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Usbekistan | Branchen | Informations- und Kommunikationstechnik

Usbekistan will sich als Standort für IT-Outsourcing etablieren

Die usbekische IT-Branche boomt dank einer breiten Förderung und vielen jungen Talenten. Bis 2028 sollen die jährlichen Exporte von IT-Diensten auf 1 Milliarde US-Dollar steigen.  

Von Uwe Strohbach | Taschkent

Usbekistan will internetbasierte Dienstleistungen zu einem lukrativen Exportgeschäft entwickeln. Die Chancen hierfür stehen gut. Das Land baut die IT-Infrastruktur aus und investiert in die Aus- und Weiterbildung von Fachkräften. Die Investitionen in den IT-Sektor summierten sich in den Jahren 2017 bis 2021 auf 2 Milliarden US-Dollar (US$). Davon stammen 700 Millionen US$ aus dem Ausland.

Die Branche profitiert von der fortschreitenden Marktliberalisierung und von gezielten Fördermaßnahmen. Mit seinen mehr als 35 Millionen Einwohnern hat das bevölkerungsreichste Land Zentralasiens einen besonderen Trumpf in der Hand: Alljährlich strömen etwa 700.000 junge und motivierte Menschen auf den Arbeitsmarkt. Viele davon interessieren sich für Informations- und Kommunikationstechnik (IKT). 

Internationale IT-Firmen entdecken Usbekistan für sich

Ausländischen Auftraggebern und Kunden von IT-basierten Diensten bietet sich in Usbekistan ein erhebliches Kostensenkungspotenzial. IT-Fachkräfte erhielten Mitte 2022 nach Angaben der Firmengruppe Head Hunter - bei einer großen Spreizung - im Durchschnitt ein monatliches Gehalt von 550 US$.

Zu den Wachstumstreibern zählt auch die Relokalisierung ausländischer Firmen als Folge der aktuellen globalen Konflikte. Mit dem Programm TashRush unterstützt Usbekistan die Ansiedlung russischer, belarussischer, ukrainischer und anderer ausländischer IT-Firmen mit einem One-Stop-Shop. Er umfasst Dienstleistungen für die Firmengründung und soll den Aufenthalt der Unternehmer und ihrer Familien in Usbekistan erleichtern. 

Steuerliche Anreize und erleichterte Ansiedlung für IT-Unternehmen 

Unternehmen der IT-Branche kommen vorerst bis 2028 in den Genuss erheblicher Vorzugsbedingungen. Hierzu zählen:  

  • Befreiung von der Gewinnsteuer und der einheitlichen Sozialabgabe,
  • ermäßigter Satz für die Einkommensteuer (7,5 Prozent anstatt 12 Prozent),
  • Befreiung vom Einfuhrzoll für den Bezug von Waren aus dem Ausland für den Eigenbedarf sowie von importierten Ausrüstungen, Komplettierungsteilen und Softwareprodukten, sofern diese für die Geschäftstätigkeit erforderlich sind und nicht in Usbekistan hergestellt werden,
  • Anstellung von ausländischen Fachkräften ohne eine Arbeitserlaubnis,
  • Wegfall der Pflicht zum Abschluss von Exportverträgen bei der Online-Abwicklung von Exportgeschäften,
  • vereinfachte Modalitäten für die Zahlungsabwicklung von IT-Dienstleistungsexporten,
  • Bezahlung von Gehältern in Devisen und deren Überweisung auf Konten in den Ländern, in denen sich die Beschäftigten physisch befinden (im Rahmen der Exporttätigkeit der Unternehmen).

Die Anreize stehen Firmen offen, die im 2019 eröffneten IT-Park als Wirtschaftssubjekt (juristische Person) registriert sind. Es spielt dabei keine Rolle, ob sie in klassischen Büros tätig sind oder ein virtuelles Büro betreiben. Letzteres setzt die Anstellung eines Bürgers Usbekistans als Firmendirektor voraus.

Zudem können ausländische Investoren der IT-Branche, Wirtschaftssubjekte im IT-Park Taschkent und IT-Fachkräfte mit einem jährlichen Einkommen von mindestens 30.000 US$ ein IT-Visum erhalten. Es ermöglicht beliebig viele Ein- und Ausreise innerhalb von drei Jahren (Details und Kontakt: IT-Visa LLC). Inhaber eines IT-Visums und deren Familienangehörige haben in Usbekistan den gleichen Zugang zu Bildungseinrichtungen und sozialen Leistungen wie usbekische Bürger.  

