Special Neuseeland Wege aus der Coronakrise

Wege aus der Coronakrise

Neue Ausbrüche schwächen Wirtschaftsaufschwung

Auch Neuseeland bleibt von der Delta-Variante nicht verschont. Die Wirtschaft wird 2021 dadurch langsamer wachsen. Eine Einreise ist nur in Ausnahmefällen möglich.

Von Heiko Stumpf | Sydney


  • Konjunktur und wichtigste Branchen

    Die Prognosen für das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2021 sind immer noch gut, wurden aber aufgrund des Lockdowns auf 4,2 bis 4,3 Prozent heruntergestuft. (Stand: 21. September 2021)

    Neuseeland konnte die lokale Ausbreitung des Coronavirus über eine lange Zeit erfolgreich stoppen. Fast anderthalb Jahre genossen die Menschen ein weitgehend freies Alltagsleben. Durch den Ausbruch der hoch infektiösen Delta-Variante bestimmen seit Mitte August 2021 allerdings wieder Infektionsschutzmaßnahmen die Tagesordnung. Vermutlich war das Virus aus einem der Quarantänehotels für internationale Reisende entwichen.

     

    Die Regierung von Premierministerin Jacinda Ardern hält vorerst an einer Eliminierungsstrategie in Bezug auf Covid-19 fest und reagierte mit neuen Einschränkungen. Dabei arbeitet Neuseeland mit einem vierstufigen Warnsystem. In der Metropole Auckland gilt noch bis inklusive 21. September 2021 die sehr strenge Warnstufe 4. In der Nacht zum 22. September 2021 soll die Lage auf die Warnstufe 3 herabgestuft werden.

    Der Großraum Auckland mit rund 1,6 Millionen Einwohnern erwirtschaftet etwa 40 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Dabei ist Auckland nicht nur ein Finanzzentrum, sondern mit seinen ausgedehnten Industriegebieten auch mit Abstand wichtigster Standort für das verarbeitende Gewerbe.

    Covid-19-Warnstufen in Neuseeland

    Stufe

    Geltende Restriktionen (Auswahl)

    1

    Keine Beschränkungen im Inland. Die Grenze ist für ausländische Reisende geschlossen.

    2

    Abstandsgebote von 1 bis 2 Metern im öffentlichen Raum und in Geschäften. In der Gastronomie sowie für Veranstaltungen: maximal 50 Gäste im Innenbereich und maximal 100 Gäste im Außenbereich. 

    3

    Die eigene Wohnung darf nur aus wichtigem Grund verlassen werden, z. B. für den Gang zur Arbeit oder zum Einkaufen. Soweit möglich muss Heimarbeit erfolgen. Geschäfte zur Deckung des täglichen Lebensbedarfs wie Supermärkte dürfen öffnen, der restliche Einzelhandel und Restaurants dürfen aber nur kontaktlosen Abholservice anbieten.

    4

    Strenger Lockdown: Die eigene Wohnung darf nur aus wichtigem Grund verlassen werden, z. B. zum Einkaufen von Lebensmitteln und Medikamenten. Schulen und andere öffentliche Einrichtungen, Unternehmen, Einzelhandel, Restaurants etc. sind geschlossen. Ausnahmen gelten nur für Bereiche, die als essenziell eingestuft sind, wie z. B. Supermärkte, Apotheken, Gesundheitseinrichtungen, Elektrizitätswerke und Nahrungsmittel produzierende Betriebe.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    In den anderen Landesteilen zeigten die verhängten Restriktionen bereits die gewünschte Wirkung, weshalb diese auf die Warnstufe 2 zurück gestuft wurden. Die dort lebenden Menschen können dadurch bereits wieder größere Freiheiten in Anspruch nehmen.

    Auf großflächige Lockdowns als Reaktion auf Coronaausbrüche will die Regierung erst verzichten, wenn der überwiegende Teil der Bevölkerung vollständig geimpft ist. Deshalb ist eine Abkehr von der Eliminierungsstrategie erst ab etwa Ende 2021 zu erwarten.

    Vor dem Ausbruch der Delta-Variante hatten Volkswirte für 2021 beeindruckende Wachstumsraten von über 6 Prozent prognostiziert. Teilweise wurde sogar eine Überhitzung der Wirtschaft befürchtet. Einige Sektoren wie die Bauwirtschaft arbeiten bereits an der Kapazitätsgrenze. In vielen Branchen klagen Unternehmen über Personalmangel, insbesondere da aufgrund der geschlossenen Landesgrenze keine Zuwanderung von Fachkräften mehr möglich ist.

