Branchen | Kasachstan | Energie
Kasachstan will Milliarden in neue Kohlekraftwerke investieren
Kasachstan will acht neue Kohlekraftwerke bauen sowie bestehende Anlagen modernisieren. Das schafft Geschäftschancen bei energieeffizienter und emissionsarmer Technologie.
24.07.2026
Die kasachische Energiewirtschaft befindet sich im Umbruch. In den vergangenen Jahren konnte der alternde Kraftwerkspark mit dem steigenden Stromverbrauch nicht Schritt halten. Das rohstoffreiche Kasachstan musste Elektrizität aus Russland importieren. Nun gehen lange geplante Gasturbinenkraftwerke sowie Wind- und Solarparks eines nach dem anderen ans Netz. Sie sollen dafür sorgen, dass Kasachstan ab 2027 keinen Strom mehr importieren muss. Für die kasachische Regierung ist die Energieautarkie jedoch nur ein Zwischenziel.
betragen die Kohlereserven in Kasachstan, so das kasachische Energieministerium
Das zentralasiatische Land will mit günstigem Strom Datenzentren im Land ansiedeln und die überschüssige Elektrizität exportieren. Dafür möchte Kasachstan neben Gas und erneuerbaren Energien auch seine großen Kohlereserven nutzen. Die Regierung kündigte an, bis 2030 acht neue Kohlekraftwerke mit einer Gesamtkapazität von über 5 Gigawatt zu errichten. Der fossile Brennstoff ist auch in Kasachstan nicht unumstritten. Deshalb soll moderne Ausrüstung zum Einsatz kommen, um die Umweltbelastung möglichst gering zu halten.
Acht neue Kohlekraftwerke in Vorbereitung
Im März 2026 genehmigte die Regierung den Nationalen Plan zur Entwicklung der Kohleverstromung. Hinter dem sperrigen Namen verbergen sich acht neue Kohlekraftwerke in den von Industrie und Bergbau geprägten Gebieten Zentral-, Nord- und Nordostkasachstans. Das größte von ihnen soll mit einer Leistung von 2,6 Gigawatt das Großkraftwerk GRES-3 in Ekibastuz werden. Der Standort beheimatet bereits eines der größten Kohlekraftwerke der Welt (GRES-1). Perspektivisch soll hier mit günstigem Kohlestrom das Data Center Valley, Kasachstans Antwort auf den KI-Hype, versorgt werden.
Insgesamt sollen die acht neuen Kraftwerke rund 5,3 Gigawatt an zusätzlicher Leistung schaffen. Dafür sind Investitionen in Höhe von über 11 Milliarden US-Dollar (US$) veranschlagt. Weitere rund 5 Milliarden US$ sind für die Modernisierung bestehender Kohlekraftwerke vorgesehen. Neben dem Ausbau der Kapazitäten um 1,2 Gigawatt sollen neue Turbinen und Leistungskessel installiert werden. Zudem ist geplant, den Emissionsausstoß um 35 Prozent zu senken. Dafür sollen für etwa 660 Millionen US$ die "besten verfügbaren Techniken“ eingeführt werden, darunter:
- Rauchgasreinigungssysteme,
- Neue Feuerungs- und Brennereinrichtungen,
- Entstaubungsanlagen (Elektrofilter, Gewebefilter, Emulsionsabscheider),
- Systeme zur Rauchgaskonditionierung.
| Projekt | Investitionssumme (in Millionen US-Dollar) | Leistung (in Megawatt) | Fertigstellung | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|
| Erweiterung und Modernisierung des Kondensationskraftwerks Aksu GRES | 310 | 325 | 2028 | ERG Capital Projects |
| Erweiterung des Kraftwerks Ekibastus GRES-2 (Kraftwerksblock Nr. 3 und Nr. 4) | 2.225 | 1.100 | 2028/2030 | Samruk Energy; Harbin Electric International |
| Austausch veralteter Generatoren und Kauf neuer Generatoren in den Heizkraftwerken Balqasch und Schesqasghan | 803 | 50 | 2028 | Kazakhmys Energy |
| Kauf neuer Dampfkessel und Generatoren für Karaganda Energozentr | 315 | 140 | 2028 | Karaganda Energozentr; Eurasische Entwicklungsbank |
| Kauf neuer Dampfkessel und Generatoren für das Heizkraftwerk Öskemen | 291 | 100 | 2029 | Kazakhstan Utility Systems; Eurasische Entwicklungsbank |
| Modernisierung eines Dampfkessels des Heizkraftwerks Stepnogorsk | 32 | 30 | 2029 | Stepnogorskaya Tets |
| Erweiterung des Heizkraftwerks Schachtinsk | 452 | 130 | 2030 | Shakhtinskteploenergo |
| Erweiterung des Heizkraftwerks Sogra | 135 | 50 | 2030 | Kazakhstan Utility Systems |
| Erweiterung des Heizkraftwerks 2 bei Qarmet | 413 | 230 | 2030 | Qarmet |
| Erweiterung des Kraftwerks Topar GRES | 28 | 250 | 2030 | Kazakhmys Energy |
Russland nicht länger an Kraftwerken beteiligt
Die Entkopplung des kasachischen Energiesektors von Russland betrifft auch die neuen Kohlekraftwerke. Ursprünglich waren die drei Meiler in Kökschetau, Semei und Öskemen in Kooperation mit Moskau geplant worden. Dafür lag auch eine russische Finanzierungszusage vor. Nach stockenden Verhandlungen verkündete der staatliche Energieriese Samruk Energy im Januar 2026, dass Russland aus dem Rennen sei.
