Ausländisches Wirtschaftsrecht

Recht kompakt Nigeria

Der aktualisierte Länderbericht Recht kompakt Nigeria bietet Ihnen einen Überblick über relevante Rechtsthemen bei einem Auslandsengagement.

  • Die Rechtsordnung wird durch die Kolonialzeit vom britischen Recht beeinflusst.

    Allgemeines

    Die Bundesrepublik Nigeria (Federal Republic of Nigeria; fortfolgend: Nigeria) ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Das im Westen Afrikas gelegene Land erlangte 1960 die Unabhängigkeit von Großbritannien. Die Sicherheitslage wie auch die wirtschaftliche Situation im Land gelten als schwierig.

    Nigeria gehört bislang nicht zu den sogenannten Compact-Ländern der Compact with Africa-Initiative.

    Wer an ein Auslandsengagement in dem Land denkt, sollte sich im Vorfeld über das geltende Recht vor Ort informieren. Nachstehend finden Sie einen kurzen Überblick über die rechtlichen Rahmenbedingungen.

    Neben der vorliegenden Kurzinformation ist und bleibt Rechtsrat vor Ort unverzichtbar. Ohne die Zusammenarbeit mit einem qualifizierten Anwalt im Land kann eine chancenreiche Perspektive schnell zu einer riskanten Herausforderung werden. Empfehlenswert ist zudem die frühzeitige Einbindung der nationalen Investitionsbehörde, Nigerian Investment Promotion Commission (NIPC).

    Mitgliedschaft in internationalen Organisationen

    Nigeria ist Mitglied unter anderem folgender internationaler Organisationen:

    Gesetze und Rechtsquellen

    Das Rechtssystem Nigerias ist durch seine koloniale Vergangenheit mit dem Vereinigten Königreich geprägt. Noch heute spielt das englische Common Law (also dem auf früheren Gerichtsentscheidungen beruhenden Recht, wie es im anglo-amerikanischen Raum verwendet wird) eine große Rolle. Daneben gibt es in einigen Rechtsbereichen Gewohnheitsrecht (customary law) und das islamische Scharia-Recht. Die nigerianische Verfassung steht über allen Gesetzen und Rechtsgrundsätzen, das heißt, letztere müssen mit ihr vereinbar sein (siehe Sec. 1 der Verfassung 1999).

    Neben der Verfassung gibt es in Nigeria Rechtsakte des Bundes sowie in einigen Bereichen Gesetze der 36 Bundesstaaten. Wichtige Rechtsquellen aus dem englischen Recht sind insbesondere die Rechtsgrundsätze des Common Law, die Grundsätze des Equity sowie bestimmte Rechtsakte. Eine wichtige Rechtsquelle sind außerdem Gerichtsurteile, insbesondere des Obersten Gerichtshofes (Supreme Court). 

    Rechtsvorschriften und Gerichtsurteile stehen im Internet unter anderem unter folgenden Links zur Verfügung: 

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Deutsche Staatsangehörige benötigen für die Einreise nach Nigeria ein Geschäfts- oder Arbeitsvisum.

    Das Visum ist vor Antritt der Reise persönlich bei der nigerianischen Botschaft in Berlin oder dem nigerianischen Generalkonsulat in Frankfurt am Main zu beantragen. In bestimmten Fällen kann das Visum durch einen registrierten Reiseveranstalter beim Nigeria Visa Application Center oder online beantragt werden. Für die Beantragung sind unter anderem ein Einladungsschreiben des Geschäftspartners oder andere relevante Dokumente sowie ein Nachweis über eine erfolgte Gelbfieberimpfung einzureichen.

    Weitere Informationen zum Verfahren und zur Vereinbarung von Terminen stehen auf der Webseite der nigerianischen Botschaft in Berlin zur Verfügung.

    Ein eingeschränkter Personenkreis kann Geschäftsvisa auch online über die Webseite des Nigeria Immigration Service beantragen. Nach der Online-Beantragung wird eine schriftliche Bestätigung durch die visaerteilende Stelle ausgestellt. Bei der Einreise nach Nigeria wird dann ein sogenanntes Visa on arrival ausgestellt.

    Ein Geschäftsvisum berechtigt nicht zur Aufnahme einer Erwerbstätigkeit. Für die Arbeitsaufnahme ist ein gesondertes Arbeitsvisum zu beantragen.

