Branchencheck | Frankreich

Nach dem Lockdown kommen viele Branchen wieder in Gang

Nach weitgehendem Stillstand fahren viele Sektoren in Frankreich ihre Aktivitäten wieder hoch. Vielfach haben sie mit einer hohen Verschuldung und schwacher Nachfrage zu kämpfen. 

Durch den strikten Lockdown hatten viele Branchen, allen voran Kfz, Luftfahrt und die Bauwirtschaft in der Krise den Betrieb eingestellt, obwohl sie dazu gesetzlich nicht verpflichtet wurden. Durch Kreditgarantien und Kurzarbeit haben die Unternehmen den Lockdown überwiegend gut überstanden. Die Erholung wird langsam verlaufen, auch da hohe Schulden und eine geringere Nachfrage viele Firmen in die Insolvenz zwingen dürften.

  • Maschinenbau

    Maschinenbau

    Der Maschinenbau in Frankreich leidet unter dem Einbruch der Unternehmensinvestitionen. Lichtblicke bieten staatliche Hilfen zur Automatisierung in einigen Branchen. 

    Nach Prognosen des Maschinenbauverbandes FIM könnte die Produktion der Maschinenbauer im 2. Quartal 2020 um 40 Prozent zurückfallen. Insgesamt erwartet der Verband für das laufende Jahr einen Rückgang der Investitionen in Maschinen und Ausrüstungen von 25 bis 30 Prozent. Um Liquiditätsengpässe abzuwenden, haben viele Unternehmen Investitionspläne aufgeschoben. Auch in der beginnenden Aufschwungphase werden die Investitionen erst langsam anziehen, da wichtige Abnehmerbranchen wie Kfz und Luftfahrt nur schwach ausgelastet sind. Andererseits umfassen die Hilfspakete für diese Branchen mehr Fördermittel für Automatisierungsprojekte.

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Chemieindustrie

    Chemieindustrie

    Der Chemiesektor leidet unter der schwachen Nachfrage in wichtigen Abnehmersektoren wie Kfz, Luftfahrt und Bau. Dagegen sind Pharma-Vorprodukte und Reinigungsmittel gefragt.

    Die Chemieindustrie hatte als wichtiger Lieferant von Vorstoffen für die Nahrungsmittelindustrie und den Pharmasektor den Betrieb in der Krise weitgehend aufrechterhalten. Sie leidet aber unter der schwachen Entwicklung in der Kfz- und Luftfahrtindustrie sowie dem Bausektor. Zudem drückt der niedrige Ölpreis auf die Preise. Teilbereiche wie die Herstellung von Reinigungsmitteln und Vorstoffen für die Pharmaindustrie profitieren von einer hohen Nachfrage. Nach Angaben des Verbandes France Chimie will der Sektor seine Investitionen 2020 um 15 Prozent zurückfahren.

    Weitere Informationen:

    Chemiesektor in Frankreich versucht Produktion aufrechtzuerhalten

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Energiewirtschaft

    Energiewirtschaft

    Der Bau von Wind- und Solarparks ist wieder angelaufen. Nach einer letzten Vergabe neuer Projekte zu Beginn der Krise haben die Ausschreibungen Ende Mai wieder begonnen. 

    In der Krise hat der Stromkonzern EDF Instandsetzungsarbeiten an Kernkraftwerken aufschieben müssen. Um Stromengpässe im kommenden Winter abzuwenden, wird der Netzbetreiber RTE mehr zahlen, damit Unternehmen ihren Verbrauch punktuell zurückfahren.

    Während auf Land der Bau von Wind- und Solarparks, der in der Krise stillstand, wiederaufgenommen wird, starten auch offshore die ersten Vorhaben. Einige Ausschreibungstermine für erneuerbare Energien sind in der Krise auf den Herbst 2020 verschoben worden. Siemens Gamesa hat im Juni den Bau einer Fabrik für Offshore-Windanlagen in Le Havre bestätigt.

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Bauwirtschaft

    Bauwirtschaft

    Nach weitgehendem Stillstand hat der Bausektor die Arbeit wieder aufgenommen. Er fordert kurzfristig staatliche Hilfe. Die Regierung plant aber erst nach dem Sommer ein Hilfspaket.

