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Bauteilemangel bremst Erholung der russischen Kfz-Industrie

Russlands Automarkt kommt mit Schwung aus der Pandemie. Ein Defizit an Bauteilen bremst jedoch das Produktionswachstum. Die Regierung födert die Entwicklung der Elektromobilität.

Von Hans-Jürgen Wittmann | Moskau

  • Russlands Kfz-Industrie fährt mit Vollgas aus der Pandemie

    Die Produktion und der Absatz von Pkw erreichen 2021 wieder das Vorkrisenniveau. Autobauer bringen neue Modelle auf den Markt. Bei Projekten ist deutsche Kompetenz gefragt.

    Die Regierung unterstützt die Erholung der heimischen Autoindustrie und verlängert die Absatzförderprogramme. Im Jahr 2021 stehen rund 38 Milliarden Rubel (437,6 Millionen Euro, EZB-Umrechnungskurs zum 11.08.2021: 1 Euro = 86,84 Rubel) an Subventionen zur Vergabe vergünstigter Autokredite und Leasingkonditionen sowie zur Umrüstung von Pkw auf Gasantrieb zur Verfügung.

    Pkw-Absatz erreicht Ende 2021 Vorkrisenniveau

    Russlands Automarkt erholt sich von der Coronakrise schneller als erwartet. Die Verkäufe von Pkw und LCV (Light Commercial Vehicles) stiegen in den ersten sieben Monaten 2021 um 28,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 954.000 Einheiten. Aufgrund der positiven Entwicklung hob die Association of European Businesses (AEB) im Juni 2021 ihre Wachstumsprognose für den Pkw- und LCV-Markt bis Ende 2021 von 2,1 auf 9,8 Prozent an. Das entspricht rund 1,8 Millionen verkauften Fahrzeugen. Damit würde das Vorkrisenniveau von 2019 beinahe wieder erreicht.

    Absatz von Kfz in Russland (Stückzahl; Januar bis Mai bzw. Juli; Veränderung in Prozent)

    Kategorie

     2021

     2020

    Veränderung 2021/2020

    Pkw 1)

    953.760

    742.681

    28,4

    Lkw 2)

    36.566

    26.465

    38,2

    1) einschließlich leichter Nutzfahrzeuge (LCV), Zeitraum Januar bis Juli; 2) Zeitraum Januar bis MaiQuelle: Association of European Business (AEB); Autostat.ru

    Die Aussichten trüben sich im 2. Halbjahr 2021 allerdings leicht ein. Im Juli gingen die Verkäufe von Kfz und LCV im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,5 Prozent zurück. Aufgrund der Rubelabwertung und der Inflation, der hohen Preise auf Metall sowie eines Defizits an Elektronikbauteilen erhöhen die Autobauer im 2. Halbjahr ihre Preise für Kfz durchschnittlich um 2 bis 4 Prozent. Um der Teuerungswelle Luft aus den Segeln zu nehmen, legte die Regierung die geplante Anhebung der Entsorgungsabgabe um 25 Prozent vorerst auf Eis. Trotzdem sei mit weiteren Rückgängen bei der Produktion und den Verkäufen zu rechnen, befürchtet Thomas Stärtzel, Leiter des Automotive-Komitees der AEB.

    Absatz von Pkw im Massensegment nach Herstellern (Stückzahl; Veränderung und Marktanteil in Prozent)

    Hersteller

    Absatz Januar bis Juli 2021

    Veränderung Januar bis Juli 2021 / Januar bis Juli 2020

    Marktanteil Januar bis Juli 2021

    Lada

    232.232

    42

    24,3

    KIA

    125.415

    26

    13,1

    Hyundai

    104.453

    34

    11,0

    Renault

    81.291

    29

    8,5

    Skoda

    60.712

    30

    6,4

    Volkswagen

    57.932

    19

    6,1

    Toyota

    54.563

    8

    5,7

    Nissan

    28.934

    -7

    3,0

    GAZ

    28.442

    21

    3,0

    Haval

    19.167

    126

    2,0

    Quelle: Association of European Businesses (AEB)

    Zuwächse verzeichneten in den ersten sieben Monaten vor allem Hersteller mit lokaler Fertigung im Massensegment. Sie waren von der Rubelabwertung weniger stark betroffen. Marktführer bleibt Lokalmatador AvtoVAZ (Lada) vor Kia und Hyundai. Erfolgreichster deutscher Konzern ist Volkswagen auf Platz sechs. Schwieriger ist die Lage für ausländische Hersteller ohne Sonderinvestitionsvertrag. Honda verlässt zum Jahreswechsel 2021/2022 gar den russischen Markt.

