RF_Getty_939185152_RZ_1340x754 RF_Getty_939185152_RZ_1340x754 | © © GettyImages/Stephen Knowles Photography

Special | Portugal | Coronavirus

Zweite Infektionswelle trifft Portugal härter als die erste

Das neue Jahr beginnt in Portugal mit sehr hohen Infektionszahlen. Das Hilfspaket der Europäischen Union und ein nationaler Erholungsplan sollen wirtschaftliche Impulse bringen.  


  • Covid-19: Allgemeine Situation und Konjunkturentwicklung

    Portugals Wirtschaft spürt Covid-19 durch eine rückläufige In- und Auslandsnachfrage. Das öffentliche Leben unterliegt 2021 weiterhin Einschränkungen. (Stand: 7. Januar 2021)

    Portugal ist bislang weniger stark von der Coronapandemie betroffen als der iberische Nachbar Spanien. Das Konzept des Auskurierens leichter Fälle zu Hause und der Versorgung von Patienten mit schweren Verläufen in Krankenhäusern ging insbesondere in der ersten Welle auf. Das hohe Infektionsniveau Anfang 2021 führt dazu, dass viele reguläre und Intensivbetten anhaltend stark ausgelastet sind.

    Ausnahmezustand dauert 2021 an

    Die zweite Coronawelle weist andere regionale Schwerpunkte als die erste auf. Zunächst waren die Hauptstadt Lissabon und das nördliche Wirtschaftszentrum Porto und seine Umgebung betroffen. Um den Jahreswechsel 2020/2021 verzeichnete Portugal anhaltend viele Neuinfektionen. Diese bilden aber keine so eindeutigen Schwerpunkte mehr aus. 

    Vor dem Hintergrund der neuen Infektionswelle verhängte die Regierung am 9. November den Ausnahmezustand für 15 Tage. Damit verbunden sind verschärfte Regeln und mehr Kontrollen, um ihre Einhaltung durchzusetzen. Bis zu einer Veränderung der Lage wird der Ausnahmezustand alle 15 Tage weiter verlängert.

    Zur Eindämmung der Pandemie setzt Portugal vor allem auf Abstandsregeln, Schutzmasken, Homeoffice und Wechselschichten sowie die Beschränkung von Zusammenkünften. Den aktuellen Stand stellt die  Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer (AHK) Portugal auf ihrer Internetseite ausführlich dar.

    Einen sehr detaillierten und aktuellen Überblick über die Fallzahlen und die geltenden Regeln hält das Gesundheitsministerium online bereit.

    Die meisten Portugiesen gehen diszipliniert und geduldig mit der Krise um. Das gilt auch in der Politik. Die Regierung informiert auf einer umfangreichen Sonderseite in der Landessprache über den aktuellen Stand und Maßnahmen im Zusammenhang mit Covid-19.

    Wirtschaftsbelebung soll 2021 beginnen

    Unter den großen Wirtschaftszweigen konnte sich in den ersten sieben Monaten des Jahres 2020 die Bauwirtschaft am besten behaupten. Was die Industrie betrifft, ermittelte das Statistikamt INE einen steilen Absturz mit Schwerpunkt im April. Darauf folgte eine kraftvolle Belebung. Der Dienstleistungssektor rutschte im April stärker ins Minus als die Industrie und hinkte ihr in der Folge auch beim Erholungstempo hinterher.

    Anders als in den Vorjahren konnte der Tourismus 2020 keinen großen Beitrag zur portugiesischen Wirtschaftsleistung erbringen. Sowohl das Infektionsgeschehen in Portugal selbst als auch in wichtigen Quellmärkten wie dem Vereinigten Königreich machen Anfang 2021 wenig Hoffnung auf eine schnelle Verbesserung der Lage.

    Die Kommission der Europäischen Union (EU) geht in ihrer Herbstprognose ebenfalls davon aus, dass Portugals Wirtschaft 2020 stärker als der Durchschnitt der Eurozone von Covid-19 betroffen war. Für 2020 lag die Erwartung für das portugiesische Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei minus 9,3 Prozent. Allerdings wird für 2021 mit einem Plus von 5,4 Prozent eine kraftvolle Trendwende erwartet.

    Portugal kann nach der Einigung der EU auf ein Hilfspaket für die wirtschaftliche Erholung ebenfalls auf Unterstützung zählen. Die Regierung erwartet zwischen 2021 und 2026 insgesamt 15,3 Milliarden Euro seitens der EU.

    Portugal will die Krisenbewältigung und eine Neuaufstellung des Landes für die Zukunft miteinander verbinden. Bereits Ende Juli 2020 wurde ein wirtschaftlicher und sozialer Erholungsplan bis 2030 veröffentlicht. Die Maßnahmen bestehen unter anderem aus einer besseren Anbindung des Güter- und Personenverkehrs auf der Schiene an Spanien und weitere europäische Länder. Die Erholung der Industrie soll vorangetrieben und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen massiv ausgebaut werden. Häfen, Logistik und das Gesundheitswesen bilden weitere Kernpunkte des Entwurfs. 

    Am 14. Oktober 2020 präsentierte die Regierung ihre langfristigen wirtschaftlichen Pläne im Detail. Bis auf drei kreditfinanzierte Elemente steht die Richtung der Maßnahmen fest. Wie sich im ersten Entwurf andeutete, fließen Investitionen in die Industrie und in die Verkehrsinfrastruktur. Auch der Gebäudebestand und das Gesundheitswesen gehören zu den Zielbereichen. Die erst im Mai 2020 verkündete Wasserstoffstrategie soll ebenfalls Impulse aus dem Finanzpaket mit den EU-Hilfen erhalten.

