Wirtschaftsausblick | Zypern
Zyperns Wirtschaft erweist sich als resilient
Die Wirtschaft Zyperns wächst trotz regionaler Krisenherde konstant. Investitionen und privater Verbrauch beleben die Konjunktur.
24.06.2026
Von Michaela Balis | Nikosia
Top Thema: Großzügige Unterstützungsmaßnahmen
Angesichts hoher Energie- und Rohstoffpreise ergriff die zyprische Regierung Maßnahmen zur Entlastung der Bevölkerung. Zypern ist stark von Erdölimporten abhängig. Etwa 86 Prozent des Primärenergieverbrauchs entfielen laut Eurostat im Jahr 2024 auf Rohöl und Erdölprodukte.
Zu den Maßnahmen zählen unter anderem:
- Senkung des Mehrwertsteuersatzes auf Strom von 9 auf 5 Prozent für alle Privathaushalte bis zum 31. März 2027;
- Einführung eines Null-Mehrwertsteuersatzes auf Fleisch, Geflügel und Fisch bis zum 30. September 2026, zuvor galt ein Satz von 5 Prozent;
- Null-Mehrwertsteuersatz auch für Obst und Gemüse;
- Unterstützung von Landwirten mit einer anteiligen Übernahme der Kosten für Dünge- und Pflanzschutzmittel;
- Subventionierung von Gehältern in der Hotellerie für das Jahr 2026.
Die Senkung der Sonderverbrauchsteuer auf Kraftstoffe um 8,33 Cent pro Liter ist bis 30.Juni 20206 befristet.
Wirtschaftsentwicklung: Leichtes Wachstum trotz widriger Umstände
Laut der EU-Kommission soll die zyprische Wirtschaft im Jahr 2026 um 2,3 Prozent wachsen. Damit liegt das Wachstum deutlich über dem EU-Durchschnitt von 1,1 Prozent, jedoch unter dem Vorjahreswert von 3,8 Prozent.
Der Krieg im Nahen Osten sorgt für Unsicherheit und führt zu Preissteigerungen. Trotz staatlicher Maßnahmen zur Abfederung höherer Energiepreise schätzt die EU-Kommission die Inflation für 2026 auf 3,6 Prozent. Experten gehen davon aus, dass sich die Krise im Nahen Osten negativ auf den Tourismus auswirken wird. Dies gilt insbesondere nach dem Drohnenangriff auf den britischen Militärstützpunkt in Akrotiri.
Zypern fordert stärkeren EU-Beistand
Im März 2026 griff eine mutmaßlich iranische Drohne den britischen Militärstützpunkt RAF Aktrotiri auf Zypern an. Nach Angaben zyprischer Behörden wurde die Drohne vermutlich aus dem Libanon abgefeuert. Der Angriff verursachte nur begrenzte Sachschäden, machte jedoch deutlich, dass der Konflikt im Nahen Osten auch europäisches Gebiet betrifft.
Mehrere europäische Staaten sicherten Zypern und dem Vereinigten Königreich politische und militärische Unterstützung zu. Dazu gehörten unter anderem Einsatzkräfte wie Kampfjets, Kriegsschiffe sowie Luftabwehr- und Anti-Drohnen-Systeme. Innenpolitisch löste der Vorfall eine Debatte über den Status der britischen Militärstützpunkte auf Zypern aus.
Vor diesem Hintergrund drängt die Regierung in Nikosia auf ein stärkeres Engagement der EU in Krisensituationen. Sie verweist dabei auf Artikel 42 Absatz 7 des EU-Vertrags, der gegenseitige Hilfe im Falle eines bewaffneten Angriffs vorsieht.
Zum Wirtschaftswachstum trägt auch 2026 der private Konsum infolge von Gehaltserhöhungen bei. Nach Schätzungen der EU-Kommission wächst er um 2 Prozent.
Hinzu kommen EU-geförderte Investitionen, der Binnentourismus sowie die Exporte von Unternehmens- und IT-Dienstleistungen. Obwohl die Fördermittel aus dem EU-Aufbaufonds Ende 2026 auslaufen, geht die EU-Kommission davon aus, dass die Investitionstätigkeit auch 2027 weiter zunimmt.
Zyprisches Gas für Europas Märkte
Die zyprischen Offshore-Erdgasvorkommen rückten durch Engpässe in der Energieversorgung und volatile Energiepreise infolge des Nahostkonflikts in den Fokus. Zypern kann in Kooperation mit Ägypten eine alternative Gasquellen für den europäischen Markt werden.
Zypern will spätestens ab 2028 mit dem Erdgasexport aus dem Förderblock Kronos beginnen. Die Förderrechte liegen bei einem Konsortium aus Eni (Italien) und Total Energies (Frankreich). Das Gas soll nach Ägypten geliefert, dort verflüssigt und anschließend per Schiff auf die europäischen Märkte transportiert werden. Kronos verfügt über Reserven von etwa 2,5 Billionen Kubikfuß Erdgas.
