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Branchen | Thailand | Chemie
Thailand hat eine bedeutende Chemieindustrie aufgebaut. Auch ausländische Konzerne engagieren sich. Die Branche will nun nachhaltiger und hochwertiger produzieren.
15.06.2020
Von Thomas Hundt | Bangkok
Thailands Petrochemie ist mit einer Kapazität von 33,4 Millionen Tonnen die größte in Südostasien. Davon entfielen im Jahr 2018 nach Angaben des Petroleum Institute of Thailand 12,4 Millionen Tonnen auf Upstream-Produkte, 7,7 Millionen Tonnen auf intermediäre Produkte, 11,8 Millionen Tonnen auf Downstream-Produkte und 1,4 Millionen Tonnen auf sonstige Chemikalien.
Der Umsatz der gesamten Chemiebranche liegt allerdings hinter dem Indonesiens, Singapurs oder Malaysias. Gemäß der letzten Zählung im Jahr 2016 waren 3.474 Betriebe in der Chemieindustrie (ohne den Pharmabereich) tätig. Ihr Produktionswert belief sich auf 25,2 Milliarden US-Dollar (US$). Er stieg von 2016 bis 2019 real nur um 5,5 Prozent.
Gute Perspektiven werden den Fertigungen von Arzneimitteln, Körperpflegemitteln und Kosmetika sowie Farben und Lacken bescheinigt. Deren Hersteller verzeichneten in den letzten Jahren Wachstum. Insgesamt 4.857 Betriebe verarbeiteten im Jahr 2016 außerdem Kunststoffe zu Waren im Wert von 12,4 Milliarden US$. Ihre Produktion schrumpfte seitdem allerdings.
Produktgruppe | 2016 in Mio. US$ *) | Reale Veränderung 2019 gegenüber 2016 in % |
---|---|---|
Industriegase | 439 | k.A. |
Ethanol und Ester | 542 | 32,2 |
Düngemittel und Stickstoffverbindungen | 1.820 | -19,9 |
Kunststoffe in Primärformen | 10.004 | 10,1 |
Pestizide, andere agrochemischen Erzeugnisse | 961 | k.A. |
Anstrichmittel, Druckfarben und Kitte | 2.408 | 1,8 |
Seifen, Wasch-, Reinigungs- und Poliermittel | 1.074 | 1,2 |
Duftstoffe, Kosmetika und Körperpflegemittel | 2.558 | 2,4 |
Chemiefasern | 1.263 | 3,4 |
Verpackungsmittel aus Kunststoffen | 5.362 | -2,8 |
Sonstige Kunststoffwaren | 7.004 | -16,9 |
Das Zentrum der Petrochemie befindet sich rund 200 Kilometer südöstlich von Bangkok in Map Ta Phut in der Provinz Rayong. Viele Hersteller von chemischen Erzeugnissen sind wiederum im Industriegebiet Bangpoo 30 Kilometer südlich von Bangkok zu finden.
Die größten inländischen Petrochemiegruppen sind PTT Global Chemical (Umsatz 2019: 13,6 Milliarden US$), IRPC (7,2 Milliarden US$) und SCG Chemicals (5,9 Milliarden US$). Sie schreiben derzeit ihre milliardenschweren Investitionspläne wegen der weltweiten Überkapazitäten, des steigenden Wettbewerbs, der schwächelnden Nachfrage sowie sinkender Preise um. Sie wollen nun mehr in Fertigungen von Hochleistungskunststoffen investieren.
IRPC hat angekündigt, sein Investitionsprogramm von 2020 bis 2024 um die Hälfte auf 2,2 Milliarden US$ zu reduzieren. Die verbleibenden Gelder werden in neue Anlagen zur Fertigung von Kraftstoffen nach Euro-5-Abgasnorm, von Acrylonitrile Butadiene Styrene und von ultrahochmolekularem Polyethylen fließen. PTTGC nimmt 2020 in Map Ta Phut noch drei neue Großanlagen für die Produktion von Olefinen, von Propylenoxid und Polyolen in Betrieb. SCG investiert derzeit hauptsächlich im Ausland und errichtet in Vietnam einen 5,4 Milliarden US$ teuren Petrochemiekomplex.
Indorama Ventures ist nach eigenen Angaben mit 119 Chemiefabriken in 33 Ländern unter anderem der weltgrößte Hersteller von Polyethylenterephthalat (PET). Indorama erweitert aktuell seine PET-Recycling-Anlagen in Thailand und im Ausland.
Der größte Produzent von Anstrichmitteln ist TOA PAINT. Die thailändische Firma verzeichnete 2019 einen Umsatz von circa 560 Millionen US$ und expandiert derzeit hauptsächlich in den südostasiatischen Nachbarmärkten. Weitere lokale Hersteller von Farben und Lacken sind Akzo Nobel, Jotun oder Sika. Wegen der Covid-19-Pandemie bricht die Nachfrage nach Anstrichmitteln im Bausektor und in anderen Industriezweigen allerdings ein.