    Erholung hängt an Industrie, Tourismus und Exporten

    Der erneute Anstieg der Infektionszahlen erschwert Prognosen über das Tempo einer wirtschaftlichen Erholung. Im Außenhandel liegt der Fokus darauf, wie schnell wichtige Partner wie Spanien, Frankreich und Deutschland die Coronakrise überwinden. Der größte Wirtschaftszweig des Landes, der Tourismus, erlitt 2020 einen tiefen Einbruch. In den zwölf Monaten bis August 2020 kamen fast 49 Prozent weniger ausländische Gäste als in der Vorperiode. Die Coronakrise dürfte aber die Attraktivität des Reiseziels Portugal nicht dauerhaft beschädigen.

    Die Industrieproduktion erholte sich im Sommer 2020 von ihrer schwachen Entwicklung im Frühjahr. Im Juli verzeichnete der entsprechende Index noch einen Wert von 8,8 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Der August brachte mit einem Plus von 3,1 Prozent gegenüber dem August 2019 eine Trendwende. Der wieder anlaufenden Fahrzeugproduktion kommt eine Schlüsselrolle zu. Damit entspannt sich auch die Situation bei Zulieferern und teilweise auch in der Metallindustrie.

    Portugal hat große Erfolge bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verzeichnet: Alleine im Jahr 2019 sank die Arbeitslosenquote um 0,7 Prozentpunkte auf 6,3 Prozent. Gemäß der Herbstprognose der Europäischen Kommission stieg die Arbeitslosenquote 2020 auf 8 Prozent an. Im Zuge der erwarteten Konjunkturerholung 2021 soll sie dann auf 7,7 Prozent sinken. 

    Die regelmäßig aktualisierte Sonderseite der AHK Portugal zum Coronavirus enthält allgemeine Informationen, Links und Antworten auf häufige Fragen deutscher Unternehmen.

    Von Oliver Idem | Madrid

  • Covid-19: Einschränkungen bei Einreise und Bewegung im Land

    Portugal setzte nach der ersten Coronawelle schnell wieder auf offene Grenzen. Mittlerweile gilt im Inland der Ausnahmezustand. (Stand: 20. Januar 2021)

    Portugal hat keine Einreisebeschränkungen für deutsche Staatsbürger an seinen Flughäfen oder bei der Einreise auf dem Landweg verhängt. Wichtig ist aber, dass bei Reisen auf die Azoren und nach Madeira teils andere Regeln gelten als auf dem Festland.

    Bei der Einreise müssen Angaben zum Zielort, Reisegrund und der Erreichbarkeit während des Aufenthalts gemacht werden. Dafür stehen Einreiseformulare in verschiedenen Sprachen zur Verfügung.

    Außerdem wird bei allen Einreisenden per Infrarot die Körpertemperatur gemessen. Liegt diese über 38 Grad Celsius, muss mit weiteren Untersuchungen durch die Gesundheitsbehörden und mit Quarantäneauflagen gerechnet werden.

    Sonderregeln für die Azoren und Madeira

    Für Flüge nach Madeira und auf die Azoren gelten nach Angaben des Auswärtigen Amts weiter reichende Einschränkungen. Da die Regeln jederzeit geändert werden können, sollte vor einer Reise im Internetauftritt der Regionalregierungen der Azoren oder von Madeira der aktuelle Stand überprüft werden. 

    Bei der Einreise ist dort der Nachweis eines negativen PCR-Tests erforderlich, der nicht länger als 72 Stunden vor Abflug durchgeführt wurde. Alternativ ist ein Test bei der Einreise möglich. Bis zum Erhalt des Testresultats ist eine Selbstisolierung im Hotel notwendig. 

    Auf den Azoren soll bei einem Aufenthalt von mehr als sieben Tagen am 6. Tag nach dem ersten Test ein weiterer Test durch die lokale Gesundheitsbehörde durchgeführt werden. 

    Bei Reisen in die Autonomen Regionen Azoren und Madeira muss ein Onlineformular als Gesundheitserklärung ausgefüllt werden. Gleiches gilt für Reisen zwischen den Inseln.

    Bei der Einreise auf die Azoren muss außerdem 72 Stunden vor dem Abflug ein Fragebogen ausgefüllt werden, der einen Barcode erzeugt. Reisen zwischen den Inseln der Azoren erfordern, dass jeweils ein weiteres Onlineformular ausgefüllt wird.

    Vier Risikostufen seit dem 24. November 2020

    Das Auswärtige Amt warnt weiterhin vor nicht notwendigen touristischen Reisen nach Portugal. Mittlerweile umfasst diese Warnung auch die Inseln.

    Bereits seit dem 9. November 2020 gilt der Ausnahmezustand in Portugal. Dieser blieb zunächst für 15 Tage in Kraft und wurde seitdem regelmäßig verlängert. Am 20. Januar 2021 traten Verschärfungen der bestehenden Lockdownregeln für zunächst einen Monat in Kraft. Ziel ist es, die Zusammentreffen von Menschen im öffentlichen und privaten Raum noch weiter zurückzufahren.

    Die Nutzung der App Stayaway Covid wird empfohlen. Mit der Anwendung sollen Infektionsketten nachvollzogen werden.

    Seit dem 24. November 2020 gelten zum einen nationale Regeln, die unabhängig von den aktuellen Infektionszahlen vor Ort sind. Im öffentlichen Raum müssen die Menschen 2 Meter Abstand voneinander halten, sofern sie nicht im gleichen Haushalt leben. Beim Einkaufen und bei der Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel ist das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes verpflichtend. Gleiches gilt, wenn der Mindestabstand im öffentlichen Raum nicht eingehalten werden kann.

    Von der Maskenpflicht befreit sind Personen mit einem ärztlichen Attest sowie Kinder unter zehn Jahren. Verstöße gegen die Verpflichtung können mit maximal 500 Euro bei Einzelpersonen und 5.000 Euro bei Gruppen geahndet werden. Betriebe und Einrichtungen, die sich nicht an die Regeln halten, können mit bis zu 10.000 Euro sanktioniert werden.