    Der Bausektor hat die meisten Baustellen nach einem weitgehenden Stillstand in der Krise wieder in Betrieb genommen. Als Hilfsmaßnahme wird die Regierung staatliche Auftraggeber anweisen, Verträge nachzuverhandeln, damit Baufirmen nicht allein auf den höheren Kosten für Schutzmaterial sitzen bleiben. Sie will aber erst im September ein größeres Konjunkturprogramm vor allem zur Förderung der Gebäudeeffizienz auflegen. Die Bauindustrie fürchtet, dass die Gemeinden trotz erster Hilfszahlungen weniger Mittel für Projekte haben werden und das dies die Erholung bremsen wird. 

    Weitere Informationen: 

    Neue Bauvorschriften dürften klimaschonende Baustoffe begünstigen

    Maßnahmen für Gebäudeeffizienz gewinnen an Fahrt

    Olympische Spiele in Paris nehmen Gestalt an

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Gesundheitswirtschaft

    Gesundheitswirtschaft

    Um Engpässen bei Schutzkleidung und Medikamenten künftig vorzubeugen, fördert Frankreich die Inlandsproduktion. Geplant sind auch mehr Investitionen in Krankenhäuser. 

    Frankreich will seine Abhängigkeit von Importen strategischer Produkte reduzieren. Dazu wird die Herstellung von Schutzmasken gefördert, damit das Land hier zum Jahresende autark ist. Hinzu kommt ein Fonds von 200 Millionen Euro für Produktions- und Forschungsvorhaben im Lande. Damit soll die Rückholung der Herstellung bestimmter Medikamente nach Frankreich begünstigt werden. 

    Gleichzeitig laufen Konsultationen zu einem Reformpaket für die Gesundheitsfürsorge. Dabei geht es um höhere Löhne, aber auch um einen während der Krise versprochenen Investitionsschub für Krankenhäuser.

    Weitere Informationen:

    Macron verspricht nach Krise Investitionsschub für Krankenhäuser

    Frankreich strebt bei Schutzmasken Autarkie an

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Pkw- und Nfz-Produktion

    Pkw- und Nfz-Produktion

    Die Krise zwingt Renault zu einer weiteren Restrukturierung mit Schließung kleinerer Werke. Die Industrie will bis 2025 eine Million Elektro- und Hybrid-Kfz im Land herstellen.

    Die Krise hat vor allem den notleidenden Autobauer Renault hart getroffen. Anfang Juni hat die Regierung eine Kreditgarantie für 5 Milliarden Euro gewährt. Im Gegenzug garantiert das Unternehmen den Fortbestand einiger Standorte. Drei Fabriken sollen schließen und ein großes Montagewerk in Flins für andere Aktivitäten umgewidmet werden. Renault und PSA zahlen in einen Fonds zur Stützung der Zulieferindustrie ein. Weitere 350 Millionen Euro kommen der Modernisierung von Fabriken und der Forschung zugute. Die Industrie hat zugesagt, ab 2025 eine Million elektrische und Hybrid-Autos im Land herzustellen. 

    Weitere Informationen:

    Frankreich will der Kfz-Industrie aus der Krise helfen

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Luftfahrt

    Luftfahrt

    Um der wichtigen Luftfahrtindustrie zu helfen, soll Air France die Flotte erneuern. Der Staat gibt Geld, um die Entwicklung von Hybrid- und Wasserstoffflugzeugen zu beschleunigen.

    Frankreich hat für die Luftfahrtindustrie ein Hilfspaket über 15 Milliarden Euro geschnürt. Davon sind 8,5 Milliarden Euro Kreditlinien für Air France und andere Fluglinien, die angehalten sind ihre Flotten zu erneuern. Ein Fonds über 1,3 Milliarden Euro soll die notleidenden Zulieferer von Airbus stützen. Militärische Beschaffungen werden vorgezogen und Exportgarantien verstärkt. Der Staat will aber auch die Forschung beschleunigen. Bis 2035, und damit zehn Jahre früher als von der Industrie geplant, soll ein Wasserstoffflugzeug entwickelt werden. Dafür stehen 1,5 Milliarden Euro Fördergelder bereit. 