    Deutsche Hersteller dominieren den Markt für Premiumautomobile. Mehr als jedes zweite Auto im Premiumsegment war im 1. Halbjahr 2021 ein Mercedes oder BMW. Audi belegt in der Verkaufsstatistik Platz vier.

    Lkw-Verkäufe ziehen wieder an

    Der Absatz von Lkw stieg von Januar bis Mai 2021 um 38,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf rund 36.600 Einheiten. Platzhirsch Kamaz verzeichnete ein Plus von 35 Prozent. Den größten Zuwachs verbuchte der schwedische Hersteller Scania mit 107 Prozent. Der Marktanteil ausländischer Hersteller ging aufgrund der gesunkenen Nachfrage im Pandemiejahr 2020 jedoch auf rund ein Drittel zurück.

    Absatz von Lkw nach Herstellern (Stückzahl; Veränderung in Prozent)

    Hersteller

    Absatz Januar bis Mai 2021

    Veränderung Januar bis Mai 2021 / Januar bis Mai 2020

    Kamaz

    13.013

    34,9

    GAZ

    3.559

    34,3

    Scania

    2.892

    107,3

    MAZ

    2.299

    95

    Volvo

    2.000

    4,2

    MAN

    1.910

    33,1

    Ural

    1.876

    23,8

    Mercedes-Benz

    1.544

    27,6

    Isuzu

    860

    -31,6

    Shacman

    608

    17,6

    Quelle: Autostat.ru

    Fahrzeughersteller kündigen Produktion neuer Modelle an

    Die Autoproduktion wächst 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozent auf rund 1,5 Millionen Einheiten, schätzt das Industrieministerium. Russlands Autobauer erhalten in diesem Jahr Industriesubventionen von rund 200 Milliarden Rubel (umgerechnet rund 2,3 Milliarden Euro).

    Produktion von Kfz in Russland (Stückzahl; Veränderung in Prozent)

    Kategorie

    Januar bis Juni 2021

    Januar bis Juni 2020

    Veränderung Januar bis Juni 2021 / Januar bis Juni 2020

    Pkw

    737.300

    510.900

    44,3

    Lkw

    85.200

    53.700

    59,7

    Quelle: Föderaler Statistikdienst Rosstat

    Im Zuge der „Renaulution“-Strategie begann AvtoVAZ Ende Mai 2021 mit der Umstellung der Pkw-Montage auf die modulare CMF-B-Plattform seines Mehrheitsaktionärs Renault. Neben den Renault-Modellen Logan und Sandero sollen ab 2025 auch die Lada-Modelle Granta, Vesta und Niva-Travel auf Basis von Modulbaukästen in Serie vom Band rollen. Daneben entwickeln Renault und AvtoVAZ einen neuen 1,3-Liter-Turbomotor.

    Im Werk von Sollers-Ford in der tatarischen Sonderwirtschaftszone Alabuga startete Ende Mai 2021 die Serienproduktion des Modells „Senat“ der russischen Luxusmarke Aurus. Ab 2022 wird auch das Crossover-Modell „Komendant“ dort gefertigt. Von 2024 an sollen jährlich 5.000 Luxuskarossen vom Band rollen. Bis 2022 soll der Lokalisierungsanteil von derzeit 53 auf 80 Prozent steigen. Die Boston Consulting Group und IHS Markit erwarten für Aurus im Luxussegment einen Marktanteil von 9 Prozent.

    Awtotor montiert 2021 in seinem Werk im Gebiet Kaliningrad nur noch drei der einstmals acht Modellreihen des Premiumherstellers BMW. Nach einer Gesetzesänderung decken staatliche Zuschüsse nur noch 85 Prozent der Importzölle, die der Auftragsfertiger jedoch zu 100 Prozent begleichen muss.

    Volkswagen startete Ende Mai 2021 die Produktion des Crossovers Taos bei GAZ in Nischni Nowgorod. Die Investitionen in neue Produktionsausrüstung betrugen 63 Millionen Euro. Gefertigt wird der Taos auf Basis des modularen Querbaukastens.