    Detaillierte Informationen erhalten Sie bei der Botschaft der Bundesrepublik Nigeria oder auf der Webseite des Nigeria Immigration Service. Auf der Webseite des Auswärtigen Amtes können neben Informationen zur Einreise auch Reise- und Sicherheitshinweise (auch Teilreisewarnungen) zu Nigeria abgerufen werden.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Nigeria ist nicht Vertragsstaat des Übereinkommens der Vereinten Nationen über Verträge über den internationalen Warenkauf vom 11. April 1980.

    Das Übereinkommen zum UN-Kaufrecht (United Nations Convention on Contracts for the International Sale of Goods, CISG) ist daher für das Land nicht in Kraft getreten. Eine CISG-Statustabelle ist auf der Webseite der United Nations Commission on International Trade Law abrufbar.

    Nichtsdestotrotz ist es möglich, dass auf einen Vertrag mit einem nigerianischen Geschäftspartner das UN-Kaufrecht anwendbar ist. Das ist insbesondere dann der Fall, wenn eine Prüfung des anwendbaren Rechts ergibt, dass deutsches Recht gilt und das UN-Kaufrecht nicht ausdrücklich ausgeschlossen wurde. Weitere Informationen finden Sie auch in dem GTAI-Artikel: Internationale Regeln für internationale Sachverhalte vom 30. November 2020.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Es gibt zwar Gesetze zum Gewährleistungsrecht, die in ganz Nigeria gelten. Allerdings ist das Gewährleistungsrecht überwiegend auf bundesstaatlicher Ebene geregelt.

    In Nigeria gilt im Bereich des Gewährleistungsrechts zunächst der britische Sale of Goods Act, 1893. Die nigerianische Verfassung ermächtigt allerdings die Bundesstaaten eigene Gesetze in den Bereichen zu erlassen, die nicht ausschließlich dem nigerianischen Staat zugewiesen sind. Das gilt auch für das Kaufrecht. Somit können die einzelnen Bundesstaaten eigene Gesetze zum Kaufrecht erlassen. Davon haben zahlreiche Staaten Gebrauch gemacht, unter anderem Lagos State, Ogun State, Abia State oder das Federal Capital Territory. In diesen Bundesstaaten wird das Gewährleistungsrecht ausschließlich durch das bundesstaatliche Gesetz geregelt. So gilt beispielsweise im Bundesstaat Lagos das Sale of Goods Law of Lagos State.

    Sofern der Sale of Goods Act, 1893 gilt, stehen dem Käufer die gesetzlichen Gewährleistungsrechte zu, wenn die gelieferte Ware nicht die im Vertrag vereinbarte Qualität oder nicht die Qualität hat, die einem Handelsgebrauch entspricht. Das Gleiche gilt, wenn eine Ware nicht die handelsübliche Qualität (merchantable quality) hat oder sich die Ware nicht für einen bestimmten Zweck eignet, den der Käufer dem Verkäufer gegenüber deutlich gemacht hat.

    Auf der Seite der Rechtsfolgen wird zwischen einer Bedingung eines Kaufvertrages (condition) und einer Garantie (warranty) unterschieden. Wird eine condition verletzt, kann vom Kaufvertrag zurückgetreten und zusätzlich Schadensersatz verlangt werden. Wird hingegen eine warranty verletzt, kann lediglich Schadensersatz gefordert werden. Der Vertrag kann dann aber nicht aufgelöst werden. Ob eine condition oder warranty verletzt wurde, hängt von den einzelvertraglichen Vereinbarungen des Kaufvertrages ab. Die meisten Gewährleistungsvoraussetzungen sind conditions. Warranties sind in der Regel Vertragsbedingungen, die im Verhältnis zum Hauptinhalt und -zweck des Vertrages von geringerer Bedeutung sind.

    Wird zu wenig, zu viel oder die falsche Ware geliefert, kann der Käufer die gesamte Lieferung ablehnen. Nimmt er die Ware an, muss er den vertraglich vereinbarten Preis zahlen. Erhält der Käufer keine Ware, kann er vom Verkäufer Schadensersatz in Höhe der Differenz des Vertragspreises zum Marktpreis zum Zeitpunkt der zu erwartenden Lieferung verlangen. Ein Gericht kann in seinem Urteil den Verkäufer zur Erfüllung des Vertrages (specific performance) verpflichten.