Kurz darauf wurde bekannt gegeben, dass ein kasachisch-singapurisches Unternehmen als EPC-Auftragnehmer (Engineering, Procurement and Construction) verpflichtet wurde. Die Lieferung der Hauptausrüstung, darunter Turbinen, Generatoren sowie Leistungs- und Heißwasserkessel, soll Medienberichten zufolge 2027 beginnen. Ohne russische Beteiligung dürften die Compliance-Hürden bei diesen Projekten für deutsche Unternehmen deutlich niedriger sein.
Energiesektor wichtiger Abnehmer von Ausrüstung
Die Energiewirtschaft gilt traditionell als wichtiger Abnehmer von Maschinen (Turbinen, Pumpen, Förderanlagen, Ventilatoren), elektrischer Ausrüstung (Generatoren, Transformatoren, Schaltanlagen, Hochspannungstechnik), Mess- und Regeltechnik (Druck-, Temperatur- und Durchflussmesser, Leittechnik) sowie Metallwaren (Industriearmaturen, Ventile, Rohrleitungskomponenten).
Investitionsbedarf prognostiziert die Eurasische Entwicklungsbanker für den Energiesektor der zentralasiatischen Länder bis 2030
Damit spiegelt der Bedarf der Branche das Exportportfolio Deutschlands nach Kasachstan wider. So setzt beispielsweise das 2023 ans Netz gegangene 422-Megawatt-Fernheizkraftwerk in der Hauptstadt Astana auf deutsche Technik. Insgesamt 22 Gas- beziehungsweise Zweistoffbrenner der Firma Weishaupt befeuern die dort installierten Heißwasserkessel der BBS GmbH aus Freiberg am Neckar.
Weitere Gaskraftwerke mit deutscher Beteiligung sind ein 1-Gigawatt-Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerk in der Region Turkestan sowie die Umrüstung des Kohlemeilers TEZ-2 in Almaty auf Gas. Für beide Anlagen liefert Siemens Energy moderne Gasturbinen. Diese und weitere Gaskraftwerkprojekte wurden bereits oder werden im Laufe des Jahres 2026 abgeschlossen. Im Bereich der konventionellen Stromerzeugung verlagert sich das Projektgeschehen mittelfristig auf die Kohle.
Die Bruttoanlageinvestitionen im Energiesektor dürften aufgrund der Menge und Kapitalintensität der Projekte erneut zulegen. Im Jahr 2025 stiegen sie bereits um satte 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf fast 4,7 Milliarden US$. Damit konnte die Energiewirtschaft ihren Anteil an den gesamten realisierten Bruttoanlageinvestitionen im Land auf 9,5 Prozent steigern. Im Jahr 2022 waren es nur 5,4 Prozent.
Aufbau von Kohlechemieindustrie geplant
Um die Meiler in den nächsten Jahren mit ausreichend Rohstoffen zu versorgen, will Kasachstan die Kohleförderung ausweiten. Im Jahr 2025 wurden fast 116 Millionen Tonnen Kohle zutage gefördert. Die Prognose des Energieministeriums für 2026 geht bereits von 129 Millionen Tonnen aus. Neben den Kohlekraftwerken könnte die Kohle in naher Zukunft noch eine andere Verwendung finden: Die Kohlechemie soll zu einem neuen Standbein der verarbeitenden Industrie ausgebaut werden. Derzeit werden drei Projekte mit einem veranschlagten Investitionsvolumen von rund 260 Millionen US$ vorbereitet. Dazu zählen eine Kokerei sowie zwei Anlagen zur Herstellung von Dieselkraftstoff aus Kohle. Darüber hinaus werden weitere Vorhaben geprüft, darunter eine Ammoniak- und Harnstoffproduktion sowie eine Anlage zur Erzeugung von Erdgasersatz aus Kohle.