    PSMA Rus, ein Joint Venture von Stellantis und Mitsubishi, will ab Ende 2022 den Kleinbus Fiat Scudo im Werk Kaluga fertigen. Im Mai 2021 begann PSMA mit der Produktion von 1,6-Liter-Dieselmotoren für Pkw.

    Russlands Autobauer setzen auf Lösungen deutscher Partner

    Daimler Kamaz RUS, ein Joint Venture von Daimler und Kamaz, montiert bis Ende 2021 für das russische Bauunternehmen Partner Group 100 Kipplaster der Marke Arocs 414B. Die Fahrzeuge werden in Wörth am Rhein produziert und in Nabereschnyje Tschelny in Tatarstan endmontiert.

    Mit Lösungen von SAP will Kamaz seine digitale Transformation vorantreiben. Der deutsche Software-Konzern unterstützt Russlands Marktführer bei Lkw auf den Gebieten maschinelles Lernen und Sehen in der Fertigung und Verwaltung.

    Anfang Mai 2021 haben Kamaz und ZF die Lieferung digitaler Lösungen zur Entwicklung gegenseitig vernetzter Lkw und Anhänger im Rahmen des Projekts „Connected Road Train“ vereinbart. Bis Ende 2022 stattet ZF zudem rund 4.800 Hochleistungs-Sattelauflieger von Kamaz mit Wabco ABS- und ITP-Systemen aus.

    Dürr Systems modernisiert von Juni bis September 2021 für 6 Millionen Euro die Lackiererei des Auftragsfertigers Awtotor in Kaliningrad. Die neuen Maschinen steigern die Produktivität um 20 Prozent und verringern die Umweltbelastung.

    Aktuelle Investitionsprojekte in der russischen Kfz-Industrie (in Millionen Euro)

    Projekt / Region

    Investitionen (Mio. Euro)

    Geplante Inbetriebnahme

    Projektbetreiber

    Erweiterung der Motorenproduktion um den 1,4 Liter-TSI-Motor / Gebiet Kaluga

    70

    Investition im Rahmen des Sonderinvestitionsvertrages; Absichtserklärung unterzeichnet; geplante Inbetriebnahme: 2024

    Volkswagen

    Aufbau einer Fertigung für das Automatikgetriebe Traxon, inkl. Zahnräder und Wellen sowie der Produktion der Servolenkung Reax / Nabereschnyje Tschelny, Republik Tatarstan

    12,5

    Geplanter Projektbeginn: Januar 2022

    ZF Kama (Joint Venture von ZF und Kamaz)

    Bau einer Lackierstraße / Gebiet Kaliningrad

    k.A.

    Investition im Rahmen des Sonderinvestitionsvertrages; geplante Inbetriebnahme: 2023

    Awtotor

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Von Hans-Jürgen Wittmann | Moskau

  • Russland treibt lokale Produktion von Elektromobilen voran

    Die Regierung sowie die Staatsholdings Rostec, Rosatom und Rosseti forcieren die Entwicklung von E-Mobilen, Batteriezellen und Ladeinfrastruktur. Erste Modelle laufen noch 2021 an.

    Die Nachfrage nach Elektromobilen steigt auch in Russland - allerdings ausgehend von einem niedrigen Basiswert. Im Jahr 2021 werden E-Mobile nur 0,1 Prozent des gesamten Kfz-Absatzes ausmachen, schätzt die Association of European Businesses (AEB). Pro Jahr erwartet der Unternehmerverband jedoch eine Verdopplung des Umsatzes. Bis 2035 soll der Anteil von E-Mobilen an den Neuwagenverkäufen bereits 25 Prozent betragen, prognostiziert die Boston Consulting Group. Ende Juni 2021 waren erst rund 11.800 E-Mobile auf russischen Straßen unterwegs.

    Moskau ist Vorreiter bei der E-Mobilität in Russland. Die Hauptstadt will bis 2024 ihren E-Bus-Fuhrpark um 2.200 Einheiten erweitern. Die Behörden der Insel Sachalin wollen den Busverkehr ebenfalls auf Elektroantrieb umstellen und ordern 125 E-Busse. Das Gebiet Kaliningrad beschafft bis 2022 Busse mit Elektroantrieb.

