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Branchen | Taiwan | Wassertechnologie

Regierung plant Ausbau der Wasserversorgung

Eine Dürreperiode brachte Firmen und Landwirte in den ersten Monaten 2021 in Bedrängnis. Die Regierung will Milliarden in die Verbesserung der Wasserversorgung investieren.

Von Alexander Hirschle | Taipei

Taiwan hatte im Frühjahr 2021 aufgrund ausbleibender Regenfälle mit der größten Wasserknappheit seit mehr als fünf Dekaden zu kämpfen. Die Dürre wirkte sich negativ auf die Landwirtschaft und produzierende Industrie aus, die Versorgung einiger Städte musste rationiert werden. Experten sind sich einig, dass solche Phasen mit weniger Niederschlag aufgrund des Klimawandels künftig häufiger auftreten könnten. Die taiwanische Regierung kündigte an, „sämtliche Behörden und Ressourcen zu mobilisieren“, um die Auswirkungen der Dürre zu mildern und den Ausbau der Wasserversorgung zu beschleunigen.

Hohe Investitionen in Ausbau der Infrastruktur

So wurde im März 2021 ein Infrastrukturprogramm für den Wassersektor avisiert. Nach Angaben der zuständigen Agentur WRA (Water Resources Agency) in den lokalen Medien sollen bis 2031 rund 5,7 Milliarden US-Dollar (US$) ausgegeben werden, um die Möglichkeiten zur Wassersammlung und -einsparung zu erweitern. Dabei wurde das Ziel ausgegeben, bis 2031 das jährliche Wasserangebot um eine Million Kubikmeter auszuweiten.

Als Maßnahmen hierfür sind unter anderem das Ausbaggern von Sedimenten sowie der Ersatz von alten Rohren und Pipelines vorgesehen. Die Verantwortlichen von der WRA, die zum Wirtschaftsministerium MOEA (Ministry of Economic Affairs) gehört, hatten schon zuvor angedeutet, dass der Schwerpunkt auf die Optimierung der bestehenden Wasserspeicher (Water storage facilities) gelegt werden soll. Denn der Bau neuer Reservoirs sei relativ schwierig.

Neue Recycling- und Entsalzungsanlagen geplant

Die bereits existierenden Anlagen haben aufgrund der natürlichen Gegebenheiten wie etwa häufigen Taifunen mit starker Sedimentbildung zu kämpfen. Besondere Aufmerksamkeit soll die Modernisierung der 22 Trinkwasserreservoire genießen. Auch steht die Reduzierung der von der Landwirtschaft verursachten Umweltbelastung auf der Agenda, wie etwa die Installierung von Filtersystemen, um Pestizide oder Düngemittel auszuwaschen.

Darüber hinaus sollen Infrastrukturmaßnahmen umgesetzt werden wie der Bau von neuen Wasserrecycling- und Entsalzungsanlagen, künstlichen Seen sowie Dämmen. Bis 2026 ist geplant, elf Wasserrecyclinganlagen neu zu bauen. Diese dürften für zusätzliche Kapazitäten in einer Größenordnung von 334.000 Kubikmetern sorgen.

Smarte Systeme sollen Probleme lösen

Ebenso sollen IT-basierte intelligente Lösungen dazu beitragen, die Wasserproblematik in Taiwan in den Griff zu bekommen. Zwölf Städte haben nach Informationen der WRA bereits „smarte“ Wassermanagementsysteme wie intelligente Sensoren installiert, um den Wasserspiegel zu kontrollieren.

Durch die Übertragung der Daten in Echtzeit können Entscheidungen zur Verhinderung potenzieller Schäden deutlich schneller getroffen werden. Industriekunden wurden mit entsprechenden Geräten inklusive IoT-Technologie (Internet der Dinge) ausgestattet, um den Ressourcenverbrauch zu kontrollieren. Die Regierung setzt dabei auf eine enge Zusammenarbeit zwischen dem öffentlichen Sektor und Privatfirmen.

Wichtige Rolle für Meerwasserentsalzung

Offiziellen Angaben zufolge wurden 2019 insgesamt 95 Wasserspeicher in Taiwan gezählt mit einer angelegten Kapazität von 2.931 Millionen Kubikmetern. Die tatsächliche beziehungsweise effektive Gesamtkapazität beläuft sich auf 1.976 Millionen Kubikmeter. 40 Prozent davon sind im südlichen Teil der Insel gelegen sowie jeweils 30 Prozent in Zentral- und Nordtaiwan.

Als größter Speicher gilt das Zengwen Reservoir in der Region Chiayi im Südwesten der Insel mit einer effektiven Kapazität von 508 Millionen Kubikmetern, gefolgt vom Feicui Reservoir in New Taipei City im Norden Taiwans mit 333 Millionen Kubikmetern. Der Aufbau weiterer Wasserspeicher befindet sich in Planung, unter anderem in New Taipei City, in der Region Miaoli und im Landkreis Pingtung.