    Seit dem 24. November ist Portugal außerdem in vier Risikostufen eingeteilt. Diese werden für jeden der 308 Concelhos des Landes festgelegt. Concelhos sind ungefähr mit Landkreisen vergleichbar. Je nach Risikostufe gelten unterschiedlich strenge Ausgangssperren und Beschränkungen. Reduzierte Aktivitäten außerhalb der Wohnung oder des Hauses und Kontaktbeschränkungen sollen helfen, die Verbreitung des Coronavirus zu bekämpfen.

    Aktuelle Informationen zu Einreisebeschränkungen

    Aktuelle Informationen zu Bewegungsbeschränkungen im Inland

    Von Oliver Idem | Madrid

  • Covid-19: Maßnahmen der Regierung

    Portugal setzt langfristig auf Innovationen und Nachhaltigkeit. Anfang 2021 folgten zusätzlich neue Maßnahmen, um die akute Krise abzufedern. (Stand: 20. Januar 2021)

    Maßnahmen zur unmittelbaren Bewältigung der Krise 

    Die portugiesische Regierung unterstützt in der Coronakrise die Unternehmen des Landes vor allem durch Hilfen zum Erhalt der Beschäftigung und Sonderregeln bei Steuern und Abgaben. Hinzu kommen Kreditlinien.

    Diese Schwerpunkte blieben auch bei den neuesten Entscheidungen erhalten. Im Dezember 2020 stellte der Ministerrat 1,55 Milliarden Euro für kleine Unternehmen bereit. Wegen der anhaltend hohen Infektionszahlen legte die Regierung für das 1. Quartal 2021 noch einmal nach. Ein umfangreiches Unterstützungspaket soll Unternehmen helfen, die Krise zu überbrücken.

    Das erste Hilfspaket war bereits im März 2020 aufgelegt worden. Im Juni 2020 folgte das Programm zur wirtschaftlichen und sozialen Stabilisierung (PEES). Dieses Programm bot Unternehmen mit Aufträgen internationaler Kunden Unterstützung, um ihre Zahlungsfähigkeit zu sichern. Die Covid-19-Economy-Support-Lines sollen verhindern, dass sie ihre vertraglichen Verpflichtungen gegenüber Kunden im Ausland nicht erfüllen können.

    Die Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer (AHK Portugal) stellt die wichtigsten Details zu den arbeitsplatzbezogenen Regelungen in deutscher Sprache auf ihrer Internetseite bereit. Die portugiesische Regierung erhält Hilfen zur Finanzierung der Kurzarbeit: Ende August 2020 stellte die Europäische Kommission Portugal 5,9 Milliarden Euro in Aussicht.

    Das erste Hilfsprogramm im Gesamtwert von 9,2 Milliarden Euro von Ende März 2020 hatte seinen Schwerpunkt auf Krediten. Vor allem sollte die Liquidität von kleinen und mittleren Unternehmen erhalten bleiben.

    In mehreren Tranchen stehen 3 Milliarden Euro Kreditvolumen für verschiedene Wirtschaftszweige bereit. Unter anderem besteht ein Kontingent von 60 Millionen Euro für Kleinstunternehmen im Tourismus. Einige der genehmigten Kredite wurden mit der Auflage versehen, Arbeitsplätze zu erhalten. Im Rahmen des Programm PEES richtete der Staat für Unternehmen mit mindestens 40 Prozent Umsatzrückgang im 1. Halbjahr 2020 einen Unterstützungsmechanismus für den Zeitraum August bis Ende Dezember ein. Über die Hintergründe informiert die AHK Portugal auf ihrer Sonderseite zu Covid-19.

    Maßnahmen zur wirtschaftlichen Wiederbelebung

    Über die Linderung der kurzfristigen wirtschaftlichen Pandemiefolgen hinaus will die portugiesische Regierung das Land wettbewerbsfähiger machen und Lücken in der Infrastruktur schließen. Dafür sollen auch die insgesamt 15,4 Milliarden Euro an Krediten und Zuschüssen eingesetzt werden, die in den Unterstützungspaketen der Europäischen Union (EU) enthalten sind. Die detaillierten Pläne von Mitte Oktober 2020 zielen auf umweltgerechteres Wirtschaften und Modernisierungen ab. Mehr Nachhaltigkeit soll im Energie- und Mobilitätssektor Einzug halten. Auch die digitale Transformation von Unternehmen soll vorangetrieben werden.

    Zum umfangreichen Strategieplan für die wirtschaftliche Erholung bis 2030 gehört auch die Stärkung des Gesundheitswesens und anderer Branchen. Das Gesundheitssystem soll durch Investitionen in Ausrüstungen und Personal für die Zukunft aufgestellt werden. Auch Forschung und Methoden wie der 3D-Druck sind Bausteine für eine bessere Wettbewerbsposition. Das Biotechnologiecluster soll ausgebaut und Portugal zur "Fabrik von Europa" im Bereich der Gesundheitswirtschaft werden.

    Der Weg der Industrie führt in Richtung Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Zudem sollen Importe etwa von Vorprodukten durch mehr lokale Herstellung reduziert werden. In der Automobilproduktion stehen alternative Antriebe im Blickpunkt. Die Bereiche Metallverarbeitung und Maschinenbau sollen durch den Aufbau eines neuen Clusters gestärkt werden. Mehr Wettbewerbsfähigkeit ist das Ziel, um die Exporte anzukurbeln.

    Rahmenbedingungen sollen verbessert werden

    Der Strategieplan der Regierung zur wirtschaftlichen Erholung bis 2030 setzt auch auf die Verbesserung der Infrastruktur und die Förderung neuer Technologien.

    Für die Energieversorgung der Zukunft setzt Portugal vor allem auf Wind- und Solarenergie. Insbesondere die rapide fallenden Kosten für Solarmodule werden als Wachstumstreiber wahrgenommen. Im Fokus stehen auch die Offshore-Windenergie, die für das Land wegen seiner geografischen Struktur interessant ist, sowie Wasserstoff mit seinen vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten.

