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Guinea will mehr Bauxit im eigenen Land verarbeiten

Neue Alumina-Raffinerien sollen die lokale Wertschöpfung erhöhen. Nicht-chinesische Projekte könnten Europa zusätzliche Bezugsquellen eröffnen.

Fausi Najjar

Von Fausi Najjar | Berlin

Nach Schätzungen des U.S. Geological Survey (USGS) förderte Guinea 2025 rund 150 Millionen Tonnen Bauxit und war damit vor Australien und China der weltweit größte Produzent. Zugleich verfügt Guinea mit geschätzten 7,4 Milliarden Tonnen über die größten Bauxitreserven weltweit. Die lokale Weiterverarbeitung bleibt dagegen bislang gering: Die guineische Alumina-Produktion lag laut USGS 2025 schätzungsweise bei 360.000 Tonnen. Nach den Plänen der Regierung sollen bis 2030 fünf bis sechs Raffinerien mit einer Gesamtkapazität von rund sieben Millionen Tonnen pro Jahr entstehen. Der Schwerpunkt liegt in den Küstenregionen Boffa und Boké nördlich von Conakry. 

Die lokale Verarbeitung vor Ort vorkommender Rohstoffe ist in vielen afrikanischen Ländern industriepolitische Priorität. Guinea unternimmt nun einen besonders weitreichenden Versuch, einen größeren Teil seines Bauxits im Land zu Alumina zu verarbeiten.

Unabhängig vom Bauxitsektor dürfte Guinea mit dem geplanten Hochlauf der Eisenerzförderung und -ausfuhr aus den Simandou-Projekten zu einem der weltweit bedeutendsten Eisenerzproduzenten aufsteigen.

Bauxit wird zunächst zu Aluminiumoxid, auch Alumina genannt, verarbeitet. Dafür werden vor allem Prozesswärme, Natronlauge und Wasser benötigt. Die anschließende Aluminiumerzeugung durch Elektrolyse ist wesentlich stromintensiver. Alumina-Raffinerien sind in Guinea daher derzeit realistischer als große Aluminiumschmelzen.

Westliche Konzerne an weiteren Raffinerieplänen beteiligt

Drei Raffinerien chinesischer beziehungsweise eng mit China verbundener Unternehmen befinden sich bereits im Bau. Die Vorhaben mit westlicher Beteiligung sind dagegen weniger weit fortgeschritten, könnten Europa aber zusätzliche Alumina-Bezugsquellen eröffnen. Das Alteo-Projekt mit französischer Beteiligung ist ausdrücklich auch auf den europäischen Markt ausgerichtet. Bei der von Alcoa und Rio Tinto mitgetragenen Compagnie des Bauxites de Guinée (CBG) ist eine solche Lieferorientierung bislang nicht konkretisiert. Verbindliche Liefervereinbarungen sind für beide Projekte öffentlich nicht bekannt.

CBG bereitet den Bau einer eigenen Raffinerie vor. An CBG hält der guineische Staat 49 Prozent; die übrigen Anteile liegen über das US-amerikanische Unternehmen Halco bei dessen Anteilseignern, darunter Alcoa und Rio Tinto.

Im August 2026 verabschiedete CBG einen Aktionsplan, der einen möglichen Beginn erster Bauarbeiten bis Ende 2026 vorbereiten soll. Belastbare Angaben zur Kapazität, zu den Gesamtkosten oder zum Termin der Inbetriebnahme wurde bislang jedoch nicht veröffentlicht. Westliche Entwicklungsbanken sind mit CBG bereits vertraut: 2016 finanzierten die damalige OPIC, heute DFC, die International Finance Corporation und mehrere Geschäftsbanken die Erweiterung der Bauxitproduktion. Die Finanzierung bezog sich allerdings nicht auf den heutigen Raffinerieplan.

Ausgewählte Projekte zur Bauxitverarbeitung in Guinea

Name / Standort

Geplante Kapazität

Stand*

Beteiligte Unternehmen (Herkunft)

