Branchencheck | Mexiko

Industrie sucht Wege aus der Krise

Kurzfristig verlieren so gut wie alle Branchen der mexikanischen Wirtschaft, mittelfrisitig ist die Lage allerdings differenzierter.

Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

Der Rückgang der Industrieproduktion um 5 Prozent im März gab der mexikanischen Wirtschaft bereits einen Vorgeschmack auf die tiefe Rezession, die in wichtigen Branchen wie der Kfz-Industrie ansteht. Chancen durch die Krise werden sich erst mittelfristig ergeben, beispielsweise durch Produktionsverlagerungen von Unternehmen nach Mexiko, um weniger anfällig gegenüber Lieferausfällen zu werden.

  • Maschinenbau

    Maschinenbau

    Der Markt für Maschinen bleibt auch 2021 schwach. Die besten Absatzchancen gibt es in der Nahrungsmittelindustrie.

    Die Einfuhren von Kapitalgütern brechen 2020 voraussichtlich um knapp 21 Prozent ein. Für 2021 wird ein weiterer Rückgang um 5 Prozent erwartet. Die besten Chancen bestehen noch für Ausrüstung für die Nahrungsmittelindustrie, darunter Nahrungsmittel-, Verpackungs- und Druckmaschinen. Der Markt wird aufgrund des schwachen heimischen Maschinenbaus fast ausschließlich über Importe bedient. Allein deutsche Hersteller lieferten 2019 Ausrüstung im Wert von 6,9 Milliarden US-Dollar (US$).

    Weitere Informationen:

    USMCA-Abkommen stimmt Maschinenhändler optimistisch

    Maschinenbauer müssen in Mexiko umdenken

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Gesundheitswirtschaft

    Gesundheitswirtschaft

    Auch wenn Mexikos Regierung die Ausgaben im Gesundheitswesen massiv hochfährt, die Geschäftschancen für deutsche Firmen werden dadurch nicht automatisch besser.

    Die Regierung versucht derzeit, das vernachlässigte Gesundheitssystem schnell fit für die Coronakrise zu machen. Dazu werden im Bau befindliche Krankenhäuser im Schnellverfahren fertiggestellt, neues Personal angeheuert und benötigte Medizintechnik per Direktvergabe eingekauft. Zur Finanzierung gab das Gesundheitsministerium ab März zunächst rund 1,7 Milliarden US$ aus einem Notfallfonds aus. Deutsche Medizintechnikhersteller weisen darauf hin, dass die Maßnahmen nicht zwangsweise zu besseren Geschäftschancen führen. In vielen Fällen bleibt 2020 kein Budget mehr für Ausrüstung, die nicht direkt für Coronabehandlungen benötigt wird, darunter Diagnose- und Orthopädietechnik.

    Weitere Informationen

    Covid-19: Gesundheitswesen in Mexiko


    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Bauwirtschaft

    Bauwirtschaft

    Die mexikanische Baubranche musste durch die Coronabeschränkungen ihre Arbeit für Wochen niederlegen. Für das Gesamtjahr 2020 droht ein krasser Einbruch.

    Die Bauwirtschaft ist eine der am stärksten vom Coronavirus betroffenen Branchen. Viele kleine Firmen mussten bereits aufgeben: Der Bauverband CMIC geht davon aus, dass 3.000 Unternehmen und somit 25 Prozent der Verbandsmitglieder zahlungsunfähig sind. Ein wichtiger Lichtblick ist, dass die Branche in die Liste der essenziellen Tätigkeiten aufgenommen wurde und daher unter strengen Hygienevorschriften seit dem 18. Mai wieder arbeiten darf. Der Einbruch wird auf das Gesamtjahr gesehen trotzdem im zweistelligen Prozentbereich liegen.

    Weitere Informationen:

    Bauwirtschaft muss Arbeiten teilweise einstellen

    Immobilienfonds in Mexiko boomen

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Chemieindustrie

    Chemieindustrie

    Der mexikanischen Chemieindustrie fehlen Vorprodukte. Die Nachfrage nach chemischen Erzeugnissen könnte Mitte Mai langsam wieder anziehen.

