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Volkswagen steigt in den boomenden usbekischen Automarkt ein

Usbekistan ist der größte Fahrzeugmarkt Zentralasiens. Ausländische Autobauer treten in den Markt ein. Geschäftschancen entstehen auch in der florierenden lokalen Kfz-Industrie.

Von Viktor Ebel | Taschkent

Der Volkswagen-Konzern (VW) kündigte im Sommer 2026 an, künftig Fahrzeuge in Usbekistan montieren zu wollen. Dabei wird VW den usbekischen Markt über seine Werke in China erschließen. In Usbekistan sieht VW einen der dynamischsten Automärkte der Region. "Die Fahrzeugnachfrage hat sich seit 2021 mehr als verdoppelt“, heißt es in einer Unternehmensmitteilung. Für deutsche Unternehmen eröffnen sich vor allem in der Zulieferindustrie zusätzliche Geschäftschancen.

Zunächst plant VW, sein Händlernetz in Usbekistan flächendeckend auszuweiten. Die Zahl der Standorte soll von 13 Ende 2026 bis 2028 nahezu verdoppelt werden.

Neben Erweiterung des Händlernetzes plant VW auch lokale Montage

Im nächsten Schritt ist auch eine lokale Fertigung vorgesehen. Gemeinsam mit Alyans Auto soll noch 2026 eine Semi-Knocked-Down(SKD)-Fertigung in Taschkent starten. Dabei werden weitgehend vormontierte Fahrzeugbausätze vor Ort zusammengesetzt.

In einer zweiten Ausbaustufe soll nach Angaben des Portals Forbes.kz ein Werk für die Completely-Knocked-Down(CKD)-Fertigung entstehen. Geplant sind dann auch Schweiß- und Lackierarbeiten sowie eine deutlich höhere lokale Wertschöpfung.

Großes Potenzial zieht mehr internationale Akteure an

Eine junge und wachsende Bevölkerung macht Usbekistan zu einem der dynamischsten Absatzmärkte Zentralasiens. In dem zunehmend urbanisierten Binnenstaat leben rund 38 Millionen Menschen, fast die Hälfte der Bevölkerung Zentralasiens.

Besonders deutlich zeigt sich diese Dynamik in der Automobilbranche. Die Neuwagenverkäufe stiegen 2025 auf mehr als 427.000 Fahrzeuge. Damit wurden in Usbekistan nahezu doppelt so viele Pkw verkauft wie im benachbarten und kaufkraftstärkeren Kasachstan.

Neben demografischen Faktoren spielen Aufholeffekte eine wichtige Rolle. Die usbekische Regierung hat diesen Trend früh erkannt und investiert seit Jahren in den Ausbau und die Modernisierung der Automobilindustrie. Die Fahrzeuge sollen nicht nur den heimischen Markt bedienen, sondern zunehmend auch exportiert werden. Als zentral gelegener Standort in der Wachstumsregion Zentralasien bietet sich Usbekistan als Produktions- und Exportdrehscheibe an.

Dieses Potenzial zieht immer mehr internationale Hersteller an. Sie planen Montageprojekte oder haben diese bereits umgesetzt. So betreibt der chinesische Fahrzeugbauer BYD seit 2024 eines seiner drei Auslandswerke in Usbekistan.

Fahrzeugproduktion soll bis 2030 auf 1 Million Pkw steigen

Mit dem VW-Projekt rückt Usbekistan seinem Ziel näher, die jährliche Fahrzeugproduktion auf 1 Million Einheiten zu steigern. Ob dieses Ziel bereits bis 2030 erreicht wird, bleibt jedoch offen.

Im Jahr 2025 wurden im Land rund 457.000 Fahrzeuge einschließlich leichter Spezialfahrzeuge produziert. Nach Angaben des usbekischen Statistikamtes entsprach dies einem Zuwachs von 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Um die Zielmarke zu erreichen, müsste die Produktion in den kommenden Jahren durchschnittlich um rund 17 Prozent pro Jahr wachsen.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei UzAuto Motors. Nach Unternehmensangaben entfielen 2025 mehr als 80 Prozent der Neuwagenverkäufe auf den Marktführer. Das Unternehmen produziert auf Grundlage einer Vereinbarung mit General Motors Fahrzeuge der Marke Chevrolet, die zumeist für die Verhältnisse vor Ort adaptiert wurden. Zu den meistverkauften Modellen zählen die B-Klasse-Limousine Cobalt sowie Damas, Tracker und Onix.

Zu den wichtigsten Investitionsvorhaben gehört die Produktion leichter Nutzfahrzeuge im UzAuto-Werk in Choresm. Zudem investiert das Unternehmen in die Weiterentwicklung des Modells Cobalt. Ein Facelift soll den Lebenszyklus verlängern. Dies geht aus der aktuellen Entwicklungsstrategie der staatlichen Automobilholding Uzavtosanoat hervor, zu der UzAuto Motors gehört.

