Special | Ukraine | Italiens Unterstützung
Italiens Förderportfolio reicht von Krediten bis Matchmaking
Italien setzt vermehrt auf Impulse für die Privatwirtschaft. Deutsche Unternehmen könnten überwiegend als Partner oder Zulieferer zum Zuge kommen.
09.07.2025
Von Martin Gaber | Bonn
Italien richtet am 10. und 11. Juli 2025 die Ukraine Recovery Conference (URC) in Rom aus. Die URC ist die weltweit bedeutendste Plattform für den Wiederaufbau der Ukraine. Die Konferenz findet jährlich in wechselnden Gastgeberländern statt und bringt internationale Akteure aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen.
Auch jenseits der URC zählt Italien zu den engagiertesten Unterstützern der Ukraine. Das südeuropäische Land leistet umfassende finanzielle, militärische und humanitäre Hilfe. Zudem soll die italienische Privatwirtschaft eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau spielen. Um Exporte und Investitionen zu fördern, stellen die staatlichen Förderagenturen SACE (Servizi Assicurativi del Commercio Estero) und SIMEST (Società Italiana per le Imprese all’Estero) neue Kreditlinien bereit, die gezielt auf Projekte in der Ukraine ausgerichtet sind. Hinzu kommt ein Angebot der staatlichen Entwicklungsbank CDP (Cassa Depositi e Prestiti).
Finanzhilfen über multilaterale Institutionen
Die Regierung in Rom hat bislang bilaterale Finanzhilfen in Höhe von 400 Millionen Euro bereitgestellt. Diese Mittel werden vor allem über internationale Finanzinstitutionen wie die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) kanalisiert. Ein Beispiel für dieses Engagement ist ein über die EBRD vergebenes Darlehen in Höhe von 100 Millionen Euro an den größten Wasserkraftversorger der Ukraine Ukrhydroenergo. Ein weiterer Kredit in gleicher Höhe folgte durch die EBRD selbst. Mit diesen Geldern konnte die Energieversorgung in weiten Teilen des Landes nicht nur wiederhergestellt, sondern auch langfristig gesichert werden.
Neben den direkten bilateralen Hilfen leistet Italien nach Deutschland und Frankreich den größten Beitrag zum EU-Fördertopf für die Ukraine. Das Land engagiert sich aktiv in EU-Finanzierungsinstrumenten wie der Ukrainefazilität und beteiligt sich an zahlreichen multilateralen Wiederaufbauprojekten.
Ein bedeutender Schritt unter italienischer G7-Präsidentschaft war die gemeinsame Zusage eines Kredits in Höhe von 50 Milliarden US-Dollar (US$) an die Ukraine. Dieser soll durch Zinserträge aus eingefrorenen russischen Vermögenswerten abgesichert werden. Das ist ein Novum in der internationalen Finanzarchitektur und ein starkes Signal der Geschlossenheit gegenüber der russischen Aggression.
Deutsche Unternehmen können hauptsächlich indirekt profitieren
Die drei zentralen Akteure der italienischen Außenwirtschaftsförderung – SACE, CDP und SIMEST – haben zusammen mit der Entwicklungsbank Instrumente entwickelt, um Unternehmen beim Engagement in der Ukraine zu unterstützen. Ihr Angebot richtet sich in erster Linie an in Italien ansässige Unternehmen oder solche mit italienischer Wertschöpfung. Dennoch gibt es auch Möglichkeiten für deutsche Unternehmen zur Beteiligung: Sie können sich an gemeinsamen Projekten mit italienischen Partnern beteiligen und so indirekt von der Finanzierung oder Risikoabsicherung profitieren. Alternativ können deutsche Unternehmen mit italienischen Tochtergesellschaften prüfen, ob sie für das Angebot infrage kommen. Dafür empfiehlt sich eine direkte Kontaktaufnahme zu SACE, CDP oder SIMEST.