    Für die Chemieindustrie galt kein obligatorischer Arbeitsstopp, trotzdem waren ihre Kapazitäten Ende April nur zu 65 Prozent ausgelastet. Sowohl das ausbleibende Angebot an Vorprodukten als auch die verminderte Nachfrage ließen keine höhere Produktion zu. Die Lieferengpässe an heimischem Erdgas haben sich verschärft. Die staatliche Gesellschaft Pemex ist schwer vom derzeit niedrigen Ölpreis gebeutelt und stellt aufgrund finanzieller und technischer Probleme immer weniger Vorprodukte bereit. Auf der Nachfrageseite dürfte der Bedarf nach der Wiedereröffnung der Kfz-Industrie Mitte Mai langsam wieder anziehen.

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Energiewirtschaft

    Energiewirtschaft

    Die mexikanische Regierung brüskiert private Projektentwickler mit neuen Regelungen bei Fotovoltaik- und Windparks. Das Investionsklima im Land kann nachhaltig Schaden nehmen.

    Die Aussichten für die Elektrizitätswirtschaft sind mittelfristig eigentlich positiv, denn der Strombedarf in Mexiko wächst. Doch die Regierung schockt private Projektentwickler mitten in der Coronakrise mit neuen Vorgaben. Ende April beziehungsweise Mitte Mai erließ sie neue Regelungen für die Einspeisung und die Inbetriebnahme von Fotovoltaik- und Windparks. Demnach ist es derzeit praktisch nicht möglich, neue Kapazitäten ans Netz zu bringen. Verschiedene Botschaften und Auslandshandelskammern - darunter auch die deutsche - protestieren gegen die Änderungen. Das Investitionsklima kann nachhaltig leiden.

    Weitere Informationen

    Mexikos Regierung schockt private Stromwirtschaft

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Pkw- und Nfz-Produktion

    Pkw- und Nfz-Produktion

    Die Aussichten für Mexikos Kfz-Industrie sind düster. Wie schnell sich die Branche erholt, hängt von der Entwicklung auf dem US-amerikanischen Markt ab.

    Mexikos Kfz-Industrie darf seit dem 18. Mai wieder produzieren. Damit endet für Fahrzeughersteller und Zulieferer eine siebenwöchige Durststrecke, während der jegliche Fertigung untersagt war. Die Absatzaussichten bleiben aber eingetrübt: Die Analysefirma IHS Markit geht davon aus, dass Mexiko 2020 rund 2,9 Millionen Pkw und leichte Nutzfahrzeuge produzieren wird. Das wäre ein Minus von 850.000 Einheiten gegenüber 2019. Für die Teilefertigung prognostiziert der Branchenverband für 2020 einen Einbruch um 28 Prozent auf einen Wert von 70,9 Milliarden US$. Für 2021 wird vieles darauf ankommen, wie schnell sich die Nachfrage in den USA wieder erholt.

    Weitere Informationen:

    Kfz-Industrie plant für Post-Corona

    Kfz-Industrie bewegt sich auf historischen Einbruch zu

    Branche kompakt: Mexikos Kfz-Industrie fährt Produktion zurück

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Elektronikindustrie

    Elektronikindustrie

    Die Corona-bedingten Beschränkungen treffen die mexikanische Elekronikindustrie besonders hart. Auch vor der Pandemie waren die Exporte bereits rückläufig.

    Die Elektronikindustrie leidet ähnlich wie die Kfz-Branche stark unter Corona. Obwohl wichtig für die Gesamtwirtschaft, wurde der Sektor nicht in die Liste der essenziellen Tätigkeiten aufgenommen. Er darf daher bis mindestens Ende Mai nicht produzieren. Auch nach Wiederaufnahme der Fertigung dürfte die Nachfrage beschränkt bleiben. Der Großteil der im Land gefertigten Produkte ist für die USA bestimmt - dorthin gehen 86 Prozent der Exporte. Die Auslandslieferungen waren bereits 2019 um 2,3 Prozent auf 80 Milliarden US$ gesunken. Mittelfristig könnten Hersteller ihre Produktion aber nach Mexiko verlagern, um näher an den nordamerikanischen Konsumzentren zu fertigen.

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • IKT

    IKT

    Auch wenn die Nachfrage nach digitalen Lösungen in der Coronapandemie steigt: Langfristig muss sich die IKT-Branche in Mexiko auf sinkende Umsätze einstellen.

