Special I Marokko I Wasser - Die knappe Ressource
Marokko schützt sich gegen Wasserknappheit
Auf deutsche Hersteller von Wassertechnik warten in Marokko zahlreiche und umfangreiche Projekte, sowohl unter in- als auch ausländischer Trägerschaft.
27.04.2026
Von Ullrich Umann | Casablanca
Marokko baut seine Wasserwirtschaft unter Hochdruck aus. Damit federt das Land die strukturelle Wasserknappheit ab, die infolge mehrjähriger Dürreperioden entstanden war. Zwar haben die Regenfälle Ende 2025 wieder eingesetzt, was im Frühjahr 2026 zu gestiegenen Füllständen in den Talsperren beziehungsweise sogar zu einer kurzfristigen Entspannung in der Wasserversorgung geführt hat.
Dennoch möchte die Regierung die marokkanische Wirtschaft und Bevölkerung vor möglichen neuen Dürren schützen, weshalb die Wasserwirtschaft den eingeschlagenen Investitionskurs beibehält. Die Regierung setzt dabei auf die Diversifizierung der verschiedenen Wasserquellen: Dazu gehört der Ausbau von Talsperren, Auffangbecken und künstlichen Kanälen, die Meerwasserentsalzung und die Wiederverwendung gereinigten Abwassers. Ziel ist es, die Versorgung von Bevölkerung, Landwirtschaft und Industrie langfristig zu sichern und die Abhängigkeit von schwankenden Niederschlagszyklen zu reduzieren.
Deutsche Firmen liefern Hochtechnologie
Für deutsche Hersteller von Wassertechnik liegen dabei die größten Chancen in technologisch anspruchsvollen Segmenten, bei denen Effizienz, Betriebssicherheit und Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen. Firmen, die diese Merkmale gezielt mit lokaler Präsenz und Partnerschaften verbinden, können sich als relevanter Zulieferer sogar langfristig im marokkanischen Wasser- und Infrastruktursektor positionieren.
Ihre Exportchancen in mehr als 20 Ländern
Wir haben besonders aussichtsreiche Wassermärkte in Lateinamerika, Asien, Afrika und Europa unter die Lupe genommen. Alle Länderanalysen finden Sie auf unserer Seite zum Wassersektor.
Generell genießen deutsche Produkte in Marokko einen exzellenten Ruf und gelten als qualitativ hochwertig. Dazu gehören unter anderem Membran- und Filtrationstechnik, energieeffiziente Pumpen und Steuerungen, Leckage-Reduction- und Smart-Water-Solutions sowie Technik zur Schlammbehandlung und Wasseraufbereitung.
Nachteilig wirkt sich wiederum aus, dass die Anschaffungskosten für deutsche Ausrüstungen häufig über denen der Konkurrenzangebote aus anderen Ländern liegen. Marktchancen ergeben sich aus den genannten Gründen dennoch, und zwar dann, wenn die Projektträger Lebenszyklus‑ und Energiekosten stärker gewichten als den Preis, oder auch außergewöhnlich hohe technische Anforderungen im Vordergrund stehen.
| Deutsches Unternehmen | Arbeitsschwerpunkte | Präsenz in Marokko | Referenzprojekte |
|---|---|---|---|
| Siemens Energy | Energie‑ & Steuerungstechnik für Wasser, Hochspannung, Pumpensteuerung | Dauerhafte Präsenz (Energy/Industry) | Ausrüstung von Pumpstationen und Fernwasserleitungen („autoroutes de l’eau“) im ONEE‑Netz; Energieintegration für Entsalzungs‑ und Wassertransferprojekte (Sebou‑Bouregreg) gemeinsam mit dem Wasserunternehmen ONEE und internationalen Partnern |
| KSB SE & Co. | Pumpen, Armaturen, Hochdrucksysteme | Langjährige Vertriebs‑ und Servicepräsenz | Lieferung von Hochleistungs‑Pumpen für Trinkwasser‑ und Abwasserstationen (u. a. Regionen Souss‑Massa, Norden); wiederkehrender Lieferant bei ONEE‑Projekten |
| Wilo SE | Energieeffiziente Pumpen, Druckerhöhungsanlagen | Projekt‑ & Partnerpräsenz | Kommunale Trinkwasser‑ und Abwasserpumpstationen, Leckage‑ und Verlustreduktion; Einsatz in Stadtwerken und Industrieprojekten |
| BASF / Lanxess | Membranen, Chemikalien (Flockung, Entsalzung, Wasseraufbereitung) | Dauerhafte Industrie‑ und Handelspräsenz | Lieferung von Chemikalien & Spezialharzen für Entsalzungs‑ und Wasseraufbereitungsanlagen (Agadir, Süden, Industrie) |
| HUBER SE | Rechen, Schlammbehandlung, mechanische Abwassertechnik | Projektweise, aber wiederkehrend | Mechanische Vorreinigung und Schlammbehandlung in kommunalen Kläranlagen, u. a. bei ONEE‑ und Kommunalprojekten |
| Endress+Hauser | Mess‑ und Automatisierungstechnik (Durchfluss, Qualität) | Starke regionale Präsenz (Nordafrika) | Mess‑ und Monitoring‑Technik für Wasserqualität, Netzüberwachung und Verluste; Einsatz in ONEE‑Netzen und Industrie |
In den meisten Fällen treten deutsche Unternehmen von vornherein nicht als Generalauftragnehmer und auch nicht als Projektträger auf, sondern sie versuchen, mit den entsprechenden Generalauftragnehmern als Technologiepartner ins Geschäft zu kommen. Spanischen und französischen Firmen fällt es dagegen leichter, Ausschreibungen für sich zu entscheiden, da sie mit schlüsselfertigen Angeboten antreten.
