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Branchen | USA | Mess- und Regeltechnik, Analysegeräte

Die US-Nachfrage nach Analysegeräten soll 2021 kräftig steigen

Das größte Segment soll gleichzeitig am schnellsten wachsen: Laborgeräte. Die Forschungsausgaben dürften bis 2025 nominal im Schnitt um rund 5 Prozent pro Jahr zulegen.

Von Heiko Steinacher | San Francisco

Neue Analyseverfahren sorgen in den USA derzeit vor allem in der medizinischen Diagnostik für Aufsehen: Im Januar 2021 hat die US-Zulassungsbehörde FDA (Food and Drug Administration) einen neuen tragbaren Bluttest von Abbott Laboratories zugelassen, der innerhalb von 15 Minuten Aufschluss darüber geben kann, ob eine Gehirnerschütterung vorliegt, die näher untersucht werden muss. Darüber hinaus arbeitet der US-Pharmakonzern auch an einem Vollbluttest, der ohne Plasmaextraktion auskommt.

Sight Diagnostics erhielt bereits Ende 2019 die US-Zulassung für sein Vollblutanalysegerät: Mithilfe der durch Künstliche Intelligenz (KI) gesteuerten Technologie lässt sich der Covid-19-Schweregrad von Patienten wesentlich schneller ermitteln als durch eine herkömmliche Blutanalyse im Labor. Im August 2020 erhielt das israelische Unternehmen in einer weiteren Finanzierungsrunde 71 Millionen US-Dollar (US$). „Die neue Investition wird es uns ermöglichen, unsere Präsenz in den USA erheblich auszubauen“, sagte Yossi Pollak, Mitbegründer und Chief Executive Officer (CEO) von Sight Diagnostics.

Immer mehr Anwendungsbereiche für KI-basierte Analysetools

Nicht nur in der medizinischen Diagnostik bietet sich ein großes Potenzial für KI-gesteuerte Analysemethoden, sondern zum Beispiel auch im Supply Chain Management. Die Coronapandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, Versorgungsengpässe vorhersehen zu können. Angesichts der Probleme entlang der Lieferkette ist der Bedarf für solche Technologien auch in der Transportbranche groß. Das US-Marktforschungsunternehmen Gartner erwartet, dass bis 2023 mindestens jeder zweite Global Player im Logistikbereich KI, fortschrittliche Analytik und Technologien rund um das Internet der Dinge (IoT) anwenden wird.

Auch bei der Brandbekämpfung spielen KI-Analysetools eine wichtige Rolle: Sie können dabei helfen, Live-Aufnahmen von Waldbränden, die wegen starken Rauches sonst kaum verwertbar wären, in Echtzeit zu verbessern, um wichtige Details erkennen zu können. Oder um bei drohendem Unwetter Stromnetze rechtzeitig abzuschalten. Hoch im Kurs stehen drahtlose und vernetzte Geräte, die große Datenmengen verarbeiten können. Auch tragbare und mobile Analyseinstrumente werden im 5G-Zeitalter immer bedeutender.

Die Marktforscher von Freedonia erwarten, dass die US-Nachfrage nach Analyseinstrumenten insgesamt von 2020 bis 2025 pro Jahr nominal im Schnitt um 6,4 Prozent auf dann fast 55 Milliarden US$ wachsen wird. Im Jahr 2021 rechnen sie im Zuge der Erholung von den Auswirkungen der Pandemie mit einem starken Anstieg um 17 Prozent, was die Einbrüche im vorangegangenen Krisenjahr mehr als kompensieren würde. Das Branchenmagazin Instrument Business Outlook geht 2021 dagegen nur von 9 Prozent Wachstum aus.

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Hoher Bedarf in der Life-Science-, Pharma- und akademischen Forschung

Haupttreiber werden laut Freedonia steigende Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) sein, vor allem in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Getränke, Chemie, Elektronik, Maschinen und Pharma. Viele Unternehmen und Institutionen haben ihre Forschungsbudgets 2020 rigoros gekürzt oder wurden sogar für einige Zeit geschlossen. Für das Fiskaljahr 2021 hat der US-Kongress beschlossen, den Forschungsetat der Gesundheitsbehörde National Institutes of Health um etwa 3 Prozent auf 42,9 Milliarden US$ aufzustocken. Insgesamt sollen die FuE-Ausgaben 2021 um gut 4 Prozent steigen, davon im Unternehmenssektor, auf den rund 60 Prozent entfallen, sogar um 6 Prozent.

Das größte und gleichzeitig am schnellsten wachsende Segment sind Laborinstrumente: Die Nachfrage nach solchen soll in den USA bis 2025 jährlich um durchschnittlich 7,5 Prozent steigen. Das liegt am anhaltend hohen Bedarf an Corona-Testgeräten sowie seitens der Life-Science-Unternehmen und der akademischen Forschung. Auch die steigende Nachfrage nach Generika und Biosimilars, also Nachahmerpräparate von Biopharmazeutika, kommt den Herstellern wissenschaftlich-technischer Geräte und Instrumente zugute. Zu den US-Unternehmen, die von diesen Entwicklungen besonders profitieren dürften, zählen die Bruker Corporation (instrumentelle Analytik), Mettler Toledo (Wägesysteme), PerkinElmer (Technologien im Bereich Chemie und Medizintechnik) und die Waters Corporation (Spezialmessungen).

US-Produzenten gehen auf Einkaufstour

Einige US-Hersteller von Analysegeräten und Laborausrüstung haben im letzten Jahr ihr Geschäft durch Übernahmen erweitert, darunter Advion, JEOL USA and Verder Scientific. Maravai LifeSciences hat das Biotechnologieunternehmen MockV Solutions übernommen.

Der US-Hersteller von elektronischen Instrumenten Ametek übernimmt gleich vier Unternehmen: Die ersten drei Akquisitionen im Gesamtwert von rund 270 Millionen US$ - Magnetrol International (Mess- und Regeltechnik), Crank Software (aus Kanada; Graphical-User-Interface-Software) und EGS Automation (aus Deutschland; industrielle Automatisierungstechnik) – sind bereits abgeschlossen, über die vierte – Abaco Systems (offene Computing-Plattformen, elektronische Systeme) – sei bereits eine feste Vereinbarung im Wert von 1,35 Milliarden US$ getroffen worden.

Auch bei Endress+Hauser stehen die Zeichen auf Expansion: Die US-Niederlassung des Schweizer Anbieters von Messgeräten, Dienstleistungen und Lösungen für industrielle Verfahrenstechnik investiert 4,5 Millionen US$ in den Ausbau ihrer Vertriebskanäle.

Erweiterungsprojekte sind weiterhin rar

In Salisbury, Maryland, entsteht gerade ein neues diagnostisches Labor für Tiergesundheit: Auf fast 1.800 Quadratmetern wird es neben größeren Arbeitsbereichen sowie Tagungs- und Schulungsräumen auch Autopsieräume, eine Verbrennungsanlage und ein Labor für moderne Diagnostik beherbergen. Der knapp 20 Millionen US$ teure Neubau soll noch im Frühjahr 2021 eröffnet werden.

ACS Laboratory ist dabei, Labore in sechs verschiedenen US-Bundesstaaten zu erwerben. Das Unternehmen führt Labortests von Cannabis und mit Cannabis verwandten Produkten für Anbauer, Erzeuger und Anwender durch.

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