    Volkswirte senken Wachstumsprognosen

    Doch nun erwarten beispielsweise Analysten der Geschäftsbank ANZ für das 3. Quartal 2021 einen drastischen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 7 Prozent gegenüber dem Vorquartal (-4,2% gegenüber dem Vorjahresquartal). Für das Gesamtjahr 2021 geht die Geschäftsbank ANZ nur noch von 4,3 Prozent Wachstum aus. Die Volkswirte der Westpac erwarten für 2021 nur eine BIP-Steigerung von 4,2 Prozent. Für 2022 wird ein Plus von rund 3 Prozent vorausgesagt.

    Der Arbeitsmarkt dürfte sich weiterhin in robuster Verfassung befinden. Im 2. Quartal 2021 lag die Erwerbslosigkeit nur bei 4 Prozent. Im Jahresverlauf 2022 wird ein weiterer Rückgang auf rund 3,5 Prozent erwartet.

    Wohnungsbau und Landwirtschaft florieren

    In wichtigen Sektoren gestaltet sich die konjunkturelle Lage weiterhin gut. Insbesondere der Wohnungsbau läuft auf Hochtouren. Aufgrund des hohen Bevölkerungswachstums in den vergangenen Jahren herrscht in Neuseeland Wohnungsmangel. Die erteilten Baugenehmigungen bewegten sich im 1. Halbjahr 2021 auf Rekordniveau.

    Die Regierung forciert den sozialen Wohnungsbau und will in den kommenden fünf Jahren 8.000 neue Wohneinheiten errichten. Insgesamt stehen dafür umgerechnet rund 3,2 Milliarden US-Dollar (US$) zur Verfügung. Mit dem im März 2021 vorgestellten Housing Acceleration Fund werden zusätzliche 2,4 Milliarden US$ ausgeschüttet. Die Gelder fließen in die Erschließung von neuem Bauland, insbesondere für begleitende Infrastruktur wie Zugangsstraßen oder Abwasser- und Wasserleitungen.

    Zahlreiche Unternehmen beklagen jedoch einen Mangel an Baumaterial. Die Produktion von Baustoffen konzentriert sich stark auf den Großraum Auckland, wo aufgrund der noch geltenden Warnstufe 4 die Betriebe still stehen. Die Regierung vergibt nun Ausnahmegenehmigungen, damit die Arbeit auf den Baustellen außerhalb Aucklands weitergehen kann.

    Gute Stimmung herrscht auch im Agrarsektor. Die neuseeländischen Milchbauern profitieren von guten Produktionsbedingungen und hohen Weltmarktpreisen. Die lokale Milchproduktion erreichte in der Saison 2020/21 (Juni bis Mai) mit rund 22,3 Millionen Tonnen einen Rekord. Für die kommende Saison wird ein weiteres Plus von etwa 2 Prozent prognostiziert. Auch die Weltmarktpreise für Rind- und Lammfleisch steigen deutlich an. 

    Der Anbau von Obst und Gemüse verzeichnet weiterhin hohe Flächenzuwächse. Für Äpfel und Birnen wird bis 2030 ein Anstieg der bepflanzten Fläche von zurzeit etwa 10.800 Hektar auf rund 15.000 Hektar erwartet. Auch der Anbau von Kiwifrüchten und Avocados expandiert.

    Die gute Einnahmeentwicklung in der neuseeländischen Landwirtschaft dürfte auch dem Absatz von Landtechnik zugutekommen. Die Verkaufszahlen von Traktoren könnten 2021 um einen hohen zweistelligen Wert wachsen. Im 1. Halbjahr 2021 gab es bereits ein Absatzplus von 35 Prozent.

    Tourismussektor leidet unter Grenzschließung

    Umgekehrt leidet die wichtige Tourismusbranche nachhaltig unter der Coronakrise. Vor der Pandemie trug die Branche als wichtigster Exportsektor rund 6 Prozent zur BIP-Entstehung bei. Nun fällt das Geschäft mit den in der Regel etwa 4 Millionen internationalen Gästen pro Jahr komplett aus. Zwar steigt der Inlandstourismus, doch dieser kann die milliardenschweren Verluste nicht voll kompensieren.