Europäische Anbieter wie Acciona, Veolia oder Suez blicken auf eine bereits langjährige Präsenz zurück und haben entsprechende lokale Strukturen aufgebaut. Auch können sie nicht selten mit Hilfe ihrer Regierungen Finanzierungspakete mit in ihre Angebote einbauen. In den letzten Jahren drängen aber auch chinesische Branchenfirmen mit preislich äußerst lukrativen Angeboten und kurzen Umsetzungsfristen auf den Markt für Wassertechnik und machen den spanischen und französischen Firmen Aufträge streitig.
Meerwasserentsalzung zieht die meisten Investitionen an
Besonders dynamisch entwickelt sich aktuell der Technologiemarkt zur Meerwasserentsalzung. Unter anderem fördert die marokkanische Regierung die Elektrolyse grünen Wasserstoffs im industriellen Maßstab. Doch steht genau für diese Zweckbestimmung nur ungenügende Volumina an Prozesswasser zur Verfügung. Deshalb ist dringende Abhilfe vonnöten und staatliche Einrichtungen sowie große Kommunen, aber auch private Investoren schreiben Anlagen zur Meerwasserentsalzung aus. Die installierte Kapazität zur Meerwasserentsalzung soll nach Angaben des marokkanischen Ministeriums für Ausrüstung und Wasser bis 2030 auf rund 1,7 Milliarden Kubikmeter pro Jahr steigen - der Vergleichswert lag 2023 bei 147 Millionen Kubikmetern pro Jahr.
Standort | Kapazität / Verwendung | Investitionen (in Mio. Euro) | Projektträger / Ausschreibende Stelle | Status |
|---|---|---|---|---|
Casablanca | 300 Mio. cbm/Jahr (Trinkwasser/Bewässerung) | 800 | ONEE / Konsortium (Acciona, Afriquia Gaz) | Im Bau, Teilinbetriebnahme ab 2026 geplant |
Dakhla | 37 Mio. cbm/Jahr (überwiegend Bewässerung) | 200 | ONEE / Engie / Nareva | Abschluss der Bauarbeiten 2026 erwartet |
Laâyoune (ORNX) | Integrierte Entsalzung für grünen Ammoniak | 3.836 (Gesamtprojekt) | Konsortium (Nordex, Acciona, Ortus) | Grundstückssicherung erfolgt, Planungsphase |
Safi Wave II | Industrielle Nutzung (Phosphat) | 150 | OCP Group / ONEE | Erweiterung, Fertigstellung bis 2027 |
Region Oriental | 250 Mio. cbm/Jahr (Trinkwasser/Bewässerung) | 110 (Phase 1) | Ministerium für Wasser / ONEE | In Stufen geplant (2027, 2035, 2040) |
Gharb Süd-Ost | Bewässerung (30.000 ha) | k.A. (Finanzierung JICA) | Ministerium für Landwirtschaft | Start im PLF 2026 vorgesehen |
Jorf Lasfar | Industrielle Nutzung | k.A. | OCP Group | Kontinuierlicher Ausbau für Wasserautonomie |
Im Ergebnis der Kapazitätserweiterung wird Wasser aus der Entsalzung 2030 für Industrie, Agrarwirtschaft und Bevölkerung gleichermaßen zur Verfügung stehen. Um dieses Ziel zu erreichen, fließen in den kommenden fünf Jahren 1,4 Milliarden Euro an Haushaltsmitteln in entsprechende Projekte. Hinzu kommen die Investitionen der Industrie, allen voran des Phosphatkonzerns OCP, der Entsalzungsanlagen dringend für die eigene Wasserautonomie im Bergbau und der Phosphatverarbeitung sowie für Prozesswasser zur Wasserstoffelektrolyse benötigt.