Branchen | Philippinen | Verteidigungswirtschaft

Philippinen wollen mehr in Verteidigung investieren

Die Regierung sucht Partner für eine lokale Rüstungsindustrie. Die Deutsch-Philippinische Industrie- und Handelskammer (AHK) organisiert im Herbst eine Fachkonferenz zum Thema.

Von Boris Alex | Kuala Lumpur

Die Philippinen sind mit ihrer Lage im Südchinesischen Meer von großer strategischer Bedeutung in der Asien-Pazifik-Region. Auch vor dem Hintergrund des schwelenden Territorialkonflikts mit China will die philippinische Regierung künftig mehr in die Verteidigungsinfrastruktur investieren. Die Ausgaben für Militär und innere Sicherheit erreichten 2025 mit 6,3 Milliarden US-Dollar (US$) bereits einen Höchststand. Der Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) lag bei 1,3 Prozent, so die Daten des Stockholmer Friedensforschungsinstituts (Stockholm International Peace Research Institute, SIPRI). Im regionalen Vergleich positionierten sich die Philippinen damit im oberen Mittelfeld. Spitzenreiter in der ASEAN-Region war 2025 Singapur mit rund 17 Milliarden US$ und einem BIP-Anteil von 3 Prozent, so die SIPRI-Daten.

Mehr Budgetmittel für das Verteidigungsressort

Für 2026 ist eine weitere Steigerung der philippinischen Militärausgaben vorgesehen. So erhält das Verteidigungsressort (Department of National Defense; DND) dieses Jahr umgerechnet knapp 5 Milliarden US$ aus dem Bundeshaushalt und damit 9 Prozent mehr als im Vorjahr, so die Angaben der philippinischen Budgetbehörde CPBRD. Bis 2029 soll der Verteidigungshaushalt auf 6,2 Milliarden US$ steigen, so die Pläne der Regierung. Für die Modernisierung des Militärs stehen 2026 rund 650 Millionen US$ an Budgetmitteln zur Verfügung und damit 14 Prozent mehr als im Vorjahr. Der jährliche Budgetposten ist Teil des Revised AFP Modernization Program (RAFPMP) und ist sowohl für technische Upgrades bestehender Ausrüstung als auch für die Beschaffung neuer Rüstungsgüter vorgesehen.

Daneben hat das philippinische Parlament weitere 814 Millionen US$ als ungeplante Mittelzuweisung für das RAFPMP genehmigt. Diese können allerdings nur ausgegeben werden, wenn die Regierung im laufenden Haushaltsjahr höhere Einnahmen als geplant erzielt. Angesichts der angespannten Haushaltslage im Zuge des Irankriegs dürfte dies nicht der Fall sein.

Das Beschaffungsprogramm RAFPMP wurde 2013 gestartet und befindet sich seit 2024 in seiner dritten und letzten Phase (Re-Horizon 3). Diese ist auf zehn Jahre ausgelegt und sieht Rüstungsausgaben in Höhe von insgesamt 35 Milliarden US$ vor. Die Beschaffungsprojekte aus den ersten beiden Phasen wurden allerdings nur teilweise und oft mit Verzögerung realisiert. So wurde nur ein Fünftel der knapp 100 Vorhaben aus Horizon 2 abgeschlossen. Das Re-Horizon 3 Programm dürfte daher eher bis 2038 laufen. Flankiert wird die dritte Stufe vom Self-Reliant Defense Posture (SRDP) Revitalization Act. Dieser schafft den gesetzlichen Rahmen zum Aufbau einer nationalen Rüstungsindustrie, um den Archipel unabhängiger von Waffenimporten zu machen.

Einer Berechnung von SIPRI zufolge rangierten die Philippinen 2025 unter den Ländern mit den höchsten Rüstungseinfuhren auf Platz 10 und hatten einen Anteil von 2,5 Prozent an den weltweiten Rüstungsimporten. Damit hat das Land einen kräftigen Sprung nach vorne gemacht: 2024 lagen die Philippinen noch auf Rang 30 und im Jahr davor auf Platz 43. Laut nationaler Zollstatistik importierten die Philippinen 2024 unter anderem Waffen und Munition (ZT-Pos. 93) im Wert von 171 Millionen US$, Panzerfahrzeuge (ZT-Pos. 8710) für 39 Millionen US$ und Kriegsschiffe (ZT-Pos. 8906.10) für 31 Millionen US$. Wichtigste Lieferländer waren 20,24 Israel, Südkorea und die USA. 

ThyssenKrupp Marine Systems bewirbt sich um U-Boot-Auftrag

Im Rahmen von Re-Horizon 3 soll die Ausstattung der Marine- und Luftstreitkräfte modernisiert und ausgebaut werden. Die philippinische Regierung will unter anderem neue Kriegsschiffe und Kampfflugzeuge, moderne Raketensysteme sowie Ausrüstung zur Überwachung und Sicherung des Luftraums und der ausschließlichen Wirtschaftszone des rund 7.600 Inseln umfassende Archipel beschaffen. Die Liste der Regierung ist lang und sieht auch den Kauf von zwei dieselbetriebenen U-Booten vor. Auf die Ausschreibung haben sich das deutsch-italienische Konsortium von ThyssenKrupp Marine Systems und Fincantieri sowie die Naval Group (Frankreich), Navantia (Spanien) und Hanwha Ocean (Südkorea) beworben. Das Auftragsvolumen bewegt sich nach Angaben des Verteidigungsresorts DND zwischen 1,3 Milliarden und 1,9 Milliarden US$.

Die Luftstreitkräfte sollen im Rahmen von Re-Horizon 3 zwölf Mehrzweckkampfflugzeuge erhalten. Langfristig könnten bis zu 40 Kampfjets sowie Tankflugzeuge und AWACS-Aufklärer beschafft werden, so Presseinformationen. Im Juni 2025 hatte die philippinische Luftwaffe zwölf leichte Kampfflugzeuge des Typs FA-50 von Korea Aerospace Industries (KIA) geordert - Kaufpreis 700 Millionen US$. Die Jets sollen bis Ende 2030 ausgeliefert werden. Zudem werden die zwischen 2015 und 2017 angeschafften elf FA-50 von KIA bis 2029 für weitere 64 Millionen US$ modernisiert.

Philippinische Regierung ist stark an Kooperationen interessiert

Traditionell waren die USA der wichtigste Rüstungslieferant, doch in den vergangenen Jahren wurden auch Aufträge an Hersteller unter anderem aus Israel, Südkorea, Brasilien, Südafrika, Spanien und der Türkei vergeben. Die philippinische Regierung ist stark an internationalen Kooperationen interessiert, die Technologietransfer sowie den Aufbau einer lokalen Lieferkette bieten.

Um dieses Geschäftspotenzial zu nutzen, organisiert die Deutsch-Philippinische Industrie- und Handelskammer (AHK) im Oktober 2026 im Rahmen eines Markerschließungsprogramms eine Unternehmensdelegation und Konferenz zur Sicherheits- und Verteidigungsbranche in Manila. Die nächste Branchenmesse, die Asian Defense and Security Exhibition (ADAS), findet im September 2027 in Manila statt.