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Finnland wird zum Hotspot für Datenzentren und KI-Fabriken

Finnland entwickelt sich zu einem dynamischen Markt für Rechenzentren in Nordeuropa. Die damit verbundenen Investitionen und Ausrüstungsbedarfe reichen über die Server hinaus.

Fabian Möpert

Von Fabian Möpert | Berlin

Die Ansiedlung von Großrechenzentren für dutzende Milliarden Euro könnte Finnland bis Anfang der 2030er Jahre zu einem neuen Knotenpunkt der digitalen Infrastruktur in Europas Norden machen. Viele Projekte sind speziell für Workloads zum Training und Betrieb von künstlicher Intelligenz (KI) konzipiert. Zudem treibt weiter steigende Nachfrage nach Cloud-Diensten und Datenhosting in der EU das Wachstum.

Rechenleistung könnte sich mehr als verdreifachen

Die Finnish Data Center Association (FDCA) schätzte im Herbst 2025, dass die Kapazität finnischer Rechenzentren bis 2030 auf etwa 1.200 Megawatt steigen könnte. Grundlage waren bekannte Investitionsentscheidungen im Wert von etwa 12 Milliarden Euro. Bei Einbeziehung vagerer Investitionsabsichten könne der Zubau bis Mitte der 2030er-Jahre sogar bis zu 3.400 Megawatt erreichen.

Seither verkünden internationale Investoren in schneller Folge weitere Investitionsentscheidungen. "Wir werden die Prognose dieses Jahr aktualisieren. Der Wert dürfte höher ausfallen", sagte der FDCA-Geschäftsführer Antti Poikola im August 2026 dem Magazin Tekniikka & Talous.

Megaprojekte verändern den Markt

Ende 2025 verfügte Finnland laut Schätzung der FDCA über eine installierte Rechenzentrumskapazität von etwa 370 Megawatt. Rund die Hälfte davon entfiel auf einen Google-Standort in Hamina. Dessen Betreiberunternehmen Tuike Finland erwirtschaftete 2025 rund 574 Millionen Euro Umsatz. Seit 2024 läuft die siebte Erweiterung des Google-Standorts für rund 1 Milliarde Euro.

Unter den derzeit zehn umsatzstärksten Branchenunternehmen des Landes ist die finnische Tochter des deutschen Mittelständlers Hetzner. Das Unternehmen ist einer der größten deutschen Betreiber von Rechenzentren und Anbieter von Server- und Cloud-Infrastruktur. Seit 2018 betreibt Hetzner einen Datacenter-Park nahe Helsinki. "Für das Rechenzentrumsgeschäft ist KI heute ein zentraler Treiber. Dieser Markt ist sehr schnelllebig. Finnlands Stärke ist, dass Betreiber vielerorts innerhalb von ein bis drei Jahren Zugang zu geeigneten Standorten und Strom erhalten“, sagt Joonas Terhivuo, Geschäftsführer von Hetzner Finland Oy, im Interview mit Germany Trade & Invest.

28.08.2026 Interview | Finnland | Datenzentren
"Lieferfähigkeit wird bei Datenzentren zum Schlüsselfaktor"

In Finnland wächst der Bedarf an Ausrüstung für Rechenzentren. Anbieter können durch Energieeffizienz und schnelle Verfügbarkeit punkten. Ein Marktkenner ordnet die Lage ein.

Die aktuelle Investitionsdynamik wird vor allem von Projekten für Hyperscaler getragen. Der britische Anbieter Pure DC zum Beispiel gab im Juli 2026 bekannt, im westfinnischen Seinäjoki eine der größten KI-Fabriken Europas errichten zu wollen. Ähnlich dimensioniert ist ein Vorhaben des US-Entwicklers Prime Data Centers. Er stellte im April 2026 Pläne für einen KI-optimierten Campus in Järvenpää bei Helsinki vor.

Kühles Klima und günstiger Strom locken Datenzentren nach FinnlandAusgewählte Datenzentrumsprojekte in Finnland (nach Investitionssumme)

Ort, Kapazität

Investitionssumme (in Mio. Euro)

Projektstadium

Geplante Fertigstellung

Investor, Anmerkungen

Seinäjoki, 110 MW (1. Bauabschnitt), 440 MW (spätere Erweiterungen)

7.500

Planung/ Investitionsentscheidung

k.A.