SACE bietet Exportkreditgarantien
Die staatliche Exportkreditagentur SACE begleitet Exporteure und Investoren insbesondere bei Projekten im Rahmen des Wiederaufbaus. Mit Finanz- und Absicherungsangeboten schafft SACE eine Basis für wirtschaftliche Aktivitäten in der Ukraine. Dabei ist eine Deckung von bis zu 100 Prozent des Export- oder Investitionsvolumens möglich, bei einer Laufzeit von bis zu 15 Jahre. Das verfügbare Kreditlimit liegt bei circa 1,5 Milliarden Euro und wird durch eine Garantie der ukrainischen Regierung abgesichert.
Das Angebot von SACE im Überblick:
- Exportkreditgarantien: Absicherung politischer und wirtschaftlicher Risiken bei Geschäften mit ukrainischen Partnern.
- Finanzgarantien für Banken: SACE übernimmt Risiken gegenüber Kreditinstituten, die italienische Unternehmen bei Ukraine-Projekten finanzieren.
- Projektfinanzierung: Unterstützung von Großprojekten.
Weitere Informationen zu SACE.
SACE hat zudem im Rahmen der in Berlin stattgefundenen URC 2024 ein Memorandum of Understanding mit mehreren internationalen Exportkreditagenturen unterzeichnet, darunter auch die deutsche Euler Hermes. Ziel dieser Partnerschaft ist es, den Wiederaufbau der Ukraine gemeinsam zu fördern. Durch die enge Zusammenarbeit sollen Investitionen erleichtert, Risiken geteilt und Synergien genutzt werden, um Unternehmen bei ihrem Engagement in der Ukraine wirkungsvoll zu unterstützen.
SIMEST gibt Exportzuschüsse für italienische Firmen
Die italienische Fördergesellschaft SIMEST treibt die Internationalisierung italienischer Unternehmen voran und unterstützt unter anderem mit Exportzuschüssen. Insgesamt stehen rund 500 Millionen Euro zur Verfügung.
Das Angebot von SIMEST im Überblick:
- Zinsgünstige Darlehen und Zuschüsse für:
- Wiederaufbauprojekte
- Neue Exportaktivitäten
- Ersatz zerstörter Lieferketten
- Kombinierte Finanzierung: Zuschüsse und Kredite, um Investitionen attraktiver zu machen.
- Förderung von Joint Ventures mit ukrainischen Partnern.
Weitere Informationen zu SIMEST.
CDP Equity investiert direkt in Betriebe
Die italienische Entwicklungsbank CDP unterstützt in Italien ansässige Unternehmen bei Exporten und Investitionen dank einer neuen Gesetzgebung und mit Mitteln internationaler Institutionen wie der EBRD. Zudem stärkt die Bank die heimische Wirtschaft, indem sie über ihre Sparte CDP Equity in italienische Unternehmen investiert und so deren Wettbewerbsfähigkeit erhöht.
Das Angebot von CDP im Überblick:
- Finanzierung durch internationale Partner für Exporte und Auslandsinvestitionen italienischer Unternehmen.
- Strategische Investitionen durch CDP Equity direkt in strategisch wichtige italienische Unternehmen, um deren Wettbewerbsfähigkeit auf globaler Ebene zu stärken.
- Business Matching Platform zur Vernetzung ukrainischer und italienischer Unternehmen mit dem Ziel, neue Partnerschaften zu fördern.
Weitere Informationen zu CDP.
Gespaltenes Bild in der Öffentlichkeit
Die italienische Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni verfolgt eine konsequent proukrainische Außenpolitik. Doch diese Haltung findet in der italienischen Gesellschaft sinkenden Rückhalt. Laut einer Umfrage des European Council on Foreign Relations (ECFR) aus dem Jahr 2024 sind 40 Prozent der Italiener der Meinung, dass die EU im Ukrainekrieg eine negative Rolle spielt. Nur 21 Prozent bewerten das Handeln der EU als positiv. Auch der Security Radar der Friedrich-Ebert-Stiftung vom Frühjahr 2025 zeichnet ein ambivalentes Bild: Die Gruppe der "entschlossenen Unterstützer" ist in der Minderheit, während die Mehrheit der Befragten zu den "Zögerlichen" oder gar zu "Russlands Freunden" zählt, so die Kategorisierungen der Studie. Die öffentliche Meinung könnte daher mittelfristig Einfluss auf die politische Linie nehmen, insbesondere im Kontext von Wahlen oder bei steigenden wirtschaftlichen Druck.