    Der Stromtransport soll mittels intelligenter Netze erfolgen. Zur Speicherung von Energie liegt der Schwerpunkt auf innovativen Materialien. Auf der Verbrauchsseite steht die Entwicklung von effizienten Beleuchtungssystemen für Gebäude im Mittelpunkt.

    Der Verkehrssektor soll neue Impulse durch innovative Batterien und Elektrofahrzeuge erhalten, ebenso durch auf Wasserstoffbasis betriebene Brennstoffzellen. Neuartige Leichtbaumaterialien werden dazu dienen, mehr Effizienz durch ein geringeres Fahrzeuggewicht zu erreichen. Meeresalgen sind als Basis für die Produktion von Biokraftstoffen eingeplant.

    Im Schienenverkehr ist der Abschluss laufender Projekte und eine Modernisierung der Netze vorgesehen. Zwischen Lissabon und Porto soll eine Schnellstrecke für den Personenverkehr gebaut werden. In die Häfen von Sines und Leixões  wird investiert, damit diese auch von größeren Schiffen als bisher angelaufen werden können.

    In Portugal vertretene deutsche Unternehmen können ebenfalls von lokalen Fördermaßnahmen profitieren. Sie müssen dazu die für die jeweilige Unterstützung notwendigen Bedingungen erfüllen.

    Öffentliche Verschuldung

    Portugal setzte in den vergangenen Jahren auf eine disziplinierte Haushaltspolitik und konnte die Staatsverschuldung bis Ende 2019 auf 117,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts senken. Dieser mühsam erarbeitete Stand wird trotz der vereinbarten EU-Unterstützung im Gesamtwert von 15,3 Milliarden Euro nicht zu halten sein. Der Internationale Währungsfonds rechnete 2020 mit einem Haushaltsdefizit von 7,1 Prozent und 2021 mit einem Minus von 1,9 Prozent.

    Von Oliver Idem | Madrid

  • Covid-19: Außenhandel - Logistik - Zoll

    Die Coronakrise wirkt sich auf das portugiesische Auslandsgeschäft aus. Nach einem zweistelligen Einbruch 2020 soll der Außenhandel 2021 wieder zulegen. (Stand: 20. Januar 2021)

    Portugal ist durch die engen wirtschaftlichen Verflechtungen mit stark von der Krise betroffenen Partnern im Außenhandel verwundbar. Entsprechend drastisch fielen die Erwartungen für 2020 aus. Die Europäische Kommission geht in ihrer Herbstprognose davon aus, dass der Export von Waren und Dienstleistungen um 21 Prozent einbricht. Hier wirkt sich auch die schwache Entwicklung des Tourismus aus.

    Bereits 2021 soll sich der Trend umkehren und ein Ausfuhrwachstum von 9,7 Prozent erreicht werden. Die Einigung auf ein geregeltes Ausscheiden des Vereinigten Königreichs aus der EU betrifft auch Portugal. Immerhin 6 Prozent der Exporte gingen 2019 auf die Insel.

    Etwas besser als die Ausfuhraussichten waren die Perspektiven für die Einfuhren von Waren und Dienstleistungen nach Portugal. Hier ging die Europäische Kommission 2020 von 15,6 Prozent Rückgang aus. Ein Teil davon soll im Folgejahr durch ein erwartetes Plus von 7,5 Prozent ausgeglichen werden. Aus der Prognose der Kommission geht hervor, dass Portugal frühestens 2023 an das Außenhandelsniveau von 2019 anknüpfen kann.

    Ein- oder Ausfuhrbeschränkungen waren in Portugal bis Januar 2021 nahezu kein Thema. Nur in einem Fall wurde im Frühjahr 2020 eine Lieferung von Desinfektionsmitteln ins Ausland unterbunden.

    Grenzüberschreitender Verkehr möglich

    Bei Einreisen auf dem Luft- oder Landweg existieren keine Beschränkungen für deutsche Staatsbürger. Sie müssen lediglich eine Einreisekarte ausfüllen, die in mehreren Sprachen vorliegt. Diese Karten werden von der jeweiligen Fluggesellschaft eingesammelt.

    Per Infrarot wird die Körpertemperatur der Einreisenden gemessen. Bei Ergebnissen ab 38 Grad Celsius sind weitere Untersuchungen durch die Gesundheitsbehörden zu erwarten. Eine Verpflichtung zur häuslichen Quarantäne ist möglich.

    Etwas komplizierter sind Reisen auf die Inseln, die zu den Autonomen Regionen Azoren und Madeira gehören. Für die Einreise dort müssen ebenfalls Formulare ausgefüllt werden, die online verfügbar sind. Das gilt auch für Reisen zwischen den Inseln. Zudem sind negative Tests auf das Coronavirus für die Einreise erforderlich, die nicht älter als 72 Stunden sein dürfen. Es besteht auch die Möglichkeit, sich direkt bei der Einreise testen zu lassen. Die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes informieren hierzu detaillierter und verweisen auch auf weiterführende Angaben der Regionalregierungen der Azoren und von Madeira.

    Grundsätzlich sind der Flugverkehr sowie der grenzüberschreitende Bus- und Zugverkehr wieder angelaufen. Auch die Landgrenze nach Spanien ist seit Juli 2020 wieder geöffnet. Beim Warenverkehr kann es noch zu Schwierigkeiten in Form von reduzierten Verbindungen oder Verzögerungen kommen. In jedem Fall ist eine enge Abstimmung mit dem portugiesischen Geschäftspartner ratsam, insbesondere bei eiligen Lieferungen.

    Für Portugal sind die ebenfalls von der Coronakrise betroffenen Länder Spanien, Deutschland und Frankreich die wichtigsten Handelspartner. Besonders eng ist die Verflechtung mit Spanien, das innerhalb der Europäischen Union 2020 den stärksten Wirtschaftseinbruch aller 28 Mitgliedsstaaten verkraften musste. Am erwarteten Wiederaufschwung werden portugiesische Unternehmen aber ebenfalls ihren Anteil haben.