    Verlängerung des Nullzollsatzes soll Nachfrage ankurbeln

    Wichtigster Entwicklungsmotor ist die 2020 auf Ebene der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) beschlossene Befreiung importierter E-Mobile vom Einfuhrzoll in Höhe von 15 Prozent. Um breitere Käuferschichten anzusprechen, erwägt die Eurasische Wirtschaftskommission (EEK) die Verlängerung des Nullzollsatzes über den 31. Dezember 2021 hinaus bis Ende 2023. Denn hohe Anschaffungskosten machen E-Autos derzeit nur für Besserverdiener sowie für Carsharing-Dienste attraktiv. Auf dem noch jungen E-Mobilmarkt halten Modelle deutscher Hersteller wie Audi e-tron, Mercedes EQC und Porsche Taycan rund 40 Prozent Marktanteil. BMW bringt noch im Jahr 2021 den E-Crossover iX und das E-Coupe i4 auf den russischen Markt.

    Regierung entwickelt E-Mobilität

    Das Wirtschaftsministerium erarbeitet derzeit federführend ein Konzept zur Entwicklung der Elektromobilität in Russland. Bis 2030 sollen die Produktion von E-Autos auf 250.000 Einheiten pro Jahr und der Absatz auf 15 Prozent des Kfz-Marktes wachsen. Industrieminister Denis Manturow kündigte ab 2030 eine verpflichtende Absatzquote von 30 Prozent für Kfz mit Strom-, Gas- oder Wasserstoffantrieben an. Zur Produktion von E-Mobilen und Bauteilen, den Aufbau einer Ladeinfrastruktur und für Absatzförderprogramme verdoppelt die Regierung die Subventionen bis 2030 auf rund 9,3 Milliarden Euro.

    Industrieministerium forciert lokale Produktion von E-Mobilen

    Die Regierung unterstützt den Aufbau eigener Kompetenzen bei Elektromobilen, Batteriezellen sowie der Ladeinfrastruktur. Das Industrieministerium wirbt bei ausländischen Herstellern für den Abschluss des modifizierten Sonderinvestitionsvertrags (SPIK 2.0) zur Lokalisierung der Produktion von E-Mobilen. Bis 2023 gilt ein Elektroauto als „Made in Russia“, wenn die Endmontage lokal erfolgt. Ab 2024 müssen Prozessschritte wie Schweißen und Lackieren in Russland erfolgen. Bis 2027 soll die Produktion von Batteriezellen und Elektromotoren lokalisiert werden.

    Zwar bekundete der US-E-Auto-Pionier Elon Musk im Mai 2021 die grundsätzliche Bereitschaft zu einer Lokalisierung in Russland. Doch Ende Juli 2021 lagen noch keine Anträge zum Abschluss eines SPIK 2.0 für E-Mobile vor. Teslas Zurückhaltung liegt nicht zuletzt an dem derzeit zu geringen Marktvolumen, das den Aufbau einer Produktion nicht rechtfertigt. Um eine hohe Auslastung ihrer Werke sicherzustellen, sollen sich E-Autobauer mit dem SPIK 2.0 auch zu Exporten verpflichten. Zum Schutz einheimischer Hersteller soll zudem die Entsorgungsabgabe auf importierte E-Mobile schrittweise angehoben werden.

    Lokale Fertigung läuft an

    Einige russische Autobauer entwickeln bereits Prototypen von E-Mobilen und planen den Start der Produktion. Vorreiter ist der Lkw-Hersteller Kamaz (gehört zur Staatsholding Rostec) mit dem E-Pkw-Modell Kama-1 sowie E-Busmodellen. GAZ möchte mit der Firma „Elektrofahrzeuge Stuttgart“ ab dem 1. Halbjahr 2022 den E-Kleintransporter GAZelle NEXT mit Wasserstoffantrieb in Deutschland produzieren. Sber Automotive Technologies (gehört zur Sberbank) übernahm im Februar 2021 den E-Mobil-Entwickler KG Impex für die Produktion des autonomen E-Mobils FLIP.