    Die Informations- und Kommunikationswirtschaft (IKT) profitiert von der höheren Nachfrage nach digitalen Dienstleistungen, bedingt durch die Coronapandemie. Langfristig steht sie aber wegen des schlechteren Konsumklimas vor Herausforderungen: Laut Einschätzungen der Marktforschungsfirma Forrester Research könnte der Absatz von Unterhaltungselektronik wie Smartphones 2020 um 5 bis 10 Prozent sinken. Die Beratungsgesellschaft Select verweist darauf, dass die Abwertung des mexikanischen Peso gegenüber dem US-Dollar Branchenprodukte verteuert. Mexiko muss sowohl Endgeräte als auch elektronische Komponenten wie Halbleiter vielfach importieren. Die Währung hatte von Anfang März bis Mitte Mai 22 Prozent an Wert verloren.

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Nahrungsmittelindustrie

    Nahrungsmittelindustrie

    Auch wenn die Lebensmittelindustrie wenig von der Coronakrise betroffen ist, wird sie in der mittleren Frist Einbußen hinnehmen müssen.

    Nahrungsmittelhersteller sind bislang vergleichsweise wenig von der Coronakrise betroffen. Zum einen gibt es für ihre Produkte weiterhin eine (teilweise sogar erhöhte) Nachfrage, zum anderen wird die Branche als systemrelevant eingestuft und konnte somit durchgängig produzieren. Einzig alkoholische Getränke durften zwischenzeitlich nicht hergestellt werden. Auch die Exporte in die USA, wohin 78 Prozent der mexikanischen Nahrungsmittelausfuhren gehen, sind nicht betroffen. Mittel- und langfristig wird jedoch auch die Nahrungsmittelindustrie wegen des allgemein schlechteren Konsumklimas sowohl in Mexiko als auch in den USA Einbußen hinnehmen müssen.

    Weitere Informationen:

    Neue Vorschrift für Etikettierung von Lebensmitteln

    Branche kompakt: Mexikos Nahrungsmittelindustrie leidet unter schwachem Konsum

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Öl und Gas

    Öl und Gas

    Die mexikanische Regierung setzt trotz Ölpreisverfall auf neue Kapazitäten.

    Der Ölpreisverfall bringt die bereits angeschlagene staatliche Ölgesellschaft Pemex in Bedrängnis und vermindert deren Spielraum für Investitionen. Die Regierung will die Produktion in der aktuellen Situation jedoch nicht zurückfahren, sondern setzt durch den Bau einer neuen Großraffinerie in Dos Bocas darauf, mehr Öl zu raffinieren. Auch in den sechs bestehenden Raffinerien soll die Verabeitung um 400.000 Barrel pro Tag auf knapp 1 Million Barrel erhöht werden. Angesichts der ehrgeizigen Pläne auf der einen und der niedrigen Ölpreise auf der anderen Seite schlagen Branchenexperten vor, dass Pemex wieder stärker auf die Unterstützung der Privatwirtschaft setzt.

    Weitere Informationen:

    Ölpreiskrise kann privaten Förderern in Mexiko nutzen

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

  • Bergbau

    Bergbau

    Die Branche leidet unter niedrigen Preisen. Die langfristigen Aussichten sind jedoch positiv.

    Bergbaufirmen litten schon vor Corona unter niedrigen Weltmarktpreisen und strengeren Umwelt- und Sozialauflagen. Während der Krise durften sie von Ende März bis zum 18. Mai weder produzieren noch explorieren, weshalb für das laufende Jahr ein kräftiger Einbruch erwartet wird. Die langfristigen Aussichten sind aufgrund zahlreicher Gold- und Silberprojekte sowie großer Lithiumfunde jedoch gut. Voraussetzung für höhere Investitionen ist allerdings, dass sich die Metallpreise dauerhaft erholen. Dies ist angesichts der weltweiten Rezession jedoch frühestens für 2022 zu erwarten.

    Weitere Informationen:

    Bergbau steht vor Modernisierungswelle

    Mexiko wird zur Lithiummacht

    Von Florian Steinmeyer | Mexiko-Stadt

nach oben

Anmeldung

Bitte melden Sie sich auf dieser Seite mit Ihren Zugangsdaten an. Sollten Sie noch kein Benutzerkonto haben, so gelangen Sie über den Button "Neuen Account erstellen" zur kostenlosen Registrierung.