    Kfz-Produktion läuft wieder an

    Portugals wesentlichste Importgüter waren 2019 Kfz und -Teile sowie chemische Erzeugnisse. Den Export dominierten ebenfalls Kfz und -Teile, chemische Erzeugnisse sowie Textilien und Bekleidung.

    Die Produktion von Fahrzeugen lief ab Mitte 2020 wieder an und belebt damit auch das Geschäft der Zulieferer und der Metallverarbeitung. Gemessen an den Problemen im Frühjahr zeigte sich ein positiver Trend. Im Gesamtjahr blieb die Fertigung aber laut dem Branchenverband Associação Automóvel de Portugal um knapp 24 Prozent unter dem Vorjahreswert zurück.

    Aufgrund der sehr hohen Exportquote von 94 Prozent profitieren auch die portugiesischen Ausfuhren vom Neustart der Kfz-Produktion. Die wichtigsten Auslandsmärkte waren 2020 Deutschland mit einem Anteil von 20,4 Prozent und Frankreich mit 16,2 Prozent. Italien kam auf 11,7 Prozent und Spanien auf 11,0 Prozent. Das Vereinigte Königreich nahm 7,6 Prozent der portugiesischen Fahrzeugexporte auf.

    Der Norden Portugals beherbergt die Schuh- und Textilindustrie des Landes. Diese Sektoren sind eng mit spanischen und italienischen Partnern vernetzt. Beide Länder hatten in Europa mit am stärksten unter der Coronakrise zu leiden.

    Liberales Land für ausländische Direktinvestitionen

    Portugal ist nicht nur eine traditionsreiche Handelsnation, sondern auch offen für ausländische Direktinvestitionen. Im Zuge der Coronakrise könnte das Interesse ausländischer Investoren an portugiesischen Unternehmen zunehmen.

    Anders als andere europäische Länder hat Portugal bislang keine verstärkte Kontrolle von Investitionen mit Blick auf strategisch wichtige Bereiche eingeführt. Da die Europäische Union eine Verordnung beschlossen hat, die einen Rahmen für Direktinvestitionen mit Blick auf Sicherheit und Ordnung schafft, könnte Portugal seine Gesetzgebung in den kommenden Monaten ändern. Die Deutsch-Portugiesische Industrie- und Handelskammer (AHK Portugal) hat das Thema in ihrem Newsletter Recht und Steuern vom Mai 2020 aufgegriffen.

    Von Oliver Idem | Madrid

  • Covid-19: Auswirkungen auf internationale Lieferketten

    Portugals Haupthandelspartner erholen sich schrittweise von den Pandemiefolgen. Die Regierung setzt auf mehr Internationalisierung. (Stand: 20. Januar 2021)

    Portugals große Handelspartner Spanien, Deutschland und Frankreich stehen für etwa die Hälfte der Einfuhren und Ausfuhren des Landes. Insbesondere in Spanien und Frankreich brach die Wirtschaftsleistung 2020 ein. Deshalb mussten viele portugiesische Unternehmen ihre Produktion drosseln und brauchen weniger Vorprodukte.

    Von der erwarteten Erholung in den Partnerländern dürfte 2021 auch Portugal profitieren. Hinzu kommt, dass ein ungeregelter Brexit abgewendet werden konnte. Auch wenn sich zunächst die neuen Abläufe im Geschäft mit dem Vereinigten Königreich einspielen müssen, fällt ein Risikofaktor weg.

    Die notwendige Versorgung mit Zulieferungen aus dem Ausland soll dem Vernehmen nach gut funktionieren. Das muss jedoch keine Garantie für den Einzelfall bedeuten. So wurde zum Beispiel berichtet, dass einige Metall verarbeitende Unternehmen zwischenzeitlich Schwierigkeiten hatten, weil benötigte Vorprodukte nicht geliefert worden waren. Engpässe konzentrierten sich zeitlich vor allem auf das 2. Quartal 2020.

    Anfang 2021 zeichnete sich das internationale Problem der schleppenden Halbleiterversorgung der Automobilbranche ab. Aufgrund der Einbindung in die globalen Lieferketten könnte sich in der ersten Jahreshälfte die Knappheit auch in portugiesischen Werken bemerkbar machen.

    Im internationalen Handel können Probleme, etwa durch eingeschränkte Flugverbindungen, Verzögerungen, Ausfälle in der Logistikkette oder weitere Schwierigkeiten auftreten. Um die individuelle Situation abzuklären, empfiehlt sich eine enge Abstimmung mit portugiesischen Geschäftspartnern.

    Wichtigste Handelspartner Portugals von der Krise betroffen

    Die Folgen von Corona wirken sich auch massiv in Spanien (30,4 Prozent Importanteil 2019), Deutschland (13,3 Prozent) und Frankreich (9,8 Prozent) als wichtigsten Handelspartnern des Landes aus. Im Jahr 2019 verzeichnete Portugal Gesamteinfuhren von 80 Milliarden Euro mit einem Zuwachs um 6 Prozent.

    Die wichtigsten Warengruppen stellten chemische Erzeugnisse (13,3 Prozent Anteil), Kfz und Kfz-Teile (12,1 Prozent) sowie Nahrungsmittel (11,2 Prozent). Ende April 2020 fuhren die meisten Kfz-Hersteller in Europa ihre Fertigung wieder hoch, nachdem die Produktion bei vielen Betrieben seit Mitte März ruhen musste. In Portugal produzierte Fahrzeuge werden zum größten Teil in andere europäische Länder geliefert. Insgesamt lag die Exportquote 2020 bei rund 94 Prozent.

    Auslandsnachfrage ist der Schlüssel zur Belebung 

    Die Coronakrise unterbricht einen Aufwärtstrend der Internationalisierung der portugiesischen Wirtschaft. In den vergangenen Jahren hatte sich das Auslandsgeschäft der Unternehmen positiv entwickelt. So stiegen die Ausfuhren 2019 um 3,5 Prozent auf 59,9 Milliarden Euro. Die Hauptexportgüter waren Kfz und -Teile (15,0 Prozent), chemische Erzeugnisse (8,9 Prozent) sowie Textilien und Bekleidung (8,7 Prozent). Die Auslandskunden befanden sich vor allem in Spanien (24,9 Prozent), Frankreich (13 Prozent) und Deutschland (12 Prozent). 