    Aktuelle Projekte zur Entwicklung von Elektromobilen in Russland

    Projekt / Standort

    Projektstand

    Unternehmen

    Pkw-Modell Kama-1 / Nabereschnyje Tschelny, Republik Tatarstan

    Geplanter Produktionsstart: 2023-2024

    Kamaz (gehört zur Staatsholding Rostec)

    Niederflur-Elektro-Gelenkbus Kamaz-6292 / Neftekamsk, Republik Baschkortostan

    Geplanter Produktionsstart: 2022

    Kamaz

    Erweiterung der Endmontage von E-Bussen / Bus-Depot Sokolniki, Moskau

    Ausbau der 500 E-Bus-Einheiten umfassenden Produktion um weitere 200 Einheiten; geplanter Produktionsstart: 2023

    Kamaz

    LCV-E-Modell Ford Transit / Sonderwirtschaftszone Alabuga, Republik Tatarstan

    Geplanter Produktionsstart: 2022

    Joint-Venture Sollers-Ford

    E-Kleinbus GAZelle e-NN / Gebiet Nischni Nowgorod

    Geplanter Produktionsstart: 2021

    GAZ

    Elektro-Lkw auf Basis des Chassis des Lkw-Modells 5325 von Kamaz; Elektromotoren und Karosserien werden zugekauft, die Batteriezellen sollen aus eigener Fertigung kommen / Sonderwirtschaftszone Technopolis, Moskau

    Geplanter Produktionsstart: Ende 2021; Großkunde: Einzelhandelskette Magnit

    Drive Electro (gehört zu 75 Prozent dem Wissenschaftler und Unternehmer Sergej Iwanow und zu 25 Prozent dem wissenschaftlichen Forschungsinstitut für kombinierte Energiekraftwerke (NIIKEU))

    Weiterentwicklung des Modells Senat mit Hybridantrieb hin zu Wasserstoffantrieb / Sonderwirtschaftszone Alabuga, Republik Tatarstan

    Präsentation des Prototypen Ende Mai 2021; geplante Serienfertigung: 2024

    Aurus

    Autonom fahrendes E-Taxi FLIP mit wechselbaren Batteriemodulen

    Vorstellung des Prototypen auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum 2021

    Sber Automotive Technologies (gehört zur staatlichen Sberbank)

    E-Mobil Zetta City Modul 1 / Technopark Zhiguljovskaja Dolina, Togliatti, Gebiet Samara

    Geplanter Produktionsstart: Ende 2021

    Zetta

    E-Autos / Gebiet Lipezk

    Geplanter Produktionsstart: 2022; derzeit Insolvenzklage seitens Steuerbehörde; neuer Investor gesucht

    OOO Motorinvest, 399670 Grebenkino 71, Bezirk Krasninskij, Gebiet Lipezk; Generaldirektor: Alexandr Lapin

    Autonomer E-Lkw für Transport von Gütern bis 1,5 Tonnen

    Entwicklung einer Serienversion: 2022

    Evocargo

    Bau einer Fabrik für Niederflur-E-Busse / Rybinsk, Gebiet Jaroslawl

    Vereinbarung auf Sankt-Petersburger Wirtschaftsforum unterzeichnet

    Trans-Alfa

    Vorbereitung zur Auftragsfertigung von E-Mobilen mit Wasserstoffantrieb / Gebiet Kaliningrad

    Design- und Technologiezentrum 2021 eröffnet

    Awtotor

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Rosatom lokalisiert Produktion von Batteriezellen

    Mit Liotech (gehört zur Staatsholding Rosnano) ist derzeit nur ein ziviler Hersteller von Batteriezellen in Russland angesiedelt. Bis dato kommt ein Großteil der Akkumulatoren sowie deren Ausgangsstoffe wie Kathoden- und Anodenpulver aus China. Um eine lokale Fertigung attraktiv zu machen, sollen ab 2023 bei staatlichen Beschaffungen mindestens 60 Prozent der Batteriezellen „Made in Russia“ sein.

    Renera, ein Tochterunternehmen der staatlichen Atomholding Rosatom, will bis 2025 eine Produktion von Lithium-Ionen-Zellen aufbauen. Dazu beteiligte sich Renera im März 2021 am südkoreanischen Batteriehersteller Enertech. Um einen lokalen Produktionskreislauf aufzubauen, gründet Rusatom Greenway (gehört ebenfalls zu Rosatom) das Unternehmen Ecotechnopark Center zur Verarbeitung gebrauchter Batteriezellen im Gebiet Nischni Nowgorod.