    Die Verjährungsfristen für Gewährleistungsrechte sind in Nigeria auf bundesstaatlicher Ebene geregelt. Die Verjährungsfrist beträgt in den meisten Bundesstaaten sechs Jahre, beispielsweise in Lagos State.

    Im Verhältnis zu Verbrauchern gilt darüber hinaus der Federal Competition and Consumer Protection Act, 2018. Danach haben Verbraucher das Recht, eine Ware geliefert zu bekommen, die für die Zwecke geeignet ist, für die sie bestimmt ist. Außerdem muss die Ware von guter Qualität sein und keine Mängel aufweisen sowie während eines angemessenen Zeitraumes nutzbar sein und den geltenden Normen entsprechen. Entspricht die Ware nicht den üblichen Standards oder ist sie mangelhaft, hat der Verbraucher das Recht, diese innerhalb von drei Monaten ab Lieferung an den Verkäufer auf dessen Kosten zurückzugeben. Der Verkäufer ist verpflichtet, die Ware zu reparieren oder zu ersetzen.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Das Vertriebsrecht ist in Nigeria in keinem eigenen Gesetz geregelt. Daher sind die Common Law-Prinzipien, also die auf Richterrecht beruhenden rechtlichen Regelungen, anwendbar.

    Neben denen auf das Vertriebsrecht anwendbaren Common Law-Prinzipien ist auch das Equity Law zu beachten. Dieses besteht aus bestimmten Rechtsregeln und existiert eigenständig neben dem Common Law. Dem Equity Law liegt der Gedanke der Gerechtigkeit zugrunde. Es soll dazu verhelfen, in Einzelfällen Gerechtigkeit herzustellen, wenn diese über das formalisierte Rechtssystem nicht hergestellt werden kann. Zur Auslegung des Vertriebsrechts werden auch Gerichtsentscheidungen, insbesondere der oberen nigerianischen Gerichte, herangezogen.

    Nach dem geltenden Recht ist es auch in Nigeria möglich, einen Handelsvertreter (commercial agent) zu beauftragen. Unter einem Handelsvertreter wird eine Person (agent) verstanden, die im Auftrag eines Auftraggebers (principal) zu dessen Lasten Verträge mit Dritten abschließen kann. In Nigeria gibt es verschiedene Arten von Handelsvertretern:

    • Der general agent ist bevollmächtigt, für seinen Auftraggeber Geschäfte im Rahmen der üblichen Geschäftstätigkeit abzuschließen.
    • Der special agent wird hingegen für ein bestimmtes Geschäft beauftragt, das außerhalb der üblichen Geschäftstätigkeit liegt.
    • Die Befugnisse des mercantile agents sind auf den An- und Verkauf und den Versand von Waren beschränkt sowie auf die Befugnis, Geld als Sicherheit für Waren zu beschaffen.
    • Ferner gibt es den del credere agent, der auch Waren an- und verkauft sowie versendet, aber gegen eine höhere Kommission zusichert, seinen Auftraggeber zu entschädigen, wenn der vermittelte Vertragspartner die Ware nicht bezahlt.
    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Ausländische Investoren können in nahezu allen Bereichen investieren. Sie sind verpflichtet, sich bei der Investitionsbehörde zu registrieren, von der sie auch unterstützt werden.

    Rechtsgrundlage

    In Nigeria gilt für ausländische Investitionen unter anderem der Investment Promotion Commission Act. Außerdem sind der Export Processing Zones Decree 1992 und der Oil and Gas Export Free Zone Decree 1996 (No. 8 of 1996) zu beachten.

    Weitere Informationen sind abrufbar auf der Webseite der nigerianischen Investitionsbehörde Nigeria Investment Promotion Commission (NIPC).

    Die NIPC bietet ausländischen Investoren das One-Stop-Investment-Centre (OSIC). Unter dem Dach des OSIC sind verschiedene, für ausländische Investoren relevante, Dienstleistungen zusammengefasst. Dazu gehören beispielsweise die Ausstellung von Geschäftslizenzen und Genehmigungen sowie die Bereitstellung  von rechtlichen Informationen. Zu den Behörden, die im OSIC ihre Dienstleistungen anbieten, gehören insbesondere die Finanzbehörde (Federal Inland Revenue Service, FIRS), die für Exportproduktionszonen zuständige Nigerian Export Processing Zones Authority und die Einwanderungsbehörde (Nigeria Immigration Service, NIS). 

