Branchencheck | Vereinigtes Königreich

So kommen die britischen Branchen durch die Krise

Die Coronakrise ist ein zusätzlicher harter Einschnitt für die britische Wirtschaft. Es gibt aber nicht nur Verlierer.

Von Marc Lehnfeld | London

Der erwartete Brexit und die unerwartete Coronakrise werfen die britische Wirtschaft weiter zurück. Der kurzfristige Ausblick ist für viele Branchen negativ, wenn auch einige Sektoren und Märkte schneller aus der Krise kommen werden. Für 2021 sind die Aussichten etwas besser, weil viele Unsicherheitsfaktoren an Bedeutung verlieren dürften.

  • Bauwirtschaft

    Bauwirtschaft

    Marktchancen eröffnen sich in diesem Jahr im Infrastrukturbau. Der Tiefbau profitiert von staatlichen Maßnahmen.

    Während der Wohnungsbau unter der von Unsicherheit getroffenen Nachfrage leidet, profitiert im Wirtschaftsbau die Entwicklung neuer Logistik- und Lagergebäude dank Brexit und Corona. Statt Neubau wird verstärkt auf Renovierungen gesetzt. Für den Innenausbau in der Gastronomie oder bei Unterkünften ist der Ausblick trübe. Günstiger ist die allgemeine Lage im Tiefbau, weil das teure Schienenprojekt HS2 vorangetrieben wird und der Staat die allgemeine Verkehrsinfrastruktur modernisiert, zum Beispiel für den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und fahrrad- wie fußgängerfreundliche Verkehrskonzepte. Das Londoner Fortsetzungsprojekt Crossrail 2 steht hingegen im Zeichen der angespannten Haushaltslage einmal mehr infrage.


    Weitere Informationen:

    Bau von Lagerhallen boomt auf der Brexit-Insel

    Fußgänger und Radfahrer erobern Londons Straßen

    Neue Milliardeninvestitionen der Wasserwirtschaft bis 2025

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Chemieindustrie

    Chemieindustrie

    Viele Chemiefirmen gehen selbstbewusst durch die Coronakrise. Der größte Unsicherheitsfaktor bleiben die britisch-europäischen Handelsbeziehungen nach Ende der Übergangsphase.

    Laut Umfrage des Branchenverbands CIA kommen zahlreiche Chemieunternehmen gut durch die Krise. Rund 80 Prozent der Firmen melden stabile oder steigende Umsätze im 1. Quartal 2020. Ob sich die Angst vor unterbrochenen Lieferketten durch die Coronakrise bewahrheitet hat, konnte die Umfrage noch nicht zeigen. Der Chemieverband CBA bewertet die Verhandlungen um das Freihandelsabkommen mit der Europäischen Union (EU) als wenig fortgeschriten. Vor allem das separate UK REACH Regime und der fehlende Zugang zur ECHA-Datenbank könnten die britischen Firmen beim EU-Geschäft empfindlich treffen.

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Energiewirtschaft

    Energiewirtschaft

    Die britische Regierung gewinnt ein Jahr Zeit, um das Land als Vorreiter bei erneuerbaren Energien bei der COP26-Konferenz zu präsentieren.

    Die britische Regierung bereitet eine vierte CfD-Ausschreibungsrunde ("Allocation Round 4", AR4) für emissionsarme Energieprojekte vor, die 2021 durchgeführt werden soll. In der letzten T-4-Auktionsrunde für den Kapazitätsmarkt im Lieferjahr 2023/24 ist der Clearing-Preis mit 15,97 Kilowatt pro Jahr so hoch ausgefallen wie zuletzt 2016. In Schottland entwickelt die Regierung ein Konzept zur Nutzung von Wasserstoff für eine emissionsarme Energieversorgung. Die internationale UN-Klimakonferenz COP26, die 2020 in Glasgow stattfinden sollte, wird auf 2021 verschoben.


