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Flughafenprojekt Port Polska zwischen Verzögerung und Aufbruch

Der Baustart des Flughafens Port Polska verschiebt sich. An den Perspektiven für deutsche Firmen ändert das wenig. Das Großprojekt bietet erhebliche Geschäftschancen.

Christopher Fuß

Von Christopher Fuß | Warschau

Eigentlich sollten die Bauarbeiten am Flughafen Port Polska im September 2026 beginnen. Nun verschiebt sich der Start um einige Wochen, wie die staatliche Projektgesellschaft bekannt gab. Grund sind ausstehende Genehmigungsverfahren. Die Arbeiten an den Fundamenten sollen nun bis November 2026 anlaufen. Damit würde eines der größten Infrastrukturprojekte Polens von der Planung in die Umsetzung wechseln.

Für deutsche Unternehmen bleibt das Projekt attraktiv. Zahlreiche Aufträge sind noch nicht vergeben. Ein Beispiel ist der Bau des Passagierterminals. Bis Anfang September 2026 nahm die staatliche Projektgesellschaft des Flughafens Angebote entgegen. Teilnahmeberechtigt waren Unternehmen, die sich zuvor für einen sogenannten wettbewerblichen Dialog qualifiziert hatten. Bei diesem Verfahren entwickeln Auftraggeber und potenzielle Aufragnehmer die Rahmenbedingungen einer Ausschreibung.

Zu den Bietern zählt der deutsche Baukonzern Hochtief. Gemeinsam mit dem polnischen Unternehmen Polimex Mostostal reichte er ein Angebot ein. Die Konkurrenz ist groß. Fünf Konsortien bewerben sich um den Zuschlag. Das Passagierterminal gehört mit einem geschätzten Wert von 1,2 Milliarden Euro zu den größten Einzelprojekten des Port Polska. Bis Anfang 2027 will die staatliche Projektgesellschaft entscheiden, wer den Auftrag erhält.

Bewerber aus Deutschland können sich durchsetzen

Chancen existieren nicht nur für Bauunternehmen, sondern auch für Anbieter von technischer Ausrüstung. Seit Juni 2026 führt die Port Polska-Gesellschaft einen wettbewerblichen Dialog, um Lieferanten für die Fluggastbrücken auszuwählen. Zwei Unternehmen qualifizierten sich für das Verfahren, darunter TK Elevator aus Deutschland. Noch im Laufe des Jahres 2026 will die Projektgesellschaft die Ausschreibung veröffentlichen. 

TK Elevator ist noch bei einem weiteren Vorhaben im Rennen. Das Unternehmen will Aufzüge und Rolltreppen an den Flughafen liefern. Derzeit läuft der wettbewerbliche Dialog. Die Auswahl des Lieferanten soll bis zum 1. Quartal 2027 erfolgen.

Dass sich deutsche Anbieter im internationalen Wettbewerb behaupten können, zeigt ein bereits vergebener Auftrag. Vanderlande Logistics aus Nürnberg, früher Siemens Logistics, erhielt 2025 den Zuschlag für die Gepäckförderanlage des Flughafens.

Milliardeninvestitionen in Flughafen und Schienenwege

Die Dimension des Projekts ist enorm. Allein zwischen Januar und Juli 2026 leitete die Projektgesellschaft des Flughafens Ausschreibungen im Wert von rund 3,3 Milliarden Euro ein. Bis Ende des Jahres sollen weitere Verfahren im Umfang von rund 9,3 Milliarden Euro starten. Die Vorhaben betreffen den Flughafen und auch die Verkehrs- und Schieneninfrastruktur.

Bestandteil des Port Polska-Projekts ist der Bau eines Netzes für Hochgeschwindigkeitszüge. Die Strecken sollen Warschau mit dem Flughafen verbinden. Anschließend führt die Trasse weiter nach Łódź sowie über eine Gabelung nach Poznań und Wrocław. Aufgrund dieses Verlaufs wird die Strecke häufig als Y-Verbindung bezeichnet.

