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Branchen | Usbekistan | Gesundheitswirtschaft

Usbekistan reformiert und modernisiert sein Gesundheitswesen

Neue Reform- und Investitionsprojekte prägen den usbekischen Gesundheitsmarkt. Ausländischen Anbietern von Ausrüstungen und Know-how bietet sich viel Geschäftspotenzial.

Von Uwe Strohbach | Taschkent

Die Gesundheitswirtschaft in der Republik Usbekistan befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel. Das mit 35 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste zentralasiatische Land begann 2017, seine Wirtschaft umfassend zu liberalisieren und zu öffnen. Die Reformen sparen auch die Gesundheitsfürsorge nicht aus. Mit zahlreichen Initiativen soll die öffentliche medizinische Versorgung signifikant verbessert werden. Zugleich erhält der Privatsektor grünes Licht für Engagements in der Branche. 

Erste Erfolge der Gesundheitsreformen können sich zwar sehen lassen, doch von einer neuen Stufe der medizinischen Versorgung kann noch keine Rede sein. Es besteht noch viel Ausbaupotenzial, sodass sich ein näherer Blick auf die usbekische Gesundheitswirtschaft heute mehr denn je lohnt. Denn die Nachfrage nach Gesundheitsprodukten aller Art wächst. Auch das Interesse an Medizintechnik, fachspezifischem Know-how und Beratungsleistungen aus dem Ausland nimmt spürbar zu. Das schließt auch Kooperationen mit ausländischen Unternehmen im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften mit ein.  

Marktkenner prognostizieren ein Wachstum in allen Sektoren der Branche  

Der Absatz von medizintechnischer Ausrüstung, das Volumen entgeltlich gewährter medizinischer Dienstleistungen sowie die Nachfrage nach Pharmaka werden in den kommenden Jahren weiterhin kräftig zulegen, so die Prognosen führender usbekischer Gesundheitspolitiker. Der Umsatz von Medizintechnik dürfte 2025 ein Volumen von mehr als 700 Millionen US-Dollar (US$) gegenüber etwa 450 Millionen US$ im Jahr 2021 erreichen. Ein Großteil davon wird über Importe gedeckt.

Die jährlichen Ausgaben der Bevölkerung für medizinische Dienste haben sich 2021 mit rund 480 Millionen US$ gegenüber den Jahren 2017 und 2018 (im Schnitt 240 Millionen US$ pro Jahr) verdoppelt. Sie werden bis 2025 voraussichtlich auf bis zu 900 Millionen US$ steigen. Die jährlichen Pro-Kopf-Ausgaben bleiben aber im internationalen Vergleich immer noch auf einem niedrigen Niveau (Prognose für 2025: circa 35 US$).

Den inländischen Verbrauch von Arzneimitteln beziffert die Agentur für die Entwicklung der pharmazeutischen Industrie (Uzpharmagency) für 2021 auf 1,6 Milliarden US$. Davon entfielen 1,2 Milliarden US$ auf Importe. Das jährliche Marktvolumen werde nach Einschätzung der Agentur in den nächsten Jahren im Schnitt um etwa ein Zehntel zulegen.

Gesundheitsversorgung soll flächendeckend, digital und gemeinsam mit privaten Akteuren organisiert werden

Die Entwicklung im usbekischen Gesundheitswesen wird durch folgende Reformen und Investitionsprojekte gestützt:

  • Errichtung eines leistungsfähigen und flächendeckenden Netzes für die medizinische Primärversorgung (Stärkung des Hausarztprinzips, Modernisierung von Praxen und Polikliniken für die allgemein- und fachärztliche Versorgung und ab Mitte 2022 Umsetzung eines Pilotprojekts für die Einführung privater Hausarztpraxen),  
  • Erweiterung des Filialnetzes hoch spezialisierter Versorgungszentren in den Provinzen des Landes, so beispielsweise im Fachgebiet Chirurgie, 
  • weitere Entwicklung und forcierte Digitalisierung des Rettungsdienstes in allen Landesteilen,  
  • Ausbau des privaten Gesundheitsmarktes (die Anzahl privater medizinischer Einrichtungen stieg bereits von 3.781 Ende 2017 auf 7.320 zum 1. Mai 2022), einschließlich der Gründung von Gemeinschaftsunternehmen mit einer ausländischen Kapitalbeteiligung (Anzahl der Joint Ventures in der medizinischen Versorgung zum 1. Mai 2022: 50),
  • neue Projekte im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften (PPP), darunter vor allem bei der Gründung, technischen Ausstattung und beim Betrieb von medizinischen Versorgungs-, Labor- und Analysezentren,    
  • quantitativer und qualitativer Ausbau der Aus- und Weiterbildung medizinischer Fachkräfte,
  • landesweite Einführung einer obligatorischen Krankenversicherung für alle Bürger ab 2025 (erste Pilotprojekte in einigen Provinzen sind gestartet),
  • beschleunigte Digitalisierung des Gesundheitswesens auf allen Ebenen der Gesundheitsverwaltung und der medizinischen Einrichtungen.   
Aktuelle und geplante Investitionsprojekte im Gesundheitswesen Usbekistans (Auswahl)