    Staatsholdings bauen Ladeinfrastruktur aus

    Die Entwicklung der E-Mobilität in Russland steht und fällt mit dem Aufbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur. Ende Juni 2021 waren landesweit nur rund 1.500 Ladestationen in Betrieb, der Großteil davon in Moskau. Gemäß der Strategie zur Entwicklung der E-Mobilität soll sich die Produktion von Ladestationen von 9.400 Einheiten im Jahr 2024 auf bis zu 72.000 Einheiten im Jahr 2030 mehr als verachtfachen. Hierfür stellt die Regierung rund 2 Milliarden Euro an Subventionen zur Verfügung. Sie kommen in den Metropolen und auf föderalen Autobahnen zum Einsatz.

    Das Unternehmen KRET (gehört zu Rostec) errichtet bis Ende 2021 im Gebiet Rjasan eine Fertigung von Schnellladestationen für E-Busse und E-Autos. Daneben vereinbarten die Staatsholdings Kamaz (Rostec), Renera (Rosatom) und Rosseti auf dem Sankt Petersburger Wirtschaftsforum Anfang Juni 2021 die gemeinsame Entwicklung der Ladeinfrastruktur in den Regionen.

    Von Hans-Jürgen Wittmann | Moskau

  • Russland will Einfuhrabhängigkeit bei Kfz-Bauteilen senken

    Russlands Kfz-Industrie ist von Bauteileimporten abhängig. Ein Mangel an Halbleitern bremst das Produktionswachstum. Die Regierung fördert den Aufbau lokaler Bauteilefertigungen.

    Autobauer können in Russland kein Fahrzeug ohne importierte Komponenten herstellen. Zwar gelingt infolge der Politik zur Importsubstitution und Lokalisierung der Aufbau einer lokalen Herstellung technologisch einfacher Komponenten wie Glas, Gummi- oder Interieurteilen immer besser. Doch bei technologisch anspruchsvollen Bauteilen wie Brems- und Lenksystemen sowie Motor- oder Getriebekomponenten steigt der Anteil der Importe aus dem Ausland sogar.

    Lieferengpässe und Preissteigerungen dämpfen Produktion und Absatz

    Russlands Autobauer leiden derzeit an dem weltweiten Defizit an Elektronikbauteilen wie Chips und Halbleitern. Deren Produktionszyklus beträgt rund sechs Monate. Doch der Lagerbestand ist im Schnitt nur für ein bis zwei Monate ausgelegt. Die wachsende Nachfrage treibt die Preise für Fahrzeugelektronik um bis zu 30 Prozent nach oben. Hinzu kommen steigende Ausgaben für Vorprodukte aus Metall, die rund 40 Prozent der Produktionskosten eines Mittelklasse-Pkw ausmachen. Ende Juni 2021 kostete Autoblech 38 Prozent mehr als am 1. Januar 2021.

    AvtoVAZ musste aufgrund von Lieferengpässen bei Lenksystemen des Zulieferers Bosch im Juni 2021 tageweise die Produktion der Lada-Modelle Granta, Xray, Largus und Niva aussetzen. Russlands Branchenprimus rechnet noch bis ins 1. Halbjahr 2022 mit Verzögerungen bei der Bauteileversorgung. Ausbleibende Lieferungen von Body Control Modulen von Continental führten im GAZ-Werk in Nischni Nowgorod zu zeitweisen Bandstillständen. Dort lässt Volkswagen den Taos sowie die Skoda-Modelle Karoq, Kodiaq und Octavia fertigen. Auch BMW fuhr im Juni 2021 für eine Woche die Endmontage im Awtotor-Werk in Kaliningrad herunter.

    Die Unterversorgung mit Bauteilen beeinträchtigt auch den Pkw-Absatz und droht die Erholung nach der Pandemie abzuwürgen. Die Autoverkäufe gingen im Juni 2021 um 10 Prozent und im Juli um weitere 6,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurück, meldet die Association of European Businesses (AEB).

    Regierung fördert Aufbau einer lokalen Bauteilefertigung

    Die Kfz-Industrie trägt zur Entstehung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nur rund 0,4 Prozent bei, meldet der Statistikdienst Rosstat. Der geringe Beitrag der Branche zur Wirtschaftsleistung liegt vor allem an der unzureichend entwickelten Zulieferlandschaft, die den Großteil der Wertschöpfung ausmacht. Die Regierung reagiert und fördert gezielt den Aufbau lokaler Fertigungen sowie die Ansiedlung internationaler Bauteileproduzenten. Dazu entwickelte das Industrieministerium Mitte Juni 2021 ein Programm zur Unterstützung der Automobilzulieferindustrie. Der Staat gewährt Unternehmen vergünstigte Darlehen über 50 Millionen Rubel (rund 580.000 Euro) zu einem Zinssatz von 1 Prozent pro Jahr für bis zu 5 Jahre, wenn sie in den Aufbau einer lokalen Fertigung von Kfz-Komponenten und Baugruppen investieren.