Auch für den Block Aphrodite, dessen Reserven bei rund 4,5 Billionen Kubikfuß Erdgas liegen, ist Ägypten als Partner eingebunden. Die Förderrechte hält ein Konsortium aus der Chevron (USA), der NewMed Energy (Israel) und Shell (Vereinigtes Königreich). Die endgültige Investitionsentscheidung soll bis Januar 2027 getroffen werden.
Ungelöster Zypernkonflikt
Der Zypernkonflikt bleibt ungelöst. Seit 1974 ist der Norden der Insel von der Türkei besetzt. Zypern ist das einzige Mitgliedsland der EU, das weiterhin geteilt ist. Auch im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft im 1. Halbjahr 2026 gab es keine neuen Entwicklungen. Die Economist Intelligence Unit schätzt die Wahrscheinlichkeit einer Lösung des Konflikts auf 30 Prozent. Die Vereinten Nationen bemühen sich um eine neue Verhandlungsrunde zwischen Zypern und der Türkei. Das Verhältnis zur Türkei bleibt angespannt.
Deutsche Exporte steigen
Im Jahr 2025 stiegen wertmäßig sowohl die Importe als auch die Exporte Zyperns im Vergleich zum Vorjahr um rund 10,5 beziehungsweise 7,5 Prozent.
Dies ist auf höhere Ein- und Ausfuhren von Erdöl und Erdölprodukten zurückzuführen. Diese stiegen im gleichen Zeitraum wertmäßig um rund 30 Prozent beziehungsweise etwa 70 Prozent.
Die Erdölprodukte werden im Inland weiterverarbeitet und anschließend exportiert. Erdöl wird zudem zur Stromerzeugung benötigt. Etwa 75 Prozent des Stroms stammen aus konventionellen Kraftwerken, die Öl als Energieträger nutzen.
Griechenland bleibt wichtigster Handelspartner Zyperns, gefolgt von Libyen und Italien. Libyen rückte dank der Exporte von Erdölprodukten in der Rangliste nach oben. Deutschland belegt Platz 5.
Zu den wichtigsten Exportgütern Zyperns zählen Erdölprodukte, Transportausrüstung, Arzneimittel und Halloumi-Käse. Bei den Importen dominieren Erdölprodukte sowie Pharmaerzeugnisse, Kraftfahrzeuge (Kfz) und Maschinen.
Die deutschen Ausfuhren nach Zypern stiegen im Jahr 2025 um etwa ein Viertel gegenüber dem Vorjahr. Hauptgrund für diesen Anstieg war der Import, die Weiterverarbeitung und der anschließende Reexport von Freizeitbooten.
Die deutschen Pharmaexporte legten um rund 22 Prozent zu. Gleiches gilt für die Ausfuhren von Maschinen. Wichtigster Lieferant von Maschinen bleibt China, gefolgt von Griechenland.
Die deutschen Exporte von Kfz gingen um 0,2 Prozent zurück. Deutsche Hersteller verloren ihre Spitzenposition im Jahr 2025 an Japan. Der deutsche Anteil an den Kfz‑Importen lag bei 15 Prozent, gegenüber Japan mit 30 Prozent.
Deutsche Perspektive: Zyperns Rüstungsindustrie bietet Chancen
Rund 30 Unternehmen umfasst die zyprische Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie. Zypern ist kein Mitglied des Nordatlantikpaktes NATO, setzt jedoch auf eine intensivere Zusammenarbeit auf europäischer Ebene sowie auf eine gemeinsame Abwehrstrategie.
"Die zyprische Verteidigungs- und Sicherheitsindustrie ist eine junge, technologiegetriebene Branche. Zyprische Unternehmen können ihre Technologien gut in die Produkte deutscher Unternehmen integrieren und mit ihnen zusammenarbeiten", erklärt Fregattenkapitän Volker Pilz, der derzeit an der Deutschen Botschaft Nikosia eingesetzt ist. Deutsche Unternehmen streben entsprechende Kooperationen an.
Die Regierung in Nikosia hat bereits Rüstungsgüter aus Deutschland beschafft, darunter Mehrzweckhubschrauber des Typs H145M des Herstellers Airbus Helicopters aus Donauwörth. Darüber hinaus prüft sie den möglichen Erwerb deutscher Kampfpanzer Leopard 2.
Alle wichtigen Kennzahlen zur wirtschaftlichen Entwicklung finden sich in den aktuellen Wirtschaftsdaten kompakt Zypern. Indikatoren lassen sich auch länderübergreifend vergleichen.