Firmen- und Geschäftskenndaten der IT-Parks (Stand: 1. Juli 2022)

Indikator

Anzahl registrierter Wirtschaftssubjekte mit IT-Park-Status (einschließlich knapp 100 IT-Lehrzentren)

744 (Stadt Taschkent: 589)

Zuwachs der Firmen mit IT-Park-Status im 1. Halbjahr 2022

249

Anzahl neu registrierter IT-Firmen im 1. Halbjahr 2022 

134

  davon ausländische Firmen

107

Anzahl der IT-Fachkräfte in den Unternehmen des Parks 

15.000

  davon ausländische IT-Fachkräfte

6000

Gewährte IT-Dienstleistungen im 1. Halbjahr 2022 (Mio. US$)  

213,2

  Zuwachs gegenüber der Vorjahresperiode (in %)

135,0

Quelle: IT-Park Taschkent 2022

IT-Park ist das Flaggschiff für Projekte in der digitalen Sphäre 

Unter dem Motto "START local & Go global" baut die Regierung den IT-Park Taschkent und die regionalen Filialen in den Provinzen aus. Ziel ist es, eine leistungsfähige IKT-Infrastruktur zu schaffen und die Exporte von IT-Dienstleistungen anzukurbeln. Die Parks dienen als Ausbildungsstätten und bilden die Hauptsäule für regionale IT-Cluster. Filialen des Taschkenter IT-Parks gibt es in den meisten Provinzhauptstädten, wo jeweils etwa 20 Schulen und Ausbildungszentren IT-Fachkurse anbieten. 

Der IT-Park in Taschkent beherbergt heute zahlreiche Start-ups, eine IT-Akademie und Venture-Capital-Unternehmen. Er wird bis 2024 um weitere Büros für die Firmenansiedlung erweitert. Außerdem sind weitere Co-Working-Spaces, Ausbildungsstätten, Konferenzräume, Unterkünfte und Freizeitobjekte geplant. 

Exportaktivitäten der Firmen im IT-Park (Stand: 1.Juli 2022)

Indikator

Export von IT-Dienstleistungen (1. Halbjahr 2022, in Mio. US$)

52,2

  Zuwachs gegenüber der Vorjahresperiode  (in %)

335,0

  Hauptexportländer (in Mio. US$)

USA (46,6), Großbritannien und Deutschland (jeweils über 1 Mio. US$) 

  Export im Sektor Outsourcing von Geschäftsprozessen (in Mio. US$)

    1. Halbjahr 2022 

33,1

    Gesamtjahr 2021 

28,5

Anzahl der exportierenden IT-Firmen im 1. Halbjahr 2022

203 *)

*) Januar bis September 2022: 257Quelle: IT-Park Taschkent 2022

Das Parkmanagement wird von der Direktion des Technologieparks für Softwareprodukte und Informationstechnologien (Direktion IT-Park), einer Struktureinheit des Ministeriums für die Entwicklung von Informationstechnologien und Kommunikation (MITC), koordiniert.

IT-Park hat Online-Uni eröffnet

Die erste digitale Hochschule Usbekistans ist im Oktober 2022 online gegangen. Bei der IT Park Universität handelt es sich um ein Kooperationsprojekt des IT-Parks Taschkent und der Universität EPAM Global Campus. Im Februar 2023 sollen die ersten 1.000 Studierenden mit ihrer Ausbildung beginnen. 


Das Bachelorstudium in englischer Sprache erfolgt überwiegend online und bietet folgende Spezialisierungen:


  • Web Development,
  • Networks Engineering,
  • Software Testing,
  • Back-End Development (Java),
  • Mobile Development (Android),
  • Front-End Development,
  • QA Engineering (Software),
  • Big Data Engineering,
  • Cybersecurity.

 

Wenige Schritte bis zur Registrierung im IT-Park

Die Firmenregistrierung kann innerhalb eines Tages erfolgen. Dafür müssen ausländische natürliche Personen aber zuerst einen Identitäts- und Aufenthaltsnachweis (Personal Identification Number of an Individual/PINFL) beantragen. Dieser ist bei der Migrationsbehörde unter Vorlage eines Nachweises über den dauerhaften oder vorübergehenden Wohnsitz in Usbekistan (Wohnung oder Hotel) zu bekommen. Er wird in innerhalb von 7 bis 10 Tagen ausgestellt.

Auf der Grundlage eines eingereichten Geschäftsplans wird der Status als Wirtschaftssubjekt im IT-Park binnen 10 bis 12 Tagen erteilt. Das Firmenprofil muss einem von 18 IT-Geschäftsfeldern (Dienstleistungen) entsprechen und auf den Export ausgerichtet sein. Projekte für den reinen Online-Handel erhalten den Status nicht. 

Die obligatorische Abgabe zur Kofinanzierung der Direktion des IT-Parks beträgt 1 Prozent des wertmäßigen Exportvolumens. Ab einem jährlichen Export von 10 Millionen US$ sinkt sie auf 0,75 Prozent, bei einem Export von über 20 Millionen US$ pro Jahr werden 0,5 Prozent fällig.  

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