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Mexiko liefert Technologie für US-Rechenzentren
Auftragsfertiger montieren in Mexiko Server für KI-Rechenzentren, die in die USA exportiert werden. Auch deutsche Unternehmen profitieren vom KI-Boom.
23.06.2026
Von Edwin Schuh | Mexiko-Stadt
Der US-Technologiekonzern Nvidia lässt seine begehrten KI-Chips größtenteils vom Auftragsfertiger TSMC in Taiwan produzieren. Vor der Nutzung in Rechenzentren werden die Halbleiter in größeren Serverschränken (auf Englisch "racks") verbaut. Dieser Schritt erfolgt zunehmend in Mexiko. Dort sind Arbeitskräfte günstig. Zudem verfügt das Land über viel Erfahrung in der Montage von Elektronikprodukten wie etwa Flachbildschirm-TVs und Laptops.
Nvidia lässt Serverschränke in Mexiko montieren
Der ebenfalls taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn montiert in Mexikos zweitgrößter Stadt Guadalajara für Nvidia die KI-Server GB200. In jedem dieser Server werden 72 Blackwell-Grafikkarten (GPU) mit 36 Grace-Prozessoren (CPU) verbunden. Der Preis je Server wird auf mindestens 3 Millionen US-Dollar (US$) geschätzt. In den vergangenen Jahren hat Foxconn über seinen Tochterkonzern Ingrasys rund 400 Millionen US$ in den Aufbau der Produktion der KI-Server in Guadalajara investiert. Foxconn ist bereits seit 2004 in Mexiko tätig und stellte bislang vor allem Konsumentenelektronik in den nördlichen Städten Chihuahua, Tijuana und Ciudad Juárez her.
Neben Foxconn sind auch die taiwanesischen Firmen Wiwynn, Pegatron, Quanta Computer und Inventec sowie Flex und Skyworks aus den USA mit Produktionsstätten vertreten. Das Geschäftsmodell ist in der Regel ähnlich wie bei Foxconn: Hightech-Komponenten werden aus Asien importiert, in Mexiko in personalintensiven Arbeitsschritten weiterverarbeitet und anschließend in die USA geliefert.
Taiwan steigt zum drittwichtigsten Handelspartner Mexikos auf
Als die mexikanische Zentralbank Banxico (Banco de México) die Außenhandelszahlen für 2025 veröffentlichte, überraschte dies Volkswirte in zweifacher Hinsicht: Zum ersten Mal überstiegen die Exporte von Rechenprozessoren mit 69,4 Milliarden US$ die von Pkw mit 58,6 Milliarden US$. Dieser Trend verstärkt sich aktuell deutlich. Im April 2026 lagen die Ausfuhren von Prozessoren mit 16,4 Milliarden US$ etwa viermal so hoch wie die Exporte von Personenwagen.
Die nächste Überraschung zeigte sich bei den Importen Mexikos: Mit einem rasanten Wachstum von 163,3 Prozent zogen die Einfuhren aus Taiwan 2025 stark an. Der Inselstaat rückte damit auf Rang 3 der wichtigsten Handelspartner Mexikos vor. Im Vorjahr hatte Deutschland diesen Platz belegt. Auch hier dürfte sich der Trend mittelfristig verstärken: Nach Angaben der Zentralbank stiegen die Importe aus Taiwan allein zwischen Januar und April 2026 auf 27,4 Milliarden US$, was dem Vierfachen des Werts im selben Zeitraum des Vorjahres entspricht.
Kritiker bemängeln, dass trotz der beeindruckenden Zahlen im Dreieckshandel der Halbleiter von Taiwan über Mexiko in die USA wenig Wertschöpfung im Land bleibe. "Es wird sehr kompliziert werden, weiterhin alle Halbleiter aus Asien zu importieren. Sehr teuer, komplex und schwierig,“ wird der mexikanische Wirtschaftsminister Marcelo Ebrard in der Zeitschrift Expansión zitiert. In ihrem Plan México 2030 ernannte die Regierung daher die Halbleiterbranche zu einem von neun strategischen Sektoren, die steuerliche Anreize für die lokale Fertigung erhalten.
Rechenzentren treiben Nachfrage nach deutschen Komponenten
Auch wenn deutsche Firmen in Mexiko kaum direkt im Chipgeschäft tätig sind, berichten verschiedene Unternehmen von einer massiven Nachfrage nach ihren Produkten durch den Bau von Rechenzentren in Nordamerika. Ein Beispiel ist Phoenix Contact aus Westfalen, das Komponenten und Systeme in den Bereichen der Elektrotechnik, Elektronik und Automation anbietet.
