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Afrikas Rohstoffverarbeitung: zwischen Anspruch und Realität
Afrikanische Staaten wollen kritische Rohstoffe stärker im eigenen Land verarbeiten. Rohstoffvorkommen allein schaffen jedoch noch keine wettbewerbsfähige Industrie.
11.09.2026
- Südafrika ist wichtigster Hub für die Rohstoffverarbeitung
- Aluminiumoxid aus Guinea
- Copperbelt setzt auf regionale Wertschöpfung
- Energie- und Infrastrukturdefizite bleiben zentrale Hemmnisse
- Weltbank empfiehlt regionale Spezialisierung
- Hoher Kapitaleinsatz, begrenzte Beschäftigung
- Weder unrealistisch noch Selbstläufer
Viele afrikanische Staaten wollen das Modell des reinen Exports von Rohstoffen nicht länger akzeptieren. Die 2025 von der Afrikanischen Union verabschiedete Africa's Green Minerals Strategy fordert ausdrücklich den Übergang zu lokaler Verarbeitung, industrieller Wertschöpfung und dem Aufbau regionaler Lieferketten.
Afrika besitzt nach einer Auswertung des U.S. Geological Survey besonders hohe Anteile an den globalen Reserven von Platingruppenmetallen, Kobalt, Chrom, Mangan und Bauxit. Hinzu kommen bedeutende Vorkommen von Kupfer, Graphit, Lithium, Vanadium, Nickel und Seltenen Erden.
Die EU unterstützt die lokale Verarbeitung von Rohstoffen in Partnerländern nicht nur aus entwicklungspolitischen Gründen. Sie erwartet davon zugleich besser diversifizierte und damit resilientere Lieferketten für kritische Rohstoffe. Bislang stammen viele Investitionen dazu aus China, aber auch aus Kanada, Australien, den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Südafrika und den USA. Die Erfolgsaussichten hängen jedoch stark vom Rohstoff, Energiebedarf, der industriellen Basis und der regionalen Einbindung ab. Drei Regionen zeigen exemplarisch, wie unterschiedlich die Voraussetzungen für lokale Verarbeitung ausfallen können.
Südafrika ist wichtigster Hub für die Rohstoffverarbeitung
Südafrika verfügt über die breiteste industrielle Basis des Kontinents. Das Land verarbeitet unter anderem Platingruppenmetalle, Chrom, Mangan und Vanadium und besitzt spezialisierte Unternehmen, Forschungseinrichtungen und industrielle Abnehmer. Energie- und Logistikprobleme schwächen jedoch die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Hütten und Raffinerien. Neue Vorhaben wie Zandkopsdrift für schwere Seltene Erden und Mangansulfat befinden sich zudem noch in der Machbarkeitsphase.
Aluminiumoxid aus Guinea
Besonders dynamisch entwickelt sich gegenwärtig die Rohstoffverarbeitung in Guinea. Das Land gehört zu den wichtigsten Bauxitlieferanten. Die Regierung drängt Bergbauunternehmen dazu, Aluminiumoxidraffinerien zu bauen. Im Juni 2026 begann in Boffa der Bau einer Aluminiumoxidraffinerie der chinesischen Chalco Guinea Company mit einer geplanten Jahreskapazität von 1,2 Millionen Tonnen. Die Investition wird mit rund 1,7 Milliarden US-Dollar veranschlagt. Weitere Raffinerieprojekte werden von der ebenfalls chinesischen SPIC sowie vom singapurisch-chinesisch-guineischen Winning-Konsortium entwickelt.
Für Guinea erscheint die Verarbeitung von Bauxit zu Aluminiumoxid realistischer als der Aufbau einer vollständigen und äußerst energieintensiven Aluminium-Wertschöpfungskette.