    Investitionsbeschränkungen

    Ausländische Investoren dürfen in Nigeria grundsätzlich in allen Bereichen investieren. Ausgeschlossen sind ausländische Investitionen jedoch vor allem in den Bereichen der Herstellung von Waffen und Munition, der Herstellung von und dem Handel mit Betäubungsmitteln und psychotropischen Substanzen sowie der Herstellung von militärischer und paramilitärischer Kleidung und Ausrüstung. Ausländische Investoren sind verpflichtet, sich vor Beginn ihres Investitionsvorhabens bei der NIPC zu registrieren.

    Darüber hinaus gelten im Öl- und Gassektor bestimmte Quoten zur Beteiligung der nigerianischen Wirtschaft und Bevölkerung.

    Investitionsanreize

    Die nigerianische Regierung bietet Investoren verschiedene Investitionsanreize. Dazu gehören eine Befreiung von der Körperschaftsteuer für maximal fünf Jahre für Unternehmen in Pionierbranchen (pioneer industries). Zu den Pionierbranchen gehören unter anderem Bereiche des elektronischen Handels, landwirtschaftliche Primärproduktion, Softwareentwicklung und -veröffentlichung oder bestimmte Wertpapiere und Immobilieninvestitionsprogramme. Die Liste der Pionierbranchen wird von der NIPC veröffentlicht. Daneben gibt es in einigen Bereichen wie der Forschung und Entwicklung von Industrialisierung, der Landwirtschaft, der Produktion, dem Tourismus oder der Förderung von Erdöl und Erdgas sektorspezifische Anreize.

    Auch Unternehmen, die in einer Exportproduktionszone (Export Processing Zone - EPZ) tätig sind, genießen Investitionsanreize. Dazu gehören unter anderem pachtfreies Land in der Bauphase, Steuererleichterungen auf Bundes-, Landes- und kommunaler Ebene sowie Erleichterungen beim Import und Export von Waren. Weitere Informationen sind auf der Webseite der Nigeria Export Processing Zones Authority abrufbar.

    Investitionsschutzabkommen

    Zwischen Deutschland und Nigeria besteht ein Investitionsschutz- und -fördervertrag vom 28. März 2000. Er ist am 20. September 2007 in Kraft getreten.

    Investitionsstreitigkeiten

    Nigeria ist seit 1966 Vertragsstaat der Konvention zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (Convention on the Settlement of Investment Disputes - ICSID-Konvention) vom 18. März 1965, in Kraft getreten am 14. Oktober 1966. Damit können sich Investoren bei Investitionsstreitigkeiten gegen Staaten an das ICSID wenden.

    Investitionsgarantien

    Bei einem Investitionsvorhaben in Nigeria können außerdem die Investitionsgarantien des Bundes hilfreich sein. Durch diese können sich insbesondere kleine und mittlere Unternehmen vor politisch bedingten Forderungsausfällen absichern. Weitere Informationen stehen auf der Webseite des AGA-Portals (AuslandsGeschäftsAbsicherung) der Bundesrepublik Deutschland zur Verfügung.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Ausländischen Unternehmen stehen die gleichen Rechtsformen zur Verfügung wie nigerianischen. Eine Zweigstelle eines ausländischen Unternehmens kennt das nigerianische Recht nicht.

    Rechtsgrundlage des nigerianischen Gesellschaftsrechts ist der Companies and Allied Matters Act 2020. Zu beachten ist außerdem die Companies Regulation 2021.

    Gesellschaftsformen

    Zu den möglichen Gesellschaftsformen zählen die Company limited by shares, die Company limited by guarantee und die Unlimited company. Alle drei Gesellschaftsformen können sowohl als Private company als auch als Public company gegründet werden.

    Private company limited by shares

    Vergleichbar mit der deutschen Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) ist die Private company limited by shares. Eine solche Gesellschaft hat maximal 50 Gesellschafter. Zur Gründung benötigen die Gesellschafter ein Memorandum of Association und Articles of Association. Darin enthalten sind beispielsweise Informationen zu den Zielen der Gesellschaft, zu den Gesellschaftern sowie zu etwaigen Beschränkungen der Befugnisse der Gesellschafter. Außerdem ist eine Erklärung über die Höhe des Stammkapitals und die einzelnen Anteile einzureichen. Das nigerianische Gesetz sieht für die Private company limited by shares ein Mindestkapital in Höhe von 100.000 Naira vor. Die Haftung der Gesellschafter ist auf die Höhe des Gesellschaftsvermögens beschränkt.