    Weitere Informationen:

    Energieeffizienz im Vereinigten Königreich: Kostenbewusstsein wächst

    Energiewirtschaft in Schottland: "Energisch voran"

    Deutsch-schottische Wirtschaftsbeziehungen werden enger

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Gesundheitswirtschaft

    Gesundheitswirtschaft

    Neue und modernisierte Krankenhäuser sorgen in den nächsten Jahren für Geschäftschancen.

    Als klarer Gewinner kommt die Gesundheitswirtschaft durch die Krise. Dafür sorgen staatliche Milliardeninvestitionen in neue Krankenhäuser, die schon vor dem Ausbruch der Coronapandemie beschlossen wurden. Die Nachfrage nach Beatmungsgeräten dürfte nach zahlreichen Großbestellungen gesättigt sein. Dafür zeigt die Gesundheitskrise eine Lücke bei intensivmedizinischer Ausstattung. Beachtlich war der agile Wechsel der Industrieproduktion auf Beatmungsgeräte in der Ventilator Challenge UK. 


    Weitere Informationen:

    Covid-19: Gesundheitswesen im Vereinigten Königreich

    Branche kompakt: Britischer Pharmamarkt wächst bei weichem Brexit-Szenario stabil

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Maschinenbau

    Maschinenbau

    Unklarheit über Brexit und Corona drücken die Stimmung. Investitionen könnten 2021 wieder anziehen.

    Der britische Maschinenbau leidet darunter, dass die zukünftigen europäisch-britischen Handelsbeziehungen weiterhin unklar sind. Zahlreiche Investitionen werden durch die Coronapandemie weiter verschoben. Verschwinden beide Effekte im nächsten Jahr, könnte das wiederum eine Investitionswelle auslösen. Großer Bedarf besteht im nationalen Maschinenmarkt nach Industrie 4.0-Lösungen. Fachkräftemangel und Produktivitätslücken treiben den Bedarf. Die für den Maschinenbauabsatz wichtige Erdöl- und Gasbranche fällt im Zuge des Ölpreisverfalls als wichtiger Abnehmer hingegen aus.


    Weitere Informationen:

    Branche kompakt: Britischer Maschinenbau leidet unter Brexit und Coronaeinfluss

    Industrie 4.0-Lösungen auf der britischen Insel immer wichtiger

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Nahrungsmittelindustrie

    Nahrungsmittelindustrie

    Lebensmittelhersteller investieren in ihre britischen Produktionslagen. Die Branche löst sich weiter vom europäischen Absatzmarkt.

    Die Importabhängigkeit des britischen Lebensmittelmarktes schiebt angesichts der Lieferschwierigkeiten in Corona-Zeiten und der erschwerten Einfuhrbedingungen im nächsten Jahr lokale Investitionen an. Branchenexperten sehen dabei kleine und mittelgroße Betriebe, einschließlich der Landwirtschaft, auf Expansionskurs. Der Strukturwandel im Export hat sich durch die Coronakrise beschleunigt. Der Anteil der Europäischen Union am britischen Export ist im 1. Quartal 2020 weiter gefallen, während die Bedeutung der USA, China und Australien zulegen konnten. Die Absatzchancen des britischen Nahrungsmittelsektors auf dem US-Markt im Zuge der Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen sehen Branchenexperten wegen der lokalen Konkurrenz und unterschiedlichen Nachfragestruktur hingegen als überbewertet.


    Weitere Informationen:

    Britische Ernährungswirtschaft zeigt sich vor dem Brexit robust

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Nahrungsmittelmarkt

    Nahrungsmittelmarkt

    Die Coronakrise hat im Online-Lebensmitteleinzelhandel Lücken aufgezeigt, die von neuen Akteure besetzt werden.