Eine wichtige Rolle bei der Wasserversorgung Taiwans sollen gemäß der Regierungsplanungen künftig Meerwasserentsalzungsanlagen spielen. Ende 2020 gab es 23 solcher Anlagen in Taiwan, 20 davon befinden sich auf Inseln – zwölf alleine auf Penghu. Dort findet sich auch die größte Anlage „1st Magong Seawater Desalination Plant“, in der 2019 rund 4.387 Millionen Kubikmeter Wasser produziert wurden und damit fast die Hälfte der insgesamt auf diese Weise generierten Menge.

Meerwasserentsalzungsanlagen in Taiwan Ende 2019

Meerwasserentsalzungsanlage

Wasserverbrauch

Ausgelegte Kapazität

(Kubikmeter/Tag)

Inbetriebnahme

Betreiber

Investition  (in Millionen US$)

Standort

The 3rd Nuclear Power Station (I)

Industrielle Wasserversorgung

1.130

1989

Taiwan Power Company

6,7


Pingtung

The 3rd Nuclear Power Station  (II)

Industrielle Wasserversorgung

1.130

1989

Taiwan Power Company

Pingtung

Gianshan Power Station

Industrielle Wasserversorgung

600

2000

Taiwan Power Company

2,7

Pingtung

Tashan Power Station

Industrielle Wasserversorgung

480

2002

Taiwan Power Company

2,4

Pingtung

Dalin Power Station

Industrielle Wasserversorgung

2.000

2018

Taiwan Power Company

4,5

Kaohsiung

1st Magong Seawater Desalination Plant (Kapazität: 10.000 m3/Tag)

Haushaltsverbrauch

10.000

2012

Taiwan Water Supply Corporation

20.0

Penghu

1st Magong Seawater Desalination Plant (Kapazität: 3.000 m3/Tag)

Haushaltsverbrauch

3.000

2004

Taiwan Water Supply Corporation

5,3

Penghu

Wangan Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

400

2012

Taiwan Water Supply Corporation

1,0

Penghu

Siyu Brackish Groundwater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

1.200

2002

Taiwan Water Supply Corporation

0,6

Penghu

Cimei Brackish Groundwater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

1.000

2001

Taiwan Water Supply Corporation

1,2

Penghu

Baisha Brackish Groundwater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

1.200

2003

Taiwan Water Supply Corporation

0,5

Penghu

Chenggong Brackish Groundwater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

4.000

2004

Taiwan Water Supply Corporation

0,9

Penghu

Jiangjyun Brackish Groundwater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

180

2004

Taiwan Water Supply Corporation

0,3

Penghu

Siyu Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

750

2012

Taiwan Water Supply Corporation

5,3

Penghu

Tongpan Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

100

2015

Staat

1,0

Penghu

Hujing Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

100

2014

Staat

1,0

Penghu

Kinmen Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

4.000

2018

Kinman County Water Supply Plant

16,3

Kinmen

Nangan Seawater Desalination Plant (I)

Haushaltsverbrauch

500

2001

Lienchiang County Water Supply Plant

2,2

Lianchiang

Dongyin Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

500

2003

Lienchiang County Water Supply Plant

3,9

Lianchiang

Beikan Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

500

2003

Lienchiang County Water Supply Plant

3,3

Lianchiang

Nangan Seawater Desalination Plant (II)

Haushaltsverbrauch

500

2003

Lienchiang County Water Supply Plant

1,8

Lianchiang

Hischu Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

500

2005

Lienchiang County Water Supply Plant

3,4

Lianchiang

Nangan Seawater Desalination Plant (III)

Haushaltsverbrauch

950

2010

Staat

14,6

Lianchiang

Magong Seawater Desalination Plant

Haushaltsverbrauch

4.000

in Planung

36,8

Penghu

Quelle:  Water Resources Agency, MOEA

TSMC führend bei Wasseraufbereitung

Besonders im Fokus der Diskussionen stehen die großen Halbleiterhersteller, die einen enorm hohen Verbrauch von Nutzwasser aufweisen. Platzhirsch TSMC (Taiwan Semiconductor Manufacturing Co) gilt in Bezug auf Wassermanagement dabei als äußerst innovativ. Zwar hat sich der Verbrauch pro produzierter Wafereinheit in den vergangenen Jahren erhöht. Aber 87 Prozent des verbrauchten Betriebswassers bei TSMC wird Unternehmensangaben zufolge wiederverwertet.

Zu diesem Zweck wurde eine hochmoderne Abwasserbehandlungsanlage im Southern Science Park in Tainan aufgebaut, die bis Ende 2021 in Betrieb gehen soll. In diesem Klärwerk sollen täglich 67.000 Tonnen Wasser für die Herstellung von Halbleitern aufbereitet werden. Insgesamt benötigte TSMC 2019 (aktuellste Angaben) 156.000 Tonnen Nutzwasser pro Tag beziehungsweise fast 60 Millionen Tonnen pro Jahr. Angesichts der gigantischen geplanten Erweiterungsinvestitionen von 100 Milliarden US$ in den kommenden drei Jahren, dürfte sich der Wasserverbrauch aber weiter erhöhen – und dadurch auch der Bedarf an entsprechenden Technologien.

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