26,5

Kunststofferzeugnisse

12.506

-2,1

12,1

Kunststoff-Vormaterialien

12.238

-19,3

11,8

Pharmazeutika

3.940

0,8

3,8

Gummiprodukte

3.030

-3,2

2,9

Farben, Lacke, Pigmente

1.701

-3,1

1,6

Kunstfasern

1.296

-21,0

1,2

Synthetischer Kautschuk

1.240

-9,9

1,2

Kosmetika

950

-4,7

0,9

* Veränderung auf Basis lokaler Währung.Quelle: Ministry of Economic Affairs 2026

Vor diesem Hintergrund treiben die großen Petrochemiekonzerne umfangreiche Modernisierungs- und Transformationsprogramme voran. Ziel ist es, die Abhängigkeit von margenschwachen Standardkunststoffen zu verringern und den Anteil hochwertiger Spezialprodukte zu erhöhen. 

Die Formosa Plastics Corporation investiert beispielsweise in den Ausbau von Kapazitäten für elektronikreines flüssiges Kohlendioxid, Spezialpolymere und Hochleistungskunststoffe für medizinische Anwendungen. Insgesamt richten taiwanische Chemieunternehmen ihr Portfolio zunehmend auf technologisch anspruchsvolle und margenstärkere Produkte aus.

Deutsches Engagement nimmt zu

Vom Ausbau der Halbleiterindustrie profitiert auch die Chemiebranche. Der steigende Bedarf an Spezialchemikalien und Werkstoffen schafft Geschäftsmöglichkeiten für internationale Anbieter.

Der deutsche Konzern Merck hat im Southern Taiwan Science Park in Kaohsiung einen Semiconductor Solutions Campus aufgebaut. Bereits seit vielen Jahren ist Covestro Teil des taiwanischen Chemie-Ökosystems und betreibt auf der Insel mehrere Produktionsanlagen für Hightech-Polymere. Auch BASF, Bayer und Evonik sind seit langem im taiwanischen Markt aktiv. 

Japanische Firmen größte Wettbewerber

Dort treffen sie vor allem auf Wettbewerber aus Japan und den USA. Insbesondere japanische Unternehmen investieren verstärkt in lokale Produktionskapazitäten für Prozesschemikalien der Halbleiter- und Elektronikindustrie. Mit JSR will nun auch der dritte der weltweit größten Hersteller von Photoresists in Taiwan produzieren - die Firma schloss hierfür im April 2026 ein Gemeinschaftsunternehmen.

Die Liste japanischer Chemieunternehmen vor Ort ist lang. Zu den wichtigsten Akteuren zählen Mitsubishi Chemical, Daiwa Fine Chemicals und Kao. Aus den USA sind unter anderem Dow Chemical und DuPont mit Produktionsstandorten auf der Insel vertreten.

Wichtige Branchenunternehmen in Taiwan Umsatz in Millionen US$

Unternehmen

Sparte

Umsatz 2025

CPC, TaiwanPetrochemie

34.483

Formosa PetrochemicalPetrochemie

20.089

Formosa Chemicals & FibrePetrochemie

9.209

Nan Ya PlasticsKunststoffe

8.339

Formosa PlasticsPetrochemie

5.628

Chi MeiPetrochemie

3.647

Chang Chun PlasticsChemische Materialien

3.469

Chang Chun Petrochemical Chemische Materialien

3.420

UPC Technology Petrochemie

1.885

China Man-Made Fiber

Chemische Materialien

1.452

Quelle: Taiwan Stock Exchange; CommonWealth Magazine; Recherchen von Germany Trade & Invest

 

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