    Public company limited by shares

    Die Public company limited by shares ist vergleichbar mit einer deutschen Aktiengesellschaft. Alle Gesellschaften, die keine Private companies sind, sind in Nigeria Public companies. Außerdem muss der Gesellschaftsvertrag die Information enthalten, dass es sich um eine Public company handelt. Eine Public company limited by shares hat mindestens zwei Gesellschafter, nach oben ist die Anzahl der Gesellschafter hingegen nicht begrenzt. Auch für die Gründung einer Public company limited by shares werden ein Memorandum of Association und Articles of Association benötigt. Darin ist unter anderem geregelt, welche Geschäftszwecke das Unternehmen verfolgt, wer die Gesellschafter sind oder inwieweit die Befugnisse der Gesellschafter und Geschäftsführer reichen. Auch bei der Gründung einer Public company limited by shares ist eine Erklärung über die Höhe des Stammkapitals und die einzelnen Anteile einzureichen. Es ist ein Mindestkapital in Höhe von 2 Millionen Naira erforderlich. Die Haftung der Gesellschafter ist auf die Höhe des Gesellschaftsvermögen beschränkt.

    Zweigstelle

    Ausländische Unternehmen sind verpflichtet, ein Unternehmen nach nigerianischem Recht zu gründen, wenn sie in Nigeria unternehmerisch tätig werden wollen. Die Gründung einer Zweigstelle ist im nigerianischen Recht grundsätzlich nicht vorgesehen. Nur in Ausnahmefällen können ausländische Unternehmen von der Pflicht, eine eigenständige Gesellschaft zu gründen, befreit werden, beispielsweise wenn sie von der nigerianischen Regierung eingeladen wurden.

    Registrierung

    Alle Unternehmen sind in Nigeria bei der Corporate Affairs Commission (CAC) zu registrieren. Dies ist online auf der Webseite der CAC möglich, persönlich bei der CAC oder im One-Stop Investment Centre der Nigerian Investment Promotion Commission. Ausnahmen von der Registrierungspflicht bestehen bei ausländischen Unternehmen, wenn:

    • sie von der nigerianischen Regierung für die Durchführung eines konkreten Projektes eingeladen wurden,
    • sie einzelne Projekte für ein Geberland oder eine internationale Organisation durchführen,
    • sie ein ausländisches Staatsunternehmen sind und ausschließlich in der Exportförderung tätig sind oder
    • es sich um ein Ingenieurbüro oder technische Experten handelt, die an einem speziellen Projekt der nigerianischen Regierung beteiligt sind.

    Betroffene ausländische Unternehmen können diese Befreiung beim National Council of Ministers beantragen.

    Weitere Informationen zur Gründung von Unternehmen sind abrufbar auf der Webseite der Nigerian Investment Promotion Commission sowie auf der Webseite der Corporate Affairs Commission.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Nachstehend finden Sie einen Überblick über das nigerianische Steuerrecht. Ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und Nigeria besteht nicht.

    Körperschaftsteuer

    Rechtsgrundlage der nigerianischen Körperschaftsteuer sind der Companies Income Tax Act und der Companies Income Tax (Amendment) Act, 2007. Der Körperschaftsteuersatz (Companies Income Tax, kurz: CIT) ist abhängig von der Unternehmensgröße: Kleine Unternehmen mit einem Umsatz von weniger als 25 Millionen Naira sind von der Körperschaftsteuer befreit. Mittelgroße Unternehmen mit einem Umsatz zwischen 25 und 100 Millionen Naira zahlen 20 Prozent und große Unternehmen mit einem Umsatz über 100 Millionen Naira zahlen 30 Prozent. Eine Mindeststeuer in Höhe von 0,5 Prozent ist zahlbar. Dieser Betrag kann auf 0,25 Prozent reduziert werden. Kleine Unternehmen sind von der Mindeststeuer ausgenommen.