"Unsere Verkäufe in Mexiko zogen 2025 um 35 Prozent an, im laufenden Jahr könnten wir sogar ein Plus von 45 Prozent erzielen. Diesen Boom verdanken wir der Nachfrage von Rechenzentren, die inzwischen rund 40 Prozent unseres Umsatzes ausmachen",
erläutert Mario González, Mexiko-Geschäftsführer von Phoenix Contact im Gespräch mit Germany Trade & Invest (GTAI). Bis vor kurzem sei noch der Automobilsektor wichtigster Kunde im Land gewesen, nun entfallen auf ihn noch rund ein Fünftel der Verkäufe, so González weiter. "Der Energiesektor ist mit einem Anteil von 25 Prozent ebenfalls relevant", sagt der Manager.
Im März 2026 eröffnete Phoenix Contact ein Produktionszentrum in Querétaro, verbunden mit Investitionen in Höhe von 100 Millionen US$. Die erste Fabrik des Unternehmens in Mexiko beliefert bislang ausschließlich den US-Markt, soll jedoch erweitert werden, um mittelfristig ganz Amerika mit elektrotechnischen und elektronischen Komponenten für den Schaltschrankbau zu versorgen. "Von aktuell 90 Mitarbeitern wollen wir bis zum Jahr 2032 auf 700 Angestellte wachsen, langfristig könnten es sogar 1.000 werden", berichtet Geschäftsführer Mario González.
Künstliche Intelligenz kurbelt Nachfrage nach Elektronik und Kühltechnik an
Beim Münchner Anbieter von Kühlsystemen Güntner läuft es dank der boomenden Nachfrage aus den USA ebenfalls rund. "Um den steigenden Bedarf von Rechenzentren zu decken, haben wir kürzlich ein fünftes Werk in Mexiko eröffnet", berichtet Michael Schmid, der von Mexiko-Stadt aus den Vertrieb in Lateinamerika (ohne Brasilien) verantwortet. Wie auch die anderen Produktionsstätten von Güntner befindet sich das Werk in Apodaca nahe der nördlichen Industriemetropole Monterrey.
Auch die deutschen Unternehmen Weidmüller, Harting, Bosch und Siemens profitieren von einem hohen Bedarf an verschiedenen Komponenten für KI-Rechenzentren und deren Stromversorgung. Siemens betreibt in Mexiko aktuell fünf Werke und fertigt unter anderem Spannungsschalter für die Stromverteilung. Zuletzt eröffnete Siemens 2024 ein Werk mit 400 Angestellten im zentralmexikanischen Querétaro. Auf der Hannover Messe im April 2026 kündigte die Firma eine Erweiterung der Kapazität mit Investitionen in Höhe von 75 Millionen US$ und 300 zusätzlichen Beschäftigten an.
Auch Mexiko selbst rückt in den Fokus für den Bau von Rechenzentren
Nach Angaben des mexikanischen Verbands für Rechenzentren MEXDC (Asociación Mexicana de Data Centers) beträgt die installierte Rechenkapazität im Land rund 280 Megawatt. Bis 2030 könnten es 1.500 Megawatt werden. Dies würde Investitionen in Höhe von rund 18 Milliarden US$ erfordern, sagt die Geschäftsführerin des Verbands, Adriana Rivera Cerecedo, im Interview mit der Wirtschaftszeitung Milenio.
Ein Hindernis in Mexiko ist die unzureichende Stromversorgung für Rechenzentren. Das Land liegt daher in Lateinamerika weit hinter Brasilien mit 900 Megawatt installierter Kapazität und nur knapp vor Chile. Auch das trockene Klima und der Wassermangel stellen eine Herausforderung dar.
Ein Hub für Rechenzentren in Mexiko ist der zentral gelegene Bundesstaat Querétaro. Amazon Web Services (AWS) kündigte dort Anfang 2025 Investitionen in Höhe von 5 Milliarden US$ an. Die US-Firma CloudHQ errichtet derzeit in Querétaro einen Campus mit sechs Rechenzentren mit jeweils 60 Megawatt. Sie sollen 2027 in Betrieb gehen und 4,8 Milliarden US$ kosten. In einer Pressekonferenz mit Staatspräsidentin Claudia Sheinbaum sagte Keith Harney, Betriebsleiter von CloudHQ, dass man mit den staatlichen Energiekonzernen CFE und Cenace zusammenarbeite, um die Stromversorgung sicherzustellen. Für die Kühlung verwende man ein wassersparendes System, so Harney.
Auch Microsoft Azure, Google Cloud und Equinix betreiben Rechenzentren in Querétaro. Daneben sind lateinamerikanische Anbieter wie Ascenty, KIO Networks und ODATA aktiv. Einen Überblick über aktuelle Entwicklungen bei Rechenzentren in Nordamerika gibt der GTAI-Bericht KI entfacht unstillbaren Hunger nach Rechenpower.