    Für das Jahr 2021 stellt die Regierung rund 11,6 Millionen Euro an Subventionen für Projekte zur Herstellung von Bauteilen bereit. Diese Summe ist jedoch nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Branchenkenner schätzen, dass rund 3,5 Milliarden Euro in die Entwicklung der Kfz-Zulieferindustrie investiert werden müssten.

    Autobauer sollen mehr lokale Autoelektronik verwenden

    Einen besonderen Fokus legt das Industrieministerium auf die lokale Produktion von Kfz-Elektronik. Hersteller, die eine Fertigung aufbauen und Exportverpflichtungen eingehen, erhalten Subventionen. Für 2021 stehen rund 35 Millionen Euro bereit. Im Jahr 2020 belief sich der Marktanteil russischer Hersteller von Elektronik für die Automobilindustrie nur auf rund 7,2 Prozent.

    Um die Nachfrage nach elektronischen Bauteilen für Getriebe-, Antriebs- und Bremssysteme, ADAS oder Module für Glonass-Notrufsysteme zu steigern, stehen für Kfz-Hersteller pro Jahr bis zu 46,5 Millionen Euro an Subventionen zur Verfügung. Für Autobauer mit einem Sonderinvestitionsvertrag (SPIK 1.0) liegt ein weiterer Anreiz darin, ihren Lokalisierungsgrad zu erhöhen und so eine höhere Erstattung der Entsorgungsabgabe, die an den Lokalisierungsgrad gekoppelt ist, zu erhalten.

    Um in den Genuss der Subventionen zu kommen, müssen sich die Autobauer verpflichten, in den kommenden fünf Jahren mindestens 70 Prozent von Kfz-Elektronik „Made in Russia“ zu verwenden. Doch dürfte der Umstieg auf russische Kfz-Elektronik nicht so ohne Weiteres möglich sein. Neben zusätzlichen Kosten für die Umstellung der Lieferketten fürchten Autobauer vor allem Reputationsrisiken wegen der möglicherweise geringeren Produktqualität.

    Regierung fördert Exporte von Kfz-Bauteilen

    Häufig steht einem Aufbau einer lokalen Produktion von Kfz-Bauteilen die zu geringe Größe des russischen Kfz-Markts im Wege. Profitabel wird eine lokale Fertigung meist nur, wenn auch für den Export produziert wird. Deshalb stellte das Industrieministerium Ende Juni 2021 den Entwurf einer Verordnung zur Vergabe von Punkten für den Export von lokal produzierten Kfz-Teilen vor. Seit 1. August 2021 bis 31. Dezember 2024 können Autohersteller mit einem Sonderinvestitionsvertrag (SPIK 1.0) Punkte für den Export von lokal gefertigten Autokomponenten sammeln. Das Russische Exportzentrum (REZ) vergibt Punkte für durchgeführte Arbeitsschritte wie Schweißen oder Lackieren. Branchenkenner gehen davon aus, dass die Anzahl der gesammelten Punkte künftig Einfluss auf die Höhe der staatlichen Förderung haben wird.

    Bauteilefabrikanten aus Deutschland stehen hoch im Kurs

    Das Industrieministerium bemüht sich aktiv darum, deutsche Bauteilehersteller ins Land zu locken. Vize-Industrieminister Wassilj Osmakov, der Ansprechpartner für deutsche Firmen, verspricht Zulieferern Zuschüsse für Investitionen, wenn sie sich im Rahmen des modifizierten Sonderinvestitionsvertrags (SPIK 2.0) für eine Lokalisierung der Produktion in Russland entscheiden. Der deutsche Automobilzulieferer Kann (gehört zur türkischen Haksan Group) plant die lokale Fertigung von Stoßdämpfern, Federbeinen und Dichtungen beim Auftragsfertiger Awtotor im Gebiet Kaliningrad.

    Von Hans-Jürgen Wittmann | Moskau

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