    Einkommensteuer

    Die Einkommensteuer (Personal Income Tax, kurz: PIT) ist in Nigeria im Personal Income Tax Act sowie im dazugehörigen Amendment geregelt. Wer in Nigeria ansässig ist, zahlt dort Einkommensteuer auf sein weltweites Einkommen. Wer nicht in Nigeria ansässig ist, zahlt lediglich auf sein in Nigeria erwirtschaftetes Einkommen Einkommensteuer. Das nigerianische Gesetz gewährt einen Freibetrag (consolidated relief allowance) in Höhe von 200.000 Naira oder ein Prozent des Bruttoeinkommens plus 20 Prozent des zu versteuernden Einkommens. Für niedrige Einkommen gibt es einen Mindeststeuersatz in Höhe von einem Prozent des zu versteuernden Einkommens

    Im Übrigen sind die Einkommensteuersätze wie folgt gestaffelt:

    Einkommen (in Naira)Steuersatz (in Prozent)
    auf die ersten 300.0007
    auf die nächsten 300.00011
    auf die nächsten 500.00015
    auf die nächsten 500.00019
    auf die nächsten 1.600.00021
    über 3.200.00024

    Umsatzsteuer

    Die Umsatzwertsteuer (Value Added Tax Act, kurz: VAT) ist in Nigeria im Value Added Tax Act und dem dazugehörigen Amendment geregelt. Der allgemeine Mehrwertsteuersatz wurde mit dem Finanzgesetz 2020 auf 7,5 Prozent erhöht. Zuvor lag er bei 5 Prozent. Bestimmte Güter sind von der Mehrwertsteuer befreit. Dazu gehören beispielsweise medizinische und pharmazeutische Produkte, Grundnahrungsmittel, Bücher und Bildungsmaterial sowie Exportprodukte. Die vollständige Liste ist in der First Schedule am Ende des Value Added Tax Act einsehbar. Unternehmen, die steuerpflichtige Leistungen erbringen, sind verpflichtet, sich innerhalb von sechs Monaten nach Aufnahme der Geschäftstätigkeit bei der Finanzbehörde FIRS (Federal Inland Revenue Service) zu registrieren.

    Seit 1. Januar 2021 sind ausländische Dienstleister, die keine Niederlassung in Nigeria haben und eine Dienstleistung an ein nigerianisches Unternehmen erbringen, verpflichtet, sich bei der FIRS zu registrieren und eine TIN (Taxpayer identification number) zu beantragen. In der Rechnung an den nigerianischen Geschäftspartner ist die Umsatzsteuer aufzuführen. Voraussetzung für die Registrierung ist, dass der ausländische Dienstleister innerhalb von 12 aufeinanderfolgenden Monaten einen Umsatz von mindestens 25.000 US-Dollar macht. Für ausländische Dienstleister gibt es ein vereinfachtes Registrierungsverfahren (Simplified Compliance Regime). Zur Unterstützung der ausländischen Dienstleister hat die FIRS die Guidelines on Simplified Compliance Regime for Value Added Tax (VAT) for Non-Resident Suppliers veröffentlicht.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Nigeria ist nicht Mitglied in einer überregionalen afrikanischen Organisation zum gewerblichen Rechtsschutz. Es gelten daher überwiegend lokale Gesetze.

    In Nigeria gelten im Bereich des Gewerblichen Rechtsschutzes unter anderem der Trade Marks Act, der Copyright Act und der Patents and Designs Act. Die Registrierung erfolgt zumeist über akkreditierte lokale Agenten für Gewerblichen Rechtsschutz. Das können zum Beispiel Anwaltskanzleien sein.

    Weitere Informationen zum gewerblichen Rechtsschutz in Nigeria sind abrufbar auf der Webseite der World Intellectual Property Organization (WIPO) sowie auf der Webseite des Trademarks, Patents and Designs Registry des Federal Ministry of Industry, Trade and Investments.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Regelungen zum Umweltschutzrecht findet man in Nigeria in vielen Gesetzen. Die Behörde NESREA überwacht die Einhaltung der umweltschutzrechtlichen Standards.

    Verfassungsrecht

    Gemäß der nigerianischen Verfassung hat der Staat die Aufgabe, die Umwelt zu schützen und zu verbessern sowie das Wasser, die Luft, den Boden, die Wälder und die Tierwelt Nigerias zu schützen.

    National Environmental Standards and Regulation Enforcement Agency (NESREA) Act

    Der nigerianische Staat hat außerdem die National Environmental Standards and Regulations Enforcement Agency (NESREA) gegründet. Deren Aufgabe ist es, umweltschutzrechtliche Standards, Verordnungen, Strategien und Richtlinien durchzusetzen und Verordnungen zum Schutz der Luft- und Wasserqualität, zur Begrenzung von Abwässern sowie zur Kontrolle von Schadstoffen und anderen Formen der Umweltverschmutzung zu erlassen und zu überprüfen. Dazu hat die NESREA verschiedene Verordnungen erlassen, beispielsweise zur Regulierung von Abwasser aus Industrieanlagen oder zur Ableitung von gefährlichen Stoffen in die Umwelt. So ist es grundsätzlich verboten, gefährliche Stoffe ohne Genehmigung in die Umwelt einzuleiten.