    Der Lebensmitteleinzelhandel navigiert trotz geltender Ausgangsbeschränkungen mit hohen Absätzen im Hamster-Monat März und robusten Umsätzen im April verhältnismäßig stabil durch die Krise. Entgegen der Absatzsteigerungen in Supermärkten verzeichneten Lebensmittelfachgeschäfte im April starke Umsatzrückgänge. Der Bedarf an Online-Lebensmittelbestellungen kann von den traditionellen großen Anbietern nicht gedeckt werden und wird zusätzlich von Großhändlern bedient, die zuvor Restaurants und Hotels beliefert haben. Deshalb steigt die Konkurrenz im Online-Lebensmitteleinzelhandel. Die deutschen Discounter Aldi und Lidl können auch 2020 bei den preissensitiven britischen Haushalten punkten.


    Weitere Informationen:

    Einzelhandel im Vereinigten Königreich erfindet sich neu

    E-Commerce im Vereinigten Königreich trotzt Brexit-Unsicherheiten

    Der Nahrungsmittelumsatz im Vereinigten Königreich wächst

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Öl und Gas

    Öl und Gas

    Der britische Erdölsektor leidet zwar unter dem Preisverfall, bietet aber Chancen bei der Stillegung von Plattformen. 

    Die im Zuge der Coronakrise stark eingebrochene weltweite Nachfrage nach Erdöl und Gas treiben den britischen Ölsektor in eine neue Krise. Hinzu kommt der globale Preisverfall. Der Branchenverband Oil & Gas UK (OGUK) rechnet mit bis zu 30.000 Entlassungen. Der Ausblick ist auch wegen der Energiewende getrübt. Chancen lauern trotzdem bei der Stilllegung von Erdölplattformen. Nach Angaben von OGUK ist das Vereinigte Königreich mit einem jährlichen Marktvolumen von 1,5 Milliarden Pfund der weltweit größte Markt für Re-Use- & Recyclinglösungen in der Erdölwirtschaft.

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Kfz-Markt

    Kfz-Markt

    Der Pkw-Absatz könnte in diesem Jahr auf den niedrigsten Stand seit 1992 fallen.

    Die Schließungsanordnung für Autohäuser im Zuge der Ausgangsbeschränkungen haben die Registrierungszahlen aller Kfz-Typen im April um zweistellige Raten fallen lassen. Die diesjährigen Aussichten für den Absatz aller Kfz-Typen bleiben schlecht, weil die Unsicherheit über die wirtschaftliche Erholung bei den Abnehmern bleibt. Der Automobilverband SMMT erwartet für 2020 rund 1,7 Millionen Pkw-Neuregistrierungen, der niedrigste Wert seit 1992. Mittelfristig gute Aussichten bestehen für den Absatz von Linienbussen, da die Regierung laut Ankündigung im Februar den Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) mit 5 Milliarden Pfund stärken will. Auch könnten E-Scooter bald die Städte erreichen.


    Weitere Informationen:

    Spielwiese Weltmetropole

    Elektromobilität im Vereinigten Königreich weiter auf Wachstumskurs

    Branche kompakt: Britischer Automobilsektor im freien Fall

    Von Marc Lehnfeld | London

  • Kfz-Produktion

    Kfz-Produktion

    Das Coronavirus bremst den Kfz-Sektor 2020 aus. Große Investitionsprojekte in der britischen Automobilindustrie sind im laufenden Jahr nicht zu erwarten.

    Die Unsicherheit über die zukünftigen britischen Handelsbeziehungen mit den für die Autobranche wichtigen Partnern Europäische Union (EU), USA und Japan frieren die Investitionspläne aller Hersteller ein. Die unbestätigten Pläne von Nissan, den Standort Sunderland im Falle eines WTO-basierten britischen Handels mit der EU auf Produktionen für Renault umzurüsten gelten als Nebelkerze. Die negativen globalen Absatzperspektiven erschweren zusätzlich das langsame Hochfahren der Fahrzeugproduktion, nachdem zahlreiche Hersteller ihre Fertigung im Zuge der Coronakrise komplett heruntergefahren haben.


    Weitere Informationen:

    Abwärtstrend der britischen Autoindustrie setzt sich fort

    Elektromobilität im Vereinigten Königreich weiter auf Wachstumskurs

    Branche kompakt: Britischer Automobilsektor im freien Fall

    Von Marc Lehnfeld | London

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