Projekt

Investitionssumme (in Mio. US$)

Anmerkung

Internetadresse

Tashkent Pharma Park, Zangiota/Provinz Taschkent (Cluster für Pharmazie: Industrie, Universität, Zentrum für klinische Forschung, Kliniken)

240

Realisierung in Etappen: 2020/2021 bis 2024/2025, Kofinanzierung durch die Korea Eximbank

Agentur für die Entwicklung der Pharmaindustrie/Uzpharmagency, Tashkent Pharma Park 

Ausbau/Digitalisierung der Notfallmedizin, Umbau in ein einheitliches vertikales System

152

Realisierung: 2018/2019 bis 2024, Digitalisierung: ab 2022/2023, Kofinanzierung durch die Weltbank  

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Multidisziplinäres Gesundheitszentrum mit dem Schwerpunkt Chirurgie (300 Betten)

150

Realisierung: 2022/2023 bis 2025

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Errichtung einer onkologischen Klinik

150 (Kreditsumme)

Realisierung voraussichtlich ab 2023, Kredit der Korea Eximbank und des EDCF (Südkorea, Vereinbarung vom Dezember 2021)

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Modernisierung onkologischer Zentren, 2. Projektphase

122

Realisierung: 2022/2023 bis 2026, Kredit der IDB über 80 Mio. US$ 

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Ausstattung medizinischer Einrichtungen der Republik Usbekistan mit Medizin- und Labortechnik

88

Realisierung voraussichtlich ab 2023, Kredit der Korea Eximbank und des EDCF (Südkorea, Vereinbarung vom Dezember 2021)

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Digitalisierung des Gesundheitswesens

50

Realisierung ab 2023, Kredit und Zuschüsse der KfW (Deutschland)

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Errichtung von 1.700 medizinischen Versorgungsstellen in abgelegenen Landkreisen 

k.A.

Realisierung ab Mitte/Herbst 2022

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans

Investitionsprogramm für das Gesundheitswesen in der Autonomen Republik Karakalpakstan (Rehabilitation, Chirurgie, Onkologie, Palliativmedizin, Weiterbildung von Ärzten im In- und Ausland) 

k.A.

Realisierung: Mitte 2022 bis 2024 

Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans, Ministerium für Gesundheitswesen Karakalpakstans

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest 2022

Reform- und Investitionsbedarf bleibt noch auf viele Jahre hinaus riesig

Die Umstrukturierung des Gesundheitswesens, die Ausrüstung öffentlicher Krankenhäuser und Kliniken mit moderner Technik und die Stärkung privater medizinischer Dienste sind in Usbekistan eine langfristige Angelegenheit. Aktuell haben rund 70 Prozent der medizintechnischen Ausrüstungen in der ohnehin schwach ausgebauten primären Gesundheitsversorgung ihre betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer überschritten oder sind verschlissen.

Kaum kleiner ist der Modernisierungsbedarf in den öffentlichen Krankenhäusern und einigen medizinischen Fachzentren. Den Import von medizintechnischen Ausrüstungen flankiert der Staat daher mit Vorzugsbedingungen. So werden bei der Einfuhr neuer Medizintechnik sowie von Komplettierungs- und Ersatzteilen vorerst bis Ende 2024 keine Zölle erhoben. Voraussetzung ist, dass die Einfuhr durch juristische Personen erfolgt. Beim Bezug von Ersatzteilen und Verbrauchsmaterialien müssen die Importeure bis Ende 2024 auch keine Mehrwertsteuer zahlen.

In der Pharmaindustrie setzt die Regierung auf massive Ausbauinvestitionen. Sie sollen im Zeitraum 2022 bis 2026 an die 1-Milliarde-US$-Grenze heranreichen. Die Vorbereitung neuer Projekte kommt allerdings noch nicht im gewünschten Tempo voran.

Kenndaten des Gesundheitswesens Usbekistans

2016 1)

2021

Anzahl der Krankenhäuser

1.106

1.281 2)

Anzahl der Betten (in 1.000)

132,0

165,5  2)

Anzahl der Betten auf 10.000 Einwohner

41,1

46,6

Anzahl der behandelten Patienten in den Krankenhäusern (in Mio.)

5,6

5,9

Anzahl der Ambulatorien und Polikliniken

6.542

6.676

Anzahl der Ärzte aller Fachbereiche (in 1.000)

84,1

95,6

Anzahl der Ärzte auf 10.000 Einwohner

26,2

27,1

Anzahl der aktiven Betriebe und Organisationen (inklusive soziale Sphäre)

8.241 3)

11.253 4)

Durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt (in Jahren)

73,8

73,8

1) letztes Jahr vor dem Reformstart im Land; 2) privater Sektor: ca. 600 Krankenhäuser/42.000 Betten (inkl. der Betten in kleinen Kliniken); 3) Stand 31.12.2017; 4) Stand 01.09.2022 Quelle: Ministerium für Gesundheitswesen Usbekistans, Staatliches Statistikkomitee Usbekistans 2017/2022

  

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