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Markttrends
Frankreichs Medizintechnikmarkt steht unter Sparzwängen, das regulative Umfeld ist schwierig. Deutsche Technologie ist hoch angesehen, die Konkurrenz aber groß.
28.11.2025
Frankreichs Medizintechnikmarkt ist ein hochentwickelter, durchregulierter und auf Kosteneffizienz sowie Innovation ausgerichteter Sektor. Die internationale Konkurrenz ist hoch, der Kostendruck, der auf Krankenhäusern, Gesundheitseinrichtungen und Sozialkassen lastet, ebenfalls. Größe und internationale Positionierung des Landes machen den Markt unumgänglich, auch wenn das regulative Umfeld schwierig ist und das Wachstumspotenzial angesichts massiver Sparzwänge der Sozialversicherungen sinkt.
Bis 2029 soll Markt um durchschnittlich 3,8 Prozent wachsen
Frankreich ist nach Deutschland der zweitgrößte Markt für medizintechnische Produkte in Europa. Im Jahr 2024 erreichte der Sektor laut Marktforscher Fitch Solutions ein Volumen von knapp 16 Milliarden Euro. Eine alternde Bevölkerung mit einer im europäischen Vergleich hohen Lebenserwartung, sprechen für einen anhaltenden Anstieg des französischen Medizintechnikbedarfs. Allerdings führen finanzielle Zwänge und eine schwache wirtschaftliche Entwicklung dazu, dass sich das Branchenwachstum trotz steigenden Bedarfs in den kommenden Jahren verlangsamen wird. Fitch Solutions prognostiziert für die Jahre 2024 bis 2029 jährliche durchschnittliche Wachstumsquoten von 3,8 Prozent. 2029 soll das Marktvolumen gut 19 Milliarden Euro erreichen.
der öffentlichen Krankenhäuser sind 2024 im Defizit
Quelle: Französischer Rechnungshof
Obwohl Frankreich über eine eigene gut aufgestellte Medizintechnikbranche sowie eine lebendige Start-up-Szene verfügt, ist das Land in weiten Bereichen auf Importe angewiesen. Der deutsche Medizintechniksektor ist in Frankreich gut positioniert. Deutschland ist nach den USA nicht nur der zweitwichtigste Lieferant. Große Unternehmen wie B.Braun, Dräger, Siemens Healthineers und Hartmann haben zudem eigene Produktionsstätten in Frankreich und fertigen dort sowohl für den lokalen Markt als auch hauptsächlich für den Export.
Innovationen sollen die Branche voranbringen
Bis 2030 will Frankreich in Europa eine Führungsposition im Bereich hochinnovativer Gesundheitstechnologien einnehmen. Die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung soll landesübergreifend höchsten Ansprüchen genügen. Der Modernisierungsplan "Segur de Santé" sieht zwischen 2020 und 2030 Investitionen von 19 Milliarden Euro unter anderem in die Ausstattung von Krankenhäusern vor.
Frankreich möchte auch für Unternehmen aus der Medizintechnik attraktiver werden und hat angekündigt, den Marktzugang für medizintechnische Produkte zu erleichtern. Allerdings stockt, auch aufgrund der nunmehr seit Sommer 2024 anhaltenden innenpolitischen Krise, die Umsetzung von Fördervorhaben.
Der im Rahmen des Innovationsprogramms France 2030 bereitgestellte Fördertopf "Plan Innovation Santé 2030" in Höhe von 7,5 Milliarden Euro gibt zumindest technischen Innovationen nach wie vor finanzielle Rückendeckung. Gut 1 Milliarde Euro sind für den Medizintechniksektor, hier insbesondere digitale Anwendungen und Hilfsmittel, reserviert. Hiervon wurden im Jahr 2024 knapp 350 Millionen Euro an innovative Unternehmen und Start-ups ausgeschüttet.
Staatliche Förderung für eine bessere Gesundheitsversorgung
Ausgewählte Förderziele ''Plan Innovation Santé 2030''
- 2,0 Mrd. Euro - Relokalisierung der Gesundheitsindustrien; Förderbank BPI
- 1,5 Mrd. Euro - Relokalisierung; IPCEI-Projekte
- 1,0 Mrd. Euro - Kapazitätsausbau Biorecherche
- 800 Mio. Euro - Entwicklung innovativer Therapien
- 750 Mio. Euro - Pandemievorsorge
- 650 Mio. Euro - Digital Health
- 400 Mio. Euro - Medizintechnik
Quelle: Gouvernement Francais
Anmerkung: IPCEI: Important Projects of Common European Interest; BPI: Banque Publique d'Investissement
Politische Unsicherheit verzögert Reformen
Trotz aller Regierungsprogramme kämpft das französische Gesundheitssystem mit Schwierigkeiten. Die Kapazitäten des Gesundheitswesens halten mit den wachsenden Bedürfnissen einer stetig zunehmenden Patientenzahl nicht Schritt. Noch dazu stehen die chronisch defizitären Sozialkassen, die Hauptträger der Erstattungskosten, unter massivstem Sparzwang. Nach Schätzungen des französischen Rechnungshofs wird das Defizit der Krankenkassen im Jahr 2025 rund 17,2 Milliarden Euro betragen und bis 2029 auf 19,4 Milliarden Euro ansteigen. Das Land ist stark verschuldet. Frankreich muss in den kommenden Jahren seine Ausgaben auch im Sozialsystem kürzen.