    Die Regierung will die Grenze erst dann wieder für internationale Reisende öffnen, wenn in der lokalen Bevölkerung durch eine erfolgreiche Impfkampagne die Herdenimmunität erreicht ist. Deshalb ist erst ab Anfang 2022 mit einer Erholung im Tourismussektor zu rechnen.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Einschränkungen im Personen- und Warenverkehr

    Die neuseeländische Grenze ist bis mindestens Anfang 2022 geschlossen. Künftige Einreisebedingungen sollen stark vom Impfstatus abhängen. (Stand: 13. September 2021)

    Für ausländische Staatsangehörige ist die Einreise nach Neuseeland seit dem 20. März 2020 nicht mehr möglich. In begründeten Fällen kann eine Ausnahmegenehmigung bei der Einwanderungsbehörde Immigration New Zealand beantragt werden.

    Die Regierung hat auch Regelungen für dringend benötigte Fachkräfte erlassen. Danach können sogenannte Other Critical Workers eine Aufenthaltserlaubnis von bis zu sechs Monaten erhalten, wenn sie beispielsweise über technische Kenntnisse verfügen, die vor Ort nicht verfügbar sind, oder sie für wichtige Vorhaben wie etwa große Infrastrukturprojekte benötigt werden. Eine längerfristige Aufenthaltserlaubnis kann unter anderem erteilt werden, wenn die Fachkräfte mehr als das Doppelte des nationalen Medianeinkommens verdienen. Dazu muss das Jahresgehalt einen Betrag von 106.080 Neuseeland-Dollar (NZ$, umgerechnet rund 67.869 US-Dollar, US$, 1 US$ = 1,563 NZ$, durchschnittlicher Jahreswechselkurs der Deutschen Bundesbank 2020) überschreiten.

    Weiterhin möglich ist die Einreise für neuseeländische Staatsbürger und Inhaber einer dauerhaften Aufenthaltserlaubnis (Permanent Residents). Diese müssen sich jedoch direkt nach Grenzübertritt für 14 Tage in eine verbindlich angeordnete Quarantäne begeben. Dazu hat die Regierung eigens Hotelzimmer angemietet.

    Grundsätzlich übernimmt die Regierung die Kosten für die Quarantäne. In einigen Fällen wird aber mittlerweile eine Gebühr von 3.100 NZ$ für Alleinreisende erhoben. Dies gilt beispielsweise für Reisende mit einem vorübergehenden Aufenthaltstitel, die mit einer Ausnahmegenehmigung einreisen.

    Bis auf wenige Ausnahmen wird von allen Reisenden vor Abflug der Nachweis eines negativen Covid-19-Tests verlangt.

    Für internationale Reisende sollen künftig drei Risikoklassen gelten

    Die Grenzschließung für den allgemeinen Reiseverkehr dürfte noch viele Monate anhalten. Die Regierung stellt erste Änderungen für Anfang 2022 in Aussicht. Dabei sollen ankommende Reisende in drei Kategorien unterteilt werden. Für geimpfte Personen aus Ländern mit geringer Risikoeinstufung soll die Einreise ohne Beschränkungen möglich sein. Bei der Risikoeinstufung von einzelnen Staaten werden Faktoren wie aktuelle Fallzahlen, Impfquote oder die Verbreitung gefährlicher Virusvarianten berücksichtigt.

    Für geimpfte Personen, die nach der Erleichterung der Bestimmungen im Jahr 2022 aus Ländern mit mittlerer Risikoeinstufung nach Neuseeland kommen, wäre nach den aktuellen Plänen eine Quarantäne erforderlich. Diese wird jedoch voraussichtlich nur wenige Tage dauern und kann in einer Privatwohnung stattfinden. Für ungeimpfte Personen und Reisende aus Hochrisikogebieten ist nach den aktuellen Plänen weiterhin eine 14-tägige Hotelquarantäne vorgesehen.

    Wenig erfolgreich verlief bislang die Trans-Tasman Travel Bubble mit Australien. Ab dem 19. April 2021 konnten Reisende aus Australien kurzzeitig ohne Einschränkungen nach Neuseeland fliegen und umgekehrt Neuseeländer nach Australien. Allerdings ist diese Vereinbarung aufgrund der Coronaausbrüche in Neuseeland und Australien bereits wieder außer Kraft gesetzt. Selbiges gilt für die bilaterale Reiseblase mit den Cookinseln.