Alteo Refinery Guinea / Region Boké1,0 Mio. t/Jahr in der ersten AusbaustufePlanung; Machbarkeits- und ProjektvorbereitungAlteo (Frankreich); UMS-Gruppe (Guinea)
Nimba Mining Company / ehemalige GAC-Konzession, Region Boké1,2 Mio. t/Jahr laut jüngeren BerichtenPlanung; Machbarkeitsprüfung und Investitionsentscheidung stehen ausNimba Mining Company (Guinea, staatlich)
CBG-Raffinerie / Raum Sangarédi-KamsarNoch nicht veröffentlichtBauvorbereitung; Finanzierung und Projektparameter offenStaat Guinea (49 Prozent); über Halco: Alcoa (USA), Rio Tinto (Großbritannien/Australien) und Dadco Investments
Chalco / Lisso-Demougala, Boffa1,2 Mio. t/JahrIm Bau seit Juni 2026Chalco/Chinalco (China); Staat Guinea, Minderheitsbeteiligung vorgesehen
Winning Consortium Alumina Guinea / Dobali, Boké1,2 Mio. t/JahrIm Bau seit Dezember 2025Winning International Group (Singapur); China Hongqiao/Weiqiao (China); UMS (Guinea); Yantai Port (China)
SPIC / Boffa1,2 Mio. t/JahrIm Bau seit März 2025State Power Investment Corporation, SPIC (China)
Friguia / FriaInstallierte Kapazität: 0,6 Mio. t/JahrIn Betrieb; Produktion unterhalb der installierten KapazitätRusal (Russland)
Die Projekte sind nach ihrem Reifegrad geordnet: Planung, Bauvorbereitung, Bau und Betrieb.Quelle: GTAI 2026

Raffinerieprojekt der Emirate bleibt offen

Ein weiteres Vorhaben betrifft die frühere Konzession der Guinea Alumina Corporation (GAC), einer Tochter von Emirates Global Aluminium. Guinea entzog dem Unternehmen 2025 die Konzession. Die Regierung begründete dies unter anderem mit nicht ausreichend erfüllten Verpflichtungen zur lokalen Weiterverarbeitung.

Im Mai 2026 erzielten Guinea, GAC und Emirates Global Aluminium einen Vergleich. Die Vermögenswerte sollen auf die staatliche Nimba Mining Company übergehen. Ein im August 2026 unterzeichnetes Bergbauabkommen sieht die Entwicklung einer Alumina-Raffinerie vor. Für die geplante Anlage wird in jüngeren Berichten eine Kapazität von 1,2 Millionen Tonnen pro Jahr genannt. Eine Machbarkeitsprüfung und eine Investitionsentscheidung stehen jedoch noch aus.

Der schweizerische Rohstoffkonzern Glencore übernimmt die Vorfinanzierung und Vermarktung eines Teils der Bauxitproduktion. Gespräche über weitergehende Investitionen in Alumina und Energie laufen, ein beziffertes Projekt liegt aber noch nicht vor.

Chinesische Unternehmen prägen die größten Projekte

Am weitesten fortgeschritten ist die Raffinerie der State Power Investment Corporation (SPIC) aus China in Boffa. Der Bau läuft seit März 2025. Das Investitionsvolumen wird in Branchenberichten auf rund 1 Milliarde US-Dollar (US$) beziffert. Die Inbetriebnahme ist für 2028 vorgesehen.

In Dobali in der Präfektur Boké baut Winning Consortium Alumina Guinea, das zum Umfeld des SMB-Winning-Konsortiums gehört, eine weitere Raffinerie. Der Baustart erfolgte im Dezember 2025. Für das Projekt einschließlich zugehöriger Anlagen werden Investitionen von mehr als 1,2 Milliarden US$ genannt. Als Fertigstellungstermin gilt je nach Quelle Ende 2027 oder 2028.

Auch Chalco, eine Tochter des chinesischen Staatskonzerns Chinalco, errichtet in Boffa eine Alumina-Raffinerie. Die Bauarbeiten haben im Juni 2026 begonnen. Die Kerninvestition wird auf rund 1 Milliarde US$ beziffert. Bei einer vorgesehenen Bauzeit von etwa drei Jahren könnte die Produktion 2029 anlaufen.

Hoher Bedarf bei Energie- und Umwelttechnik

Der Ausbau der Alumina-Produktion stellt Guinea vor erhebliche infrastrukturelle Herausforderungen. Zu den größten Engpässen zählt die zuverlässige Energieversorgung. Mehrere Projekte sehen deshalb eigene Kraftwerks- oder Versorgungskapazitäten vor. Hinzu kommen hohe Anforderungen an Prozesswasser, geschlossene Wasserkreisläufe sowie die Lagerung und Behandlung von Bauxitrückständen, insbesondere Rotschlamm. Beim Bayer-Verfahren werden Bauxit und Natronlauge unter hohen Temperaturen und Drücken verarbeitet. Entsprechend groß ist der Bedarf an belastbarer Prozess-, Mess-, Sicherheits- und Umwelttechnik.

Geschäftschancen für deutsche Anbieter bestehen insbesondere bei Energie- und Elektrotechnik, Pumpen und Armaturen, Wasser- und Abwasserbehandlung, Mess-, Steuerungs- und Regeltechnik sowie energieeffizienten Anlagenkomponenten. Aufgrund der Dominanz großer internationaler Projektentwickler dürfte der Marktzugang häufig über Anlagenbauer, EPC-Auftragnehmer und technische Konsortien erfolgen.