Pure Data Centres Group (Pure DC)

Järvenpää, 550 MW

6.000

Planung

2028 (1. Bauabschnitt), 2031 Fertigstellung des gesamten Komplexes 

Prime Data Centers

Forssa, 450 MW

4.500

Vorstudien

k.A. 

QTS & Blackstone; Baubeginn 1. Bauabschnitt voraussichtlich 2027

Lappeenranta, 310 MW

3.000-10.000 (Schätzung von Yle)

Planung

2027 

Nebius

Mikkeli, 212 MW

2.000

Investitionsentscheidung/ Bau

2028 

Compute Nordic Finland Oy

Utajärvi, 100 MW + 200 MW

700-900 + 2.000

Investitionsentscheidung/ Bau

2027 

Amp Tank Finland Oy

Espoo/ Kirkkonummi/ Vihti, 175 + 130 + 175 MW

1.900

Investitionsentscheidung/ Bau

2027 (1. Bauabschnitt) 

Microsoft

Rovaniemi, 500 MW

1.000

Planung

2029

FCDC Corp Oy

Kajaani, 250 MW

1.000

Investitionsentscheidung

2027

XTX Markets, Auftragnehmer YIT

Lahti, 50 MW, später Erweiterung auf 128 MW

1.000

Investitionsentscheidung

2027 (1. Bauabschnitt)

DayOne, Nutzer Tiktok

Quelle: EK 2026, Pressemeldungen, Recherchen von Germany Trade & Invest

Projektpipeline für Datenzentren

Der Zentralverband der finnischen Wirtschaft (EK) unterhält eine Datenbank zu grünen Investitionsvorhaben. Diese ist nach Technologie, Standort sowie Projektphase sortierbar und enthält auch Projektlisten für Datenzentren in Finnland.

Die Investitionsförderagentur Business Finland listet in einer Übersicht zu Investitions- und Entwicklungspotenzialen für Rechenzentren etwa 50 baureif erschlossene Standorte.

Grünstrom lockt Investoren

Datenzentren verbrauchen große Strommengen. Finnland bietet bislang ausreichend sauberen Strom zu wettbewerbsfähigen Preisen. Mehr als die Hälfte der Stromproduktion stammte 2025 laut Branchenverband Finnish Energy aus erneuerbaren Quellen.

Ein bis vor kurzem geltender Industriestromsteuersatz für Rechenzentren wurde indes abgeschafft. Seit Juli 2026 gilt für sie der reguläre Tarif. Hintergrund sind Forderungen nach stärkerer steuerlicher Beteiligung der Branche. Um Investitionen in Digitalprojekte dennoch attraktiv zu halten, diskutiert die Regierung befristete Steuerrückerstattungen für Rechenzentren, die bestimmte Voraussetzungen wie Abwärmenutzung erfüllen.

Kalt, klimafreundlich und konnektiv

Finnland bietet Rechenzentren strategische Standortvorteile:

  • Kühles Klima begünstigt Energieeffizienz
  • Wettbewerbsfähige und saubere Stromversorgung
  • Möglichkeit zum schnellen Netzanschluss
  • Verfügbarkeit geeigneter Industrieflächen
  • Stabiles Investitionsumfeld mit geringen Risiken 
  • Leistungsfähige digitale Infrastruktur 
  • Wachsendes Netz an Unterseekabeln sorgt für gute Anbindung auch nach Mitteleuropa

Stromverbrauch könnte sich bis 2035 verdoppeln

Dank eines leistungsstarken Stromnetzes erhalten Datenzentren relativ schnell einen Netzanschluss. Regional entstehen inzwischen aber Engpässe. Der Übertragungsnetzbetreiber Fingrid musste 2025 in Teilen Südfinnlands den Anschluss für neue Großkunden mit mehr als 10 Megawatt Leistungsbedarf einschränken. Betroffen sind auch Rechenzentren. Mit neuen Übertragungsleitungen will Fingrid ab 2027 mehr Strom nach Südfinnland transportieren.