    Deutschland importierte 2019 Waren im Wert von 7,4 Milliarden Euro aus Portugal, was einem Zuwachs von 9,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprach. Die wichtigsten Lieferungen nach Deutschland bestanden aus Kfz und Kfz-Teilen mit 21,5 Prozent, dahinter folgten Elektrotechnik (9,6 Prozent) und Maschinen mit ebenfalls 9,6 Prozent.

    Regierung will mehr lokale Produktion und kürzere Lieferketten

    Größere strukturelle Unterschiede in den portugiesischen Lieferketten sind auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Jedoch wecken die Diskussionen um das Reshoring gewisse Hoffnungen in Portugal. Besonders im Fokus stehen hier medizintechnische Produkte. Der Wunsch nach mehr Unabhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten könnte eine Chance für den Produktionsstandort Portugal sein. Unter anderem möchte das Land mit moderaten Kosten und Flexibilität punkten.

    Im Juli 2020 berichtete das Handelsblatt, dass sich das portugiesische Wirtschaftsministerium im Gespräch mit einer Reihe von potenziellen Investoren befand. Das Land sieht sich auch deshalb gut aufgestellt, weil es bereits von neuen und Erweiterungsinvestitionen internationaler Unternehmen im Zuge des Handelskonflikts zwischen den USA und China profitieren konnte. Portugal kommt als Standort auch zugute, dass Steuervorteile für Forschung und Entwicklung existieren. Auch das Interesse an neuen Geschäftsbeziehungen nimmt zu. Bei der AHK Portugal mehren sich die Anfragen deutscher Unternehmen auf der Suche nach Zulieferern.

    Im wirtschaftlichen und sozialen Erholungsplan der Regierung finden sich ebenfalls Bestrebungen, die lokale Produktion auszubauen und Lieferketten zu verkürzen. Damit soll die Importabhängigkeit des Landes reduziert werden. Die Nutzung eigener Rohstoffe und die inländische Herstellung von Komponenten spielt dabei eine wichtige Rolle. Im Fokus steht die Abhängigkeit von externen Lieferanten beispielsweise aus China in den Bereichen Gesundheit, Maschinen, Elektronik, Energie und Nahrungsmittel. Das Ziel der Regierung sind kürzere Produktions- und Verbrauchsketten.

    Programm zur Internationalisierung der Wirtschaft

    Vor allem aufgrund des begrenzten Binnenmarktes steht das Auslandsgeschäft in Portugal hoch im Kurs. Die Regierung verfolgt ein Programm zur weiteren Internationalisierung der Wirtschaft bis 2025 (Internacionalizar). Bis dahin soll die Exportquote auf 50 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wachsen. Dieser Anteil hätte 2019 rund 105 Milliarden Euro entsprochen.

    Ziel der Strategie ist auch der Export in weitere Märkte, um von Entwicklungen in einzelnen Ländern unabhängiger zu werden. Dieses Ansinnen zielt auf die 10.700 Unternehmen (Stand 2018), die nur in einen einzigen Markt exportierten und von diesem entsprechend abhängig waren. Falls sich nach der Coronakrise die inländische Nachfrage nur langsam erholen sollte, könnte sich das Internationalisierungsprogramm als sehr nützlich für die portugiesischen Exportunternehmen erweisen.

    Investitionsumfeld in Portugal

    Informationen zum Wirtschaftsstandort und zu den Rahmenbedingungen in Portugal bieten unter anderem folgende GTAI-Publikationen:


    Von Oliver Idem | Madrid

  • Covid-19: Gesundheitswesen

    Portugals Gesundheitswesen federte die erste Infektionswelle ab. Anfang 2021 stieg die Zahl der Patienten auf ein kritisch hohes Niveau. (Stand: 20. Januar 2021)

    Portugals Gesundheitssystem stößt durch die immer weiter steigenden Infektionszahlen an seine Grenzen. Die Lage bleibt durch die anhaltend hohe Auslastung von Krankenhäusern und Intensivbetten sehr angespannt.

    Abhilfe soll die groß angelegte Impfung der Bevölkerung gegen Covid-19 schaffen. Seit dem 27. Dezember läuft die entsprechende Kampagne in den Gesundheitszentren. Bis zum 19. Januar 2021 erhielten bereits 106.000 Menschen eine Impfung.

    Einen Teil des Portugal zustehenden europäischen Impfkontingents will das Land weitergeben. Damit soll sichergestellt werden, dass portugiesischsprachige Entwicklungsländer ebenfalls ausreichend versorgt werden.

    Portugal setzte früh auf umfangreiche Tests, um Corona-Verdachtsfälle zu klären. Bis zum 19. Januar 2021 wurden insgesamt rund 6,45 Millionen Proben bei einer Einwohnerzahl von rund 10 Millionen ausgewertet.

    Krankenhäuser kümmern sich um gravierende Fälle

    Das portugiesische Modell fußt auch darauf, die Kapazitäten in den Krankenhäusern und insbesondere in den Intensivstationen für die schweren Fälle freizuhalten. Patienten mit leichteren Verläufen kurieren sich in häuslicher Quarantäne aus.

    Dieses Vorgehen entlastet das System und reduziert die Infektionsrisiken. Seit dem Aufflammen der zweiten Infektionswelle und deren Beschleunigung reichen die Kapazitäten aber kaum noch aus. Die Überlastung beunruhigt die Menschen und soll durch noch stärkere Reduzierungen von Kontakten gebremst werden. Am 19. Januar 2021 befanden sich landesweit 5.291 Covid-19-Patienten in Krankenhäusern und 670 Intensivbetten waren belegt.

