Wirtschaftsausblick | Mexiko
Mexiko: USMCA-Abkommen wird neu verhandelt
Für Unternehmen in Mexiko herrscht weiterhin keine Klarheit über die zukünftigen Handelsregeln im USMCA-Raum. Die Ungewissheit wirkt sich negativ auf die Konjunktur aus.
23.07.2026
Top-Thema: Keine direkte Verlängerung des USMCA-Abkommens
Am 1. Juli 2026 gab der US-Handelsbeauftragte (United States Trade Representative, USTR) bekannt, das nordamerikanische Handelsabkommen USMCA nicht in der jetzigen Form fortführen zu wollen. Vertragsgemäß mussten die drei Parteien an diesem Tag, genau sechs Jahre nach Inkrafttreten des USMCA, festlegen, ob sie das Abkommen unmittelbar um 16 Jahre verlängern wollen.
Da sich die USA gegen eine direkte Verlängerung entschieden, tritt nun ein jährlicher Überprüfungsmechanismus in Kraft. Dieses Szenario hatte auch Germany Trade & Invest (GTAI) erwartet. Das Handelsabkommen bleibt damit in Kraft, wird jedoch jährlich überprüft. Kommt bis 2036 keine Einigung zustande, läuft das Abkommen aus.
Toyota verlagert Produktion von Mexiko in die USA
Analysten rechnen frühestens in zwei bis drei Jahren mit einem revidierten USMCA-Abkommen. Damit geht für Unternehmen eine Phase weiter, in der Unklarheit über die zukünftigen Handelsregeln herrscht. Vor allem die Automobilbranche ist davon betroffen: Insidern zufolge müssen sich Firmen in diesem Sektor auf eine Anhebung des Mindestanteils nordamerikanischer Wertschöpfung eines Fahrzeuges von derzeit 75 Prozent auf bis zu 85 Prozent einstellen.
Nur wenige Tage nach der Bekanntgabe der Entscheidung des US-Handelsbeauftragten gab es erste Reaktionen aus der Wirtschaft: Toyota kündigte an, die Herstellung seines SUV-Modells Tacoma von Tijuana bis 2030 schrittweise nach Texas zu verlagern. Diese Entscheidung kostet das Unternehmen 3,6 Milliarden US-Dollar (US$). Das erst 2004 in Nordmexiko eröffnete Werk könnte damit geschlossen werden.
Wirtschaftsentwicklung: Ungewissheit über Handelsregeln dämpft die Konjunktur
Die unsichere wirtschaftspolitische Lage dämpft die Wachstumserwartung in Mexiko: Für 2026 rechnen Analysten nur mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um rund 1 Prozent. Bereits im Vorjahr hatte das Plus bei nur 0,6 Prozent gelegen – die schwächste Dynamik seit dem Pandemiejahr 2020.
Ein Rückgang der Investitionstätigkeit wirkt sich negativ auf die Konjunktur aus. So sanken die Investitionen in Maschinen und Anlagen aufgrund der USMCA-Problematik zwischen Januar und Mai 2026 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,8 Prozent, wie das Statistikamt INEGI mitteilte. Die Automobilproduktion ging in diesem Zeitraum um 0,1 Prozent zurück, das verarbeitende Gewerbe insgesamt im 1. Quartal 2026 um 2 Prozent.
Positive Impulse kommen vom Privatkonsum, der zwischen Januar und April 2026 rund 2,2 Prozent über dem Vorjahreszeitraum lag. Kurzfristig kurbelt die Fußball-Weltmeisterschaft den Konsum an, mittelfristig profitiert der Handel von einem steigenden Mindestlohn und einer wachsenden Mittelschicht.
Handel mit KI-Chips befeuert die Exporte
Der Außenhandel ist aktuell der wichtigste Wachstumstreiber in Mexiko: Trotz der US-Zollpolitik stiegen die Exporte zwischen Januar und Mai 2026 um 22,6 Prozent auf 317,2 Milliarden US$. Ausschlaggebend waren vor allem die Lieferungen in die USA, die um 22,3 Prozent zunahmen.
Mit einem Anteil von rund 83 Prozent an den mexikanischen Ausfuhren ist die Abhängigkeit von den USA groß. Gleichzeitig stellt der USMCA‑Handelsvertrag eine Rettungsleine für Mexikos Exporteure dar, da USMCA‑konforme Produkte weiterhin zollfrei in die USA geliefert werden können. Im April 2026 erfüllten 88,1 Prozent der mexikanischen Lieferungen an die USA die Abkommensregeln.
Der expandierende Dreieckshandel von Halbleitern von Taiwan über Mexiko in die USA hat einen erheblichen Anteil am derzeitigen Exportboom. Auftragsfertiger wie Foxconn liefern KI-Chips nach Mexiko. Dort werden sie in größeren Serverschränken verbaut und anschließend in die USA transportiert. Die Ausfuhren Mexikos von Rechenprozessoren sind daher inzwischen höher als die des gesamten Automobilsektors.
Deutsche Perspektive: Außenhandel und Investitionen rückläufig
Für Deutschland ist Mexiko der wichtigste Handelspartner in Lateinamerika. Die deutschen Lieferungen nach Mexiko gingen 2025 jedoch schon das zweite Jahr in Folge zurück (-7,5 Prozent gegenüber 2024). Aufgrund der rückläufigen Bruttoanlageinvestitionen fragte die mexikanische Wirtschaft weniger Maschinen und Anlagen aus Deutschland nach. Zudem führten die Probleme im Automobilsektor zu einem geringeren Import deutscher Kfz-Teile.
Deutschland fiel dadurch von Rang 3 der wichtigsten Importländer Mexikos (2023) auf Rang 6 im Jahr 2025 zurück. Außer den USA und China liegen jetzt auch Taiwan, Südkorea und Vietnam vor Deutschland im Importranking. Neben den Lieferungen von Computerchips spielen auch Umlenkungseffekte chinesischer Waren über Vietnam eine Rolle.
Deutsche Firmen liefern Komponenten für Rechenzentren in den USA
Lichtblicke aus deutscher Sicht bietet der Boom von Rechenzentren für künstliche Intelligenz in den USA. Mehrere Unternehmen mit Produktionsstätten in Mexiko berichten von einer starken Nachfrage nach ihren Produkten. Dazu zählen der Anbieter von Kühlsystemen Güntner und die Firma Phoenix Contact, Hersteller von Elektronikkomponenten. Im März 2026 eröffnete Phoenix Contact seine erste Fabrik in Mexiko, verbunden mit Investitionen in Höhe von 100 Millionen US$.
"Unsere Verkäufe in Mexiko zogen 2025 um 35 Prozent an, im laufenden Jahr könnten wir sogar ein Plus von 45 Prozent erzielen. Diesen Boom verdanken wir der Nachfrage von Rechenzentren, die inzwischen rund 40 Prozent unseres Umsatzes ausmachen und den Automobilsektor als wichtigsten Kunden abgelöst haben",
berichtet Mario González, Mexiko-Geschäftsführer von Phoenix Contact. Auch die Unternehmen Weidmüller, Harting, Bosch und Siemens profitieren von der hohen Nachfrage nach Komponenten für KI-Rechenzentren und deren Stromversorgung. Siemens kündigte auf der diesjährigen Hannover Messe eine Erweiterung des 2024 in Querétaro eröffneten Werks an, mit Investitionen in Höhe von 75 Millionen US$.
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