    Aktuelle Informationen zu Reisebeschränkungen

    Metropole Auckland von Rest des Landes abgeschnitten

    Einschränkungen gelten auch für inländische Geschäfts- und Urlaubsreisen. Da in Auckland noch bis inklusive 21. September die Warnstufe 4 gilt, ist die Hauptstadt von den restlichen Landesteilen abgeschnitten. Außerhalb Aucklands sind Reisen zwischen verschiedenen Regionen möglich. 

    Frachtverkehr leidet unter Einschränkungen

    Gesetzliche Beschränkungen für den Warenverkehr gibt es keine. Die Seehäfen des Landes sind geöffnet und die Abfertigung von Importen und Exporten findet statt. Allerdings kann es in den Lieferketten von Unternehmen zu deutlichen zeitlichen Verzögerungen kommen.

    Die Reedereien haben ihren Linienverkehr nach Ozeanien ausgedünnt. Dies gilt insbesondere für die Route durch die Tasmanische See zwischen Australien und Neuseeland. Ein Grund wird darin gesehen, dass die Schifffahrtsunternehmen ihre Kapazitäten wegen der globalen Engpässe auf die Hauptfrachtrouten zwischen Asien, Europa und Nordamerika konzentrieren.

    Neuseeländische Unternehmen beklagen, dass Frachtschiffe zu selten oder mit zeitlicher Verspätung anlegen. Als Folge fehlen auch leere Container für den Export neuseeländischer Produkte. In wichtigen Zentren des Obst- und Gemüseanbaus wie Nelson oder Hawke's Bay sind die Kühllager überfüllt, da große Mengen von Kiwifrüchten, Äpfeln oder Avocados auf den Export warten. Einzelhändler oder Kfz-Werkstätten wiederum leiden unter verspäteten Lieferungen aus Übersee.

    Zudem gibt es operative Schwierigkeiten im Hafen von Auckland, da sich ein Projekt zur Automatisierung des Containerterminals verzögert. Dadurch ist der laufende Betrieb beeinträchtigt.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

  • Konjunktur- und Hilfsprogramme

    Die neuseeländische Regierung forciert den Infrastrukturausbau. Unternehmen profitieren von Liquiditätshilfen und steuerlichen Erleichterungen. (Stand: 13. September 2021)

    Insgesamt stellt die neuseeländische Regierung im Rahmen ihrer Covid-19-Maßnahmen umgerechnet rund 40 Milliarden US-Dollar (US$; knapp 62 Milliarden Neuseeland-Dollar, NZ$) bereit. Dies entspricht etwa 20 Prozent des neuseeländischen Bruttoinlandsprodukts (BIP).

    Kernstück der Hilfsmaßnahmen ist der mit dem Staatshaushalt für das Finanzjahr 2020/21 (Juli bis Juni) vorgestellte Covid-19 Response and Recovery Fund. Der Fonds finanziert Rettungsmaßnahmen und fördert die Umsetzung von Programmen zur Stimulierung der Wirtschaft. Bislang sind die zur Verfügung stehenden Mittel noch nicht vollständig ausgeschöpft. Einen Teilbetrag von umgerechnet rund 3,3 Milliarden US$ hält die Regierung als Puffer zurück, um auf unvorhergesehene Entwicklungen wie die erneut grassierende Infektionswelle reagieren zu können.

    Lohnzuschüsse kehren zurück

    Seit August 2021 gewährt die Regierung wieder Lohnsubventionen für Unternehmen mit einem Umsatzeinbruch von mindestens 40 Prozent. Für Vollzeitangestellte mit mehr als 20 Wochenstunden Arbeitszeit wird ein wöchentlicher Zuschuss von 600 NZ$ gezahlt. Für Teilzeitkräfte gilt ein Satz von 359 NZ$ pro Woche.

    Ein zusätzliches Förderprogramm ist das Covid-19 Leave Support Scheme. Dieses Programm gewährt Lohnzuschüsse für Arbeitnehmer, die sich in Quarantäne begeben müssen und bezieht sich insbesondere auf Covid-19-Verdachtsfälle und Personen, die mit solchen Verdachtsfällen in Kontakt standen. Die Zahlungen entsprechen in der Höhe den allgemeinen Lohnzuschüssen. 

    Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von mindestens 30 Prozent können die Covid-19 Resurgence Payment in Anspruch nehmen. Dabei handelt es sich um eine Zahlung in Höhe von 1.500 NZ$ plus 400 NZ$ pro beschäftigten Arbeitnehmer. Derzeit wird die Auszahlung alle drei Wochen vorgenommen.