    Zentralisierung erleichtert die Steuerung der Ressourcen in der Krise

    Portugal kommt zugute, dass die Reaktionen auf die Pandemie nicht auf regionaler Ebene abgestimmt werden müssen. Das Gesundheitsministerium kann Entscheidungen für das ganze Land treffen.

    In der Politik herrscht Einigkeit, dass Investitionen in das staatliche Gesundheitswesen notwendig sind. Unter normalen Umständen bewältigt das Gesundheitssystem die Anforderungen. Branchenkenner berichten jedoch von erheblichen regionalen Unterschieden in der Versorgung. Als Achillesferse gelten die begrenzten Kapazitäten für Operationen. Dadurch entstehen lange Wartezeiten für operative Eingriffe.

    Zehnjahresstrategie umfasst Investitionen in das Gesundheitswesen

    In dem im Juli 2020 veröffentlichten Plan für die wirtschaftliche und soziale Erholung Portugals bis 2030 wird die Bedeutung des Gesundheitssektors unterstrichen. Investitionen sind in die Ausrüstung und das Personal des staatlichen Gesundheitssystems geplant. Auch durch die Förderung von Wissenschaft und Forschung und insbesondere der medizinischen Biotechnologie soll der Sektor gestärkt werden. 

    Durch die Einigung der Europäischen Union auf ein Hilfspaket, bestehend aus 390 Milliarden Euro Direkttransfers und 360 Milliarden Euro Krediten, verbessern sich auch die Investitionsmöglichkeiten für Portugal. Das Land kann zwischen 2021 und 2026 mit insgesamt 15,3 Milliarden Euro rechnen, wenn der endgültige Beschluss fällt. 

    Von dem aus diesen Mitteln finanzierten Erholungsprogramm soll auch die Gesundheitsversorgung verbessert werden. Insgesamt 949 Millionen Euro sind für das Gesundheitssystem eingeplant. Konkret fallen darunter 196 Millionen Euro für die Ausrüstung von Krankenhäusern in Lissabon, Seixal und Sintra. 

    Von 2016 bis 2019 investierte die Regierung bereits verstärkt in den nationalen Gesundheitsdienst Serviço Nacional de Saúde. Ende März 2020 sprach Finanzminister Mário Centeno von einem Anstieg der jährlichen Ausgaben um 1,63 Milliarden Euro (17,8 Prozent) und der Personalausgaben um 958 Millionen Euro (28 Prozent). Für einen Teil der gestiegenen Personalausgaben ist die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche verantwortlich, die zusätzliches Personal erforderte.

    Ausgewählte Indikatoren zum Gesundheitswesen in Portugal

    Indikator

    2018

    Bevölkerungsgröße (in Mio.)

    10,28

    Anteil der Bevölkerung über 65 Jahre (in Mio.)

    2,24

    Anzahl Ärzte pro 1.000 Einwohner (im staatlichen System Servicio Nacional de Saúde)

    2,9

    Anzahl Krankenhausbetten pro 1.000 Einwohner

    3,4

    Gesundheitsausgaben pro Kopf (in US$ pro Jahr)

    2.861

    Quelle: Statistikamt INE; portugiesisches Gesundheitsministerium; OECD

    Portugal zählt nicht zu den Schwerpunktländern, in denen Medizintechnik hergestellt wird. Die lokale Produktion ist insgesamt gering. Entsprechend spielt das Thema Exportstopp kaum eine Rolle. Lediglich in einem Fall wurde bekannt, dass eine für das Ausland bestimmte Lieferung eines Desinfektionsmittelherstellers unterbunden wurde.

    Zudem sind einige Arzneimittelunternehmen im Land vertreten und fuhren ihre Herstellung 2020 stark hoch. Der Index der Industrieproduktion für dieses Segment entwickelte sich in den Krisenmonaten unter allen Branchen am positivsten. 

    Im Mai 2020 konnten in Portugal täglich 1 Million Schutzmasken für den inländischen Bedarf und den Export hergestellt werden. Dabei handelte es sich vorwiegend um Hygienemasken, die nicht den strengeren chirurgischen Standards entsprechen. Das Technologiezentrum der Textilbranche CITEVE rief Unternehmen dazu auf, Schutzmasken zu produzieren. Über 200 Hersteller folgten dieser Bitte und stellten ihre Fertigung entsprechend um. CITEVE listet auf seiner Website diese Produzenten auf.

    Weiterführende Informationen zu Portugal und anderen Ländern finden Sie auch auf der Webseite der Exportinitiative Gesundheitswirtschaft.

    Von Oliver Idem | Madrid

  • Covid-19: Auswirkungen auf ausgewählte Branchen

    Aus der Industrie kamen nach dem 2. Quartal 2020 wieder positive Nachrichten. Die wichtige Einnahmequelle Tourismus dürfte sich deutlich langsamer erholen. (Stand: 20. Januar 2021)

    Das Jahr 2020 bedeutete für die portugiesische Wirtschaft einen Einbruch in vielen Sektoren. Bereits 2021 soll jedoch eine Trendwende folgen. Wie stark sich die hohen Infektionszahlen darauf auswirken werden, blieb zum Jahresanfang unklar. Darum beinhalten die Prognosen für 2021 einen gewissen Unsicherheitsfaktor.

    Die Ausrüstungsinvestitionen in Portugal stürzten nach Annahme der Europäischen Kommission 2020 um 30,7 Prozent ab. Die Herbstprognose legt aber den Schluss nahe, dass viele Investitionen nur aufgeschoben werden. Bereits für 2021 sind die Aussichten mit einem Plus von 15,2 Prozent wesentlich günstiger. Im Folgejahr wird mit einer Zunahme um 9,9 Prozent ein nahezu zweistelliger Zuwachs erwartet.