Die zuständigen Ministerien versuchen bislang, Kosten durch die punktuelle Streichung von medizintechnischen Leistungen oder durch Deckelungen der Erstattungsobergrenze einzusparen. Branchenverbände wie SNITEM (Syndicat National de l'Industrie des Technologies Médicales) wehren sich gegen die als Kahlschlagpolitik qualifizierten Kürzungen. Aufgrund andauernder Regierungswechsel seit Beginn des Jahres 2024 gelangen wichtige Förder- und Reformprogramme wie der Ségur du numérique en santé (Digitale Gesundheitsversorgung) nur mit großer Verzögerung in die Umsetzung.
Frankreich bleibt ein schwieriger Markt
Branchenvertreter beklagen schwierige Rahmenbedingungen in Frankreich. Zulassungsverfahren für neue Anwendungen und Technologien sind komplex und langwierig. Zudem sind insbesondere bei digitalisierten Anwendungen die Genehmigungsvorgaben noch nicht vollständig ausgereift.
Laut dem Marktforschungsinstitut Fitch Solutions sind die Erstattungssätze für Medizintechnik und telemedizinische Anwendungen im europäischen Vergleich niedrig. Hieran dürfte sich auch in Zukunft wenig ändern. Angesichts der aktuellen Finanzschwäche des Staats- und Sozialversicherungsbudgets bleibt der Druck auf Erstattungssätze hoch. Laut Entwurf des neuen Sozialversicherungsfinanzierungsgesetzes für das Jahr 2026 soll die staatliche Krankenversicherung im Jahr 2026 gut 7 Milliarden Euro einsparen.
Krankenhäuser investieren zwar in den dringend erforderlichen Ausbau von Kapazität und in die Modernisierung ihrer Einrichtungen. Offene Finanzierungsfragen aber führen dazu, dass geplante Projekte häufig nur verzögert umgesetzt werden.
| Projekt | Zeitraum | Investitionssumme | Beschreibung des Projekts |
|---|---|---|---|
| Neubau einer Universitätsklinik Grand Paris Nord, Saint-Ouen | Baugenehmigung erteilt, Baubeginn Mitte 2026 | 1.324 | Zusammenlegung zweier Krankenhäuser und Verknüpfung mit einem neuen Universitätscampus |
| Modernisierung CHU Grenoble | Baubeginn April 2025, Fertigstellung geplant 2030 | 563 | Neubau eines Klinikgebäudes und Renovierung zweier Klinikflügel |
| Modernisierung des Krankenhausverbunds AP-HM, Marseille | Im Bau, Fertigstellung geplant 2030 | 457 | Als Teil des Krankenhausverbunds Assistance publique-hôpitaux de Marseille (AP-HM) werden zwei Krankenhäuser renoviert und eine Geburtsklinik gebaut |
| Zusammenführung von Kliniken Dinan, Saint-Malo und Cancale | Im Genehmigungsverfahren, Architekturausschreibung geplant 2026 | 445 | Zusammenführung von drei Kliniken an einem Standort und Modernisierung von zwei Kliniken des Klinikverbunds GHT Rance Emeraude |
| Ausbau CH Valenciennes | Projektvorstellung September 2025 | 450 | Ausbau der Notaufnahme und Zentralisierung der Logistik |
| Neubau eines Forschungscampus PariSanté Campus, Paris | Baubeginn geplant 2027 | 433 | Armeekrankenhaus in Val-de-Grâce wird umgebaut |
| CH de Montauban | Baubeginn geplant 2028 | 320 | Klinikneubau in Bardonis |
| CHU de Limoges | Baubeginn Ende 2025 | 378 | Modernisierung des Krankenhauses Dupuytren 1 |
Digital Health-Sektor will an die Spitze
Frankreich strebt an, internationaler Innovationsführer im Bereich Digital Health zu werden. Der Staat unterstützt die lebendige Digital Health-Szene durch steuerliche Anreize und Innovationsprogramme wie France 2030 Santé Numérique. Digital Health-Anwendungen und der Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) sollen dazu beitragen, die Betreuung der Patienten zu verbessern, den Behandlungsablauf zu optimieren und Forschung und Entwicklung zu beschleunigen.