    Regierung fördert den Infrastrukturausbau

    Um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, setzt die Regierung auf Impulse durch den staatlichen Infrastrukturausbau. Mit dem Staatshaushalt 2021/22 werden die für die kommenden vier Jahre geplanten Ausgaben von umgerechnet circa 30 Milliarden US$ auf etwa 37 Milliarden US$ erhöht. Die Gelder fließen in eine Reihe von großen Programmen.

    Das mit rund 5,6 Milliarden US$ dotierte New Zealand Upgrade Programme setzt den Fokus auf den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur. Zudem investiert die Regierung in den Bau von 8.000 staatlich geförderten Wohnungen und stellt über den Housing Acceleration Fund rund 2,4 Milliarden US$ für die Erschließung von Bauland bereit.

    In sektoraler Hinsicht wird vor allem die Tourismusbranche gefördert. Der Markt mit den zuletzt etwa 3,9 Millionen ausländischen Besuchern pro Jahr ist durch die geschlossene Grenze vollständig zum Erliegen gekommen. Über das Tourism Recovery Package werden deshalb Hilfen in Höhe von 260 Millionen US$ zur Verfügung gestellt.

    Unternehmen erhalten Steuervergünstigungen und Liquiditätshilfen

    Die Regierung wird auch auf der steuerlichen Seite aktiv. So können Unternehmen Verluste aus dem Geschäftsjahr 2019/20 und dem Geschäftsjahr 2020/21 mit Gewinnen aus der jeweiligen Vorperiode verrechnen (Verlustrücktrag).

    Zudem werden die Möglichkeiten für eine Sofortabschreibung verbessert. Bis zum 16. März 2021 konnten angeschaffte Investitionsgüter mit einem Wert von bis zu 5.000 NZ$ sofort abgeschrieben werden. Seit dem 17. März 2021 liegt der Schwellenwert bei 1.000 NZ$ (ursprünglich galt ein Betrag von 500 NZ$). Zudem ist seit dem Finanzjahr 2020/21 eine steuerliche Abschreibung für gewerbliche Gebäude möglich.

    Das R&D Tax Incentive bietet Steuergutschriften in Höhe von 15 Prozent der förderfähigen Forschungsausgaben (bis maximal 120 Millionen NZ$). Zudem wurde ein R&D Loan Scheme für forschungsintensive Unternehmen aufgesetzt. Dieses bietet vergünstigte Kredite bis maximal 100.000 NZ$. Weitere Informationen dazu gibt es bei der Steuerbehörde Inland Revenue.

    Die Regierung stellt außerdem über verschiedene Instrumente Liquiditätshilfen für kleine und mittlere Unternehmen bereit. Das Hauptelement ist das Small Business Cashflow Scheme, für welches noch bis Ende 2023 neue Anträge gestellt werden können.

    Liquiditätshilfen für Unternehmen in Neuseeland

    Maßnahme

    Anmerkung

    Small Business Cashflow Scheme

    Zinslose Kredite für Kleinunternehmen mit nicht mehr als 50 Beschäftigten. Dabei können maximal 100.000 NZ$ verliehen werden, die innerhalb von zwölf Monaten zurückgezahlt werden müssen. Wenn der Tilgungszeitraum zwölf Monate übersteigt, fällt ein Zinssatz von 3 Prozent an.

    Business Debt Hibernation

    Unternehmen können eine Stundung von Krediten für einen Zeitraum von sieben Monaten beantragen.

    Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

    Zudem senkte die Nationalbank (RBNZ) ihren Leitzins auf einen historischen Tiefstand von 0,25 Prozent. Erstmals in ihrer Geschichte begann die Bank mit Ankäufen von Staatsanleihen.

    Öffentliche Verschuldung steigt massiv an

    Nachdem Neuseeland in den vergangenen Jahren einen Haushaltsüberschuss erzielen konnte, rutscht das Budget aufgrund von Einnahmeausfällen und den krisenbedingten Maßnahmen jetzt tief ins Minus. Im Haushaltsjahr 2020/21 dürfte das Defizit bei 4,5 Prozent des BIP liegen. Ein Budgetüberschuss dürfte frühestens 2025 wieder möglich sein. Ökonomen erwarten einen deutlichen Anstieg der neuseeländischen Staatsverschuldung von vergleichsweise sehr niedrigen 20 Prozent des BIP im Jahr 2019 auf einen Höchstwert von etwa 48 Prozent im Zeitraum 2022/23.

    Von Heiko Stumpf | Sydney

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