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Taiwanischer Technologiepark in Südwestpolen geplant

Nach dem Rückzug von Intel wollen taiwanische Unternehmen auf dem freien Grundstück bei Wrocław investieren. Das Vorhaben könnte auch für deutschen Firmen interessant werden.

Von Christopher Fuß | Warschau

Der taiwanische Elektronikverband TEEMA will gemeinsam mit Foxconn in Miękinia bei Wrocław einen Technologiepark errichten, wie die Initiatoren das Vorhaben bezeichnen. Die Standortentscheidung gab TEEMA-Vizegeneralsekretär Tsai Sung-hui Ende Juni 2026 auf der Taiwan Expo in Warschau bekannt. Bereits im März 2026 hatte der Verband angekündigt, einen Technologiepark in Polen aufzubauen, damals jedoch noch ohne einen konkreten Standort zu nennen.

Der Technologiepark soll auf dem Gelände entstehen, auf dem ursprünglich der Chiphersteller Intel ein Werk errichten wollte. Das US-Unternehmen zog sich jedoch im Zuge eines Sparprogramms von dem Projekt zurück. Der taiwanische Technologiepark soll rund 150 Hektar der insgesamt etwa 400 Hektar großen Fläche nutzen.

Viele Ankündigungen und viele offene Punkte

Nach Angaben von Vertretern des Verbands und der taiwanischen Regierung werden sich neben Foxconn vor allem Hersteller von KI-Servern, Drohnen sowie Komponenten für Elektrofahrzeuge ansiedeln. Auch von Lösungen für digital vernetzte Städte und Fabriken ist die Rede. Nach Angaben des polnischen Staatssekretärs im Wirtschaftsministerium, Michał Jaros, werden die Unternehmen vor Ort nicht nur produzieren, sondern auch forschen.

Konkrete Investitionssummen haben die Beteiligten bislang nicht genannt. Derzeit liegen lediglich Absichtserklärungen vor. Auch bleibt offen, welche Unternehmen sich neben Foxconn tatsächlich im Technologiepark niederlassen. TEEMA wirbt unter seinen rund 3.000 Mitgliedsfirmen für das Vorhaben. Laut einem Interview von Radio Wrocław mit Staatssekretär Jaros will der Verband im November 2026 erste interessierte Unternehmen vorstellen.

Fest steht bereits, dass der Technologiepark mit dem geplanten polnisch-taiwanischen Elektroautoprojekt in der Woiwodschaft Śląskie zusammenarbeiten soll. In Jaworzno bei Katowice wollen das polnische Staatsunternehmen EMP und Foxconn gemeinsam Elektroautos bauen. Auch dieses Vorhaben befindet sich bislang noch in der Phase von unverbindlichen Absichtserklärungen.

Überregionale Bedeutung des Vorhabens

Für deutsche Unternehmen ist der Technologiepark aus mindestens drei Gründen relevant. Erstens könnte sein Bau die Nachfrage nach Industrie- und Gebäudeausrüstung erhöhen, darunter Luftfilter, Wasseraufbereitungsanlagen und elektrotechnische Infrastruktur.

Zweitens liegt Miękinia nur knappe drei Autostunden von Dresden entfernt. Der taiwanische Chiphersteller TSMC baut in der sächsischen Landeshauptstadt eine Halbleiterfabrik. Obwohl bislang nur wenige Details zu den Unternehmen im Technologiepark Miękinia bekannt sind, könnten sich auf der polnischen Seite der Grenze taiwanische Zulieferer für das Chipwerk und die Halbleiterregion Silicon Saxony ansiedeln.

Drittens könnte ein taiwanischer Industrie- und Entwicklungsstandort in Europa auch die Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen stärken. Die Schwerpunkte des Technologieparks liegen in Bereichen, in denen deutsche und taiwanische Unternehmen bereits heute zusammenarbeiten. Entsteht in Polen ein größeres Industriecluster, dürfte das neue Anknüpfungspunkte für weitere Partnerschaften schaffen.

So betreiben ZF Friedrichshafen und Foxconn seit 2024 das Joint Venture ZF Foxconn Chassis Modules, das Achs- und Fahrwerksmodule für die Automobilindustrie fertigt. Infineon und Foxconn kooperieren zudem bei Siliziumkarbid-Leistungshalbleitern und weiteren Technologien für Elektrofahrzeuge. Mercedes-Benz betreibt in der Nähe des geplanten Technologieparks ein Batteriewerk und arbeitet zugleich mit dem taiwanischen Unternehmen ProLogium an Feststoffbatterietechnologien.

Im Drohnensektor kooperiert die taiwanische Forschungseinrichtung NCSIST mit dem Softwareunternehmen Auterion, das unter anderem ein Entwicklungsbüro in München betreibt. Beide Partner arbeiten an autonomen Drohnensystemen.

Für Foxconn wiederum würde die Investition den Ausbau seiner Produktions- und Entwicklungspräsenz in Europa bedeuten. Größere Produktionsstandorte betreibt das Unternehmen bereits in Tschechien.