Auch im Bahnbau eröffnen sich Chancen für deutsche Unternehmen. In Łódź laufen die letzten Vorbereitungen für den Bau eines Eisenbahntunnels. Hochgeschwindigkeitszüge werden ihn künftig durchfahren, um zum Flughafen zu gelangen. Die Tunnelbohrmaschine lieferte der baden-württembergische Maschinenbauer Herrenknecht.

Viele Aufträge für die Schienen- und Straßeninfrastruktur sind noch nicht vergeben. Die Projektgesellschaft hat die Vorhaben in einzelne Bauabschnitte unterteilt. Sie befinden sich in unterschiedlichen Planungs- und Vergabestadien.

So haben sich für einen 14,3 Kilometer langen Schienenabschnitt zwischen dem Flughafen und dem Verkehrsknotenpunkt Bolimów 19 Unternehmen beworben. Beim Ausbau der Straßenanbindung ist man bereits einen Schritt weiter: Zwei Aufträge für den Ausbau der Autobahn A2 zwischen Warschau und Łódź gingen an das österreichische Bauunternehmen Strabag.

Siemens bewirbt sich um Hochgeschwindigkeitszüge

Vor allem die Schienenprojekte eröffnen noch Geschäftschancen. Um die neuen Strecken bedienen zu können, muss Polen erstmals Züge für Geschwindigkeiten von bis zu 320 Kilometern pro Stunde beschaffen. Der staatliche Fernverkehrsbetreiber PKP Intercity plant den Kauf von mindestens 20 Zügen. Insgesamt vier Unternehmen und Konsortien bewerben sich, darunter Siemens Mobility. Bis Herbst 2027 soll feststehen, wer den Auftrag erhält.

Ob sich der deutsche Zughersteller durchsetzen kann, ist offen. Zu den Konkurrenten zählt der polnische Hersteller PESA, der gemeinsam mit Hitachi Rail antritt. Das japanische Unternehmen gilt als einer der weltweit wichtigsten Anbieter von Hochgeschwindigkeitszügen.

Siemens wollte ebenfalls mit einem polnischen Hersteller kooperieren. Der Partner NEWAG aus Nowy Sącz zog sich jedoch im Juni 2026 aus dem gemeinsamen Vorhaben zurück. Als Grund nannte NEWAG fehlende Einigung über die Bedingungen der Zusammenarbeit.

Lokale Partner und der Preis sind wichtig

Für Siemens sind dies keine guten Nachrichten. Die polnische Regierung will bei öffentlichen Investitionen die heimische Wertschöpfung erhöhen. Dies ist Teil ihrer Local-Content-Strategie. Vor diesem Hintergrund kann die Zusammenarbeit mit einem lokalen Partner die Erfolgschancen verbessern.

Nicht nur die Bahngesellschaft PKP Intercity will neue Züge kaufen. Auch die Projektgesellschaft Port Polska kündigt an, Schienenfahrzeuge zu beschaffen. Diese sollen unter der Marke Aero-Express den Flughafen mit mehreren Ballungsräumen verbinden. Anders als die Hochgeschwindigkeitszüge von PKP Intercity werden die Fahrzeuge auf eine Höchstgeschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde ausgelegt sein. Die Ausschreibung soll noch 2026 starten.

Dass ein fehlender polnischer Partner nicht zwangsläufig ein Ausschlusskriterium ist, zeigt die Vergabe des General Contract Engineer, der vereinfacht als Bauleitung des Gesamtprojekts bezeichnet werden kann. Den Zuschlag erhielt ein Konsortium aus den USA und Frankreich.

Der Fall zeigt auch, dass der Preis weiterhin eine zentrale Rolle spielt. Das erfolgreiche Angebot lag mit knapp 350 Millionen Euro deutlich unter den Offerten der Wettbewerber. Trotz Local-Content-Strategie verlieren klassische Zuschlagskriterien damit nicht an Relevanz.

Die Projektgesellschaft des Port Polska veröffentlicht einen Übersicht der geplanten Ausschreibungen bis 2028 auf ihrer Internetseite.

Ausschreibungen erscheinen auf dem Ausschreibungsportal des Flughafens.