Copperbelt setzt auf regionale Wertschöpfung
Die Bergbauregion Copperbelt in der DR Kongo und Sambia ist Afrikas wichtigstes Zentrum für die Verarbeitung von Kupfer und Kobalt. Mit der Vergabe einer 30-jährigen Konzession für die Bahnstrecke Dilolo-Sakania Ende August 2026 gewinnt der Ausbau des Lobito-Korridors an Dynamik. Damit verbessert sich die Anbindung der Bergbauregionen an den Atlantik. Der Korridor senkt Exportkosten und könnte die Rohausfuhren fördern, gleichzeitig aber auch die Verarbeitung stärken. Zu den wichtigsten Vorhaben im Kupfergürtel zählen die Kupferhütte von Kamoa-Kakula, die Buenassa-Raffinerie und die geplante Kobaltsulfatproduktion in Sambia.
Energie- und Infrastrukturdefizite bleiben zentrale Hemmnisse
Der Aufbau lokaler Verarbeitungskapazitäten scheitert häufig an Energie- und Infrastrukturdefiziten. Nach Angaben der Afrikanischen Entwicklungsbank (AfDB) haben nahezu 600 Millionen Menschen in Afrika keinen Zugang zu Elektrizität. Auch viele Unternehmen leiden unter unzuverlässiger Stromversorgung. Energieintensive Raffinerien und Schmelzen benötigen jedoch große Mengen an verlässlich verfügbarem Strom, Wasser und Transportkapazitäten.
Auch die Infrastruktur bleibt ein Engpass. Nach Schätzungen der AfDB liegt der Investitionsbedarf für Afrikas Infrastruktur bei jährlich 130 bis 170 Milliarden US-Dollar. Transportkorridore wie Lobito können die Anbindung der Bergbauregionen verbessern, beseitigen aber nur einen Teil der strukturellen Defizite. Langfristig werden Investitionen in Energie-, Verkehrs- und Hafeninfrastruktur darüber entscheiden, ob Afrika wettbewerbsfähige Verarbeitungsindustrien aufbauen kann.
Weltbank empfiehlt regionale Spezialisierung
Eine Studie der Weltbank (2025) kommt zum Ergebnis, dass große Rohstoffvorkommen nicht automatisch zu Wettbewerbsvorteilen bei der Raffination oder weiteren Verarbeitung führen. Frühere Ansätze seien häufig an Infrastrukturdefiziten, technologischen Lücken, schwachen Institutionen sowie restriktiven Handels- und Investitionsvereinbarungen gescheitert. Statt nationaler Vollkettenstrategien empfehlen die Autoren regionale Spezialisierung und eine koordinierte Industriepolitik.
Hoher Kapitaleinsatz, begrenzte Beschäftigung
Auch die Auswirkungen von Investitionen auf die Beschäftigung in die Verarbeitung werden häufig überschätzt. Die Rohstoffverarbeitung ist kapitalintensiv und hat einen geringen Arbeitskräftebedarf. Der Import teurer Anlagen kann zudem die Außenhandelsbilanzen und Finanzierungskapazitäten erheblich belasten. Schwankende Weltmarktpreise und die mögliche Substitution einzelner Rohstoffe beinhalten zusätzliche Projektrisiken und können einmal eingeschlagene industrielle Entwicklungspfade gefährden.
Weder unrealistisch noch Selbstläufer
Südafrika kann als diversifizierter Technologie- und Dienstleistungshub dienen, der Copperbelt als Zentrum der Kupfer- und Kobaltverarbeitung. In Mosambik, Tansania und Madagaskar befinden sich konkrete Graphitprojekte in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Erfolgversprechend sind gezielte zusätzliche Verarbeitungsstufen an geeigneten Standorten. Eine realistische Strategie muss rohstoff- und länderspezifisch sein und, wenn möglich, im regionalen Verbund erfolgen. Gesicherte Absatzmärkte sind dabei wichtiger als der Anspruch, jedes Glied einer Lieferkette abzudecken. Ob daraus eine breitere Industrialisierung entsteht, bleibt offen.