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Nahrungsmittelmarkt

    Nahrungsmittelmarkt

    Die starke Nachfrage nach Bioprodukten hält nach der Krise an. Auch der Onlinehandel mit Lebensmitteln hat sich stärker etabliert. 

    Der Lebensmittelkonsum ist nach Ende des Lockdowns nicht zur Normalität zurückgekehrt. Während der Krise hatten 70 Prozent der Verbraucher Bioprodukte gekauft und damit 8 Prozentpunkte mehr als vorher. Die Mehrzahl will dieses Einkaufsverhalten beibehalten und auch mehr französische Produkte kaufen. Gleichzeitig hat der Handel im letzten Halbjahr das Bio-Sortiment stark ausgeweitet.

    Der Onlinehandel, sei es über den Drive-in-Kanal oder per Lieferung nach Hause, hat in der Krise 10 Prozent des Absatzes erreicht. Nach dem Lockdown ist er etwas zurückgefallen, liegt aber weiterhin höher als vor der Krise.

    Weitere Informationen: 

    E-Commerce mit Lebensmitteln treibt Automatisierung von Lagern an

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Elektronikindustrie

    Elektronikindustrie

    Die Hersteller elektronischer Bauelemente und Mikrochips haben auch unter der Krise gelitten. Sie hoffen auf Hilfen aus Fonds für Zulieferer der Luftfahrt- und Kfz-Industrie. 

    Die Elektronikindustrie hat in der Coronakrise die Produktion zurückgefahren. Die Hersteller von Halbleitern, allen voran STMicroelectronics, sind aufgrund eines höheren Automatisierungsgrades besser durch die Krise gekommen als Chip-Hersteller.

    Der Sektor hofft auf Hilfen aus den Fonds für Zulieferer, die Teil der Hilfspakete für die Luftfahrt- und die Kfz-Industrie sind. In der Krise erlitt die Industrie, die vom Staat als essenziell angesehen wird, Lieferengpässe für Komponenten. Der Elektronikverband Snese fordert Hilfen, um wieder größere Chip-Volumen in Frankreich herstellen zu können.

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • IKT

    IKT

    In Frankreich ist der Verkauf der 5G-Lizenzen in der Krise vom April auf den September verschoben worden. Der Termin soll gehalten werden. Der Glasfasernetzausbau verzögert sich.

    Die Regulierungsbehörde Arcep will am September-Termin für den Verkauf der 5G-Lizenzen festhalten, obwohl in Teilen der Industrie eine weitere Verschiebung gefordert worden war. Allerdings sind die Betreiber nicht verpflichtet, vor Ende 2020 zwei große Städte mit 5G-Netzen zu versorgen. Die Frage, ob Ausrüstungen von Huawei verwendet werden können, muss noch geklärt werden.

    Der Glasfasernetzausbau, zu dem sich die Telekommunikationsunternehmen verpflichtet hatten, verzögert sich. Aber die Arbeiten sind wieder aufgenommen worden.

    Von Peter Buerstedde | Paris

  • Pkw- und Nfz-Markt

    Pkw- und Nfz-Markt

    Der französische Staat hat Kauf- und Verschrottungsprämien erhöht, um hohe Lagerbestände infolge der Coronakrise abzubauen. 

    Während des achtwöchigen Lockdowns war der Kfz-Markt zum Erliegen gekommen. Bei Industrie und Händlern hatten sich 400.000 Fahrzeuge aufgehäuft. Marktbeobachter erwarteten angesichts des rückläufigen Bruttoinlandsprodukts für 2020 einen Einbruch des Kfz-Absatzes von mehr als 30 Prozent. Unklar ist, wie stark staatliche Maßnahmen hier gegensteuern können. Die Regierung hat bis Ende 2020 Kaufprämien für Elektroautos und Plug-in-Hybride angehoben. Für die ersten 200.000 Autokäufe können auch höhere Verschrottungsprämien geltend gemacht werden, sogar für neuere Kfz mit Verbrennungsmotor. 

    Weitere Informationen: 

    Frankreich will der Kfz-Industrie aus der Krise helfen

    Von Peter Buerstedde | Paris

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