Durch ein Investitionsprogramm von rund 5,2 Milliarden Euro will Fingrid das Übertragungsnetz für die Zukunft rüsten. Der Netzbetreiber geht davon aus, dass sich der Stromverbrauch im Land bis 2035 verdoppeln könnte. Die Stromerzeugung werde zeitverzögert Schritt halten.

Erste Investoren weichen auf Regionen aus, in denen viel Strom erzeugt wird. Nebius wählte das ostfinnische Lappeenranta für den Bau einer KI-Fabrik. In Ostfinnland könnten bald Solarkraftwerke das Stromangebot erweitern. An der Westküste sorgt Windkraft schon heute für überreichlich Stromerzeugung. Weitere Windturbinen könnten zudem rasch ans Netz gehen, da viele Projekte bereits genehmigt sind und lediglich auf Investitionsentscheidungen warten.

Serverabwärme speist Fernwärmenetz

Das kühle Klima mit einer Jahresdurchschnittstemperatur von etwa 4,5 Grad Celsius bietet zusätzliche Vorteile für den energieeffizienten Betrieb von Rechenzentren. Es verringert Kühlkosten im Vergleich zu Mitteleuropa oder Nordamerika um bis zu 40 Prozent. Gleichzeitig kann die Abwärme zur Fernwärmeerzeugung sinnvoll genutzt werden. Fernwärme ist in Finnland mit etwa 90 Prozent aller Mehrfamilienhäuser die häufigste Heizform. 

Im Raum Helsinki realisieren Microsoft und der Energieversorger Fortum eines der größten Projekte für Abwärmenutzung. Künftig könnten rund 40 Prozent des Fernwärmebedarfs der Region Espoo durch Serverabwärme von Microsoft-Rechenzentren gedeckt werden.

Rechenzentren benötigen mehr als IT-Hardware

Ein signifikanter Teil der Investitionen in Rechenzentren entfällt auf technische und bauliche Infrastruktur. Dazu zählen Strom- und Notstromanlagen, Kühlung und Wärmerückgewinnung, Sicherheitssysteme wie Brand- und Zutrittsschutz, das Gebäudemanagement sowie Datenverbindungen. Kooperationschancen liegen außerdem bei Planung, Bauleistungen, Energieoptimierung sowie Betriebssoftware.

Das Marktforschungsunternehmen DC Market Insights bewertete den finnischen Markt für Rechenzentrumsinfrastruktur 2025 mit etwa 389 Millionen Euro. Bis 2035 könnte das jährliche Marktvolumen etwa 885 Millionen Euro erreichen. Im regionalen Vergleich beherbergt der größere Nachbar Schweden mit Stockholm den bislang führenden Rechenzentrumshub Nordeuropas. Aufgrund seines zeitlichen Vorsprungs ist das Land der reifere Markt. Vor allem Hyperscaler sind dort schon länger aktiv. Das schwedische Marktvolumen belief sich nach Angaben der Marktforscher 2025 auf etwa 888 Millionen Euro. Bis 2035 könnte es auf 2,45 Milliarden Euro steigen. Der deutsche Markt wurde für 2025 auf 7,8 Milliarden Euro beziffert. Bis 2035 könnte er auf 26 Milliarden Euro anwachsen.

Im Großhandel mit elektrotechnischen Produkten macht sich der Boom in Finnland bereits bemerkbar. Der finnische Verband für elektrotechnischen Handel (STK) beobachtet im 1. Halbjahr 2026 einen starken Nachfragezuwachs bei Kabeln, Schaltanlagen und ähnlicher Ausrüstung.

Auch deutsche Anbieter profitieren von dieser Entwicklung. Der hessische Industrieausrüster Rittal beispielsweise lieferte für ein neues Datenzentrum des finnischen Telekommunikationsanbieters DNA in Lahti ein komplettes Ausrüstungspaket, darunter Serverkabinette, Klimaanlagen, Warmgangeinhausung und Türautomatisierung. Andere Branchengrößen wie Siemens oder Ziehl-Abegg sind im finnischen Markt ebenfalls erfolgreich.