Hersteller setzen auf Investitionen und Kapazitätsausbau

Zur Branchenholding Uzavtosanoat (O'zavtosanoat) gehört auch das usbekisch-chinesische Joint Venture BYD Uzbekistan Factory für Elektro- und Hybridautos. Das Werk nahm 2024 den Betrieb auf und gewinnt seither kontinuierlich Marktanteile.

Im 1. Halbjahr 2026 war BYD Medienberichten zufolge bereits die zweitstärkste Marke auf dem usbekischen Automarkt. Der Marktanteil stieg auf 9,7 Prozent. Weitere Investitionen und neue Modelle dürften die Verkäufe zusätzlich ankurbeln.

Langfristig plant das Joint Venture den Ausbau seiner Produktionskapazität auf bis zu 500.000 Fahrzeuge jährlich. Der Anteil der lokalen Wertschöpfung soll dabei auf bis zu 60 Prozent steigen.

Im Segment der E-Pkw erhält BYD Konkurrenz insbesondere vom lokalen Hersteller ADM Jizzakh. Das Unternehmen montiert bereits mehrere ausländische Fahrzeugmarken. Zwischen 2025 und 2027 investiert ADM Jizzakh 550 Millionen US-Dollar (US$) in ein CKD-Werk für die Produktion von Elektro- und Hybridautos. Neben der Endmontag sollen auch Schweiß- und Lackierarbeiten vor Ort erfolgen.

Für deutsche Unternehmen ist insbesondere die zunehmende Lokalisierung interessant, die ADM Jizzakh anstrebt. Die Zahl vor Ort gefertigter Bauteile soll von 348 auf 972 steigen, was den Lokalisierungsgrad von 30 auf 45 Prozent anheben wird. Ab 2027 sollen etwa Karosserieteile, Beleuchtungssysteme und Autositze im Land produziert werden. Perspektivisch dürfte die Palette weiter wachsen.

Ausgewählte Projekte der usbekischen Kfz-IndustrieInvestitionen in Millionen US-Dollar
Projekt (Standort)

Summe

ProjektstandAnmerkungen
Werk mit vollständigem Produktionszyklus (Freie Wirtschaftszone Angren)

Keine Angabe

VorbereitungVolkswagen; Alyans Auto
CKD-Werks für E- und Hybridfahrzeuge (Freie Wirtschaftszone Jizzakh)

550 

Umsetzung bis 2027ADM Global
Automobilcluster für E-Fahrzeuge (Region Buchara)

350

Umsetzung bis 2031Zhejiang Leapmotor Technology
Ausweitung für E-Fahrzeuge (Region Jizzakh)

200

Umsetzung bis 2030BYD Uzbekistan Factory
Werk für E-Busse und Nutzfahrzeuge (Region Fergana)

170

VorbereitungXiang Yang Tenglong Automobile; GIG Investments
Montagelinie für E-Fahrzeuge (Marke MG)  bei Asaka Motors International (Region Choresm)

129

UmsetzungAsaka Motors International; SAIC Motor International
CKD-Werk (Hauptstadt Taschkent)

100

Umsetzung 2. PhaseJAC Motors; Toshkent invest kompaniyasi
Autoteilewerk (Region Fergana)

30

UmsetzungHansae Mobility
Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2026

Usbekistan ist der größte Markt für Elektroautos in Eurasien

10 %

soll der Anteil von E-Autos auf Usbekistans Straßen im Jahr 2030 ausmachen.

Usbekistan entwickelt sich nicht nur zu einem Produktionsstandort für E-Autos, sondern auch zum größten Absatzmarkt in der eurasischen Region. Dazu zählen neben Zentralasien auch der Südkaukasus und Russland. Das geht aus dem Global EV Outlook 2026 der Internationalen Energieagentur (IEA) hervor.

Nach IEA-Angaben wurden 2025 rund 40.000 E-Fahrzeuge verkauft. Damit entfiel nahezu die Hälfte aller regionalen Verkäufe auf Usbekistan. Noch vor 2023 waren es lediglich einige Hundert Fahrzeuge pro Jahr. Laut usbekischer Regierung soll der Anteil von E-Autos am gesamten Fahrzeugbestand zwischen 2026 und 2030 von rund 2 auf 10 Prozent steigen.

Regierung hat 2025 umfangreiche Förderung der E-Mobilität beschlossen

Um mehr E-Fahrzeuge auf Usbekistans Straßen zu bringen, will die Regierung:

  • Subventionierung von Kaufkrediten
  • vergünstigte Kredite und Grundstücke für Ausbau der Ladeinfrastruktur
  • Subventionierung des Ladestroms
  • finanzielle Unterstützung für E-Taxis
  • Befreiung von Einfuhrzöllen für Ladestationen und deren Komponenten bis 2028.