    Das portugiesische Statistikamt kommt zu gemäßigteren Zahlen. Die Aufschlüsselung nach Branchen zeigt, welche Zweige sich in einem schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeld ihre Investitionskraft erhalten konnten. Die Investitionen in Portugal werden demnach 2020 nominal um 8,9 Prozent zurückgegangen sein. Das geht aus einer Investitionsumfrage des Statistikamtes INE von Juli 2020 hervor. Noch 2019 hatte die Veränderung gegenüber dem Vorjahr plus 4,3 Prozent betragen.

    Zwischen den einzelnen Wirtschaftszweigen hat die Umfrage starke Unterschiede ermittelt. Die von den Ausgangsbeschränkungen und dem geschrumpften Auslandstourismus getroffene Hotellerie und Gastronomie fuhr 2020 ihre Investitionen um 47,8 Prozent zurück. Bei der Rohstoffindustrie betrug der Rückgang 24,2 Prozent. In der gesamten Industrie blieben die Investitionen um 21,5 Prozent hinter dem Vorjahreswert zurück. Die exportierenden Industrieunternehmen reduzierten ihre Budgets jedoch nur um 16,8 Prozent.

    Den teils drastischen Reduzierungen standen auch Zweige gegenüber, in denen die Investitionen verglichen mit 2019 hochgefahren wurden. Ganz vorne rangierten Lagerung und Transport mit plus 39,6 Prozent. Im Immobiliensektor betrug der Zuwachs 23,4 Prozent.

    Starker Einbruch der Tourismuseinnahmen erwartet

    Der Tourismus in Portugal bekommt die Folgen der Coronakrise besonders stark zu spüren. Im Jahr 2019 besuchten noch 27 Millionen Gäste das Land. Diese brachten Portugal rund 16 Milliarden Euro Einnahmen, was einem Anteil von 8 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entsprach. Diese Zahlen erschienen 2020 unerreichbar.

    Infolge von Reisebeschränkungen, Aussetzung und Reduzierung des Flugangebots kamen im Frühjahr kaum noch Gäste aus dem Ausland. Der Rest des Jahres konnte nicht für eine Trendwende sorgen. Das massive Auftreten einer neuen Corona-Variante im Vereinigten Königreich seit Ende 2020 ist auch eine schlechte Nachricht für Portugal. Wenn sich die Virusbekämpfung länger hinzieht, dürfte dieser wichtige Quellmarkt für den portugiesischen Tourismussektor auch 2021 beeinträchtigt bleiben.

    Eine Umfrage von Cushman & Wakefield Hospitality bei großen Hotelketten in Spanien und Portugal ergab, dass die meisten erst 2023 wieder mit dem Umsatzniveau von 2019 rechnen. Zum Zeitpunkt der Befragung im November 2020 zeichnete sich ab, dass städtische Hotels dafür länger brauchen werden als solche, die an einer Küste liegen.

    Zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Pandemie wurden seit September die Vorsichtsmaßnahmen verschärft. Am 9. November 2020 verhängte die Regierung für 15 Tage den Ausnahmezustand und will diesen solange aufrechterhalten bis sich die Lage stabilisiert. Für Madeira und die Azoren gelten Sonderregeln. Vor Reisen nach Portugal sollten unbedingt die aktuellen Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes berücksichtigt werden. 

    Der stark reduzierte Tourismus wirkt sich auch auf die Lage der Gastronomie aus. Ähnlich dürften andere Wirtschaftszweige betroffen sein, deren Geschäft stark mit dem Tourismus zusammenhängt. Entsprechend zielt ein Teil der Hilfsmaßnahmen der Regierung auf kleine Unternehmen ab, die in diesem Bereich aktiv sind.

    Industrie mit rascher Wiederbelebung

    Die Lage der portugiesischen Industrie verschlechterte sich im Frühjahr durch zeitweise ausgesetzte Bestellungen. Im 2. Quartal 2020 stürzte der Produktionsindex entsprechend um 23,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum ab. Im August drehte die Fertigung mit plus 3,1 Prozent in den positiven Bereich.

    Die wichtige Kfz-Industrie wurde im Frühjahr 2020 mit großer Wucht von der Pandemie getroffen, konnte sich im Jahresverlauf jedoch erholen. Mit rund 264.200 Fahrzeugen blieb die Fertigung jedoch um knapp 24 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Bei Pkw bewegte sich der Rückgang mit 25 Prozent auf 211.300 Fahrzeuge im Durchschnitt. Leichte Nutzfahrzeuge verzeichneten ein Minus von 14 Prozent auf 49.900 Einheiten. Das negativste Resultat wiesen schwere Lkw mit einem Einbruch um 43 Prozent auf 3.100 Stück auf.

    Seit Anfang Juni 2020 produziert das Volkswagenwerk Autoeuropa in Palmela bei Lissabon wieder. Der portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa zufolge werden 70 Prozent der Fahrzeuge nach Deutschland, Italien, Spanien, in das Vereinigte Königreich und nach Frankreich ausgeliefert. Dass ein ungeregelter Brexit vermieden werden konnte, dürfte entsprechend auch in Portugal für Erleichterung sorgen.

    Relativ robuste Bautätigkeit im bisherigen Jahresverlauf 

    Die portugiesische Bauwirtschaft wurde auch durch die Coronakrise in Mitleidenschaft gezogen, jedoch schwächer als andere Branchen. Zwischen März und Oktober 2020 ermittelte das Statistikamt ein Umsatzplus von 4 Prozent verglichen mit dem Vorjahreszeitraum.

    Die Einzelhandelsumsätze lagen im September 2020 um 0,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Damit konnte erstmals seit dem 1. Quartal 2020 ein Zuwachs gegenüber dem Vorjahreszeitraum erreicht werden. Der Lebensmittelbereich unterlag nur geringen Einschränkungen während des Ausnahmezustands. Viele andere Geschäfte mussten jedoch geschlossen bleiben. Die Europäische Kommission erwartete im Herbst 2020 für das Gesamtjahr 7,9 Prozent weniger privaten Konsum als im Vorjahr. Für 2021 geht sie von einer Belebung um 4,9 Prozent aus.

    Von Oliver Idem | Madrid

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