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Ukraines Investitionsplan zeigt künftige Projektfelder

Die ukrainische Regierung hat öffentliche Investitionen bis 2029 geplant. Für Unternehmen zeigt der Plan, in welchen Bereichen später Aufträge entstehen könnten.

Waldemar Lichter

Von Waldemar Lichter | Warschau

Die ukrainische Regierung hat im Juni 2026 einen mittelfristigen Plan für prioritäre öffentliche Investitionen für die Jahre 2027 bis 2029 verabschiedet. Sein Volumen beträgt umgerechnet rund 5,2 Milliarden Euro. Für deutsche Unternehmen ist der Plan vor allem ein Frühindikator. Er zeigt, in welchen Bereichen öffentliche Investitionen vorbereitet werden und wo daraus später konkrete Aufträge entstehen könnten.

Allerdings ist der Plan kein Auftragsbuch. Er enthält keine fertigen Ausschreibungen und garantiert keine Finanzierung einzelner Vorhaben. Die vorgesehenen Mittel bilden einen Planungsrahmen. Sie stellen keine vollständig bewilligten Haushaltsgelder dar. Dennoch hat der Plan einen praktischen Nutzen: Unternehmen können erkennen, welche Themen Priorität haben, ihr Angebot darauf abstimmen und relevante Projekte frühzeitig beobachten.

Investitionsschub vor allem in fünf Schlüsselbereichen

Die öffentlichen Investitionen der Regierung umfassen 18 Förderbereiche. Besonders hohe Mittelzuflüsse entfallen auf Bildung, Verkehr, Gesundheit, kommunale Infrastruktur und Energie. Für deutsche Anbieter aus dem Anlagenbau, der Energie- und Wassertechnik sowie der Bahn- und Medizintechnik wird sichtbar, wo sich eine frühzeitige Marktbeobachtung besonders lohnt.

Staatliche Pipeline signalisiert Projektpriorität

Der Investitionsplan gibt die Richtung vor. Er legt fest, welche Investitionen bevorzugt vorbereitet und finanziert werden sollen. Auf dieser Grundlage entstehen konkrete Vorhaben.

Diese Vorhaben werden in der staatlichen digitalen Plattform DREAM erfasst. Dort lassen sich Wiederaufbauprojekte bereits in einer frühen Phase finden, etwa nach Branche, Region oder Projektträger. Unternehmen können beispielsweise frühzeitig erkennen, ob eine Stadt neue Wasserleitungen plant, ein Krankenhaus modernisiert werden soll oder ein Netzbetreiber ein Umspannwerk vorbereitet.

"Der wichtigste Vorteil des Systems liegt in Transparenz und höherer Planbarkeit. Unternehmen können Investitionsprioritäten mehrere Jahre im Voraus erkennen.“ Vladyslav Deboi, Experte der Partnerfirmen Green Garden und Garde Consulting.

Der Strategische Investitionsrat entscheidet nach fachlicher Prüfung, welche der in DREAM erfassten Vorhaben in die staatliche Single Project Pipeline (SPP) aufgenommen werden. Dafür müssen die Projekte den Prioritäten des Investitionsplans entsprechen und positiv bewertet worden sein. Die Aufnahme in die SPP signalisiert staatliche Priorität. Zudem kommt das jeweilige Projekt für eine Finanzierung in Betracht.

Priorisiert der Investitionsplan beispielsweise die Modernisierung und Wiederherstellung von Stromnetzen, finden Unternehmen in DREAM konkrete Netzprojekte. Für Ausrüstungsanbieter weist dies frühzeitig auf potenzielle Nachfrage hin. Erscheint ein Vorhaben auch in der SPP, ist dies ein stärkeres Signal für eine mögliche Finanzierung.

Finanzierungsdetails weisen auf konkretere Projekte hin

Rund 3 Milliarden Euro sind für prioritäre Projekte aus dem Staatshaushalt vorgesehen, weitere rund 2,2 Milliarden Euro von internationalen Finanzinstitutionen und Gebern. Die angespannte Haushaltslage kann jedoch die Umsetzung der Vorhaben verzögern. Besonders interessant sind Projekte, bei denen neben der Aufnahme in die SPP weitere Faktoren erkennbar sind. Dazu zählen etwa bereits benannte Finanzierungsquellen oder ein vorgesehener Beschaffungsweg. Ukrainische Vergabeverfahren werden grundsätzlich über die Plattform Prozorro abgewickelt. Bei international finanzierten Projekten sind zusätzlich deren Beschaffungsvorgaben zu beachten.

Unternehmen können Projekte vorab vorbereiten

Deutsche Unternehmen sollten den Investitionsplan nicht als Liste kurzfristiger Aufträge verstehen, sondern als Grundlage für die Marktbearbeitung. Die genannten Investitionsrichtungen sollten mit dem eigenen Angebot abgeglichen werden. Im nächsten Schritt hilft DREAM dabei, konkrete Vorhaben zu identifizieren. Die SPP dient anschließend als Prioritätsfilter.

Wird ein Projekt in die staatliche oder kommunale Projektpipeline aufgenommen, sollten die technischen und wirtschaftlichen Informationen geprüft, mögliche Partner identifiziert und der Kontakt zum Projektträger aufgenommen werden. So lassen sich viele Schritte vorbereiten, bevor eine Ausschreibung veröffentlicht wird.

"Ich würde eindeutig davon abraten, bis zur Ausschreibung zu warten. Sobald ein Unternehmen in DREAM ein für sich relevantes Projekt erkennt, ist dies bereits der richtige Zeitpunkt, es zu beobachten und eine erste Analyse durchzuführen“, empfiehlt Deboi.