    Environmental Impact Assessment Act

    Nach dem Environmental Impact Assessment Act müssen private und öffentliche Projekte auf ihre Umweltverträglichkeit überprüft werden. Dazu muss vor Beginn eines Projektes ein schriftlicher Antrag bei der zuständigen Behörde gestellt werden.

    Neben diesen Gesetzen, die speziell für den Umweltschutz erlassen wurden, finden sich umweltschutzrechtliche Regelungen in vielen Gesetzen. Einige Beispiele sind der Land Use Act, der Endangered Species Act, der Sea Fisheries Act, der Oil Pipelines Act, der Petroleum Act, der Nuclear Safety and Radiation Protection Act, der Nigerian Mining Corporation Act, der Agriculture (Control of Importation) Act, der Factories Act oder der Water Resources Act.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Für Streitigkeiten sind in Nigeria entweder die bundesstaatlichen oder die einzelstaatlichen Gerichte zuständig. Jeder Bundesstaat hat eigene Gerichtsordnungen.

    Anerkennung und Vollstreckung

    Ein bilaterales Abkommen über die gegenseitige Anerkennung und Vollstreckung gerichtlicher Entscheidungen existiert zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Bundesrepublik Nigeria nicht. Die Anerkennung und Vollstreckung von Entscheidungen erfolgt daher nach nationalem Recht.

    Es wird hier darauf hingewiesen, dass die Gegenseitigkeit im Verhältnis zu Deutschland (siehe § 328 der deutschen Zivilprozessordnung) als verbürgt gilt.

    Gerichtssystem

    Das Gerichtssystem Nigerias ist unter anderem geregelt in Sections 6 und 230 ff. der nigerianischen Verfassung.

    Der Supreme Court ist das höchste Gericht. Er entscheidet über die Anwendbarkeit und Auslegung der Verfassung sowie über Streitigkeiten zwischen der Bundesrepublik Nigeria und den einzelnen Bundesstaaten. Daneben ist er zumindest teilweise zuständig für Streitigkeiten zwischen den einzelnen Bundesstaaten. 

    Der Court of Appeal ist die Berufungsinstanz gegen Urteile der unteren Gerichte. 

    In den unteren Instanzen gibt es die High Courts, die Magistrate beziehungsweise District Courts, die Customary Courts sowie die Sharia Courts. Die High Courts sind unter anderem zuständig für Streitigkeiten in Bezug auf die Besteuerung von Unternehmen, Zölle und Verbrauchsteuern, das Gesellschaftsrecht oder den Gewerblichen Rechtsschutz. Die Zuständigkeit der unteren Gerichte kann je nach Bundesstaat abweichen, da jeder Bundesstaat ein eigenes Gesetz für seine unteren Gerichte erlassen hat. Darüber hinaus gibt es spezialisierte Gerichte, beispielsweise den National Industrial Court, der unter anderem für arbeitsrechtliche Streitigkeiten zuständig ist.

    Schiedsgerichtsbarkeit

    Das New Yorker Übereinkommen vom 10. Juni 1958 über die Anerkennung und Vollstreckung ausländischer Schiedssprüche ist für Nigeria am 15. Juni 1970 in Kraft getreten.

    Informationen zum Übereinkommen finden sich auf der Webseite der United Nations Commission on International Trade Law. Dort ist außerdem eine Statustabelle abrufbar.

    Anwälte vor Ort

    Auf der Webseite der Deutschen Botschaft in Abuja und des Generalkonsulates in Lagos steht eine Liste von im Land tätigen Anwält:innen und Organisationen zur Hilfe bei Rechtsstreitigkeiten zum Abruf bereit.

    Katrin Grünewald

    Von Katrin Grünewald | Bonn

    Zur Sammelmappe hinzufügen
  • Über den Länderbericht Recht kompakt Nigeria hinaus finden Sie unter nachfolgenden Links weitere Informationen sowie Kontaktmöglichkeiten.

    Hinweis: Weitere Länderberichte aus der Reihe Recht kompakt sind online abrufbar.