| Land | Projekt | Unternehmen (Nationalität) | Status / Investitionsvolumen | Angestrebte Verarbeitungsstufe / Produkt |
|---|---|---|---|---|
| Simbabwe | Arcadia Lithium Sulphate Plant | Huayou Cobalt (China) | Produktionshochlauf 2026 / ca. 400 Mio. US$ | Lithiumkonzentrat → batteriefähiges Lithiumsulfat |
| Simbabwe | Bikita Lithium Sulphate Plant | Sinomine Resource Group (China) | Planung, Vorbereitung / ca. 500 Mio. US$ | Spodumen-/Petalitkonzentrat → Lithiumsulfat |
| DR Kongo | Manono Northeast Lithium Project | Zijin Mining (China), COMINIERE (DR Kongo), Staat DR Kongo | Phase 1 beziehungsweise Konzentratproduktion im Anlauf; Sulfatanlage im Bau / nicht veröffentlicht | Lithiumerz → Spodumenkonzentrat → Roh-Lithiumsulfat |
| Nigeria | Diamond New Energy, Nasarawa | Diamond New Energy (China) | In Betrieb / nicht belastbar bestätigt | Lithiumerz → aufbereitetes Lithiumprodukt; genaues Endprodukt nicht veröffentlicht |
| DR Kongo | Buenassa Refinery | Buenassa Resources (DR Kongo) | Planung/Vorbereitung / 700 Mio. US$ Phase 1; bis 2 Mrd. US$ gesamt | Kupferkonzentrat → Kupferkathoden; Kobaltvorprodukte → Kobaltmetall/Kobaltsulfat |
| Sambia | Kobaloni Cobalt Sulphate Refinery | Kobaloni Energy (Sambia), Vision Blue (UK) | Machbarkeits- und Finanzierungsphase / ca. 75 Mio. Euro | Kobalthaltiges Ausgangsmaterial → batteriefähiges Kobaltsulfat |
| DR Kongo | Kamoa-Kakula Smelter | Ivanhoe Mines (Kanada), Zijin Mining (China), Staat DR Kongo | In Betrieb / Teil eines Projekts im Milliardenbereich | Kupferkonzentrat → Blisterkupfer/Kupferanoden, keine Kathodenraffination |
| Tansania | Kabanga Nickel Project | Lifezone Metals (USA/Isle of Man), Staat Tansania | Vor finaler Investitionsentscheidung / >400 Mio. US$ bereits investiert; Gesamtinvestition >1 Mrd. US$ | Nickelkonzentrat → raffiniertes Nickel sowie Kobalt- und Kupferprodukte |
| Mosambik | Balama | Syrah Resources (Australien) | In Betrieb / nicht veröffentlicht | Graphiterz → natürliches Graphitkonzentrat; keine Anodenmaterialproduktion vor Ort |
| Madagaskar | Molo Graphite | NextSource Materials (Kanada) | In Betrieb / ca. 291 Mio. US$ für Phase 2 | Graphiterz → hochreines Flockengraphitkonzentrat; Anodenmaterial separat geplant |
| Tansania | Mahenge Graphite | Black Rock Mining (Australien), POSCO (Südkorea) | Entwicklungsphase / ca. 182 bis 231 Mio. US$ | Graphiterz → Flockengraphitkonzentrat verschiedener Korngrößen |
| Südafrika | Zandkopsdrift | Frontier Rare Earths (Luxemburg), IDC (Südafrika), Carester (Frankreich) | Machbarkeitsstudie / k.A. | Erz → hochreine Magnet-Seltenerdprodukte und batteriefähiges Mangansulfat |
| Malawi | Songwe Hill | Mkango Resources (Kanada) | Entwicklungsphase k.A. | Erz → gemischtes Seltenerdkarbonat; Trennung der Oxide außerhalb Afrikas geplant |
| Guinea | Chalco Alumina Refinery (Boffa) | Chalco/Chinalco (China) | Baubeginn 2026 / 1,68 Mrd. US$ | Bauxit → Aluminiumoxid |
| Guinea | SPIC Alumina Refinery | SPIC (China) | Entwicklung/Bauvorbereitung / k.A. | Bauxit → Aluminiumoxid |
| Guinea | Winning Consortium Alumina Refinery | Winning Consortium (Singapur/China/Guinea) | Entwicklungsphase / k.A. | Bauxit → Aluminiumoxid |
| Nigeria | AFC Alumina Refinery | Africa Finance Corporation (Nigeria) und SMDF (Nigeria) | Entwicklungsphase / 1,3 Mrd. US$ | Bauxit → Aluminiumoxid |