Der Markt für Körperpflegemittel und Kosmetika, den Euromonitor 2019 auf circa 7,2 Milliarden US$ taxierte, dürfte die Krise deutlich schneller überwinden. Markenprodukte produzieren und vertreiben internationale Konzerne wie Beiersdorf und Kao aus Japan sowie mehrere thailändische Firmen. Die Thai Cosmetic Manufacturers Association zählt 760 Hersteller, darunter viele kleine und mittlere Unternehmen, die im Auftrag Originalpräparate produzieren. Ein Vorteil des Standortes ist die breite Auswahl an Zulieferern von Inhaltsstoffen.
Das Geschäft mit Verpackungen wächst wegen des aktuellen Booms im Onlinehandel. Die 1.500 Betriebe, die Plastikverpackungen erzeugen, sollen nach Regierungsplänen wegen der Abfallproblematik mehr recyceln und auf bio-basierte Kunststoffe umstellen. Das Gemeinschaftsunternehmen Total Corbion PLA eröffnete im September 2019 in Rayong ein Werk zur Herstellung des Biokunststoffs Polylactid. Die Anlage verfügt über eine Jahreskapazität von 75.000 Tonnen und verwendet als Rohstoff Zuckerrohr.
Das Board of Investment (BOI) fördert Investitionen und hat 15 Projekte zur Fertigung von Biokunststoffen genehmigt. Chemieunternehmen können beim BOI je nach Produktgruppe Steuerbefreiungen von drei bis acht Jahren und andere Privilegien beantragen. Das BOI genehmigte 2019 insgesamt 93 Projekte Chemie- und Petrochemiesektor im Gesamtwert von 2,7 Milliarden US$.
Ausländische Chemiekonzerne engagieren sich direkt oder in Gemeinschaftsunternehmen. Dow Chemical will 2020 Investitionen in neue Anlagen prüfen. Thailand ist der größte Standort von Dow in Asien. Der Konzern betreibt 13 petrochemische Werke mit einer Gesamtkapazität von 2,1 Millionen Tonnen. Der Umsatz von Dow Thailand lag 2019 bei 3,5 Milliarden US$.
Der Konzern Lenzing aus Österreich legte im November 2019 den Grundstein für das weltgrößte Lyocell-Werk mit einer Kapazität von 100.000 Tonnen pro Jahr. Die 400 Millionen Euro teure Anlage soll 2021 den Betrieb aufnehmen und Fasern für die Textilindustrien in Asien produzieren.
Deutsche Konzerne haben ihre Anlagen in den letzten Jahren ebenfalls erweitert und modernisiert. BASF erzeugt in seinen Werken Polyurethan, Coatings, Care Chemicals und Bauchemie. Covestro produziert Polycarbonatfolien und Evonik Kieselsäure sowie Isomalt. Beiersdorf fertigt Körperpflegemittel, Henkel Klebstoffe und Kosmetika. Linde erzeugt Industriegase. Bayer produziert Pflanzenschutzmittel.
Die Importe an chemischen Erzeugnissen waren 2019 mit 28,5 Milliarden US$ beachtlich. Deutschland kam auf einen Anteil von 4,5 Prozent an den gesamten Importen. Die Geschäfte liefen Anfang 2020 stabil. Das thailändische Handelsministerium meldete für den Zeitraum Januar bis April 2020 einen gleich hohen Wert der Einfuhren (auf Basis des US$) an chemischen Erzeugnissen wie im Vorjahreszeitraum.
HS Kapitel | Bezeichnung | 2018 | 2019 | Veränderung |
---|---|---|---|---|
28, 29 | Industriechemikalien | 7.251 | 6.317 | -12,9 |
davon aus Deutschland | 193 | 212 | 9,8 | |
30 | Arzneimittel | 2.557 | 2.482 | -2,9 |
davon aus Deutschland | 378 | 367 | -2,9 | |
31 | Düngemittel | 1.732 | 1.663 | -4.0 |
davon aus Deutschland | 38 | 35 | -7,9 | |
32 | Farben und Lacke | 1.554 | 1.521 | -2,1 |
davon aus Deutschland | 111 | 89 | -19,8 | |
33 | Kosmetika | 1.953 | 2.085 | 6,8 |
davon aus Deutschland | 33 | 27 | -18,1 | |
34 | Reinigungsmittel | 825 | 778 | -5,7 |
davon aus Deutschland | 56 | 55 | -1,8 | |
38 | Verschiedene chemische Erzeugnisse | 4.097 | 3.975 | -3,0 |
davon aus Deutschland | 226 | 213 | -5,8 | |
39 | Kunststoffe und Waren daraus | 9.580 | 9.141 | -4,6 |
davon aus Deutschland | 273 | 263 | -3,7 | |
35, 36, 37 | Sonstige | 550 | 549 | -0,2 |
davon aus Deutschland | 31 | 28 | -9,7 | |
28 bis 39 | Chemie insgesamt | 30.099 | 28.511 | -5,3 |
davon aus Deutschland | 1.339 | 1.289 | -3,7 |